bilder und texte, die dich durchdringen

wir denken oft, dass wir abgebrüht sind und uns kaum was erschüttern kann. stimmt ja auch. vor bomben und giftgas fliehende, an ufern angespülte ertrunkene kleinkinder, erstickte in kühltransportern… die liste der bilder, die uns für ein paar sekunden zusammenzucken liessen und dann doch wieder verdrängt werden (mussten), ist lang.

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in diesen tagen habe ich nach vermutlich 50 jahren wieder ein „comic“ gelesen. allerdings nicht irgendeins. es ist eine als „graphic novel“ zusammengestellte abfolge von fotoreportagen – „ein Feldtagebuch zweier Reporter, die die EU-Außengrenzen vom afrikanischen Kontinent bis in die Arktis bereisen, um die Ursachen und Auswirkungen der europäischen Identitätskrise zu ergründen.“

in drei jahren erkundeten der fotograf carlos spottorno und der reporter guillermo abril die abgründe, die europa vom rest der welt abschotten sollen. dabei ist die bild- und textsprache des spanischen duos wohl deswegen so eindrucksvoll, weil sie nicht der versuchung erliegen, das schnelle sensationsbild, die wilde schlagzeile zu suchen, sondern nachvollziehbar in das reale geschehen an den jeweiligen zielorten ihrer reisen eintauchen und uns als betrachter*innen, leser*innen mitnehmen.

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umso kräftiger sind die bilder aus der spanischen enklave melilla auf dem afrikanischen kontinent, aus griechenland und bulgarien, von einem italienischen militärschiff der operation „mare nostrum“, aus serbien und kroatien, aus polen, ukraine, estland und schliesslich finnland.

wer dieses buch gelesen hat, wird niemals mehr das wort „eu-aussengrenze“ einfach so aussprechen oder über sich ergehen lassen. viel zu tief sind die eindrücke von lebensgefahr, tod, verzweiflung, auseinandergerissenen familien und dem dumpfen gefühl, dass wohl alles eine himmelschreiende ungerechtigkeit ist.

guillermo abril formuliert es einmal so: „Man spürt, dass irgendetwas in der Welt nicht stimmt, wenn man selber so ohne weiteres die Grenzen überschreiten kann, nur deswegen, weil man zufällig in jenem Teil geboren ist. Während die, die im anderen Teil geboren sind, dies nicht können.“

das literaturhaus salzburg widmet dem buch „la grieta“, das in deutscher sprache unter dem titel „der riss“ erschienen ist, eine hauserfüllende ausstellung.

am donnerstag, 12.4.2018 um 19:30 werde ich im literaturhaus salzburg mit carlos spottorno und guillermo abril persönlich über den werdegang der reportagen, die berührensten augenblicke und die wichtigsten erkenntnisse aus diesen drei jahren am rand der „festung europa“ sprechen. (eintritt frei)

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die vernissage zu dieser ausstellung ist gleichzeitig die eröffnung des festivals „europa der muttersprachen“, welches bis zum 30. juni 2018 im literaturhaus andauert. (mehr dazu hier in diesem programmheft)

manchmal wird es in den schilderungen der beiden entdecker von realen dramen sehr betrüblich, sehr dumpf und düster. machtblöcke und dunkle mächte werden unerträglich spürbar, stellen sich aber – selbstredend – niemals direkt vor die kamera. spitzel tauchen auf, strenge kontrollen werden zum spiessrutenlauf.

ob in den wüsten nordafrikas, in den wogen des grössten friedhofs für geflüchtete menschen, dem mittelmeer, ob an den grenzen zur türkei oder in den wäldern weissrusslands, überall schlummert eine erschütternde übermacht, die individuen, also einzelne menschen einfach so zu zermalmen droht.

gleich am anfang schildern die beiden eindringlich die beengte stimmung in der enklave melilla, die nur wenige quadratkilometer zwischen todeszäunen platz hat. am ende des buches wird klar, dass ganz europa eine enklave ist.

dennoch scheinen carlos spottorno und guillermo abril niemals den glauben an eine chance auf friedliche lösungen und konstruktive entwicklungen verloren zu haben. anders hätten sie wohl auch diese reiseberichte nicht geschafft.

zu eindringlich ist die wirklichkeit.
eine wirklichkeit in text und bildern.
bilder und texte, die dich durchdringen

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das buch „der riss“ ist 2017 im avant-verlag erschienen.

gedenkjahr? schluss mit dem versteckspiel.

salzburg scheint eine tradition des versteckens zu haben. so ist das antifaschismus-mahnmal am bahnhofvorplatz, also südtiroler platz in seiner unscheinbarkeit inzwischen kaum mehr zu übertreffen.

