pressemeldungen (20190206 – 20190211)

hier nun wieder eine auswahl der pressemeldungen nach der rückkehr von alois dürlinger aus kenia.

SPIEGEL ONLINE, 2019-02-11
Zu Ausreise gezwungener Flüchtling Von Pakistan nach Salzburg nach Kenia nach…

SALZBURGER NACHRICHTEN PRINT 2019-02-07
Wajid Ali will zurück „nach Hause“

ORF Radio Salzburg, 2019-02-07
Salzburg aktuell Journal

SALZBURGER NACHRICHTEN, 2019-02-06
Fall Wajid Ali – Flüchtlingspfarrer Alois Dürlinger kritisiert Regierungslinie
(mit video vom gesamten pressegespräch)

ORF 2019-02-06
Pakistani will über Mangelberufsliste zurück

DER STANDARD 2019-02-06
Salzburger Flüchtlingspfarrer regt Stärkung von Kirchenasyl an

DIE PRESSE 2019-02-06
Salzburger Flüchtlingspfarrer regt Stärkung von Kirchenasyl an

DIE PRESSE 2019-02-06
Die Reise des Lehrlings Ali Wajid

KATHPRESS 2019-02-06
Salzburger Lehrling plant von Kenia aus Rückkehr nach Österreich

SALZBURG24 2019-02-06
Helfer berichtet: So geht es Ali W. in Kenia

ORF Religion 2019-02-06
Salzburger Pfarrer für Stärkung von Kirchenasyl

vorangegangene pressemeldungen

pressemeldungen (20190124 – 20190202)

hier nun eine auswahl der berichterstattungen der letzten tage seit der verhaftung von ali wajid bis zur erfolgreichen ausreise nach kenia. (zur eigenen position bitte den hier verlinkten artikel lesen)

DER STANDARD PRINT, 2019-02-02
Lehrling aus Kirchenasyl nach Kenia ausgereist

SALZBURGER NACHRICHTEN PRINT, 2019-02-02
Kirchenasyl: Lehrling ist in Kenia

ORF Salzburg heute, 2019-02-01
Ali Wajid reist nach Kenia aus (Video)

DER STANDARD, 2019-02-01
Lehrling aus Salzburger Kirchenasyl nach Kenia ausgereist

SALZBURGER NACHRICHTEN, 2019-02-01
Salzburger Lehrling vor Abschiebung: Ali Wajid reiste nach Kenia aus

KATHPRESS, 2019-02-01
Salzburger „Kirchenasylant“ Ali Wajid reist nach Kenia aus

SALZBURG24, 2019-02-01
Ali W. derzeit in Kloster in Kenia

ORF, 2019-02-01
Flüchtling Ali Wajid reiste nach Kenia aus

KLEINE ZEITUNG, 2019-02-01
Schlagabtausch Anschober schreibt offenen Brief an Kurz zu Asylwerber in Lehre

KLEINE ZEITUNG, 2019-02-01
Ex-Landesrätin zahlte FlugKurz vor Abschiebung: Lehrling Ali Wajid reiste nach Kenia aus

RUPERTUSBLATT, 2019-01-31
Ali Wajid droht Abschiebung

ORF Ö1 2019-01-29
Ö1 Mittagsjournal

KRONE.AT, 2019-01-28
Droht bei Abschiebung Tod?

INFOMIGRANTS, 2019-01-26
Austria wants to deport Pakistani refugee from church sanctuary

SPIEGEL ONLINE, 2019-01-25
Österreich will Flüchtling aus Kirchenasyl abschieben

KATHPRESS, 2019-01-25
Salzburg: Lehrling Ali Wajid trotz „Kirchenasyl“ in Schubhaft

ORF SALZBURG, 2019-01-25
Asylwerber Wajid: Helfer wollen Abschiebung verhindern

ORF heute mittag, 2019-01-25
Abschiebung droht (Video)

SALZBURGER NACHRICHTEN, 2019-01-25
Abschiebung droht – Unterstützer suchen Lösung für Lehrling Ali Wajid

OE24, 2019-01-25
Vom Kirchenasyl in die Schubhaft: Lehrling wird nach Pakistan abgeschoben

SALZBURG24, 2019-01-25
Unterstützer suchen Lösung für Ali W.

