kultur ist wir alle

ich kandidiere für den #kulturbeirat.

ein für ganz österreich einzigartiger wahlmodus ermöglicht die offene kandidatur für den kulturbeirat des landes salzburg. allein deshalb war es für mich nur logisch, mich an diesem verfahren zu beteiligen. 79 kandidat*innen sind wählbar, pro fachbereich/sparte wird eine person gewählt. meine kandidatur fällt in die spartenübergreifende „freie liste“.

wichtiger als die frage, wer nun in jeder sparte gewählt wird, finde ich die tatsache, dass sich das land salzburg zu einem partizipativen vorgehen entschlossen hat.
hier nun mein motivationsschreiben, welche ihr auch hier nachlesen könnt.

kultur ist mut.
kultur ist ton.
kultur ist zorn.
kultur ist wort.
kultur ist laut.
kultur ist sinn.
kultur ist kunst.
kultur ist leise.
kultur ist kritik.
kultur ist kampf.
kultur ist humor.
kultur ist risiko.
kultur ist wollen.
kultur ist wagnis.
kultur ist unruhe.
kultur ist hunger.
kultur ist unsinn.
kultur ist stimme.
kultur ist teilhabe.
kultur ist öffnung.
kultur ist inklusion.
kultur ist trennung.
kultur ist bewegung.
kultur ist sehnsucht.
kultur ist beziehung.
kultur ist mitwirkung.
kultur ist experiment.
kultur ist verbindung.
kultur ist aufbegehren.
kultur ist differenzierung.
kultur ist weiterentwicklung.
kultur ist widerstand. solidarität.
kultur ist rückzug. chance. ruhe.
kultur ist genuss. lust. freude. lachen.
kultur ist begreifen. ergreifen. loslassen.
kultur ist unbequem. lästig. frech. ungezogen.
kultur ist gemeinschaft. finden. erfinden. phantasie.
kultur ist hören. sehen. fühlen. schmecken. riechen.
kultur ist grenzen überschreiten, überwinden, auflösen.
kultur ist wir alle

pressemeldung des landes salzburg

sind wir lebensmüde?

mit fortschreitendem alter kommt die gelassenheit. mag sein. mitunter auch ein stück faulheit. muss ja auch nicht immer schlecht sein. aber dennoch. kann es sein, dass uns bald nichts mehr aufregt.

was haben wir uns über den horrorclown lustig gemacht! bis er dann plötzlich wirklich präsident der vereinigten staaten war. die ersten wochen und monate sind von chaos und skandalösen vorgängen geprägt, ein abgekartetes spiel mit putin ist noch die kleinste form von vorwürfen, die ihm scheinbar berechtigterweise gemacht werden können.

und jetzt? „die mutter aller waffendeals“ schrieb ein blatt. megadeals mit totbringenden waffen hinein mitten in eine der wohl spannungsgeladenstem weltregionen. wen regt das auf? wen kümmerts? die jungen nicht. die mittleren alters auch nicht. und die alten schon gar nicht.

gegen raketenstationierungen sind wir auf die strasse gegangen, gegen die nato, gegen gipfeltreffen und gegen das world economic forum. jedes säbelrasseln hat uns aufgebracht. ist das vorbei?

sind ausgerechnet die saudis plötzlich seriöse partner, die uns nicht aufregen? die inzwischen als richterin tätige claudia bandion-ortner fand einmal nichts dabei, dass dort laufend menschen hingerichtet werden, weil das „nicht jeden freitag“ passierte. aber jetzt werden die saudis als die friedensgaranten plötzlich mit einer kaum dagewesenen anzahl an waffen eingedeckt?

und wir öffnen unser bier, geniessen unser abendbrot und denken, dass es schon nicht so schlimm werden wird. die geschichte lehrt zwar, dass aufmunitionierte problemregime über kurz oder lang zum noch viel grösseren problem werden und gerne ausser kontrolle geraten. aber es kümmert uns nicht?

der horrorclown kann in ruhe waffenschieben. und wir sind zu faul, dagegen auf die strassen zu gehen. schliesslich war da was mit dem versammlungsrecht. wurde das nicht kürzlich verschärft? und würde es wirklich was bringen?

haben wir den widerstand verlernt? vergessen? oder machen wir uns was vor?

wird schon nicht so schlimm sein.
sind wir für widerstand zu müde?
oder
sind wir lebensmüde?