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foto: stadtgemeinde salzburg / pressebild

im volksmund längst als „taubenschlag“ bezeichnet, wurde 2002 der entwurf einer „hütte“ des künstlers heimo zobernig ausgewählt, der eingravierte text in nur schwer zu lesen, nämlcih an der unterseite des daches, also nur, wenn wer unmittelbar im mahnmal steht und den blick zufällig nach oben wendet. dort steht dann:

Die Stadt Salzburg bekennt und betrauert, dass auch hier Verbrechen des Nationalsozialismus geschehen sind und BürgerInnen dieser Stadt sich daran mitschuldig gemacht haben. Opfer dieser Barbarei waren: Juden und Jüdinnen, psychisch Kranke und Behinderte, Sinti und Roma, Homosexuelle Künstlerinnen, politisch Andersdenkende, Widerstandskämpferinnen, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiterinnen.

Die Erinnerung an diese dunklen Jahre ist zugleich Verpflichtung zu einem „Nie wieder.“ Ein Leben in humaner Würde beruht auf den Prinzipien der Demokratie und der Menschenrechte. Diese Grundsätze sind allerdings nicht selbstverständlich, sondern müssen gegen den Ungeist eines heute wieder verstärkt zu beobachtenden Alltagsfaschismus wachsam verteidigt und immer wieder neu errungen werden.

Das Andenken der Opfer von gestern zu ehren heißt, sich heute aktiv gegen alle Formen des Faschismus und für die Wahrnehmung der Menschenrechte zu engagieren.

das mahnmal war auf einem fast leeren vorplatz unmittelbar nach der umgestaltung des vorplatzes noch einigermassen sichtbar, aber inzwischen verschwindet es in einem wald, der wohl salzburgs zenralstes und sicherstes (weil unter den augen der bahnhofwachstube) hundeklo zu sein scheint.

noch viel versteckter ist das auf initiative von wolfgang radlegger ermöglichte mahnmal in memoriam bücherverbrennung von zoltan pap. hier eine kurze bildgeschichte, wo dieses kunstwerk steht:

der unipark nonntal

unipark_IMG_1603foto: bernhard jenny cc by

hat einen innenhof

unipark_IMG_1602foto: bernhard jenny cc by

der hinter verglasung einen blick in das kellergeschoss des unigebäudes erlaubt

unipark_IMG_1601foto: bernhard jenny cc by

dort ist dann ein mahnmal zu erahnen

unipark_IMG_1600foto: bernhard jenny cc by

das nur von oben betrachtet werden kann, aber…

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foto: bernhard jenny cc by

exklusiv für besucher*innen der bibliothek wirklich gut sichtbar wird.

zoltan pap Mahnmal quad

foto: universität salzburg, pressebild

der künstler zitiert in dieser skulptur erich fried

Ça ira?

Die Verbrechen von gestern
haben
die Gedenktage
an die Verbrechen von vorgestern
abgeschafft

Angesichts
der Verbrechen von heute
machen wir uns zu schaffen
mit den Gedenktagen
an die Verbrechen von gestern
Die Verbrechen von morgen
werden uns Heutige
abschaffen
ohne Gedenktage
wenn wir sie nicht verhindern

Erich Fried

(Es ist was es ist; Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte. Berlin 1983.)

dieses mahnmal soll an die bücherbrennung vom 30.4.1938 auf dem residenzplatz erinnern. die öffentlichkeit für dieses kunstwerk ist zumindest reduziert.

was zu denken geben muss:

inzwischen hat sich die stadt zu einem mahnmal am ort des geschehens – residenzplatz salzburg – durchgerungen. obwohl schon vor jahren überlegungen angestellt worden waren, ein weithin gut sichtbares zeichen dort zu setzen, wurde bereits im vorfeld klar, dass eine gewisse schüchternheit wohl grundvoraussetzung für den zuschlag sein wird.

eine jury wählte als sieger-projekt den entwurf „buchskelett“ von fatemeh naderi und florian ziller aus.

nach „unscheinbar im hunde klo wald“ und „in kellergeschoss“ kommt nun auf dem residenzplatz „im boden versenkt“. das mahnmal wird am 30.4.2018 feierlich eingeweiht.

entwurf_buchskelett_004612211foto: stadt salzburg, pressebild honorarfrei

irgendwie scheitert die sichtbarkeit immer wieder. das kann kein zufall sein.