ORF SALZBURG HEUTE, 2019-01-24
Ali Wajid vor Abschiebung (Video)

ORF, 2019-01-24
Flüchtling in Kirchenasyl: Ministerium bestätigt Schubhaft

SALZBURGER NACHRICHTEN, 2019-01-24
Trotz Kirchenasyl in Salzburg: Lehrling Ali Wajid in Schubhaft

DER STANDARD, 2019-01-24
Salzburger Lehrling in „Kirchenasyl“ offenbar vor Abschiebung

SALZBURG24, 2019-01-24
Ali W. in Schubhaft genommen

OÖN, 2019-01-24
Salzburger Lehrling in „Kirchenasyl“ in Schubhaft

DIE PRESSE, 2019-01-24
Salzburger Lehrling in „Kirchenasyl“ offenbar vor Abschiebung

WIENER ZEITUNG, 1019-01-24
Salzburger Lehrling in „Kirchenasyl“ in Schubhaft

wann wählen wir die „miss forschung“?

spätestens seit wir ein ministerium für „integration“ haben, müsste uns leider klar sein, wie missverständlich das thema in unserer gesellschaft wohl laufen kann.

missverständlich im wahrsten sinne des wortes. denn wenn eine „integrations-miss-wahl“ einen gesellschaftlichen höhepunkt im casino darstellt (siehe bericht sn) – anlässlich der mit erstaunen festgestellt wird, dass die tochter eines österreichischen vaters und einer bosnischen mutter pinzgauerisch spricht (sic!) – müssen wir zur kenntnis nehmen: integration kann auch bedeuten, die werte einer aufgeklärten gesellschaft kurz mal über bord zu werfen, so es sie denn wirklich gegeben hat.

ich nehme es dem organisator erwin josef himmelbauer durchaus ab, dass er sein engagement in sachen integration ernst meint. und ja, integration ist nicht eine angelegenheit nur für verkopfte und theoretische ansätze, sondern durchaus auch für „niederschwellige“ praxis, an der alle teilhaben können. und dass speziell der sport eine starke integrative, also verbindende sache sein kann, ist wirklich nicht von der hand zu weisen.

ausserdem ist auch klar, dass es viel ehrenamtliches engagement braucht, um eine integrations-fussball-wm ins leben zu rufen und wirklich regelmässig derartiges auf die beine zu stellen.

allerdings – frauen als objekte einer wahl über einen laufsteg zu bringen, mal im abendkleid, mal im fussballdress und dann im dirndl? – ist das wirklich das wertesystem, von welchem sich die einheimischen wünschen sollen, dass es die „zuagroasten“ bitte dringend übernehmen sollen? wollen wir genau so verstanden und gesehen werden? motto: „so san mia“?

die neu gewählte miss mirella klammer wird verständlicherweise den gewinn dieses titels als persönlichen erfolg sehen. und das ist auch gut so. die tochter einer migrantin und eines österreichers ist in der mitte der gesellschaft angekommen.

eine emanzipatorische gesellschaft kommt allerdings ohne misswahlen oder misterwahlen aus. menschen auf ihr äusseres erscheinen, auf ihren körper zu reduzieren oder zumindest die aufmerksamkeit darauf zu fokussieren und so nach solchen kriterien zu bewerten, entspricht jedenfalls nicht einem wertekanon einer selbstbewussten partizipation.

was in sachen integration oder migration geht, wäre in anderen gesellschaftlichen kontexten kaum vorstellbar.

oder wären derartige wahlen auch in „seriösem umfeld“ angesagt?

wann wählen wir die „miss forschung“?

phantasierte und reale abgründe

kürzlich fand landeshauptmann wilfried haslauer in einer diskussion im crown plaza hotel in salzburg deutliche worte über die aktuelle situation angesichts der zu uns flüchtenden menschen:

… wir gehen sehenden Auges in den Abgrund.“

wenige tage später brachte haslauer in brüssel das gesamte ausmass der überforderung zum ausdruck:

