occupy? eine dringende abgrenzung!

vorgeschichte

am 4.10. erhalte ich ein anfrage von peter wurm, mir über fb bekannt, ob ich bereit wäre, die gemeinsam mit edith friedl eröffnete seite „occupy austria“ neben anderen auch als admin zu begleiten. ich sage zu. ausdrücklich aber nur als admin der fb seite und ich betone, dass ich in der zeit bis zum 15.10. keine zeit habe, auch organisatorisch mitzuwirken. ich erfahre, dass auch markus linner aus salzburg unter den admins ist und tom stadlauer als organisator in salzburg aktiv ist.

occupysalzburg am 15.10.2011 residenzplatz (foto: bernhard jenny)

zur aktion occupysalzburg

mit sicherheit haben viele für die veranstaltungen occupysalzburg viel gearbeitet. diesen menschen gilt grundsätzlich mal ein dankeschön. dennoch muss ich nach den gestrigen veranstaltungen und diversen vorgeschichten folgende punkte anmerken bzw. klarstellen.

1. das gründen einer facebook-seite allein reicht nicht, um veranstaltungen dieser art entsprechend zu bewerben. die potentielle zielgruppe wäre viel grösser gewesen, als jene schar, die erreicht wurde.

2. das „verteilen“ mehrerer termine auf 8 stunden musste zwangsläufig zu einer schlechten frequenz bei den einzelnen veranstaltungen führen. nur wirklich sehr aktiv engagierte hielten die gesamte zeit über durch.

3. ausdrücklich positiv empfand ich die „aktion zebra“, allerdings eine blockadeaktion alle paar minuten pausieren, damit nur ja kein stau unter den autos entsteht, kommt einer freiwilligen selbstentschärfung gleich.

4. es ist leider schon öfter in salzburg passiert, dass demozüge auf einen fahrstreifen oder sogar auf gehsteige reduziert werden. aber das abzweigen eines demozuges auf den kai zwischen müllnersteg und makartsteg, damit nur ja die schwarzstrasse nicht behindert wird, ist wohl die vorstufe für demos, die am besten gleich an unauffälligen plätzen und abseits des verkehrsgeschehens stattfinden.

5. der schluss am residenzplatz fand zwangsläufig früher als geplant statt, menschen, die der ankündigung einer schlusskundgebung um 19 uhr folgten fanden nur mehr ca. 20 personen vor. es gibt in ganz salzburg keinen grösseren platz, auf dem selbst mittelgrosse und grosse menschengruppen mickrig wirken. der kleine haufen occupysalzburg musste also in unauffälligkeit enden.

6. das im orf wiedergegebene statement von tom stadlauer ist diametral gegen die linie der weltweiten proteste gerichtet. unverständlich, dass das so passieren konnte. jedoch fügt sich das alles in ein bild, das höchst bedenklich ist. anscheinend hat sich das „zeitgeist movement“ der protestaktion occupy salzburg bemächtigt und erfolgreich alle aktionen einer politischen weichspülung unterzogen. also könnten die oben angesprochenen schwächen auch resultat einer gezielten strategie sein. (im orf-bericht steht gar zu lesen: „Die Protestaktion nennt sich „Zeitgeist Movement“ und wurde über das soziale Netzwerk Facebook organisiert.“ und die zeitgeist-homepage wurde in diesem beitrag direkt verlinkt!) http://salzburg.orf.at/news/stories/2505645/

7. am freitag gab es bereits eine aufgeregte diskussion auf facebook, dass occupyaustria u.a. von rechten unterwandert sei. ich hielt das ursprünglich nicht für möglich, musste jedoch heute im internet zumindest hinweise entdecken, dass auch tom stadlauer (angeblich sprecher von „zeitgeist movement“) ein unklares politisches verhältnis zum thema holocaust haben könnte. ich kann und will da niemandem etwas beweisen, aber mir reicht das unbehagen und mein bauchgefühl, um hiermit eindeutig auf distanz zu den veranstalterInnen von occupysalzburg zu gehen.

konsequenz: ich bin daher ab sofort kein admin der occupyaustria mehr. (die diskussion mit tom stadlauer in den kommentaren zu einem früheren blogeintrag liest sich jetzt auch nochmals ganz anders.)