das gedenkjahr 2018 könnte anlass sein,
sich der sichtbarkeit wirklich anzunehmen.
gedenkjahr? schluss mit dem versteckspiel.

verrückte braucht das land

lange vor der eröffnung des „coworking salzburg‟ 2012 war an verschiedenen bruchstellen und zwischenräumen der so in sich ruhenden und satten stadt davon zu hören. machte „sie‟ von sich hören? schlug „sie‟ so kräftig auf den busch, dass es unüberhörbar sein musste? oder war es diese „unerhörtheit‟, diese „anmassung‟, die für eigendynamik in den gerüchteküchen sorgte? wohl beides. und wie.

kein zwischenraum, kein leerstand, kein ort der inszenierten ratlosigkeit, keine städtische brache, kein öffentlicher platz in der stadt, kein treffen von kreativen, kein irgendwie sich ereignendes neues wahrzeichen für erneuerung zwischen den altstadtmauern – wie jener kunstvoll gestaltete „igel‟ auf dem mozartplatz wohl gemeint war – und keine gerade noch irgendwie freien räume in der argekultur waren sicher. überall tauchte diese frau auf. die romy. und gleich noch ein paar verrückte dabei. frechheit.

wirkliche gründerinnen sind immer gründerinnen. sie brauchen dazu weder konkrete plätze, noch häuser, weder zusagen, noch businesspläne. sie wissen, was sie gründen, und sie wissen, dass sie es gründen.

kein satz begann mit „dürfen wir fragen‟ oder „es müsste was geschehen‟, kein „vielleicht sollten wir‟ oder „wenn wir genügend unterstützung bekommen, dann‟. die manchmal verblüfften gegenüber wurden stets mit „wir wollen hier‟ und „wir werden‟ und „wir gründen‟ überrascht. also kein „wenn‟ und „aber‟, sondern immer ein „machst du mit?‟ oder „was kannst du für unser projekt tun?‟ beim hinausgehen dann statt eines relativierenden abschieds der satz der gewissheit: „es wird coworking salzburg geben.‟

unerhört. geht gar nicht. schon gar nicht ohne politische lager, parteiorganisationen oder sonstige traditionen. „die glauben, sie können einfach machen‟ war eine dieser angstbesetzten reaktionen auf so viel chuzpe.

was auch immer mit „coworking‟ und „space‟ gemeint war, es schien von haus aus unvermeidbar. immobilien und gründstücke hätten wohl in die nichtexistenz fliehen müssen, um nicht auf dem radarbildschirm der standortsuche zu landen. das ding war beschlossene sache. lange bevor es einen standort hatte.

wer sich daran macht, dinge umzusetzen, ohne dafür real greifbare, handfeste fakten zu haben, landet nicht immer auf den doppelseiten der mainstreampresse, in den artikeln der vorzeigemagazine, auf den onlineplattformen der hipen kreativen. manchmal werden solche menschen auch für verrückt erklärt.

eben diesen grad der verrücktheit aber braucht es anscheinend, um die chancen zu spüren, die freiräume zu ahnen und den möglichkeiten entsprechende wirklichkeiten anzubieten.

alles easy? auch als der standort gefunden war, endeten die „das geht so sicher nicht‟-rufe keineswegs. aber es wurden sukzessiv weniger und sie wurden leiser. dass 60 von 100 solchen projekten scheitern, solche fakten erstaunen angesichts der begeisterung, die so ein neuanfang, ein entstehen von etwas noch nicht da gewesenem, bei vielen auslöst. sowohl die coworkerinnen der ersten stunde, als auch die langsam wachsende fangemeinde, alle verbreiteten einen wohltuenden optimismus. gut für die stadt. gut für die gemeinschaft.

es wird fast unwichtig, ob jemand wirklich bis ins letzte verstanden hat, was da läuft, aber geredet wird darüber. aus skeptischen statements werden nun immer öfter andächtige reden. „wir haben es uns immer schon gedacht.‟ plötzlich wollen viele dabei gewesen sein. schon damals, als alles erst nur eine verrückte idee gewesen war.

so ein standort für neues wird unweigerlich zur bühne. irgendwie sind alle immer „on stage‟ in diesem space und „backstage‟ ist fast nicht gegeben. denn selbst die rückzugsräume, die küche, das fensterlose „verhörzimmer‟ oder die zwischengänge, alles ist „part of the show‟.

