sklavinnen bitte warten! (#corona #10)

zuerst wurde ihnen alles gekürzt. den sklavinnen.
sollen doch nicht reich werden. dort wo sie herkommen, ist das leben billiger, also musste kurz kürzen. den sklavinnen.

ups. jetzt fehlen uns aber die sklavinnen.
sie sollen bitte weiterhin den alten die windeln wechseln, sie waschen und versorgen.
ja wo sind sie denn, die sklavinnen?
nach hause geflogen? na das geht gar nicht!
wer soll denn bitte unsere alten pflegen.

also.
sonderflug mit sklavinnen.
super. we fly with austrian.
schwechat begrüsst seine gä… sklavinnen.

was? arbeit? nein, nix arbeit.
quarantäne!
14 tage quarantäne.
weil nix so viele test, du verstehen?
nix systemrelevant,
nur schüsselkräfte, nicht schlüsselkräfte.
du verstehen,
wartest do, jo?
eh nur 2 wochen
und dann rucki zucki a….putzi!

aber vorher quarantäne!
nix wissen, ob du krank.

sklavinnen bitte warten!

ps. corona macht vieles sichtbar. auch unseren zynismus. menschenhandel per sonderflug.
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bild: screenshot orf

auf die nahversorger nicht vergessen! (#corona #09)

in zeiten wie diesen wissen wir wieder genauer, was wirklich wichtig ist. dazu gehört die versorgung mit lebensmitteln. und gerade dabei kommt es auch auf die qualität an. UND nicht zuletzt: auf die regionalität, auf die sorgfältige auswahl von produkten aus betrieben der umgebung.

die nahversorger*innen spielen dabei eine unglaublich wichtige rolle. exemplarisch sei hier das muspelhaus.at in salzburg riedenburg erwähnt. heinz odehnal versteht es, die palette der bioprodukte meisterhaft zu „kuratieren“: da wird spürbar, dass hinter jedem ausgewählten produkt eine überlegung steckt bzw. eine beziehung von herkunft und händler. es ist eben nicht egal, woher und wie die produkte kommen. und wie sie in summe ein spürbares ganzes ergeben.

solche nahversorger kamen heute in der rede des bundeskanzlers nicht vor. die ausgerufene pflicht einer mund-nasen-maske im lebensmittelhandel wurde fast selbstredend mit den üblichen supermarkt-ketten in verbindung kommuniziert. ja, so wird vielleicht eine breite masse erreicht. und klar, konzernzentralen mit der distribution der masken zu beauftragen, ist einfach.

auch das fernsehen greift dann schnell das wording der regierung auf und plötzlich denken alle nur mehr an die supermärkte. supermärkte. supermärkte. da wurden aber viele vergessen, oder?

heinz odehnal vom muspelhaus versucht seit heute mittag verzweifelt herauszufinden, wie er an entsprechende masken kommen kann. es kann nicht sein, dass der erlass automatisch nur die ketten berücksichtigt und die kleinen nahversorgungsbetriebe überfährt.

natürlich beliefert muspelhaus.at auch kund*innen auf bestellung direkt. aber vielen ist der direkte gang in den laden immer noch lieber. und das ist auch eine qualität.

der appell an die regierung daher:
auf die nahversorger nicht vergessen!

18 millionen wären wieviele beatmungsgeräte? (#corona #08)

heute mit der post gekommen: meine neue ecard, denn die alte hatte ja kein foto von mir. wunderbar. super. jetzt kann kein mann meines alters mehr sich medizinische leistungen erschleichen. ist zwar nie vorgekommen, aber die illegalen!

18 millionen, also 18.000.000 € hat laut schätzungen des hauptverbands der sozialversicherungsträger das „ausrollen“ dieser serie neuer karten gekostet. soviel schaden hätten die illegalen nie anrichten können, aber wir haben es ja. das geld.

18 millionen, also 18.000.000 € – hätten in beatmungsgeräte investiert werden können. wie bitter uns die noch abgehen würden, konnten selbst die türkisblauen damals nicht ahnen, zugegeben.

18 millionen, also 18.000.000 € rauszuwerfen, um unmengen an plastikkarten übers land zu verteilen und dadurch die alten ins weltmeer zu entsorgen, oder sonst wo hin? wir sehen heute überdeutlich, wie absurd das handeln der kurz-regierung damals war.

18 millionen wären wieviele beatmungsgeräte?