Salzburg wie auch Österreich insgesamt sind an der Kapazitätsgrenze angelangt. In Österreich haben wir 7,6 Asylwerber pro 1.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 4,4 Asylwerber je 1.000 Einwohner. Schon daran kann man erkennen, wie angespannt die Situation bei uns in Österreich ist.

und haslauer hat völlig recht. das land steht offensichtlich wirklich vor einem abgrund. wenn menschen mit politischer verantwortung in kenntnis aller fakten über die nach europa flüchtenden menschen von einem „abgrund“ sprechen, in den wir zu stürzen drohen, dann ist ein „abgrund“ wirklich nicht mehr weit. aber nicht jener, den haslauer beschwört.

denn es ist abgründig, in einem der reichsten länder der welt von überforderung, von kapazitäts- oder obergrenzen zu sprechen.

auf 1000 einwohner_innen kommen 7,6 asylwerber_innen
auf 1000 einwohner_innen kommen 7,6 asylwerber_innen

wenn wir uns das ausmass dieser 7,6 asylwerber_innen pro 1000 einwohner_innen vor augen führen, dann ist es einfach nur peinlich, hier sich jenen anzuschliessen, die ständig nur bedrohungen sehen, von „lawinen“ und „katastrophen“ reden und laufend angst haben oder schüren.

und wenn haslauer gleich auch noch den flüchtlingen „rosinenpickerei“ unterstellt, und sich dagegen ausspricht, dass sich flüchtlinge die länder „mit den konfortabelsten sozialbedingungen“ aussuchen, mag das vielen reaktionär gestrickten gemütern gefallen, aber wohl kaum humanistisch motiviert sein.

vor nicht allzulanger zeit hätten solche aussagen massive proteste zur folge gehabt, nicht zuletzt auch aus grünen kreisen. nun ist in solchen situationen aber ein verstummen, ein wegschauen, ein durchtauchen oder eine unendliche langmut zu bemerken. so schnell gehen überzeugungen und früher einmal klar vertretene standpunkte den realpolitischen bach hinunter – in einen abgrund.

jene menschen, die zu uns fliehen, tun dies, weil ihr leben in ihrer heimat nicht nur nicht mehr sicher, sondern auch auf lange zeit hin unmöglich geworden ist. sie wollen sich und die ihren in sicherheit bringen. die gründe für diese kriege und andere missstände haben immer auch mit uns, unserem wirtschaftssystem und vielen von uns verursachten oder zumindest mitgetragenen ungerechtigkeiten zu tun. es ist unsere pflicht, flüchtenden menschen zu helfen. ohne wenn und aber.

im übrigen kämen im libanon auf 1000 einwohner_innen etwa 335 ins land geflohene menschen. dass wir reichen länder uns ausgerechnet von den armen ländern erwarten, sie mögen doch die last von millionen flüchtlingen selber tragen, das ist wirklich abgründig.

es gibt also
phantasierte und reale abgründe

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grafik: bernhard jenny

flüchtlingsabzocke von amts wegen

das kann doch wohl nur ein schlechter scherz sein. leider nein. ORF SALZBURG HEUTE berichtet darüber. also ist es realität.

wenn denn nun ein mensch als flüchtling offiziell anerkannt ist, dann hat er das recht, seine familie nachzuholen. eine identitätsfeststellung per dokument reicht aber anscheinend nicht.

anerkannte flüchtlinge müssen dann nicht nur ihre eigene DNA untersuchen lassen, sondern die angehörigen müssen im herkunftsland zur österreichischen botschaft und dort ebenso DNA proben von sich nehmen lassen. diese werden dann nach salzburg geschickt und von der salzburger gerichtsmedizin untersucht.

abgesehen davon, dass solche vorgangsweisen ziemlich erniedrigend sind, machen sie ohnehin nur im falle von kindern und/oder eltern sinn, denn der/die ehepartner_in werden im seltensten falle vergleichbare DNA vorweisen. und es vergeht zeit. und zeit. und alles dauert.

aber die prozedur bringt der gerichtsmedizin wohl eine willkommene und amtlich vorgeschriebene einkommensquelle auf kosten jener, die mit buchstäblich null ihre existenz erst aufbauen müssen. wups. da haben sie die rechnung. schlappe 1000 €. in worten tausend. sausend. ju andastend?

