kultur begreift die unaufhaltsamkeit von veränderung.

es ist tatsächlich nochmal ein quantensprung, das fertige buch haptisch wahrnehmen zu können: klar haben wir in der vorbereitung des projekts die texte bereits gelesen, und fanden sie damals schon horizonterweiternd. aber dennoch – nennt mich „alt“ – ist der text im blättern, im „begreifen“ nochmal etwas anderes. das ist mit der rein digitalen lektüre nicht zu vergleichen. ich kann euch jedenfalls diese tollen impulse in „don´t tell show“ nur empfehlen!

zitat aus dem geleitwort des vorstands der ARGEkultur in salzburg:

Weiterlesen „kultur begreift die unaufhaltsamkeit von veränderung.“

es reicht. diesmal wirklich.

nein. er braucht einem nicht leid tun. der unkanzler. aber er wird jetzt auf offener politbühne erpresst und vorgeführt. von seinem unsäglichen koalitionspartner. es kann kein zufall sein und kein versehen. es ist ein schauspiel, das uns allen schadet.

unmittelbar vor den europawahlen wollen es die rechten wissen. können sie dem kurzen so richtig zeigen, wo der säbel hängt? ihm eine rechte drohung reindrücken, dann gleich einen volksgerichtshof-vergleich reinjubeln, ohne dass der edle unkanzler irgendetwas tun kann. und jetzt die sprache der identitären aufgreifen?

einen koalitionsbruch kann er sich die nächsten drei wochen nicht leisten. so das kalkül. also geben die rechten so richtig gas. strache sellnert kräftig drauf los, spricht von bevölkerungsaustausch und schämt sich nicht dafür, sondern bekräftigt das auch noch.

sellner jubelt. und kurz? was macht kurz?
wer macht die politik in unserem land?

jede minute, die die rechten das klima weiter zertsören, jede minute, die die straches, vilimskys, nepps, höbarts, kickls und co noch etwas zu sagen haben, verursacht schwere schäden an unserer demokratischen kultur.

mögen die blaunen sich ein paar ponys organiseren und abreiten. aber dalli! weit hinter den rechten horizont. auf nie mehr wiedersehen!

armin wolf wurde in diesen tagen zur symbolfigur für presse- und meinungsfreiheit. die hetze gegen ihn zeigt offen und klar, was den rechten der grösste dorn im auge ist: seriöse arbeit. solange die fpö in der regierung sitzt, ist kein seriöser staat mehr zu machen.

es reicht. diesmal wirklich.

verantwortliche popularität

populismus. ein weitverbreitetes monster, das unsere demokratischen strukturen vor unseren augen auffrisst. populismus. will niemals wirklich partizipation, sondern billigen beifall. populismus. kein beitrag zur belebung der demokratie, sondern machtsicherung durch halbwahrheiten und lügen.

populismus ist antiintellektuell und ein angebot an jene, die sich durch komplexe themen überfordert fühlen.

populismus ist niemals ehrlich, führt hinters licht und manipuliert. es sind die fremden, die geflüchteten, die migrant*innen, die ausländer*innen, die muslime, die jüd*innen, wer auch immer. die sind an allem schuld. das framing funktioniert. inzwischen glauben schon fast alle, dass es besser wäre, wenn nur „die‟ nicht da wären.

populismus macht die welt wieder einfach. ohne gleichstellung oder emanzipation, ohne menschenrecht, ohne partizipation oder teilhabe, ohne minderheitenrechte, ohne schwule, lesben und transgender, ohne ökologische verantwortung.

populismus nutzt reale probleme, verdreht diese ins absurd-unreale und bietet sich als lösung für ein ständig herbeibeschworenes unbehagen. populismus scheint sich um benachteiligte oder solche, die sich zumindest benachteiligt wähnen, anzunehmen. fake news besorgen das nötige stimmungsbiotop, in dem empörung und rufe nach einer starken lösung wachsen.

populismus ist – egal mit welcher politischen masche, sei es links, rechts oder sonst was – schlicht betrug der wähler*innen. denn dem populismus geht es nie darum, wofür er vorgibt, sich einzusetzen, sondern um macht.

ernsthafte, seriöse diskurse stehen in der krise. intellektuelle verhandlungen sehr komplexer themen werden nicht mehr angenommen. hasspostings, fake news und schlichtes leugnen von tatsachen sind dann plötzlich wählbarer, als wohlabwägende, verantwortliche positionen.

den klimawandel gibt es nicht mehr, das passivrauchen schadet nicht, arme brauche keine unterstützung, arbeitslose keine fortbildung und ältere keine arbeitsplatzoffensive.

dem populismus kann nicht mit populismus begegnet werden. lüge gegen lüge, betrug gegen betrug funktioniert nicht oder wäre zumindest nicht verantwortlich.

verantwortliche politische kommunikation muss durch klarheit, eingängigkeit und daher auch mit entsprechender verkürzung überzeugen. populismus braucht keine langen entscheidungsfindungen, hat schnell lösungen parat, kann spontan sein. den zerrbildern des populismus müssen in adäquatem tempo unmissverständliche echtbilder entgegengehalten werden. antwort auf einen populistischen einzeiler kann kein ausdifferenziertes, mehrseitiges essay fünf tage später sein, sondern muss durch deutlichkeit und einfachheit mit populistischen schnellschüssen mithalten können.

mut zu einer inhaltlich richtigen, aber medientauglichen verkürzung tut not. jenen, deren aufmerksamkeit durch eingängige kurzsignale gewonnen wurde, können tiefsinnigere argumente nachgereicht werden.

das bedeutet nicht, dass vielschichtige, vertiefende und grundsätzliche überlegungen keinen platz mehr haben. die „warums und abers“, die „wenn – danns“, die „im falle von“ und „im übrigen auch“ müssen warten, müssen in die zweite reihe, in vertiefende artikel und diskursveranstaltungen wandern.

alltagskommunikation verlangt verkürzung, die schnell einprägsame bilder generiert.
wenn eine mehrheit diese botschaften versteht, dann heisst das populär.
davor sollte niemand angst haben.
dem populismus kann begegnet werden:
mit verantwortlicher popularität.

