rechte feiglinge

diese woche wurde ein ausführliches interview mit mir zum thema „rechtsextremismus“ auf der radiofabrik ausgestrahlt. meine aussagen – die leider irrtümlicherweise vom radioserver gelöscht wurden – müssen manche ziemlich aufgeregt haben. eine meiner zentralen aussagen war: „das rechte gedankengut, das nationalsozialistische gemüt ist bei uns nie wirklich weg gewesen, es wurde nur eine zeitlang unter den teppich gekehrt oder hinter dem lodenmantel versteckt. aber es ist nach wie vor da.“

ein feigling hat mir seine hochintelligente antwort per postkarte zugeschickt. genauso feig wie jene, die mich schon mehrfach auf der (übrigens auch im interview angesprochenen) alpendonau beschimpft hatten, hat der feigling seinen absender natürlich nicht genannt.

für mich ist eine solche botschaft ein zeichen, sicher nicht leiser zu werden, sicher nicht aufzugeben. ich werde weiterhin benennen, was benannt werden muss und publizieren, was publiziert werden muss. wir brauchen die gewissheit, nicht wieder in die fehler der schrecklichen vergangenheit zu verfallen.

das gilt über alle grenzen hinaus. nicht von ungefähr ist stephane hessel alarmiert, dass wir dringend wieder uns auf jene werte konzentrieren müssen, die einem europa, einer welt nach dem holocaust so klar gewesen waren, werte, die zur deklaration der menschenrechte führten.

widerstand.

freudentränen.

performance vor dem salzburger gefängnis - foto: bernhard jenny

habe in diesen tagen einen anruf erhalten. ganz überraschend konnte mir einer jener menschen, die in unserem land seit jahren das asyl beantragt haben, endlich erzählen, dass er nun den positiven bescheid in händen hält. das war lange nicht selbstverständlich, ein jahrelanger spiessrutenlauf durch zahlreiche phasen der angst und verzweiflung, der hoffnung und zuversicht liegt hinter ihm. er hat inzwischen eine partnerin und mit ihr ein kleines kind, das familienglück war bis eben immer von dem damoklesschwert bedroht, der vater könnte abgeschoben werden.

harry (nennen wir ihn hier mal so) war allerdings immer von bemerkenswerter zuversicht. er hatte sein gewinnendes lächeln niemals verloren, selbst in den schlimmen phasen nicht. von irgendwoher, er würde sagen von gott her, nahm er die kraft, selbst skeptische fragen oder schwierige situationen mit natürlichkeit und gelassenheit durchzustehen.

die drei dürfen sich jetzt freuen, die bedrohung ist nun weg. jetzt haben sie „nur mehr“ das problem, arbeit zu finden und das alltagsleben zu meistern. sie vertrauen weiterhin auf gottes hilfe, das gibt ihnen kraft, ich bewundere ihre zuversicht voller respekt.

es gab einen moment in diesem telefongespräch, kurz nachdem ich ihm sagte, wie sehr ich mich mit ihm freue und dass ich immer schon der meinung war, dass jeder mensch dort leben soll, wo er selbst entscheidet, da hörte ich harry plötzlich weinen. all die anspannung der letzten jahre schien von ihm abzufallen. zufriedene erschöpfung, wenn es sowas gibt. es trieb mir selbst die tränen in die augen.

freudentränen. einerseits. und tränen der wut andererseits. wieviele menschen dürfen immer noch nicht diesen moment erleben, nur weil manche meinen das recht zu haben, das leben anderer einengen zu dürfen? wievielen menschen wird das traurige schauspiel der reichen welt zugemutet?

das leben als offensichtlicheR ausländerIn ist unseren landen schwer genug.
schluss mit erniedrigenden verfahren und dem aussortieren von „richtigen“ und „falschen“ menschen.
heissen wir sie doch endlich willkommen.