tom stadlauer bedankt sich bei der polizei (foto: bernhard jenny)

abgrenzung

wenn wir das system, jenes heute von spekulationen, ratings und kriminellen machenschaften kontrollierte system kritisieren (was unverzichtbar ist), wenn wir gegen dieses system auf die strasse gehen und ein neues system fordern, so liegt es auf der hand, dass wir noch nicht endgültig wissen, wie das neue system aussehen wird. schliesslich sollen wir alle gemeinsam dieses system neu gestalten und mitbestimmen.

wir müssen aber wachsam bleiben, dass wir keine unauffälligen allianzen bilden mit menschen, die ebenso gegen dieses system sind, aber schon allzugenau wissen, wie das neue system auszusehen hat.
das, was wir einfordern, ist letztlich eine gesellschafts- und wirtschaftsordnung, die den unteilbaren prinzipien der menschenrechte entspicht. diese menschenrechte wurden in einer zeit des bösen erwachens aus den schrecklichen verbrechen des 2.weltkriegs und des holocaust formuliert.

menschen, die die verbrechen und täter von damals oder die verbrechen und täter von heute nicht eindeutig benennen können oder wollen, sind jedenfalls für mich keine weggefährten. niemals.

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aktualisierung 17.10.:
inzwischen hat anscheinend peter wurm (einer der admins der fb seite occupy austria) ein hitler-video kommentarlos auf occupyaustria gepostet, welches inzwischen natürlich entfernt wurde.
eine rege diskussion hier in den kommentaren fand offensichtlich die ganze nacht statt.
alles in allem eine bestätigung für meine distanzierung.

unverwechselbare körperschrift

dass handschriften unauffällig, verwechselbar oder eben auch unverwechselbar, mit starker eigenständigkeit sein können, wissen wir.

bei tomaž simatović ist es keine handschrift, es ist die schrift seines körpers. nach 10 jahren eigener künstlerischer arbeiten als tänzer, performer und choreograf wird sein name zum garanten für starke bilder. so auch gestern und heute in der argekultur im rahmen des tanz_house herbst_2011.

Tomaz Simatovic, Lander Patrick - Foto: Zoe Alibert

simatović zeigt in „episodes“ gemeinsam mit lander patrick (br) ein beeindruckend ästhetisches bild, niemals jedoch aus reiner lust an einer oberflächlichen, sondern jener „anderen“ schönheit, die dann entsteht, wenn brüche sein dürfen, menschlichkeiten behutsam beobachtet werden.

es ist mehr die achtsamkeit und weniger eine exaktheit, es ist mehr die konzentration und weniger eine anspannung, wodurch jene intensität entsteht, in der blicke wie selbstverständlich geführt, die aufmerksamkeit des publikums auf das jeweils wesentliche gelenkt wird.

dass dieses erste stück des abends ganz ohne musik oder sound auskommt, zeigt welche dichte des ausdrucks der beiden tänzer erreicht wurde.

im zweiten stück „the night keeps us calm“ zeigt julian barnett (usa) mit der choreographie von tomaž simatović ein portrait des scheiterns, der schwäche, der anstrengung und verzweiflung im kampf gegen das im raum sich breit machende schicksal. barnett zeichnet eine figur, die vermuten lässt, sie selbst wäre eigentlich der grund allen übels, das ihr wiederfährt. bei allen flüchen, verzweifelten schreien und dann wieder unerwarteten phasen der beruhigung bleibt der scheiternde uns nahe und sympathisch.

ein abend der unverwechselbaren körperschrift.

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http://argekultur.at/Ars/Arge/Event/EventDetails.aspx?EventID=10419

tsimatovic.blogspot.com

sbsmCamp: „wie politisch sind social media?“ …eine pecha kucha session

vorgeschichte: ein beachtenswertes handbuch über „soziale bewegungen und social media“ entsteht im netz, wird papier, wird in einer buchhandlung präsentiert, wird aber auch online verfügbar und hat unmittelbare folgeerscheinungen. eine davon ist das #sbsmCamp, welches am 19. und 20.oktober in wien stattfindet.
http://camp.sozialebewegungen.org/

sbsm_banner_camp

im rahmen dieses sbsmCamps möchte ich gemeinsam mit euch folgende frage beleuchten:

wie politisch sind social media?

bewegungen nach links, rechts, oben oder unten…

eine PECHA KUCHA SESSION soll das #sbsmCamp um verschiedene impulse bereichern. als organizer von PECHA KUCHA NIGHTs (in salzburg) lade ich alle interessierten ein, sich einmal diesem spannenden format zu unterwerfen – es kommt überraschend kreatives raus!