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foto: stephen downes cc licence by nc

ich wundere mich gerade, was alles geht.

eigentlich schon seit gestern. denn als die „sieben gebote sebastians“ an die övp verlauteten, konnte ich es einfach nicht glauben.

nicht, dass die övp meine bevorzugte partei wäre. aber ich weiss, dass auch in der övp sehr viele menschen aktiv sind, die sich ernsthaft um das wohl unseres landes bzw. der menschen, die hier leben, sorgen und sich sehr engagieren. deren lösungsansätze sind nicht die meinen, aber das trifft auf viele andere ebenso zu.

natürlich gibt es jene övp-repräsentant_innen, deren politik ich mitunter auch aktiv bekämpfe. von maria fekter über johanna mikl-leitner,  von ernst strasser bis wolfgang sobotka.

aber es gibt auch jene, die sich in ihrem wirkungsbereich – zum beispiel in ihren gemeinden – viel weitgehendere gedanken machen, als dies von einer stockkonservativen partei zu erwarten wäre. so manche regionalpolitiker_innen und engagierte an der basis haben mehr weitblick, als „die da oben“.

insgesamt ist für mich die övp mit ihren blockaden einerseits der inbegriff des konservativen verhinderns und blockierens, andererseits aber in vielen bereichen einfach auch eine auf traditionellem boden gewachsene, sehr heterogene politische organisation.

ein franz fischler oder auch ein erhard busek – sie hatten eine traditionelle, aber nicht weltfremde handschlagqualität, was auch viel mit authentizität zu tun hat.

aber jetzt muss ich mich nur mehr wundern.

ehrlich gesagt hätte ich die vorgänge der letzten tage viel eher in anderen parteien für möglich gehalten, wohl am wenigsten in der „gestandenen konservativen“ partei.

dass es aber gerade in dieser partei – mit den angeblich so zahlreichen mächtigen haus- und hofkaiser_innen und nebenmächtigen – so schnell gehen kann, dass die partei freiwillig ihren kopf und kragen abgibt, um nur ja bei der „bewegung“ eines phrasenklopfers dabei zu sein, das hätte ich bis vor wenigen tagen nicht für möglich gehalten.

dass das fiese intrigantenspiel der sobotkas, lopatkas und co. mit der selbstaufgabe der ganzen partei belohnt wird, dass das branding sofort den namen eines einzelnen trägt, das ist dramatisch.

um im bild der seinerzeitigen anmoderation von armin wolf zu bleiben: der oberste totengräber ist nun der allmächtige chef.

eine volkspartei gibt es seit heute wohl nur mehr auf erinnerungstafeln.

ich wundere mich gerade, was alles geht.

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foto: kulac cc licence by-sa

wann wählen wir die „miss forschung“?

spätestens seit wir ein ministerium für „integration“ haben, müsste uns leider klar sein, wie missverständlich das thema in unserer gesellschaft wohl laufen kann.

missverständlich im wahrsten sinne des wortes. denn wenn eine „integrations-miss-wahl“ einen gesellschaftlichen höhepunkt im casino darstellt (siehe bericht sn) – anlässlich der mit erstaunen festgestellt wird, dass die tochter eines österreichischen vaters und einer bosnischen mutter pinzgauerisch spricht (sic!) – müssen wir zur kenntnis nehmen: integration kann auch bedeuten, die werte einer aufgeklärten gesellschaft kurz mal über bord zu werfen, so es sie denn wirklich gegeben hat.

ich nehme es dem organisator erwin josef himmelbauer durchaus ab, dass er sein engagement in sachen integration ernst meint. und ja, integration ist nicht eine angelegenheit nur für verkopfte und theoretische ansätze, sondern durchaus auch für „niederschwellige“ praxis, an der alle teilhaben können. und dass speziell der sport eine starke integrative, also verbindende sache sein kann, ist wirklich nicht von der hand zu weisen.

ausserdem ist auch klar, dass es viel ehrenamtliches engagement braucht, um eine integrations-fussball-wm ins leben zu rufen und wirklich regelmässig derartiges auf die beine zu stellen.