(fortsetzung / der gesamte artikel ist im buch siehe unten nachzulesen)

https://vimeo.com/220631764

den gesamten artikel gibt es im buch

dowhatyoulove buch cover

„Do what you love“ – the coworking guide to the galaxy
von Romy Sigl und Romana Hasenöhrl
zu lesen.

Erhältlich auf http://www.COWORKINGSALZBURG.com
ISBN 978-3-200-05115-7

junger afghane sitzt in schubhaft – lebensgefahr durch unverschuldetes fristversäumnis?

hamed ahmadi wurde heute morgen in niedernsill abgeholt und wird nun in die schubhaft gebracht. für das fristversäumnis, das dem jungen gut integrierten menschen zum lebensgefährlichen verhängnis werden könnte, kann der betroffene nichts. während der zuständige richter über das zu spät eingebrachte rechtsmittel noch nicht entschieden hat, will die fremdenbehörde die abschiebung nun einfach durchsetzen.

eine reihe von unterstützer*innen will sich gegen die abschiebung wehren.

sie ersuchen dringend, die abschiebung von hamed ahmadi zu stoppen, damit der anhängige antrag auf wiedereinsetzung vom vwgh entschieden werden und hamed ahmadis fall in der zweiten instanz behandelt werden kann:

Rechtsberatung hat Rechtsmittel zu spät eingebracht, und Versehen eingestanden

Hamed AHMADI hat im März 2016 in erster Instanz einen negativen Bescheid erhalten. Das Rechtsmittel dagegen wurde von der zugewiesene Rechtsberatung zu spät eingebracht.

Das war leider vorerst niemandem bekannt. Erst ein Jahr später kam die Information, dass es in diesem Fall zu einer Fristversäumnis gekommen ist. Daraufhin hat die Rechtsberatung sofort einen Antrag auf Wiedereinsetzung gestellt und selbst betont, dass die Fristversäumnis aufgrund von Arbeitsüberlastung seitens der Einrichtung selbst passiert ist. Der Richter am VwGH hat darüber bis dato nicht entschieden. Daher wurde Hamed AHMADI heute morgen, Donnerstag, 7. September 2017, aus seinem Wohnort abgeholt.

Hamed AHMADI ist gut integriert, spricht Deutsch, arbeitet als Saisonier

Hamed AHMADI ist von einer Gruppe ehrenamtlicher UnterstützerInnen seit seiner Ankunft in Niedernsill begleitet worden und bestens integriert. Auch laut Angaben des Bürgermeisters ist er mittlerweile ein gut integrierter Mann in Niedernsill und beherrscht Deutsch auf Niveau B1 (mit Zertifikat). Er war einer der wenigen Menschen, die in der laufenden Sommersaison in einem Gastgewerbebetrieb (Gasthof Kröll in Niedernsill) als Saisonier beschäftigt worden war.

Wir bitten eindringlich, dass Hamed AHMADI die Chance bekommt, dass sein Antrag auf Wiedereinsetzung entschieden wird, und er aufgrund seiner gelungenen Integration in Niedernsill bleiben darf.
Der Verfahrensfehler wurde von seiner Beratungsstelle zugegeben und soll nicht zu derartig schwerwiegenden Folgen für ihn führen.

Bitte setzen Sie sich für ihn ein und stoppen Sie die Abschiebung. Sie haben all unsere Unterstützung.

Innenministerium: ministerbuero@bmi.gv.at
Bundespräsident: buergerservice@hofburg.at
BFA Salzburg: BFA-RD-S-Einlaufstelle@bmi.gv.at

und auf fb berichten die unterstützer*innen weiter:

Hamed lebt bereits seit März 2015 in Niedernsill im Pinzgau, wo er sich hervorragend integriert hat. Er hat Deutsch gelernt (B1-Zertifikat) und von Anfang an gearbeitet – gemeinnützige Arbeit in der Gemeinde bzw. hat er als gelernter Schneider versucht, sich nützlich zu machen. Heuer im Sommer ist es gelungen, für ihn eine der wenigen Saisonnierskontingentbewilligungen zu bekommen und er konnte als Abwäscher im Niedersiller Gasthof Kröll arbeiten. Durch eine Fristversäumnis seines Rechtsberaters wurde er um die Möglichkeit gebracht, dem Richter seine Situation und gute Integration in Österreich darzulegen.

