die aufklärung ist tot.

wir leben in bubbles. in grossen und in kleinen. in manchen jener bubbles, in denen ich mich bewege, macht sich leise hoffnung breit:

in einer findet zum beispiel folgendes statt: wenn erst einmal alles an den unglaublichkeiten rund um ibiza, casino, novomatic, sobotka, blümel und kurz aufgeklärt ist, wenn also einmal alle fakten auf dem tisch liegen, ja dann… (hier kommt dann entweder ein hoffnungsvoller blick oder zumindest ein kurzes aufziehen der augenbrauen, die zwar nicht optimismus, aber immerhin aufkeimende erwartung signalisieren könnte.)

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facebook, wir müssen reden!

dass gegen hass im netz dringend etwas getan werden muss – absolut wichtig. dass gegen fakenews dringend etwas getan werden muss – nicht weniger wichtig. dass aber facebook anfängt, wild um sich herum mit sperre zu drohen, kann nicht wirklich die qualität steigern. im gegenteil.

was ist passiert?
in der nacht von sonntag auf montag 10.8. erreicht mich die nachricht von facebokk, dass ein beitrag vom 22.5.(!!!) gegen die „gemeinschaftsstandards verstossen würde.

text meines postings damals anlässlich des „rückzugs“ von ursula stenzel: „die oma für identitäre trinkt nur mehr privat. ein guter tag. oder steigt sie auf #thc um?“

mein sofortiger protest, den ich nur wortlos per click einreichen kann, ohne jegliche möglichkeit auf argumentation oder fragen, bleibt unerhört. um 1:17 bestätigt facebook nochmals den verstoss gegen gemeinschaftsstandards.

Bildschirmfoto 2020-08-11 um 14.43.21_BEARB

these 1:
wie wir inzwischen wissen, hat ausgerechnet in diesen tagen die oma der identidioten nicht nur ihr doch-wieder-antreten öffentlich bekanntgegeben, sondern auch in einem zib interview versucht, die identidioten zu rehabilitieren!

gut denkbar also, dass genau diese rechtsextremen kreise nun versuchen, das fb zu säubern und solche kommentare, wie den meinen, massenhaft zu „melden“.

und fb fällt rein. und macht die arbeit für die identidioten.

these 2:
vielleicht springt irgendein algorithmus auf das klartext-stichwort der „identitären“ (sonst schreibe ich meist von den „identidioten“) an und checkt nicht, dass es sich natürlich um kritik an den identidioten handelt?

these 3:
vielleicht glaubt ein algorithmus, dass ich suchtmittel bewerbe, weil ich #thc als hashtag eingesetzt habe, nicht um vom weisswein auf gras zu wandern, sondern auf das team eines echten korneuburgers zu verweisen? und das programm ist einfach zu doof für einen realen check?

facebook war „gnädig“:
sie schreiben zwar, dass wiederholte verstösse zur folge hätten, dass ich für 24 stunden gesperrt werde, aber es bliebt bei einer warnung:
„uns ist bewusst, dass man manchmal fehler macht. deshalb haben wir dein konto nicht eingeschränkt.“

danke unterwürfigst!
ist euch bewusst, dass euer system manchmal fehler macht?
wie soll eine solche einseitige kommunikation erfolg haben?
wie soll ich jemals erfahren, was die gründe für diese „warnung“ waren?
wie soll ich – wenn ich denn will – dann überhaupt daraus lernen?

wenn ich nun die nächsten tage nichts mehr auf fb posten kann, dann wisst ihr zumindest jetzt schon warum. denn dann war auch diese diskussion über fb schon zuviel.

können identidioten wirklich eine meldeorgie veranstalten und so facebook für sich arbeiten lassen???

facebook, wir müssen reden!

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bilder screenshots © bernhard jenny

obszönität mitten in mauthausen

was sich heute in mauthausen abgespielt hat, ist unfassbar.

wer sich mit wem ins persönliche bett legt, geht wirklich niemanden was an.
wer sich aber mit wem in ein politisches bett legt, das geht uns alle an.

schlimm genug, dass es rechtsextreme überhaupt ins parlament schaffen.
aber unverzeihlich, wenn wieder einmal die konservativen den rechtsextremen die räuberleiter machen. zu verlockend sind anscheinend die beutestücke, die sich alle erhoffen.

