wir erfahren sehr viel unterstützung: stefan zweig berührt viele!

seit dem start unserer petition für eine Öffentliche Stefan Zweig Villa bekomme ich unglaublich viele positive rückmeldungen. jede einzelne freut mich, aber manche gehen einem besonders nahe.

heute habe ich einen handschriftlichen brief einer frau aus dem land salzburg erhalten, der mich tief berührt hat. sie schreibt, dass sie, sobald es dafür eine möglichkeit gibt, den kauf der stefan-zweig-villa mit einem monatlichen beitrag unterstützen möchte. gleichzeitig erzählt sie von ihrer mutter, die trotz schwierigster lebensumstände selbstverständlich für den salzburger dom und das paracelsusbad gespendet hat.

ein satz ihres briefes bringt diese haltung für mich auf den punkt:

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bitte unterstützt unsere petition für eine öffentliche stefan zweig villa!

es war heinz schaden, bürgermeister der stadt salzburg a.d., der auf meinen blog offen und spontan reagierte. und ganz schnell war der entschluss da, etwas zu unternehmen. marianne schulze, vorsitzende im universitätsrat der universität salzburg und tomas friedmann, intendant des literaturhauses waren ebenso ganz schnell bereit, ihre überlegungen einzubringen. und heute ging die initiative zur rettung des stefan-zweig-hauses am salzburger kapuzinerberg online.

seht selbst und unterzeichnet die petition, schickt sie weiter und verbreitet sie einfach überall hin 😉

https://stefan-zweig-villa.at

zum nachlesen:

mein blog zum thema vor einer woche

die zweig-villa darf kein spekulationsobjekt werden

die nachricht, dass das „paschinger schlössl“ am salzburger kapuzinerberg wieder zum verkauf steht, sollte politik und gesellschaft aufrütteln. es geht dabei nicht um eine beliebige luxusimmobilie mit spektakulärer aussicht. es geht um einen ort von herausragender historischer, kultureller und erinnerungspolitischer bedeutung.

hier lebte und wirkte stefan zweig (1881–1942), einer der bedeutendsten schriftsteller des 20. jahrhunderts, überzeugter europäer, humanist und pazifist. nach dem ersten weltkrieg wurde zweig zu einem entschiedenen gegner von nationalismus und krieg.

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aus den augen aus dem sinn

ein jahr nach dem tod von marko m. feingold hatte es die stadt salzburg sehr eilig. zu heiss scheint die schon jahrzehnte währende diskussion um strassennamen zu sein. da sollen nazis und antisemiten weiter ihre strassen in der mozartstadt haben, aber der mit grosser strahlkraft aufgrund seines unglaublichen engagements wirkende marko feingold bekommt keine postadresse, sondern einen steg.

dass die witwe andere wünsche hatte und mit dieser lösung alles andere als zufrieden ist, das war den eiligen einfach egal. hauptsache, es ist vorbei. juden werden gerne auf plätze ohne postadresse verwiesen, mehr geht nicht. drüberfahren und durch.

die eile war ohne jegliche not die erfindung des bürgermeisters. süffisant kommentiert er dann sinngemäss, dass die witwe – im übrigen die präsidentin der israelitischen kultusgemeinde – schon noch irgendwann einsehen wird, dass das so passt, wie jetzt beschlossen. beschämend.

vielleicht finden sich noch andere, die feingold wirklich würdigen, mit nachhaltiger wirkung. salzburg kann das nicht. salzburg bleibt salzburg.

aus den augen aus dem sinn

vergessen.

britta bayer, sascha oskar weis und bettina oberender im white noise

„Es gibt eine historische Verpflichtung Salzburgs, hier Zeichen gegen den Ungeist der Intoleranz zu setzen,“

betonte landeshauptfrau-stellvertreter david brenner in einer presseaussendung noch am donnerstag, in der die heutige gedenkveranstaltung an die bücherverbrennung vor 73 jahren angekündigt wurde.

allerdings war heute um 10 im kunstpavillon „white noise“ weder ein landeshauptfrau-stellvertreter noch eine vertretung zu sehen. wohl vergessen.

zu beginn der von relativ wenig interessentInnen besuchten veranstaltung blieb britta bayer vom landestheater nichts anderes übrig, als über die fehlende ankündigung und bewerbung der veranstaltung zu berichten. wohl vergessen.

und nein, es gibt ihn offensichtlich nicht, den vermerk im übersichtskalender des koordinierungsamtes der stadt salzburg, der sicherstellt, dass an einem 30.4. nicht irgendeine veranstaltung am residenzplatz platz greifen sollte, schliesslich haben hier mal bücher gebrannt, vorbote der shoa. wohl vergessen.

letzteres brachte mit sich, dass die „lesung zum jahrestag der salzburger bücherverbrennung am 30.4.1938“ sich am mozartplatz im „igel“ akustisch gegen eine laute, jahrmarktsähnliche geräuschkulisse vom residenzplatz her ankämpfen musste.

es ist dem engagierten vortrag von britta bayer und sascha oskar weis vom salzburger landestheater zu danken, dass die lesung dennoch zu einem beeindruckenden ereignis wurde. texte aus „verbrannten“ werken, aber auch aus briefen von heinrich heine, carl zuckmayer, stefan zweig, joseph roth, kurt tucholsky, arthur schnitzler und erich kästner, kombiniert mit zeitungsartikeln jener zeit wurden zu einem spannenden, dichten und erschütternd aktuellen bild jener zeit, in der es – wie es einmal heisst – wohl schon zu spät war.

bettina oberender, schauspieldramaturgin des landestheaters, hat mit ihrer gefühlvollen auswahl und zusammenstellung der texte erreicht, dass ein spannender inhaltlicher bogen entstand: quasi von der noch älteren katastrophe „reconquista“ über die schrecklichen vorahnungen im jahre 1938 bis zu jenen gedanken, bildern und zweifeln der autoren, die uns auch heute noch erschrecken lassen.

einmal heisst es sinngemäss, 1938 wäre es schon zu spät gewesen, viel früher schon, 1928, hätte man das stoppen müssen, solange noch schneebälle geworfen wurden. die lawine, die diese auslösten, war dann nicht mehr aufzuhalten.

beim verlassen des „white noise“ beschäftigt nach diesen eindringlichen bildern die frage:
wie lange sehen wir den heutigen schneebällen noch zu?