gehts uns was an?

pfarrerinitiative website (foto bernhard jenny)

passt „pfarrer“ und „ungehorsam“ glaubwürdig zusammen? in österreich? in der katholischen kirche? ist das eine fastrevolution, ein bisserl aufstand oder doch mehr?

unabhängig wie jemand zur katholischen kirche steht, innerhalb, ausserhalb oder sonst irgendwie, diese institution hat nun einmal – ob es gefällt oder nicht – eine immer noch starke rolle in österreichs gesellschaft.

wenn sich nun in dieser institution nun nicht mehr „nur laien“, sondern auch „pfarrer“ zusammentun, um zum „ungehorsam“ aufzurufen, dann verdient das meiner meinung nach nicht nur wieder einmal aufmerksamkeit, sondern auch solidarität.

da haben es menschen einfach satt, dass sich die amtskirche, die sich (fast hätte ich geschrieben „bei gott“) unglaublich viel zu schulden hat kommen lassen, einem heutigen leben und denken einfach verweigert.

ein vergleich mit diversen mubaraks, gaddafis oder assads würde vermutlich sehr stark hinken, aber es sind auch hier wiedereinmal die mächtigen, die immer noch glauben, sich hinter vorgestrigen wenn nicht mittelalterlichen strukturen und machtseilschaften in parteien, verwaltung und justiz verstecken zu können.

eine solche machtkirche kann denkendes volk ebensowenig brauchen wie verantwortungsbewusste pfarrer. wenn wir einen blick auf die forderungen der ungehorsamen pfarrer werfen, dann fällt auf, dass diese eigentlich fast schon veraltet sein sollten: da geht es u.a. um redefreiheit, gleichbehandlung von frauen, verheirateten und wiederverheirateten. revolutionär sind diese forderungen wirklich nicht. eher ein wahrnehmen gesellschaftlicher entwicklungen vergangener jahrhunderte.

vielleicht ist die „frechste“ aussage jene, die gründsätzlich eine gleichberechtigung von „brüdern“ und „schwestern“ fordert, und ausser den „einen meister“ keine hierarchien im glauben annehmen will.

wie sich das alles innerkirchlich weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. dennoch wäre es aus meiner sicht wichtig, jenen menschen, die mut dazu haben, sich aus dem fundamentalismus des konkordatsmachtapparats zu befreien, zu unterstützen.

wir müssen nicht ägypterInnen sein, um uns mit den demokratie einfordernden menschen zu solidarisieren, wir müssen nicht griechInnen oder spanierInnen sein, um uns mit den „empörten“, den „indignad@s“ zu verbinden.

deshalb fände ich es schön, wenn möglichst viele diese pfarrer-initiative unterstützen und weiter verbreiten.

wo auch immer befreiung von fundamentalismus, apparatismus und macht gelingt, profitieren wir alle.

website der initiative
http://www.pfarrer-initiative.at/

facebook-seite der initiative
http://www.facebook.com/pages/PFARRER-INITIATIVE-%C3%96STERREICH/135186439894333

zurück aus dem einwanderland

foto: mar del plata 201108 (bernhard jenny)

zurück aus argentinien.
erfüllt von reichen eindrücken, interessanten begegnungen, intensiven gesprächen, besonderen momenten mit familie und vielen geschätzten freundInnen. manchmal wiedersehen nach vielen, sehr vielen jahren, manchmal neues kennenlernen, entdecken und geniessen.

unmöglich diese geschenke in einem einzigen blogeintrag entsprechend zu würdigen. aber bei der rückkehr nach europa werden bilder deutlich, die beispielhaft für vieles stehen können.

ich habe menschen gesehen, die bereits 2001 opfer jenes betrugsspiels an der argentinischen allgemeinheit wurden, das damals auch schon „wirtschaftskrise“ hiess (ganz in der art wie es heute in vielen europäischen ländern betrieben wird) und sehr wenige unverschämt reich und sehr viele menschen arm und ärmer werden liess. doch viele liessen sich dennoch nicht unterkriegen, haben es irgendwie dann trotzdem und sonst wie geschafft. vom tauschgeschäft bis zur parallelwährung – der einfallsreichtum, die solidarische grundhaltung und die berühmte gabe der improvisation haben dennoch ein (über)leben ermöglicht. da könnten wir was lernen.

zwei themenbereiche sind es, die menschen in argentinien über europa den kopf schütteln lassen:

    warum macht ihr euch zu sklavInnen von weltwährungsfond, weltbank und ratig-agenturen? warum schaut ihr zu, wie die spekulationswirtschaft die realwirtschaft abwürgt?
    warum seid ihr so xenophob? wer soll euch einmal die arbeit machen, die pensionen zahlen, wenn ihr niemanden reinlässt? warum glaubt ihr, dass ihr allein besser weiterkommt, als gemeinsam mit anderen? warum erkennt ihr nicht die chance, die zuwandernde für eure länder bedeuten könnten?

menschen in argentinien sind oft enkel, urenkel oder sonstwie nachfahren von einwanderInnen, politischen flüchtlingen und wirtschaftsflüchtlingen.

die verbindung von wirtschaftskrise und xenophobie ist ein unglaublich gefährliches gemisch, das den weg in die katastrophe öffnen kann. das wissen natürlich die nachfahren jener, die schon einmal ein brennendes europa verlassen mussten, nur allzu genau.

und aus der südamerikanischen ferne betrachtet, langsam wieder richtung europa reisend, erschien es mir wirklich unerklärlich, an welche abgründe wir wieder geraten.

wir hier in europa täten gut daran, so schnell und intensiv wie möglich über diese fragen nachzudenken.
schonungslos.