In Niedernsill im Pinzgau gibt es eine Integrationsgruppe, die sich dazu entschlossen haben, etwas für die Asylwerber im Ort zu tun. Ehrenamtliches Deutschtraining, persönliche Kontakte, Organisation von Begegnungscafes und dann Hilfe bei allen möglichen Problemen – bis zur Arbeits- und Wohnungssuche. Gemeinsam mit dem persönlichen Engagement der Asylwerber ist vieles gelungen, was scheinbar unmöglich war.

All diese Bemühungen sind scheinbar überflüssig und werden mit dieser drohenden Abschiebung zunichte gemacht.

Ein Mensch wird ohne Rücksicht auf seine erfolgreichen Bemühungen der Integration in unserem Land eingepackt und verschickt.

Diese Ungerechtigkeit können und wollen wir nicht einfach geschehen lassen! Lasst uns gemeinsam auf die drohende Abschiebung von Hamed aufmerksam machen und zeigen, dass wir damit nicht einverstanden sind! #herzstatthetze #wirstehenzusammen

wahlkampf ist. das begünstigt die scharfmacher*innen. da sollen exempel statuiert werden. schliesslich muss die xenophob-veranlagte zielgruppe bei der stange gehalten werden. kurz und strachig.

dass es um lebensbedrohliche situationen geht, ist da einfach in kauf zu nehmen…

junger afghane sitzt in schubhaft – lebensgefahr durch unverschuldetes fristversäumnis?

politavantgarde dynamisiert stadt salzburg

der amtierende bürgermeister der stadt salzburg ist noch gar nicht zurückgetreten. er hat den rücktritt nur angekündigt. und schon wird die stadt von einer schier unfassbaren dynamik erfasst. kaum jemand hätte darauf wetten abgeschlossen, dass ausgerechnet salzburg mit einer reihe von kandidat_innen atemberaubende persönlichkeiten in den mittelpunkt bringt.

selten noch war es derart spannend, wer denn jetzt wirklich das rennen um das höchste amt der landeshauptstadt machen könnte. eines dürften aber alle wahlwerbenden parteien erkannt haben: ein neuanfang muss her, „bewegung“ wie das jetzt auf neupolitisch heisst, zukunftsorientiert und mit umwerfendem elan ausgestattet.

der eine ist schon länger auf plakatwänden zu sehen, war uns etwas verfrüht für 2019 angepriesen worden und hat uns schon mal gemeinsam mit seiner frau einen schönen sommer gewünscht. das pfeift!

mit soviel dynamik waren die mitbewerbenden gruppen unmittelbar herausgefordert, weshalb die anderen schon mal ihren altbekannten vize als jetzt runderneuert und lammfrommen kandidaten aufstellen. wer sich jahrzehntelang rechtsaussen aus dem beiwagen gelehnt hat, kann garantiert auch die zugmaschine lenken, so sagen die fahrschulexpert_innen.

resigniert mussten die blaubraunen auch einen neuling suchen, gingen in die küche brainstormen (sorry in diesen kreisen sagen die wohl eher: „hirnwinde blasen lassen“) und schon hatten sie ihren kandidaten.

da war es nur logisch, dass die bürgerliste an einer noch grösseren überraschung basteln musste. sie fanden auch einen idealen kandidaten, nämlich einen, auf den nicht einmal er selbst gewettet hätte. ein „beim verkehr habe ich aufgegeben“-kandidat ist allerdings ein starkes signal an die feministisch denkende basis.

einzig den neos fiel entgegen ihres einwort-partei-programms nichts neues ein. sie scheiterten an der vorgabe (woher eigentlich???) bitte nur männer als kandidaten aufzustellen und treten wenig überraschend mit ihrer stadträtin an. das bringt die homogene männerselbsthilfegruppe ordentlich ins wanken.

ein verzweifelter bürger für salzburg wirft sich dann noch im letzten moment in die riege, irgendwer muss ja für konservative ruhe und stabilität sorgen – angesichts einer so ausser kontrolle geratenen politlandschaft.

egal wer gewinnt, salzburg zeigt mut, dynamik, genderbewusstsein und hört auf jene, die die basis bilden, die wählen sollen. das kann uns nur zuversichtlich stimmen. die wahlbeteiligung wird alle rekorde sprengen. wir sind modern!

eine politavantgarde dynamisiert stadt salzburg.

