sadismus gegen kinderseelen

eine unterkunft wird zu einem überwachungsgefängnis umfunktioniert, um darin minderjährige unterzubringen. nicht in einem fernen, dunklen unrechtsstaat. sondern im unrechtsstaat österreich.

die inszenierung ist perfekt. die bevölkerung eines kleinen dorfes spürt bereits im vorfeld, welche bedrohung angeblich diese kinder und jugendlichen für das niedlich-romantische, ländliche idyll bedeuten müssen.

die „sicherheitsmassnahmen“ suggerieren: da geht es um angehende terroristen vielleicht. zumindest vergewaltiger und messerstecher. aber die strengen behörden „beruhigen“ bedeutungsschwanger: die bevölkerung ist nicht in gefahr. alles unter kontrolle.

minderjährige geflüchtete. niemand kann sich wirklich vorstellen, was diese jungen menschen schon alles durchgemacht haben. schwerst traumatisierte sind sicher darunter, kinderseelen die sich nach geborgenheit und menschlicher wärme sehnen.

aber die haben wir nicht. nicht die geborgenheit, nicht die wärme.

dafür eine unterkunft der wahnsinnigen art, in der „schwierige“ jugendliche konzentriert ausgelagert werden. pädagogisch und sozial der grösste schwachsinn und absichtlich kontraproduktiv. es sind die schwächsten, die es trifft. die, die ohnehin schon nicht mehr alles verkraften können, was das leben ihnen zugemutet hat. die sollen nun auf einen haufen gesperrt werden.

irgendwann muss dann was passieren.
irgendwann dreht dann einer durch.
irgendwann wird zumindest ein stichhaltiges gerücht die dorfesruhe zerstören.

und dann?
die volksseele wird überkochen.

das ist jetzt schon vorauszuahnen.
self fulfilling hounding.

der fremdenhass kennt keine grenzen mehr.
er ermöglicht sogar
von amtswegen betriebenen
sadismus gegen kinderseelen

 

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foto: herbert ortner, vienna, cc licence by sa
bearbeitet von bernhard jenny cc licence by sa

4 monate #kirchenasyl: ali wajid muss ein faires verfahren zugestanden werden.

just an jenem tag, wo ali wajid bereits vier monate im kirchenasyl im stift st.peter verbringt und noch immer auf die sichere zulassung einer einvernahme zum start eines zweiten asylverfahrens wartet, weil er als möglicher konvertit in pakistan von extremistischen gruppen an leib und leben bedroht wäre, also gestern, am 3. november 2018m kam die grauenvolle nachricht aus pakistan:

die aufhebung des todesurteils gegen die christin asia bibi durch das höchstgericht wurde von der regierung auf massiven druck nach extremistischen massenprotesten wieder relativiert, da eine neuerliche revision dieses urteils zugelassen wird. damit drehte sich die positive nachricht vom 31.10. innerhalb weniger stunden ins gegenteil!

einen klareren beweis dafür, dass ali wajid als möglicher konvertit nach vier monaten aufenthalt in einem der bedeutensten klöster des deutschsprachigen raums erwiesenermassen gefährdet wäre, gibt es nicht.

zwei politiker, die sich öffentlich für asia bibi und damit gegen ihre hinrichtung ausgesprochen hatten, wurden bereits von extremistischen gruppen ermordet: salman taseer und shabaz bhatti sind opfer jener extremistischen kreise, die auch ali wajid als konvertiten oder der blasphemie schuldigen betrachten würden. daher darf es im fall von ali wajid niemals eine abschiebung nach pakistan geben.

nach der inzwischen nun schon vier monate lang andauernden ausnahmesituation im kirchenasyl muss nun endlich auch den behörden klar werden, dass es nur einen humanitär vertretbaren weg geben kann: ein faires verfahren für ali wajid.

und noch ein beleg für die situation, die ali wajid erwarten würde: das beispiel jenes jungen menschen, der vor wenigen tagen aus vorarlberg nach pakistan abgeschoben wurde, zeigt ebenso, wie konkret die gefahr ist; qamar abbas wurde in karatschi umgehend festgenommen, der kontakt zu seinen unterstützer*ìnnen ist abgebrochen. das ist mehr als besorgniserregend.

ali wajid muss ein faires verfahren zugestanden werden.

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foto: bernhard jenny cc by nc

wenn die hetze real wird

vor wenigen tagen, irgendwann vor mitternacht, mitten in salzburg. ich bin mit dem fahrrad auf dem heimweg, die nacht ist wärmer, als für diese jahreszeit üblich. ich fahre entlang der salzach, überquere eine brücke und muss dann über einen geregelten zebrastreifen. kaum bis gar kein verkehr.

die ampel schaltet für mich auf grün, für ein einziges auto auf der hauptstrasse auf rot. dies scheint dem fahrer gar nicht zu passen. während ich den zebrastreifen quere, lässt er plötzlich den motor des aufgemotzten komplett weiss lakierten pkw mit heckspoiler aufheulen und beginnt ruckartig mit der „androhung“ loszufahren.

ich denke noch, was für ein spinner und gebe ihm das auch noch gestisch zu verstehen, setze mich dann auf das rad um weiterzufahren.

der für solche getunete autos relativ kleine pkw hat immer noch rot, da schreit der beifahrer plötzlich mir nach:

„scheissäää judäää! gas! gas! gas!“

während ich stehen bleibe, fährt er nun mit einem „kavalierstart“ davon.

der restliche heimweg – bei sehr wenig sonstigem verkehr – war mir etwas unheimlich, ich wusste nicht, ob mir irgendwann der blitzweisse wagen wieder begegnen oder folgen würde.

ist das die fortsetzung der hetze, die schon auf judas watch erlebbar wurde?

nachdenklich macht mich, dass ich keine lust habe, mit diesem vorfall zur polizei zu gehen und eine anzeige zu erstatten. da hat sich etwas grundsätzlich verändert in den letzten monaten und jahren.

dieser vorfall ist für mich persönlich die leider nur allzu logische fortsetzung von vorfällen, die ich in zeiten der „waldheim-affäre“ wiederholt erleben musste. das wird unheimlich.

es ist wieder da, dieses mulmige gefühl:
wenn die hetze real wird

 

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bild: knuton cc by sa / bernhard jenny cc by sa