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foto: © bernhard jenny

nicht nur das virus ist unsichtbar (#corona #07)

es ist ja ganz nett. die 127te wohnzimmersession, das 318te balkonkonzert, die 74te onlinelesung und das 111te solidaritätsvideo. es ist vielleicht sogar mehr als nett. es ist die kollektive – manchmal auch hilflose – suche nach einer kultur des austausches unter für uns alle wirklich unerwarteten vorzeichen. niemand konnte ahnen, was da auf uns zukommt.

ein unsichtbares virus treibt uns in die isolation, in das social distancing und wir lernen, dass viel weniger beatmungsgeräte als vielleicht bald notwendig bereitstehen. da ist es wohl nur gut und logisch, dass wir uns ablenken, mut zusprechen und austauschen.

dennoch wirkt das ganze irgendwie wie eine mega-bobo-party. die digital natives bringen den omas und opas das skypen und zoomen bei, somanche menschen aus der babyboomer-generation machen ihr erstes handyvideo ever.

„schatz, ich glaub im gymnastikraum hab ich noch das alte iphone, das könnten wir jetzt doch der oma geben.“ das können nicht alle sagen.

da und dort wird elearning in hohen tönen gelobt und teleworking als die optimale lösung gepriesen. dass das mitunter auch auf bisher kaum erfahrene grenzen stösst, dass wir zb nach 3 videokonferenzen viel geschlauchter sind, als nach drei real life terminen, wird ausgeblendet. wir wollen fest daran glauben, dass wir auf einem guten weg sind, und das ist auch nur allzu verständlich.

ausgeblendet bleiben aber viele menschen, weil es sie nicht gibt – weil es sie digital nicht gibt. weil sie nicht teil der digitalen crowd sind. das sind menschen, die es oft ohnehin schon nicht leicht haben bzw. die es gewohnt sind, nicht dazuzugehören.

das sind nicht unbedingt nur obdachlose, es sind auch menschen in prekären lebensbedingungen mit wenig oder keinen ressourcen. sie und ihre kinder, aber auch deren grosseltern haben eben kein smartphone, machen kein video, sehen kein video und werden auch von keiner rot-kreuz-app erfasst werden. und sie haben kein altes iphone irgendwo herumliegen.

ein umfassendes gesundheitskonzept in der corona-gesellschaft, aber auch in der post-corona-gesellschaft, darf diese menschen nicht ausgeblendet lassen.

diese menschen waren auch vor corona ohnehin nicht von grosser aufmerksamkeit der gesellschaft betroffen. aber in diesen tagen, wochen und monaten, in denen sich die gesellschaft unfreiwillig digitalisiert, werden die „abgehängten“ noch viel heftiger hinten gelassen. sie sind unsichtbar.

social distancing bekommt eine schlimme bedeutung, wenn wir glauben, dass wir via social media die ganze gesellschaft abbilden.

nicht nur das virus ist unsichtbar

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Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay

liebe nichtösterreicher*innen! (#corona #06)

ich möchte mich heute ausdrücklich an euch wenden. ihr habt es nicht verdient, ignoriert zu werden. der türkise kanzler betont in jedem pressegespräch, in jeder ansprache, in jeder dankesadresse immer explizit, dass er sich an die „österreicherinnen und österreicher“ wendet.

ex lege ist natürlich dieser kanzler für die staatsbürger*innen zuständig. aber nicht nur. es ist auch seine aufgabe, sich um das gesamte gesellschaftliche leben in unserem land zu kümmern. spätestens jetzt – angesichts der krise – müsste es selbst naivsten menschen aufgefallen sein, dass unser leben in so unglaublich vielen punkten nur mit hilfe vieler menschen funktioniert, die keinen österreichischen pass haben.

mir tut es weh, wenn das offizielle österreich in person des bundeskanzlers euch exkludiert, wie wenn euch weder die krise, noch die gesundheit, noch die quarantäne, noch die systemerhaltenden tätigkeiten etwas angehen würden.

mir tut es weh, wenn menschen, die mit uns zusammenleben, auseinandersortiert werden. das habe ich auch jener pflegerin aus der slowakei gesagt, die meine über 90 jahre alte grosstante rund um die uhr betreut. „es ist schwer, sehr schwer für alle“, sagte sie mir, „aber es ist auch schwer für anna (meine grosstante), ich werde sie nicht allein lassen.“ sie hat sich also entschlossen, zu bleiben, „irgendwann werden die grenzen wieder aufgehen“, meinte sie. ich war gerührt über diese menschliche haltung.

nicht alle von euch sind in systemstützenden berufen tätig, aber sehr viele. manche sind auch hier in quarantäne, oft in nicht sehr luxuriösen wohnungen, und ihr tragt durch euer verhalten ebenso zur gesundheit aller bei, wie die österreicher*innen.

es gibt auch schutzbedürftige menschen unter euch. ihr alle sollt ohne unterschied mitgemeint sein, wenn es um den gemeinsamen weg durch die krise geht. das auseinandersortieren von menschen war noch nie der richtige weg. mensch ist immer mensch. und menschenrechte sind unteilbar.

ich verspreche euch, dass immer, wenn jemand sich explizit an die „österreicherinnen und österreicher“ wendet, ich mit aller kraft euch dazudenke. wenn andere euch nicht dazu denken, ich will es immer tun, ich lasse mir euch nicht nehmen,
liebe nicht-österreicher*innen!