so funktioniert
flüchtlingsabzocke von amts wegen

polizeiskandal: verzweifelter vater läuft zug hinterher

erst bei der sichtung der berichterstattung über die vorfälle mit den aus syrien flüchtenden menschen auf dem salzburger hauptbahnhof am montag musste ich entdecken, dass der orf zeuge einer unglaublich unmenschlichen amtshandlung der polizei wurde.

bei der abfahrt eines zuges richtung münchen darf ein familienvater nicht mehr zu seiner familie in den zug steigen und wird gewaltsam von den beamt_innen (einsatzleiter andreas huber) am einsteigen gehindert. diese art von umgang mit menschen, noch dazu mit schwer von krieg und flucht traumatisierten, ist untragbar! der verzweifelte vater läuft auf offenen schienen dem abfahrenden zug hinterher.

der kommentar von tobias pötzelsberger: „er läuft los. aber er weiss vermutlich selbst nicht wohin. ja das sind bilder die durch mark und bein gehen.“

zu diesem zeitpunkt war ich selbst am anderen ende des bahnsteigs mit einer mutter und ihrem auf der flucht geborenen kind beschäftigt. ich bin entsetzt, was hier vorgefallen ist.
ich fordere dringenst aufklärung

  • ob und in welcher weise die verantwortlichen der polizei, des magistrats oder des roten kreuzes diesem familienvater zu hilfe gekommen sind und
  • ob gesichert ist, dass er seine familie wieder gefunden hat.

oder wurde am ende der familienvater ohne weitere schritte wirklich seinem schicksal überlassen?

dann wäre es ein veritabler

polizeiskandal: verzweifelter vater läuft zug hinterher

ps. wie schon gestern berichtet, ist in der nacht auf dienstag sehr viel schief gelaufen. positiv muss hier unbedingt erwähnt werden, wie sehr die mitarbeiter der öbb unsere hilfsaktion vom ersten moment an spontan unterstützt haben. danke erich rattensberger und co.!!!

pps. warum mir martin floss als magistratsdirektor auf meine frage, was er denn hier auf dem bahnhof unternehme, einfach antwortet: „ich bin genauso freiwillig hier, wie sie auch“, obwohl er einer der verantwortlichen einsatzleiter war, mag wohl nur er selbst verstehen. warum er meine kritik daran, dass hier viele, sehr viele kinder und babys vor hunger schreien und das rote kreuz kein essen mitgebracht hätte, und wie er da zusehen könne, mit „sie sprechen jetzt wohl auch nur für ihre eigene psychohygiene“ bleibt nicht wirklich ein rätsel. es zeigt die haltung.

gehts noch grässlicher?

toter vogel - foto: bernhard jenny

die sensationsgier ist nun mal ein motor unserer medienwelt. und kameraschwenks über leichen sind nicht mehr gewöhnungsbedürftig. dennoch fällt in letzter zeit ein trend auf, der zu denken geben muss.

selbst regionalmedien scheinen aus nicht ganz nachvollziehbaren gründen auf sensationsbilder zu setzen. da kommt es dann schon vor, dass die gerade dürftig bedeckte leiche einer radfahrerin, die von einem lastwagen in der sterneckstrasse überollt wurde, vom kameramann des grössten fernsehsenders salzburgs schwerverdaulich ins bild gerückt wird.

im bericht über einen tödlichen unfall, bei dem ein pkw einen radfahrer gerammt hatte, bringt die grösste tageszeitung salzburgs auf der internetseite ein bild, das neben dem unfallauto die sanitäter bei ihren letzten handgriffen am toten radfahrer zeigt.

kommt uns da pietät abhanden? natürlich müssen pressebilder in zeiten der allerorts und überall verfügbaren bilder aus smartphones immer „mehr“ können, als einfach nur abgeknipste szenen zu zeigen. aber ein professionelles bild, ein qualitätsvolles video entsteht nicht dadurch, dass wir die leichen des alltags noch warm serviert bekommen.

quote wird dadurch vielleicht leichter.
qualität geht anders.