machtgeil, machtgeiler, am machtgeilsten

dass sebastian kurz das „geilomobil“ erfunden hat, könnte bereits ein hinweis auf dessen affinität gewesen sein. denn „machtgeilheit“ ist aktuelle politische realität

machtgeil

gelernte österreicher*innen kennen das muster, welches parteien, die jeweilig die macht im dorf, in der stadt, im bundesland oder gar im bund innehaben, bei der besetzung wichtiger posten verfolgen. von der schuldirektion bis zur hochministeriellen abteilungsleitung wiederholt sich (nicht immer) das schauspiel des machtbeweises: logische kandidat*innen an verantwortliche stellen setzen können alle, aber nicht wirklich (oder auch wirklich nicht) geeignete personen zu befördern, das stellt die macht einer partei erst so richtig unter beweis.

wer es schafft, vor versammelten gremien und in aller öffentlichkeit jene zu bevorzugen, die es eigentlich nicht verdient haben, bewirkt nicht nur, dass die so beförderten in ewiger dankbarkeit zu devoten dienenden degenerieren. viele kritische stimmen werden verstummen, wenn offensichtlich wird, dass qualifikation nur ein geflügeltes wort ist, sobald die macht bewiesen werden will.

machtgeiler

mit entsetzen verfolgen bürger*innen unseres landes, wenn sich die aktuelle regierung anschickt, nachweislich unsinniges zu tun. so muss neuerdings ein frauenministerium nicht unbedingt für frauenrechte sein, ein sozialministerium nicht sozial und die pressefreiheit ist neuerdings mehr ein problem, denn eine hohes gut. statistiken will sich der staat lieber gleich selber schreiben und die drei geheimdienste des landes sind ohnehin längst in der reichweite von rechtsextremen.

„wir machen das, weil wir es können.“ so dürfte die gefährliche drohung von norbert hofer, „sie werden sich noch wundern, was alles geht“, nun langsam machtgeiler umgesetzt werden, als viele sich die vorstellen wollten.

am machtgeilsten

nicht mehr rechtfertigbares trotz massivster bedenken vieler anderer einfach umzusetzen, ist wohl die höchste steigerung der machtgeilheit. menschen sehenden auges ertrinken zu lassen, andere menschen, die sich deren rettung verschrieben haben, zu kriminalisieren und vor gericht zu zerren, das ist ultimativ geil. junge menschen, die lernen, arbeiten und für sich selbst sorgen könnten, aus ihren ausbildungsstätten und unterkünften wie schwerverbrecher zu verhaften und in todbringende gebiete zu deportieren, das ist der feuchte traum der xenophoben.

und mit xenophobie war immer schon gut politisches geschäft zu machen. die lust am treten gegen die schwachen zu fördern, die freude am erniedrigen zu fördern und menschen mitten in unserer reichsten gesellschaft das leben „so ungemütlich wie möglich zu machen“, das ist politisch erfolgreich.

da könnten zivilgesellschaftliche dämme brechen, die dem hass und der wut des mobs tür, tor und straßen öffnen. ohne tempolimit.

dumm nur, dass die einen zwar die mächtigen wählen gehen, aber deshalb niemals selbst in die nähe der macht gelangen, während die anderen, die in die möglichkeiten der machtausübung gewählt werden, sich immer weniger um partizipation scheren müssen. macht zementiert macht.

wir können noch lange auf die machtgeil agierenden schimpfen, es wird ohne folgen bleiben. so lange das volk der faszination an dieser geilheit erliegt und die machtgeilsten wählt, selbst wenn sie sich mit offenen extremisten an einen tisch setzen, dreht sich die spirale der steigerung immer schneller, die letztlich auch in den terror führen kann:

machtgeil, machtgeiler, am machtgeilsten.

 

dieser blogpost ist heute auch auf bernhard jenny bloggt | derstandard.at erschienen.

der neue papst ist der falsche.

Pileolus http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pileolus.jpg

wir wissen zuviel:

er wird nur von männern gewählt,
obwohl die welt aus frauen und männern besteht.

er wird nur von alten gewählt,
obwohl die welt aus jungen menschen, solchen mittleren alters und alten besteht.

er wird nur von befangenen machtrepräsentanten gewählt,
die selbst niemals demokratisch legitimiert wurden, obwohl die welt demokratie zumindest als anspruch erkennt.

er wird von tätern gewählt,
die entweder direkt oder indirekt in systematischen missbrauch verstrickt und dadurch mitschuldig sind, aber niemals zu wirklicher aufklärung und öffnung beigetragen haben,
im gegenteil.

er wird von regressiven männern gewählt,
die freiwillig in anachronistischen nachthemden, in seidenem prunk und goldbesticktem ornat herumspazieren, auf fahrenden plattformen und in luxuslimousinen reisen, dicke ringe tragen, sich diese küssen lassen und massgeschneiderte luxusschuhe tragen. was leider nicht nur lächerlich ist, sondern auch viele arme menschen dieser welt verhöhnt.

