schallenbergs schwarze oder türkise pädagogik

welch menschenbild muss einem zugrundeliegen, wenn er von „zügel straffer ziehen“ spricht, während es um menschen, die in unserem land leben, geht? wie kann einer glauben, es würde motivieren, wenn mit „ungemütlichen“ feiertagen gedroht wird?

es ist zum fremdschämen, wie der platzhalterkanzler dem von politischen gegner*innen oft eingebrachten vorurteil, er wäre ein abgehobener und präpotenter adeliger, punktgenau entspricht. es hätte fast belustigende spannung, irgendwo zwischen nestroy und graf bobby, ginge es nicht um – im wahrsten sinne – todernstes: um den umgang der regierung mit der pandemie.

Weiterlesen „schallenbergs schwarze oder türkise pädagogik“

tetsch´n macht sinn

aus rücksicht auf leserInnen
ich versteh die aufregung um die pädagogische nahkampfempfehlung eines scheuchsals nicht. das macht wirklich sinn. etwas anderes wäre nicht adäquat. soll heissen: wer bitte hat sich von diesen leuten ernsthaft was anderes erwartet?

von verhaltengestörten zu erwarten, dass sie sich etwas anderes vorstellen können, als ihre argumente handgreiflich zu unterstreichen wäre mindestens so daneben wie von einem gestandenen fpkler (FreiPrüglerKultur?) ernsthaft pädagogisches feingefühl zu verlangen.

wer so gestrickt ist wie diese uwes und dörflis, wer also selbst misshandlungen an kindern rechtfertigen würde, sollte nur schleunigst aus jedem nur irgendwie politischen amt verscheucht werden. braune karte oder so. so macht der tetsch´n sager sinn.

wir sind alle 24, pflegebedürftig und familie!

bild: ronronron (creative commons)

wenn jetzt mit diesem budget der rotschwarzen phantasielosigkeit den jungen menschen, die sich bis dato von beengten räumlichen und miserablen organisatorischen bedingungen nicht von einem studium abschrecken liessen, der boden unter den füssen weggezogen wird, dann trifft das viele hart.

es trifft aber nicht nur die 24-26jährigen und deren familien. es trifft uns alle. denn schlechte bildungsangebote, die früher zur ausbildung verkommen waren, verdienen nicht einmal mehr diese bezeichnung. neben wenigen ausnahmen an manchen hochschulen ist die österreichische bildungslandschaft zu einer kraterlandschaft in folge der neoliberalen bombenangriffe geworden.

dann sind da noch die pflegebedürftigen. also wieder einmal die schwächsten unter den schwachen. diejenigen, die weder selbst, noch deren familien, eine alternative haben. pflege ist eben kein luxusgut, das ich mir gönnen kann, wenn ich gerade zuviel geld habe. pflege ist ein grundbedürfis, das, wenn ich darauf angewiesen bin, so unverzichtbar ist wie trinken und essen. da wird gespart. dafür haben wir kein geld mehr. dass schlecht gepflegte menschen weniger lang leben und daher noch billiger kommen, als auf den ersten blick erkennbar, wird hoffentlich niemand durchgerechnet haben. oder doch?

und dann die familien. irgendwann einmal (kann ich mich noch erinnern?) war eine partei in österreich als die „familienpartei“ angetreten und predigte immerfort vom zentralen wert der familie für unsere gesellschaft. wo ist diese partei geblieben?

15 milliarden hat diese regierung im vorjahr als eigenkapitalstütze den banken reingeschoben. das paket der nun beschlossenen grausamkeiten bringt gerade mal 2,8 milliarden an „budgetentlastung“.

die reale belastung aber der familien, pflegebedürftigen und deren angehörigen sowie der studierenden ist kaum zu beziffern. diesen menschen 2,8 milliarden wegzunehmen bedeutet tausendfach stress, überforderung, unabsehbare folgen wie krankheit und zerstörte lebenspläne.

und wer glaubt, dass die auswirkungen „nur“ auf die staatlich beraubten zielgruppen beschränkt bleiben, ist sowieso naiv. diese einschnitte treffen uns alle. und daher müssen auch wir alle dagegen aufstehen. da könnten wir uns von den menschen in frankreich etwas politische kultur abschauen.

oder wir handeln systemkonform.
familien, pflegebedürftige und studierende:
wir sollten eine bank gründen.