allerdings – frauen als objekte einer wahl über einen laufsteg zu bringen, mal im abendkleid, mal im fussballdress und dann im dirndl? – ist das wirklich das wertesystem, von welchem sich die einheimischen wünschen sollen, dass es die „zuagroasten“ bitte dringend übernehmen sollen? wollen wir genau so verstanden und gesehen werden? motto: „so san mia“?

die neu gewählte miss mirella klammer wird verständlicherweise den gewinn dieses titels als persönlichen erfolg sehen. und das ist auch gut so. die tochter einer migrantin und eines österreichers ist in der mitte der gesellschaft angekommen.

eine emanzipatorische gesellschaft kommt allerdings ohne misswahlen oder misterwahlen aus. menschen auf ihr äusseres erscheinen, auf ihren körper zu reduzieren oder zumindest die aufmerksamkeit darauf zu fokussieren und so nach solchen kriterien zu bewerten, entspricht jedenfalls nicht einem wertekanon einer selbstbewussten partizipation.

was in sachen integration oder migration geht, wäre in anderen gesellschaftlichen kontexten kaum vorstellbar.

oder wären derartige wahlen auch in „seriösem umfeld“ angesagt?

wann wählen wir die „miss forschung“?

armer mitterlehner. armer mitterlehner?

fast. fast hätte er mir leid getan. dem reinhold mitterlehner konnte ich zwar nur in sehr seltenen fällen politisch zustimmen, aber er machte auf mich den eindruck, ernsthaft arbeiten und seriöse politik umsetzen zu wollen.

deshalb hätte er mir wirklich fast leid getan. denn eine partei, die von landesfürsten, die so nicht genannt werden wollen, bünden und bündnissen, interessengruppen und lagern derart in einen prozess der selbstzerreibung getrieben wird, ist für niemanden leicht zu koordinieren. parteichef einer solchen gemengelage zu sein, ist hochriskant.

der giftpfeil, den noch kaiser erwin gen wien abschoss, hat seine wirkung getan. wolfgang sobotka zerstörte jegliche konstruktive ebene zwischen den koalitionspartnern so schnell wie möglich. quertreiben und rechtspräpotent motzen, das ist die klasse des innenministers. ein totengräber für gedeihliche politische arbeit.

ob nun die övp gespalten wird, wie es seinerzeit den blauen in knittelfeld passiert ist, bleibt abzuwarten. zerrieben ist sie auf jeden fall, die scherben müssen vermutlich andere aufklauben.

fast, fast hätter er mir leid getan, der mitterlehner. denn er hatte wohl eine mission impossible zu erfüllen. wenn selbst die eigenen engsten regierungsmitglieder anderes wollen, als der chef, dann muss das früher oder später im showdown enden.

warum er mir jetzt doch nicht leid tut?

als abtretender nochmals hintreten, ist kein feiner stil. mag sein, dass die nerven blank liegen. aber sich an einer anmoderation zu einem fernsehbericht zur sich abzeichnenden lage zu stossen und damit den eindruck zu erwecken, als wäre armin wolf oder der orf schuld, dass mitterlehner zurücktreten musste, das ist dramaqueen hoch drei. wo doch das symbol der bereits wartenden totengräber im hinblick auf sobotka, kurz und co. durchaus zutreffend gewählt war. q.e.d.

es scheint sich ein muster für zurücktretende övp-granden herauszubilden. erwin pröll gibt florian klenk und reinhold mitterlehner armin wolf die schuld, dass die welt nicht mehr in ordnung ist. beide sind wohl intelligent genug und wissen, dass diese geschichte so nicht stimmt, aber der theaterdonner soll offensichtlich nochmal kräftig ertönen, wenn ein „grosser“ abtritt. derartige effekthascherei macht die agierenden aber ganz klein.

so klein, dass er mir fast schon wieder leid tut. der reinhold mitterlehner.

der zerstörungsprozess innerhalb der övp ist noch lange nicht vorbei.

armer mitterlehner. armer mitterlehner?