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Bild von Sabine van Erp auf Pixabay

spekulationen stoppen! jetzt! (#corona #05)

hilfsprogramme sind fast überall auf der welt angesprungen oder angedacht. überbrückungskredite, soforthilfen, wirtschaftsförderungen. wie weit diese programme auch wirklich die einzelpersonen erreichen werden, ist noch abzuwarten.

ein grosses problem für die zeit nach der krise ist die rolle der masslosen spekulationen. da beginnen ratingagenturen tote in verluste umzurechnen, totalausfälle in währungssummen und staatshaushalte von ramsch bis weniger ramsch krankzurechnen.

zusätzlich läuft die ganz normale börsenspekulation weiter, nicht überall sind leerverkäufe ausgesetzt und deshalb kann frischfröhlich weiter spekuliert werden. arbeitslose sind da kein problem, dividenden heisst das glück.

der turbokapitalismus wird das feld nicht freiwillig räumen. die regierungen werden ihren spendengeber*innen keine schwierigkeiten bereiten wollen. es bräuchte schon eine breite öffentliche meinung, um das geschehen in ratingagenturen und spekulationsbörsen als das zu brandmarken, was es ist: unanständig. obszön.

dass die gesundheitssysteme in vielen ländern so unendlich ausgezehrt sind und deshalb noch lange vor dem eigentlichen höhepunkt der krise bereits in die knie gehen ist das ergebnis eben dieser prozesse, wo geld mehr zählt als leben, wo gewinnmaximierung als menschenrecht definiert wird, während flüchtende menschen als opfer an den aussengrenzen ihr leben lassen sollen.

der britische premier wurde von einer erdrückenden öffentlichen meinung gezwungen, in seinem umgang mit covid einen 180 schwenk hinzulegen. es geht also, wenn genügend menschen wollen. warum haben sie gewollt? weil sie schlicht angst um ihr leben und das der ihren hatten.

es muss also nur klargestellt werden, wie tödlich der turbokapitalismus ist. schon sehr lange und oft weit weg von uns. in diesen monaten nun auch direkt in unserem lebensbereich. setzen wir ein ende!

spekulation gegen staatshaushalte und sozialsysteme, nackte gewinnsteigerung für wenige spekulant*nnen auf dem rücken von kranken, ist tödlich. mal ganz schnell, mal zeitverzögert.

ächten wir die spekulation gegen das leben.
zwingen wir unsere politiker*innen der obszönen geldgier einen ersten kleinen riegel vorzuschieben.

schliessen wir börsen und ratingagenturen bis jahresende, oder am besten für immer.

spekulationen stoppen! jetzt!

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

der kardinal verstösst die ärmsten kinder (#corona #04)

es ist unfassbar. eigentlich. es verschlägt einem den atem. kardinal schönborn hat heute in der ORF pressestunde die ärmsten der menschen in not, die kinder, verstossen.

simone stribl – orf beschreibt die position der regierung und dass diese nicht ganz einheitlich war und zitiert dann nochmals die position: „(…) >wir holen keine kinder von griechenland nach österreich.< sollte man diese position überdenken?“

darauf schönborn überdeutlich: „nein, das ist im moment auch undenkbar.“

(pressestunde 22.03.2020, sec 23:30 ff)

das ist eine katastrophe. denn sein wort hat – ob es uns gefällt oder nicht – für viele schäfchen grosse bedeutung. das weiss er natürlich auch. er verstösst damit die kinder endgültig, denn wenn er gesagt hätte, er hofft, dass die regierung da noch umdenkt, wäre vieles möglich gewesen.

mit angeschlagener stimme nach zwei schweren krankheiten hätte alles gepasst, etwas altersweisheit durchkommen zu lassen. aber nein, so wie er auch im zusammenhang mit der „häuslichen gewalt“ mehr auf das „verzeihen“ verweist, als auf die strukturelle gewalt in unserer gesellschaft einzugehen, so schliesst er – wohl endgültig – die türkispurpurnen tore unseres landes, nimmt quasi dem – heiligen zum lebzeiten – sebastian diese schwere last ab.

das sollten wir nicht vergessen. denn es bedeutet wohl für viele kinder den tod.
der kardinal verstösst die ärmsten kinder

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bild: screenshot orf pressestunde