 

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foto: bernhard jenny cc by

erfolg messen? wie?

jahresberichte feiern oft. steigerung. mehr. grösser. weiter. dass das nicht immer so sein muss, ja gar nicht sein kann, wissen wir zwar, aber wir verdrängen es nur allzu oft. erfolge wachsen nicht von selbst, und nicht ins unendliche. wenn bei den leser_innen dieses jahresberichts dann trotzdem das bild entsteht, dass die argekultur wieder einmal ein „mehr‟ präsentieren darf, dann stimmt es dennoch. in mehrfacher hinsicht.

ein gesellschaftskritisches kulturzentrum wird offenbar auch oder gerade in bewegten zeiten zum brennpunkt, treffpunkt, vernetzungsort. und dann und wann auch zum nicht weniger wichtigen rückzugsort.

weil das programm der argekultur sich auch den kritischen fragen unserer zeit stellt – nach antworten sucht und ringt, mal mit humor, mal bitter ernst, mal überraschend, mal irritierend, mal persönlich, dann wieder auf breitere prozesse abzielend, mal indirekt und dann wieder schonungslos – entsteht hier für viele menschen, die in unterschiedlichster form an den veränderungen der lebenswirklichkeiten partizipieren, eine wesentliche verortung.

wunderschön, dass es viele „mehr‟-faktoren in der argekultur gibt. nicht zuletzt die erstellung der ersten gemeinwohl-bilanz ermöglichte die erfolgsmessung der arbeit in unserem haus unter völlig neuen blickwinkeln. noch schöner, dass die argekultur damit als weithin erstes kulturhaus mit dieser form der bilanz beispielgebend ist. am schönsten aber, dass das ergebnis dieser gemeinwohl-bilanz selbst bestätigt, dass die arbeit des teams der argekultur unter der leitung der geschäftsführer_innen daniela gmachl und markus grüner-musil auch nach den kriterien des gemeinwohls bestens bewertet wird.

allen in diesem team dafür ein herzliches danke!

bernhard jenny
vorstandsvorsitzender

vorwort aus dem tätigkeitsbericht 2016 der ARGEkultur

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die starken seiten des tätigkeitsberichts 2016 der ARGEkultur sind hier zum download!

foto: © mike größinger

barrierefrei? ja, aber…

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wenn der vorsitzende eines gestaltungsbeirates aussagen über die barrierefreiheit im wohnungsbau sagt, es sei „ein enormer Kostenfaktor und unlogisch, weil die Anzahl der Menschen mit Einschränkungen ist nicht 100 Prozent“, dann kann das nicht mit besonders viel überlegung zu tun haben.

denn das wesen der barrierefreiheit ist in einem staat, der die „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ unterzeichnet hat, ein gesamtgesellschaftliches. das haben offensichtlich noch nicht alle, selbst solche, die es von berufswegen wissen müssten, nicht verstanden.

konsequent weitergedacht hiesse eine einschränkende aussage, wie sie der vorsitzende des gestaltungsbeirates (lt. orf salzburg) getroffen hat, dass es zb. auch bei den öffentlichen bussen genügen würde, wenn nur soviele barrierefreien busse fahren würden, wie es prozentuell menschen gibt, die auf barrierefrei busse angewiesen sind.

bitte nachdenken. was hilft einer rollstuhlfahrerin, die in salzburg-nord den bus benutzen will, wenn der „prozentuell angemessene“ bus gerade in salzburg-süd unterwegs ist? oder was hilft ein barrierefreier bus um 10:00 uhr, wenn er aber um 10:30 benötigt würde? schade, dass noch nicht alle busse barrierefrei sind, aber die absicht ist zumindest gegeben, dies zu schaffen.

diese absicht sollte auch beim bau von wohnungen gegeben sein. sollen menschen, die eine barrierefreie wohnung brauchen, auf die „vorauswahl“ der bauherren/frauen angewiesen sein, in welcher lage eine barrierefreie wohnung gebaut wird? sollen menschen mit rollstühlen sich überlegen müssen, mit wem sie sich befreunden oder wen sie besuchen?

der altbestand an wohnungen ist ohnehin lange nicht barrierefrei, also ist es ganz im sinne einer inklusiven gesellschaft, neue wohnungen ausschliesslich barrierefrei zu bauen.

denn nicht die sondereinrichtung, die sondervorrichtung, die sonderlösung sind inklusiv. sondern jene massnahmen, die allen entgegenkommen und flächendeckend daher partizipation ermöglicht.

es ist also ein „no go“, wenn der anspruch auf partizipation räumlich, zeitlich oder sonst wie bewusst eingeschränkt wird.

es entlarvt die sprechenden, wenn sie sagen:
barrierefrei? ja, aber…

 

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grafik: bernhard jenny cc by unter verwendung des barrierefrei-piktograms