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foto: manfred werner / tsui CC licence BY-SA 3.0

dortmund sollte uns zu denken geben.

warum es sinnvoll ist, in zeiten wie diesen ruhe und besonnenheit walten zu lassen

die bisherigen erhebungen zum anschlag auf den mannschaftsbus des bvb haben ein für viele überraschendes ergebnis erbracht. das tatmotiv des vermutlichen täters war demnach keine jenseitige gottheit, sondern eine sehr diesseitige habgier.

angesichts des zum glück einigermaßen glimpflichen verlaufs des anschlags ist es sinnvoll, über das potential der tat nachzudenken. nicht, dass wir es nötig hätten uns noch mehr tote auszumalen, als es sie real in den alltäglichen nachrichten gibt. aber stellen wir uns nur für einen moment vor, der anschlag hätte jenen dramatischen, vom täter beabsichtigten ausgang gehabt. wie „ruhig und besonnen“ oder eben gar nicht so geduldig die reaktionen in der öffentlichkeit gewesen wären. die uefa hätte nicht nur das spiel, sondern vermutlich das ganze restliche turnier absagen müssen, deutschland und europa stünden unter schwerem schock.

dies wäre dann die optimale gemengelage für einen kaum mehr zu beherrschenden flächenbrand. viele, sehr viele kommentare und unaufgeforderte stimmen wüssten quasi mit „an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit“ aus welchem eck dieser anschlag kommen musste. wir würden vermutlich eine kaum mehr einzubremsende hetze gegen jene erleben, von denen viele „immer schon“ wussten, dass sie nur dank „falscher toleranz“ hier in unseren ländern leben können. eine große mehrheit wäre sich vermutlich einig, dass eben diese menschen so schnell wie möglich aus unserem kulturkreis verschwinden müssen.

explosive lage

mitten in dem chaos, das über tage und wochen wüten hätte können, wäre es entweder eine kaum mehr wahrgenommene randnotiz oder eine beschämende wende des geschehens, wenn dann die nachricht über die erhebungsergebnisse bekannt geworden wäre. dass diese erhebungen überhaupt in der gleichen ruhe und besonnenheit hätten stattfinden können, kann getrost ebenso hinterfragt werden.

nutzen wir die chance, machen wir uns bewusst, wie explosiv die gesellschaftliche situation derzeit ist. wir haben die verantwortung, diese „bombe“ zu entschärfen, bevor die nächste lunte brennt. dortmund sollte uns zu denken geben. (bernhard jenny, derstandard.at, 25.4.2017)
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bis dato doch der dritte artikel zum thema

gier bringt viele ums leben.

mehrfach ist in medien über die verhaftung des mutmasslichen täters von dortmund zu lesen:

„der täter soll auf bvb-aktionkurssturz spekuliert haben, der verdächtige ist demnach mutmasslich kein extremist, …“

bitte nochmal:

„der täter soll auf bvb-aktionkurssturz spekuliert haben, der verdächtige ist demnach mutmasslich kein extremist, …“

wie?

wie sollen wir das verstehen?

ist der täter dadurch weniger bedenklich, als solche, die menschen im vermeintlichen auftrag einer gottheit verüben?

oder ist er am ende weniger harmlos, weil er statt für einen gott „aus reiner gier“ töten wollte?

wie verblendet wir doch sind!

es muss völlig egal sein, welcher wahnsinn einen menschen antreibt, um den tod anderer menschen in kauf zu nehmen. ein bombenanschlag ist ein bombenanschlag. mordversuch ist mordversuch. kein vorgestellter gottesauftrag, kein aktienkurs, kein kontostand kann hier einen unterschied in der bewertung der tat bewirken.

oder sollen wir jetzt froh sein, dass einer „nur aus blosser gier“ morden wollte? nach dem motto: „wenigstens kein gottesgläubiger“?

wenn die erhebungen sich bewahrheiten, dann war der täter sehr wohl ein extremist. seine gottheit ist etwas greifbarer als andere. seine gottheit beherrscht das diesseits, andere sind angeblich im jenseits so richtig anwesend. die gottheit des dortmunder extremisten beherrscht jedenfalls sehr viele in dieser welt. interkulturell. interreligiös. und mitunter tödlich. nicht erst dann, wenn in dessen sinne anschläge passieren.

gier bringt viele ums leben.

 

ps. hier ein früherer artikel zur zumutung der UEFA, das spiel nur einen tag später austragen zu lassen.