es bräuchte einen neuanfang.
meinte ein spanischer pfarrer, der selbst mit den armen lebt. wenn ein neuer papst seinen respekt haben wollte, müsste er als erstes den vatikan verlassen, sich weigern ein staatsoberhaupt zu sein, sich allen machtspielchen und lächerlichkeiten entsagen, gemeinsam mit den armen, entrechteten und schwachen dieser welt leben und sich für sie einsetzen. auf deren seite. nicht von oben, sondern von innen.

aber die verweigerung der zukunft hat viele freundInnen.
ähnlich wie bei königInnen und monarchien scheint für viele auch kirchlich die regression
die bevorzugte form der beheimatung zu sein. mit zukunft hat regression beruhigend wenig zu tun. eine zukunft muss ohne papst auskommen.

wir wissen mit sicherheit:
der neue papst ist der falsche.

missbrauch macht missbrauch

kreuz bernhard jenny

keinem anderen verein würde das zugestanden.
aufklärung von verbrechen „in den eigenen reihen“ anstelle öffentlicher untersuchung, das gibt es sonst nur bei behörden (polizei, justiz, verwaltung) und militär. aber die kirche, die katholische, drängt sich mit allen mitteln aus der öffentlichen fahndung hinaus und flüchtet sich in interne, klammheimliche kommissionsverfahren.

mag sein, dass das manchmal sogar auf emotionale allianzen trifft, denn schliesslich sind auch die missbrauchsopfer oft immer noch im kirchlichen kontext „beheimatet“, sie fühlen sich vielleicht manchmal – trotz allem oder auch in folge des missbrauchsgeschehens – immer noch im halbdunkel der kirchendämmerung wohler, weil sie die öffentlichkeit als grelles scheinwerferlicht fürchten, das ihnen mehr zumuten könnte, als ihnen lieb sein kann.

die tatsache, dass die staatlichen behörden und justiz diesem verstrickten system zusehen und das einziehen einer doppelbödigkeit in der aufarbeitung zulassen, anstatt für glasklare und auch die opfer schützende rahmenbedingungen für eine eindeutige aufklärung zu schaffen, lässt viel über die verstrickung von kirche und staat erkennen.

dass sich die täterInnen hinter den opfern verstecken können, dass sie die ängste und traumas der geschändeten nutzen, um sich selbst aus dem licht zu verdrücken, ist die fortsetzung des missbrauchs.

die klasnic-kommission hat sich – wie aktuelle berichte wieder einmal bestätigen – nicht gerade mit wirklichem opferschutz profiliert, sondern laviert wohl eher konfliktscheu zwischen machtkirche und opferbesänftigung. (siehe ORF)

das scheitern der aufklärung in der deutschen kirche lässt erkennen, dass dieser verein nicht wirklich an einer aufarbeitung der schandtaten gelegen ist. (siehe ZEIT)

transparenz und offenheit sind nach wie vor des teufels, zensur und vertuschung gesegnete mittel im sinne des herrn.

wie gesagt.
keinem anderen verein würde das zugestanden.
ob sich der verein und dessen statuten auf tontaubenschiessen oder gott berufen, müsste einer aufgeklärten justiz einerlei sein.

aber
die kette des missbrauchs setzt sich offensichtlich fort.

missbrauch macht missbrauch
macht missbraucht macht
missbrauch macht missbrauch

so funktioniert österreich

foto bernhard jenny

die redakteurInnen des ORF sind empört. sie bekommen von ihrem chef wrabetz einen radio-politik-chef vorgesetzt, der ihnen ganz und gar nicht passt. „Es geht um das Recht auf fachlich unbestrittene, allseits akzeptierte Führungskräfte“, so zitiert der standard den redakteursratssprecher dieter bornemann. und weiter: „Weinzettl ist von acht Bewerbern der Einzige, der noch nie in einer innenpolitischen Redaktion gearbeitet hat.“ ausserdem soll da parteipolitik mitspielen.

ein blick in die österreichischen gepflogenheiten bei bestellung von leiterInnen, direktorInnen und sonstigen führenden positionen wird die redakteurInnen kaum trösten, es könnte aber wrabetzs schritt verständlicher machen: nehmen wir an, dass es acht bewerberInnen gibt, unter denen 2 besonders gut geeignet und profiliert sind, 2 aber ganz und gar nicht dem gewünschten profil entsprechen. und dann versetzen wir uns in die rolle des/der mächtigen (partei, intendanz, wer auch immer). wenn ich als mächtig wirken wollender einen der beiden „logischen“ bewerberInnen bestelle, dann ist das zwar vermutlich beliebt und einsehbar, besonders mächtig erscheine ich dadurch nicht.

wenn ich es aber schaffe, eineN der unmöglichsten kandidatInnen zu bestellen, dann werden alle nur staunen müssen, wie mächtig ich bin, wenn ich sogar solche bestellungen durchdrücken kann. nebenbei werden mir die bestellten auf immer und ewig dankbar sein.

die moral von der geschichte? je ungeeigneter die von mir bestellte person, umso besser für meine macht.
so funktioniert österreich.

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