die regel ist denkbar einfach und heisst:
20 folien (bilder, slides) á 20 sec.
das bedeutet, jeder vortrag dauert exakt 6:40

am do, 20.okt 13.00 bis 14.30 würde ich das format zu dem thema auf diesem camp gerne ausprobieren.

ich darf euch alle einladen, eine präsentation nach diesen regeln vorzubereiten und in die session mitzubringen. auch wenn spontane vorträge möglich sein werden, ist uns allen sehr damit gedient, wenn ihr euch kurz bei mir voranmeldet! das thema «wie politisch sind social media?» ist jedenfalls vielschichtig und divers zu beleuchten!

nach den präsentationen soll noch zeit zum weiterdiskutieren und querdenken sein.

wer grundsätzlich mehr über pecha kucha nights wissen will,
kann hier nachlesen:

pecha kucha salzburg,
pecha-kucha.org oder auch
im manual des #sbsm handbuchs, wo pecha kucha im beitrag zu den partizipative veranstaltungen erwähnt wird.

freue mich auf viele 6:40 HOCHPOLITISCHE vorträge!
(bitte präsentationen auf usb-stick mitbringen)

noch besser vorab an mich:
bernhard@jennycolombo.com (betreff #sbsmCamp)
0664 4314481
facebook.com/bernhardjenny
twitter.com/bernhardjenny

occupysalzburg. occupyworld.

da nicht alle facebook-fans sind, die das thema eines neuanfangs interessiert, gebe ich hier erstmal den inhalt der facebook-seite wieder. (hier die salzburger version) ich halte es für wichtig, dass die bewerbung des 15.10. nicht nur in facebook und per presseaussendung passiert – also bitte SPREAD IT!

foto: elmo keep creative commons / flickr
Liebe 100%,

Wir treffen uns am 15. Oktober ab 11:00 Uhr vor der Nationalbank in Salzburg, in der Franz-Josef-Straße 18, bei der großen Weltkugel.

Das Programm für den Tag:

11:00 Protestaktion vor der Nationalbank, mit Open-Mic-Wortmeldungen
15:00 „Aktion Zebra“ (Details folgen in Kürze)
17:30 Protestmarsch von der Nationalbank zum Residenzplatz
19:00 Protestaktion am Residenzplatz

WICHTIG: Dies ist unter allen Umständen eine FRIEDLICHE Aktion!

Es gibt hier keine „Feinde“ und keine Menschengruppen, denen die Schuld an unseren wirtschaftlichen Problemen zugeschoben wird.

Unsere Probleme sind SYSTEMISCH. Eine nachhaltige Verbesserung kann nur aus einer Neugestaltung des Systems entstehen.

Bitte bringt nur Schilder und Info-Materialien mit, die eine solche friedliche Systemkritik zum Ausdruck bringen.

Und bringt bitte Kameras mit, damit wir die Aktion gut dokumentieren können. 🙂

Kerzen oder andere Lichter für das Treffen am Residenzplatz ab 19:00 wären auch schön.

Als weiteres Zeichen der Unzufriedenheit mit dem aktuellen monetären Marktsystem werden wir den ganzen Tag lang die Verwendung von Geld verweigern.

Außerdem können alle, die nicht direkt an der Protestaktion teilnehmen, in Solidarität um 19:00 eine Minute lang Musik, Wecker, Handys oder ähnliche Lärmquellen aus dem Fenster „tönen“ lassen.

Love & Peace ♥

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Information zur rechtlichen Situation:

Die Aktion wird in den kommenden Tagen bei der zuständigen Polizeibehörde angemeldet.
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weitere Aktionen am 15. Oktober auf Occupy Austria:
http://www.facebook.com/OccupyAustria

Offizielle Website:

الرئيسية

Globale Facebook-Page:
global https://www.facebook.com/event.php?eid=113736602047697

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mein persönliches ps.: dies ist ein unter allen umständen friedlicher aufruf 😉
aber ich fürchte mich nicht, diejenigen zu benennen, die das, was heute in unserer welt passiert, verbrechen. und dass es sich um verbrechen handelt, muss ich laut sagen können, auch wenn ich friedlich bleiben will.