____
bild: ronronron (creative commons)

inclusion ist kein luxus!

wenn wiedereinmal von den kürzungen in der integrativen pädagogik zu lesen ist, so müssen wir uns bewusst sein, dass wir über ein MENSCHENRECHT sprechen, und nicht über eine verchromte schmuckleiste auf unserem auto, die wir uns leisten wollen oder auch nicht.

die (viel zu spät) erkämpfte erkenntnis unserer gesellschaft, dass sie nur dann eine menschengerechte gemeinschaft sein kann, wenn sie niemanden ausschliesst, sondern alle umfasst (INCLUSION), darf nicht gegenstand von sparüberlegungen sein.

das wäre so, wie wenn wir wieder die rücknahme des wahlrechts für frauen überlegen, dann kämen u.u. auch die wahlen billiger, aber dieses menschenrecht steht eben auch nicht zur disposition.

politikerInnen, die die INCLUSION für etwas halten, das es nur dann geben kann, wenn wir es uns leisten wollen, verkennen das thema einer „ganzen gesellschaft“ und lassen erkennen, dass sie noch nicht viel nachgedacht haben, wie unverrückbar menschenrechte sein müssen.

(statement zur aktuellen diskussion in den salzburger nachrichten)

früherer artikel zum gleichen thema in diesem blog

die real existierende schule

getraud leimüller schreibt heute in den salzburger nachrichten unter der schlagzeile „Meine drei K´s für die Zukunft„:

Meines Erachtens müssen Schüler drei K trainieren, um fähig zu sein, sich in der heutigen und künftigen Arbeitswelt ihr Brot zu verdienen: Kreativität, Konfliktfähigkeit, Kooperation. (…) Neue Fragen zu formulieren, auf die es noch keine fertigen Antworten gibt, diese gegen Kritik zu verteidigen und schlussendlich gemeinsam Lösungen zu entwickeln, wäre das nicht ein passenderes, zeitgemäßes Betätigungsfeld für „Gut“- und „Sehr gut“-Kandidaten?

nicht nur die wirtschaftswelt, sondern alle gesellschaftsbereiche, ob social profit oder klassische wirtschaft bräuchten menschen, die in ihrer bildung mit diesen von ihnen dargestellten drei Ks gründliche erfahrung gemacht haben.

diese drei Ks werden aber in wirklichkeit nicht nur nicht unterrichtet, sie werden sogar ausdrücklich bekämpft. meine erfahrungen als vater von 6 kindern in verschiedenen salzburger schulen zusammengefasst: nur sehr wenige engagierte lehrerInnen fördern wirklich kreativität, kritikfähigkeit und kooperation. diese wenigen werden von einer frustrierten und dumpfen mehrheit ihrer kollegInnen oft sogar noch als „kuschelpädagogen“ und „schülerversteher“ diffamiert. unterwerfung und angepasstheit sind da schon eher konkret verfolgte lernziele.

insgesamt funktioniert in unseren schulen sehr oft noch das ideal anderer drei Ks: kuschen, konfliktscheue und kampf.

darf menschenwürde eingespart werden?

in der letzten zeit häufen sich wieder die meldungen über geplante oder gar schon realisierte kürzungen in der betreuung von behinderten menschen, in der psychosozialen versorgung und in der integrativen pädagogik. fast wie selbstverständlich wird hier über kürzungen gesprochen, weil – wir sollten das ja schon lange gelernt haben – kein geld mehr da ist.

abgesehen davon (siehe frühere einträge in diesem blog), dass sich darüber diskutieren lässt wieviel da ist und wieviel fehlt, so dürfen wir eines nicht vergessen: die einführung der integrativen pädagogik, der psychosozialen versorgung und der betreuung von menschen, die darauf angewiesen sind hat NICHT deshalb stattgefunden, weil wir einmal soviel geld hatten, dass wir nicht mehr wussten, wohin damit, sondern diese „errungenschaften“ wurden erkämpft, erreicht und eingeführt, weil es als unverzichtbar erkannt wurde, dass wir menschen niemals aus unserer mitte drängen dürfen, dass ALLE einen anspruch auf die gemeinsamkeit unserer gesellschaft haben.

also können diese dinge nicht „gecancelt“ werden, wie die fünfte urlaubsdestination oder das siebte luxusessen im monat. integration oder inklusion und individuelle betreuung sind unverzichtbare umgangsformen einer menschheit, die sich selbst und ganz wertschätzt. hier zu „sparen“ bedeutet die menschenwürde zu verkaufen.