die früchte des zorns

kein mensch ist illegal - foto: bernhard jenny

jahrelang erleben wir in europa eine politik der 2 mentalitäten. in der einen mentalität, der schönen, der offenen, da geht es um die abschaffung von grenzen, zumindest deren öffnung, um die idee eines weiten europas, das den frieden sichern will. durch offenheit und austausch. in der anderen mentalität, der grausamen, der ausgrenzenden, da geht es um abgrenzung, ausgrenzung, abschottung, um die idee einer festung europa, die sich gegen die feinde von aussen, hauptsächlich gegen die armen von überall her wehren muss. durch rassismus und zynismus.

die vertreterInnen der ersten mentalität haben oft naiv gehandelt. sie haben vertrauen wollen, dass sich die offenheit schon von allein durchsetzt, sie haben geglaubt, die lehren der weltkriege und der shoa wären erbe genug, um unsere kulturen bewusst offen zu leben. zu diesen naivlingen zähle ich mich auch.

wir haben übersehen, dass die geldschieber und kapitalspekulierer sich der freiheiten bemächtigten, während die menschen selbst noch lange keine offenen grenzen erleben konnten. wir haben übersehen, dass zur schaffung einer verantwortlichen politischen kultur mehr gehört, als ein schulfach. wor haben geglaubt, die geister von gestern wären vorbei. wir haben übersehen, dass eine simple wirtschaftskrise (eine inszenierung der spekulanten) reicht, um die alten feindbilder neu zu beleben. allzuschnell wissen die wahnsinnigen wieder, wer schuld ist. wir haben übersehen, welche langzeitwirkung rechtspopulistische politikerInnen von le fekter bis mizzi pen haben.

nun müssen wir erleben, dass der immer schon köchelnde hass, der seit dem 9/11 immer wieder von kriegstreibern zum sieden gebracht wurde, schreckliche früchte bringt. terror ist die ernte des hasses.

mag sein, dass breivik ein psychopath ist, dennoch kann das gesellschaftliche klima auch ein faktor dafür sein, welche wege sich solche psychosen suchen. die terrorserie in deutschland, die jahrelang von den behörden falsch eingeschätzt wurde (wodurch viele vermeidbaren verbrechen erst begangen werden konnten) war offensichtlich kein einzelfall.

heute wurden kinder und ein vater auf ihrem weg in die schule in südfrankreich erschossen, soldaten tage zuvor anscheinend vom gleichen täter hingerichtet. weil die kinder in eine jüdische schule gehen? weil die soldaten aus nordafrika stammen?

wenn wir solche früchte des hasses verhindern wollen, müssen wir unsere kultur grundsätzlich verändern. wir dürfen nicht ausgrenzen, sondern öffnen. wir dürfen weder rassismus noch faschismus dulden. und wir müssen begreifen, dass in der diversität unserer gesellschaften und kulturen der reichtum liegt, den wir grosszügig verteilen können, ohne auf die änderung eines wirtschaftssystems warten zu müssen. und: wir müssen aufhören die unzähligen toten zu ignorieren, die unsere kriege und unsere politik ganz woanders auf dieser welt verursachen. denn auch die jene früchte des zorns, die weit von uns entfernt auftauchen, gehen uns an.

die antwort auf den terror ist nicht antiterror, überwachung und abschottung.
die antwort auf den terror ist eine offene, gerechte gesellschaft, die nicht erst integrieren muss, um die „anders“ seienden anzunehmen.
die antwort auf den terror ist eine kultur, die alles zulässt, nur nicht die ausgrenzung und diskriminierung in all ihren spielarten.
die antwort auf den terror ist eine diverse gesellschaft. für alle.

noch mehr polizeiloks bitte!

polizei fährt bahn - foto: bernhard jenny

nein. es ist kein abschiebetransport. auch werden in diesem zug vermutlich nicht mehr als sonst durchschnittlich in anderen zügen verhaftet oder kontrolliert. wobei es immer die offensichtlich anders aussehenden trifft, rassistische fahndungsfilter sind bei der zivilstreife immer wieder zu beobachten. und verbreiten regelmässig in zügen bei bestimmten mitfahrenden das zufriedene bauchgefühl, dass die polizei „nur die richtigen“ verfolgt und erwischt. des passt scho so.