 

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dieser artikel ist in der zeitschrift kranich 2018/1 des friedensbüro salzburg erschienen.

verrückte braucht das land

lange vor der eröffnung des „coworking salzburg‟ 2012 war an verschiedenen bruchstellen und zwischenräumen der so in sich ruhenden und satten stadt davon zu hören. machte „sie‟ von sich hören? schlug „sie‟ so kräftig auf den busch, dass es unüberhörbar sein musste? oder war es diese „unerhörtheit‟, diese „anmassung‟, die für eigendynamik in den gerüchteküchen sorgte? wohl beides. und wie.

kein zwischenraum, kein leerstand, kein ort der inszenierten ratlosigkeit, keine städtische brache, kein öffentlicher platz in der stadt, kein treffen von kreativen, kein irgendwie sich ereignendes neues wahrzeichen für erneuerung zwischen den altstadtmauern – wie jener kunstvoll gestaltete „igel‟ auf dem mozartplatz wohl gemeint war – und keine gerade noch irgendwie freien räume in der argekultur waren sicher. überall tauchte diese frau auf. die romy. und gleich noch ein paar verrückte dabei. frechheit.

wirkliche gründerinnen sind immer gründerinnen. sie brauchen dazu weder konkrete plätze, noch häuser, weder zusagen, noch businesspläne. sie wissen, was sie gründen, und sie wissen, dass sie es gründen.

kein satz begann mit „dürfen wir fragen‟ oder „es müsste was geschehen‟, kein „vielleicht sollten wir‟ oder „wenn wir genügend unterstützung bekommen, dann‟. die manchmal verblüfften gegenüber wurden stets mit „wir wollen hier‟ und „wir werden‟ und „wir gründen‟ überrascht. also kein „wenn‟ und „aber‟, sondern immer ein „machst du mit?‟ oder „was kannst du für unser projekt tun?‟ beim hinausgehen dann statt eines relativierenden abschieds der satz der gewissheit: „es wird coworking salzburg geben.‟

unerhört. geht gar nicht. schon gar nicht ohne politische lager, parteiorganisationen oder sonstige traditionen. „die glauben, sie können einfach machen‟ war eine dieser angstbesetzten reaktionen auf so viel chuzpe.

was auch immer mit „coworking‟ und „space‟ gemeint war, es schien von haus aus unvermeidbar. immobilien und gründstücke hätten wohl in die nichtexistenz fliehen müssen, um nicht auf dem radarbildschirm der standortsuche zu landen. das ding war beschlossene sache. lange bevor es einen standort hatte.

wer sich daran macht, dinge umzusetzen, ohne dafür real greifbare, handfeste fakten zu haben, landet nicht immer auf den doppelseiten der mainstreampresse, in den artikeln der vorzeigemagazine, auf den onlineplattformen der hipen kreativen. manchmal werden solche menschen auch für verrückt erklärt.

eben diesen grad der verrücktheit aber braucht es anscheinend, um die chancen zu spüren, die freiräume zu ahnen und den möglichkeiten entsprechende wirklichkeiten anzubieten.

alles easy? auch als der standort gefunden war, endeten die „das geht so sicher nicht‟-rufe keineswegs. aber es wurden sukzessiv weniger und sie wurden leiser. dass 60 von 100 solchen projekten scheitern, solche fakten erstaunen angesichts der begeisterung, die so ein neuanfang, ein entstehen von etwas noch nicht da gewesenem, bei vielen auslöst. sowohl die coworkerinnen der ersten stunde, als auch die langsam wachsende fangemeinde, alle verbreiteten einen wohltuenden optimismus. gut für die stadt. gut für die gemeinschaft.

es wird fast unwichtig, ob jemand wirklich bis ins letzte verstanden hat, was da läuft, aber geredet wird darüber. aus skeptischen statements werden nun immer öfter andächtige reden. „wir haben es uns immer schon gedacht.‟ plötzlich wollen viele dabei gewesen sein. schon damals, als alles erst nur eine verrückte idee gewesen war.

so ein standort für neues wird unweigerlich zur bühne. irgendwie sind alle immer „on stage‟ in diesem space und „backstage‟ ist fast nicht gegeben. denn selbst die rückzugsräume, die küche, das fensterlose „verhörzimmer‟ oder die zwischengänge, alles ist „part of the show‟.

(fortsetzung / der gesamte artikel ist im buch siehe unten nachzulesen)

https://vimeo.com/220631764

den gesamten artikel gibt es im buch

dowhatyoulove buch cover

„Do what you love“ – the coworking guide to the galaxy
von Romy Sigl und Romana Hasenöhrl
zu lesen.

Erhältlich auf http://www.COWORKINGSALZBURG.com
ISBN 978-3-200-05115-7