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bild: elmo keep (creative commons, flickr)

schluss mit kunst. schluss?

mit „schluss mit kunst“ stellte dieser tage editta braun sich, ihrer company und dem publikum in der ARGEkultur im rahmen des „tanz_house herbst 2011“ (salzburg) eine frage. oder ist es eine feststellung, gar eine forderung?

tomaž simatović, špela vodeb, manel salas foto: © murillo bobadilla

ja es ist schluss. tanztheater funktioniert in unserer welt nicht mehr ohne stellungnahme zu den verbrechen und katastrophen, die uns täglich über die medien überrollen. kunst kann schon lange nicht mehr ohne konkreten bezug. die tanzkunst aber hielten viele länger noch als „immun“, jetzt hat es auch diese erwischt. das desaster schwappt jetzt auf die bühne. die künstlerInnen können (oder wollen) sich nicht mehr abschotten. doch kann überhaupt noch getanzt werden, angesichts von „klimawandel, finanzkrise, artensterben, hunger hier und überfluss dort“?

das publikum wird zeuge eines arbeitsprozesses, ein einblick in den künstlerischen gestaltungsvorgang wird gewährt. die „probe“ wird immer wieder von nur allzubekannten, lästig eindringlichen videobildern und interviews überschwemmt. es hätte bei der bangen frage bleiben können.

manel salas foto: © murillo bobadilla

der abend wird aber zu einem überwältigenden statement für die kunst. der tänzerischen leistung von tomaž simatović, špela vodeb und manel salas ist es zu verdanken, dass die zweifel an der kunst rasch verschwinden müssen.

ob in den szenen, wo sich alle drei oder zwei tänzerInnen aufeinander einlassen oder in den beeindruckenden soli, allein dadurch wie sie ihre authentische betroffenheit und ratlosigkeit tänzerisch darstellen und umsetzen wird klar, was kunst – in diesem falle tanzkunst – den schreckensszenarien und katastrophenmeldungen entgegensetzen kann: die wirkliche, die ehrliche betroffenheit.

špela vodeb foto: © murillo bobadilla

auch wenn sich ratlosigkeit breit macht, die mal fatalistisch, mal humoristisch gelöst werden soll, bleibt die botschaft des abends klar: wenn tänzerInnen sich so ungeschützt offen und rücksichtlos ehrlich auf der bühne bewegen, dann sehen alle rhetorischen fragen schnell alt aus. und ganz nebenbei entsteht eine neue ästhetik.

es ist also alles andere als schluss mit der kunst. wenn kunst sich positioniert und künstlerInnen sich ihrer machtlosigkeit, verzweiflung, aber dann auch träumen und sehnsüchten bewusst stellen, dann ist das genau jener weg, der uns auf neue ideen bringen könnte.

und die haben wir alle dringend nötig.

tomaž simatović foto: © amersdorfer

ps. es freut mich, dass ich neben kurt palm und christian felber einen textimpuls zu dieser produktion beitragen durfte. es ist schon etwas besonderes, gedanken aus diesen impulsen dann so engagiert performt zu erleben. danke!

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http://argekultur.at/projekte/2011/schlussmitkunst/index.aspx

http://www.editta-braun.com

das ende der freiheit

aufsehen erregte dieser tage die – vorerst freiwillige – schliessung der italienischen wikipedia-seite. in der stellungnahme der betreiberInnen steht zu lesen

wikipedia vorübergehend geschlossen

In den vergangenen zehn Jahren wurde Wikipedia Teil im Leben von Millionen Internetnutzern, weil sie eine neutrale, frei lizenzierte und vor allem unabhängige Wissensquelle darstellte: eine neue, großartige Enzyklopädie, die jederzeit frei und kostenfrei zugänglich war.

Heute aber stehen die Säulen, auf denen Wikipedia gebaut war: Neutralität, Freiheit und Überprüfbarkeit ihrer Inhalte unglücklicherweise auf wackligem Boden. Ursache dafür ist der Paragraph 29 eines italienischen Gesetzentwurfes, namens „DDL intercettazioni“ (Abhörmaßnahmen).

Dieser Gesetzesentwurf, den das italienische Parlament zurzeit debattiert, enthält neben anderen Dingen eine Verpflichtung für Webseiten, innerhalb von 48 Stunden kommentarlos jegliche Korrektur am Inhalt vorzunehmen, die der Antragsteller im Interesse seiner Reputation fordert.