da können dann der hansi und die poldi zufrieden schmatzend das jausenbrot mit bier weiter geniessen, während der inder, der so verdächtig ausschaut wie alle inder, die sind ja selber schuld, wenn sie so ausschauen, zum fünftenmal seit reiseantritt seine 3 gepäcksstücke durchsuchen lassen muss und er wieder und wieder gefragt wird, was er denn überhaupt da wolle. da bei uns. da wo wir noch eine polizei haben, die funktioniert.

so 100.000 netto dürften es schon sein, die die mikl-leitner da den öbbs rüberschieben muss, damit sie eine taurus lok, den stolz der österreichischen bahnerseele so fuchsteufelswild bekleben. kommissar rex da, flughafenpolizei dort, a nette polizistin, die den verkehr regelt und ein paar wilde sondertruppler, die sich über die immer gleichen übungswände abseilen. maskiert natürlich. damit der binladen sie nicht erkennt. der ist zwar schon tot, aber man weiss ja nie. ja da ist die welt noch in ordnung. bei der polizei, bei der bahn und auf dem jausentischerl im zug. geh poidi moch no a dosn auf.

„wast, was ma da franzi gestern dazöd hod,“ sagt die poldi zum hansi, „de von da partei, de hom do in gwisse zeidungen so fü inseriert, damits nix bleds über eana schreim. und a teil von dem göd is daun wieda an die partei zruckgaunga.“ der hansi trinkt sein bier weiter, wortlos. „und da franzi sogt, de dann des imma no so, do kennans sofü ausschuss mochn, wias woin“. die poldi wundert sich nicht, dass der hansi nich reagiert, wenn sie was sagt. der schaut zum fenster raus. das ist immer so.

weder der hansi noch die poldi haben gesehen, welche lok ihren zug nach tirol zieht. aber schönes wetter war.

nachtrag: wenn der „ich kann auch so grausam dreinschaun wie die schottermizzi“-ministerin noch ein paar solche loks gefallen würden, und sie dafür kein budget mehr für menschenjagd auf asylwerberInnen hätte, um diese zu deportieren, dann könnte ich mit noch vielen polizeiloks leben.
noch mehr polizeiloks bitte!

polizei fährt bahn - foto: bernhard jenny

wer die polizeilok unbedingt finden (oder meiden) will, hier ist der standort nachvollziehbar:
http://www.oebb-werbecenter.at/de/Loks/index.jsp

isolierter amoklauf oder logische folge?

Strong Eagle 2 - foto: familymwr - http://www.flickr.com/photos/familymwr/5281704487/sizes/l/in/photostream/

die welt ist wieder einmal alarmiert, ein soldat hat anscheindend wahllos schlafende menschen, alte, junge, kleinkinder ermordet. afghanistan als schauplatz eines angeblichen amoklaufes. sowas schockiert. sowas macht schlagzeilen. so wie die soldaten, die auf leichen urinieren, so wie soldatInnen, die gefangene aufs schlimmste erniedrigen.

es werden wieder pressekonferenzen abgehalten werden, die uns klar machen werden, dass die peinlichen vorkommnisse lückenlos aufgeklärt werden müssen und dass es tief bedauerlich sei, dass es zu dieser entgleisung kommen konnte.

entgleisung? panne? amok?

was uns immer wieder verschwiegen wird. krieg ist immer krieg. und krieg lässt sich nur gegen jede moralische und ethische schranke führen. der „saubere“ oder „moralische“ krieg ist eine illusion, die nicht existiert. wir müssen uns bewusst machen, dass soldatInnen – wo auch immer sie in kriegseinsatz kommen – zu unmenschen werden müssen, um als soldatInnen zu funktionieren. wer sich moralische oder ethische fragen stellt, ist nicht brauchbar für den kriegseinsatz.

dass dann und wann entmenschlichte, befehls- und ferngesteuerte soldatInnen ausser kontrolle geraten und dinge anstellen, ist zwar nicht geplant, aber keine irgendwoher kommende entgleisung, sondern die direkte folge dessen, was den wahnsinn krieg ausmacht.

solange wir kriege führen, nehmen wir die systematische entmenschlichung von kämpfenden in kauf. dass die zerstörte psyche diese menschen dann zu schwer kontrollierbaren mordmaschinen werden lässt, die später – wenn sie heimkommen sollten – allein gelassen werden, darf uns nicht wundern.

krieg ist unmenschlich und zerstört menschen.
auf allen seiten.