„niemals nummer. immer mensch.“
so die ehrenhaft klingende headline für das diesjährige gedenken.

wenn dann aber genau jene politisch unverantwortlichen auftreten,
scheinheilig ein gedenken unter obigem motto abfeiern,
aber gleichzeitig mit den rechtsextremen im bett liegen,
das ist obszön.

einmal ist es nur der unlandesrat, der ein neues lager errichten will.
einmal ist es ein unminister, der nur mehr ausreiselager betreiben will.
einmal ist es ein liederbuch, dann ist es ein rattengedicht.
distanzierungen gehören inzwischen zur folklore.
sie sind quasi das feigenblatt für eine nicht mehr übersehbare geistige nacktheit.

wer mit einem rechtsextremen vizeunkanzler eine unregierung bildet,
dann aber glaubt, er könne durch sein auftreten in mauthausen punkte sammeln,
ist obszön.

das gedenken an die opfer der shoa wurde heute entehrt.
kein einziges unregierungsmitglied kann rechtsextremismus an die macht heben und gleichzeitig „niemals nummer. immer mensch.“ vertreten.

wer diese unvereinbarkeit dennoch schafft,
sorgt für einen moralischen – erschütternden – skandal.
das jahr 2019 geht in die geschichte unseres landes ein.
als das jahr der unfassbaren
obszönität mitten in mauthausen

 

bild: kremlin.ru cc by remixed by bernhard jenny cc by

die rechtsextremen greifen nach der waffenmacht

die recherchen des standard müssen alle alarmieren, die an einen demokratischen staat namens österreich noch glauben.

wenn trotz eines oberbefehlhabers alexander van der bellen die rechtsextremen recken im bundesheer (und deren gibt es leider viele) nun unverblümt die identidioten umarmen, dann ist wirklich feuer am dach.

was nützt van der bellen als oberbefehlshaber, wenn die rechten recken im bundesheer den identidioten tür und schiessplatz öffnen?

diese regierung arbeitet an einem rechtsnationalen putsch.
das kann unauffällig passieren, wenn zu wenig bürger*innen hinsehen.

wer jetzt nicht alarmiert ist, muss sich die frage stellen lassen, was denn noch passieren muss!

seit heute wissen wir:

die rechtsextremen greifen nach der waffenmacht

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na servus, tv!

es gibt sie. die mediale ausgewogenheit. aber selten.

öfter ist die mediale ausgewogenheit ein billiger vorwand, häufig rechten und extremrechten bühne zu bieten. von martin s. bis götz k.

speziell in redbulligen hangarstudios und anderen privatsendern kommen studiogäste zu wort, die keine meinung vertreten, sondern ganz was anderes. medien, die den rechten bühne bieten, weil sie „ausgewogen“ berichten wollen, übersehen (absichtlich?), dass rassismus oder wiederbetätigung keine meinung ist!

das ist es nur gut, wenn sich menschen wie benjamin opratko nicht als „gegengewicht“ zu einem faschisten einladen lassen.

konsequent weitergedacht hiesse das verständnis von „ausgewogenheit“, wie es servus tv kommuniziert z.b.:

menschen, die andere menschen morden wollen, kann man einladen, wenn andere menschen im studio eingeladen sind, die niemanden morden wollen. das kann mit ausgewogen oder neutral nicht gemeint sein. niemals!

die vorgeschobene mediale ausgewogenheit ist oft keine!

na servus, tv!

 

ps. kapitalgesteuerte medien, die behaupten, dass das, was sie liefern, gerade noch gefehlt hat, sind hinsichtlich ihrer redaktionellen linie mindesten ebenso „ausgewogen“.

 

_______ bild: psychopyko cc licence by nc nd

alles geht.

ein vizekanzler, der mit einer lüge vor gericht zieht.
das geht.
bleibt die frage:
wieviele migrant*innen sind daran schuld, dass solches in unserem land möglich wurde?

ein vizekanzler, der dann doch vor gericht zugeben muss, dass er mit den extremsten der rechtsextremen zusammengesessen ist. nur „gemütlich“ soll es angeblich nicht gewesen sein.
das geht.
bleibt die frage:
wieviele migrant*innen sind daran schuld, dass solches in unserem land möglich wurde?

ein vizekanzler, der bei all diesen unglaublichkeiten anwaltlich von einem verfassungsrichter vertreten wird, welcher darin wiederum gar kein problem zu sehen scheint, denn wo es schon mal unschärfen gibt, braucht es auch keine saubere trennung.
das geht.
bleibt die frage:
wieviele migrant*innen sind daran schuld, dass solches in unserem land möglich wurde?

ein vizekanzler, der nun, da seine nähe zu den neonazis und identidioten wieder einmal aktenkundig ist, keinen grund sieht, eines der höchsten ämter des landes anstandshalber zurückzulegen.
das geht.
bleibt die frage:
wieviele migrant*innen sind daran schuld, dass solches in unserem land möglich wurde?

ein vizekanzler, der kein problem sieht, seine braunblaue partei als die „im wahrsten sinne des wortes neue arbeiterpartei“ zu bezeichnen und darauf setzt, dass er behaupten kann, es sicher nicht so gemeint zu haben, wie es klingt.
das geht.
bleibt die frage:
wieviele migrant*innen sind daran schuld, dass solches in unserem land möglich wurde?

erstunken und erlogen.
verstrickt und verschlagen.
betätigung immer wieder.

alles geht.

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foto: © Wenzel/BKA (ausschnitt)

„nie wieder“ war wohl zu selbstgefällig.

in gesprächen über politik werden neuerdings immer öfter jene fragen zitiert, die die nachkriegsgenerationen spätestens seit den 68ern der kriegsgeneration gestellt haben: „was habt ihr dagegen getan?“, „warum habt ihr keinen widerstand geleistet?“ oder „wieso habt ihr bei dem faschistischen wahnsinn einfach mitgetan?“

ungezählt die gespräche, die damals immer wieder nach dem gleichen muster verliefen: die jungen konnten es einfach nicht fassen, dass die alten sehenden auges in das verderben des krieges gegangen waren. gross war oft der unmut, wenn dann noch parteimitgliedschaften oder gar aktive beteiligung der „tätergeneration“ ruchbar wurde.

für die damals jungen war das alles einfach nur unfassbar. wie konnte es so weit kommen? warum hat niemand etwas rechtzeitig unternommen? warum waren die menschen dem faschismus zumindest scheinbar so passiv gleichgültig gegenüber?

in den letzten wochen beschleicht mich ein merkwürdiges bild. ich sehe die ganz alten vor mir, jene, die eventuell sogar zwei weltkriege miterleben mussten, zumindest aber die zwischenkriegszeit und den zweiten weltkrieg.

ich sehe sie vor mir sitzen. betroffen über die seinerzeitigen anwürfe der jungen. mit leicht bitter-ironischem lächeln scheinen sie ihre arme zu verschränken, während sie sich zurücklehnen und zu uns sagen: „nun? da habt ihr eurer schlamassel! jetzt zeigt mal, was ihr besser macht, als wir damals!“

und es geht mir nicht gut bei dem gedanken, wie sicher wir uns doch waren, dass wir sicher nie so naiv sein werden und der schrittweisen zurücknahme von demokratie und freiheit einfach nur zusehen würden. wie sicher wir uns doch waren, dass sich die geschichte niemals wiederholen würde.

doch wir tragen verantwortung: die geschichte hat uns – viel eindringlicher als es unseren vorfahren widerfahren war – gelehrt, in welche katastrophe fahrlässige oder gar gezielte spaltung, blinde hetze und wütende feindbildkultur führen. wir können nicht sagen, dass wir es nicht wüssten, denn wir haben es nur allzuoft erzählt bekommen.

schnell waren wir bei der verurteilung der vorfahren, anstelle über unsere eigene verantwortung nachzudenken. „also nein! uns? uns könnte solcher wahnsinn wie damals nie passieren“, sagten wir.

wie steht es um den unterschied zwischen ertrinken lassen und erschiessen?
was ist mit der zerstörung sozialen zusammenhalts und aufkündigung von sicherheit? das verächtlich machen einzelner menschengruppen nach rassistischen mustern oder das lächerlich machen über armut? was ist mit der zerstörung solidarischer werte zu gunsten platter feindbilder?

und eine opposition? wo ist sie? hat wohl probleme. sowohl bei der findung der position, als auch bei der frage nach dem wogegen.

wo bleiben die ideale einer aufgeklärten, humanistisch geprägten kultur europas?
ist alles schon nicht mehr wahr?
sind wir endgültig kulturlos?

„nie wieder“ war wohl zu selbstgefällig.

(auch in: der Standard, 9.8.2018)