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foto: familymwr (creative commons)

zeitgeistler laden suspendierten wirtschaftsprofessor nach salzburg ein

müll rechts foto: bernhard jenny

der wegen seiner nähe zu antisemitismus und seiner zweifel am holocaust suspendierte wu-professor franz hörmann ist nun offenbar festredner am sogenannten ZDAY – einer veranstaltung des zeitgeist movements österreich in salzburg. in einem einladungsmail schreibt das zeitgeist movement – in salzburg bisher von tom stadlauer in szene gesetzt:

Wir vom Zeitgeist Movement Österreich laden Dich herzlich zu unserem ZDAY-Infotag NEUE WERTE, NEUE WIRTSCHAFT ein!
Wann? Am kommenden Sonntag (11.3.) ab 11:00 bis ca. 17:00 Uhr.
Wo? Im Mirabell-Saal des des Arena City Hotels (ehemals CD Hotel) beim Messezentrum in Salzburg.
Wir freuen uns, folgende interessante Vorträge auf dem Programm zu haben:

Prof. Dr. Franz Hörmann: „Die neue, selbstorganisierte, ressourcenbasierte Gesellschaft – Philosophie, Psychologie und Technologie“

Joya Michaela Marschnig: „Freies Lernen – der innere Lehrplan – Neue Wege für unsere Kinder“

Kurt Schmidinger: „Die globalen Folgen unserer Ernährungsgewohnheiten“

DJ Axel F. (Axel Kneschke): „Ein- und Ausblicke eines Musikproduzenten und Discjockeys – Stars und Sternchen verlieren an Glanz“

Clemens Bogner: „Alternative Heilungsmethoden – die einfache und effektive Art“

diese veranstaltung ist einmal mehr der versuch der zeitgeistler, den antisemitismus und revisionismus nicht auszugrenzen, sondern im gegenteil.

ob das management des arena hotels (http://www.arenasalzburg.at/) weiss, wem sie da bühne bietet?

ich werde jedenfalls diesen blogeintrag an hotel@arenasalzburg.at senden,
und abwarten, ob ich eine stellungnahme erhalte.

antisemitismus und revisionismus dürfen nicht geduldet werden.

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bisherige artikel über hörmann

profil

fm4

trauer.

kerzen (foto: bernhard jenny)

du hast dein leben beendet. mitten aus unserem alltag hinaus. ohne wahrnehmbare vorzeichen. mitten aus dem normalen leben. alles war in ordnung und doch gar nichts. schluss.

manchmal, sicher nicht immer, kann und will ich die entscheidung von menschen, die ihrem leben ein ende setzen wollen, annehmen. ich will es mir nicht anmassen, in jedem fall gescheiter sein zu wollen, wenngleich ich im zweifelsfall immer für einen neuerlichen versuch fürs leben wäre.

bei deinen gerade mal 16 jahren leben ist meine reaktion ganz anders. ich will dazwischen gehen. ich will laut aufschreien. ich protestiere. zu spät.

und ich fühle mich, ich fühle uns schuldig. ich stelle den anspruch, dass unsere welt lebenswert sein muss. lebenslust weckend statt ermüdend. auch deine bekanntgewordenen zeilen des abschiedsbriefs können mich nicht beruhigen. nach jedem wort, nach jedem satz mein innerer protest. nein. so ist dein abgang nicht zu begründen. nein.

du dürftest es sicher nicht geahnt haben, wie nahe vielen menschen, wie nahe auch mir deine entscheidung gehen wird. wir haben uns nur flüchtig gekannt, doch das ist jetzt auch keine erleichterung. der alltag wird banal. die wichtigkeiten relativ. die aufmerksamkeit verändert. doch es ist zu spät.

ich kann dir nur sagen:
ich kann deine entscheidung nicht annehmen.
aber ich muss.
ich muss deine entscheidung annehmen.
aber ich kann nicht.

ruhe in frieden.