Unerfreulicherweise verlangt dieses Gesetz keine Evaluation durch eine unabhängige dritte Person. Ausschließlich die Meinung der angeblich beleidigten Person oder Organisation genügt, um die geforderten Korrekturen an der Webseite durchsetzen zu lassen.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jeder, der sich durch irgendeinen Inhalt in einem Blog, einer Online-Zeitschrift oder eben auch Wikipedia angegriffen fühlt, direkt die Entfernung des Inhalts und eine dauerhafte Veröffentlichung einer durch ihn korrigierten Fassung verfügen kann. Als Begründung würde es genügen, einen angeblich schädigenden Inhalt anfechten und widerlegen zu wollen – unabhängig von möglichen angegebenen Quellen und ohne Rücksicht darauf, ob der Inhalt wirklich ein persönlicher Angriff ist.

es geht nicht nur um wikipedia. es geht um alle blogs, foren und sonstige auftritte. die meinungsfreiheit ist bedroht. ein menschenrecht.

ist es wirklich zufall, dass solche gesetze diskutiert werden? ist es eine panne? oder ist es ein angriff, ein vorreiter dessen, was uns noch erwartet? wird hier das ende der meinungsfreiheit verhandelt?

wachsamkeit ist angesagt. die politik vertritt schon lange nicht mehr die interessen aller. wir dürfen da nicht zusehen.

das internet muss frei… bleiben? …werden?

der aufschrei muss grenzen überschreiten können.

http://it.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Comunicato_4_ottobre_2011/de

begegnung mit der fremden kultur: heimat

dieRAUM 20110922

wiedereinmal so ein zwischenraum. dieRAUM, galerie mitten im historischen kern von laufen, dort wo es fast in jeder richtung eine grenze gibt. zwischenraum. normalerweise rückzugsgebiet für die etwas andere kultur. weder mainstream noch trend. schon gar nicht traditionelles.

wo unerwartetes, experimentelles zur verlässlichkeit wird, musste nun offensichtlich ein bruch her. zu gewöhnlich wäre es gewesen, wenn in diesem zwischenraum wieder einmal „gewohnt ungewöhnliches“ zu sehen gewesen wäre.

dieRAUM 20110922

dennoch verblüffend die direktheit: „heimat“ war das thema des abends, auftakt für eine ganze schwerpunktreihe der dieRAUM. „heimat“ – dazu waren menschen in laufen von der dieRAUM betreiberin und künstlerin vakinore befragt worden, die antworten erklingen auf offener gasse. menschen sammeln sich. und irgendwo muss noch eine andere veranstaltung sein, denn die stadtkapelle laufen versammelt sich ebenso. oder?

nein. die versammeln sich wegen genau dieser veranstaltung im zwischenraum. sie nähern sich dem geschehen. ganz in ihrer tracht. ganz so wie halt eine musik aufmarschiert. also doch ein heimatabend?

dann die einladung in den hinterhof. immer noch mögen manche auf das verlässlich unerwartete, an das gewohnt experimentelle warten. aber nein. die stadtmusik bezieht stellung, erklingt volltönig und schnell wird spürbar, (darf das in solchen galerien gedacht werden?) dass diese töne ganz einfach hier in diesen gassen und mauern, in dieser stadt zuhause sind. also – wir befinden uns in der heimat dieser töne. dem wie immer innerlich stark distanzierten beobachter fällt auf, dass es unerwartet stimmig wird. das bild. der abend. heimat also. irgendwie vertraut und dann doch wieder lieber nicht genau nachdenken? jedenfalls ist die art und weise, wie die musikerInnen hier aufspielen, sehr gewinnend.

dass der durch den abend führende h.rogra sich dann auch noch die deutsche hymne wünscht, steigert die spannung zwischen erwartetem experiment und unerwartet ortsbezogenem ins maximale. in welche veranstaltung bin ich geraten?

zur fortführung des abends dann eine vielgründige wanderung durch ein nur allzu wahres märchen über die ichbezogenheit vom märchenerzähler chris ploier, dem die circumstanzien des abends nichts anhaben können. darauf vakinores einladung in dieRAUM zu gehen, dort sollte mehr über „heimat“ zu hören und zu lesen sein. freibier für die musik auf der gasse, im dieRAUM wird es dicht, texte – alle über „heimat“ – an der wand, setzen sich aus, geben sich her. viele menschen haben für dieRAUM ihre gedanken zu „heimat“ formuliert. einige der anwesenden autorInnen lesen ihre heimat-gedanken vor, dieRAUM füllt sich mit bildern, mit erinnerungen, mit erlebtem und mit bezogenheiten. das zusammenspiel der texte wird zu neuem. im moment des austauschens, des lesens und hörens. gelegentlich werden die draussen bereits gelassen plaudernden auf das geschehen innen aufmerksam (gemacht). aber manche wollen trotz freibier nicht auf die texte verzichten.

gespräche und gedanken nach den gelesenen texten nehmen ihren lauf. plötzlich scheinen alle zu wissen, dass jedeR von den anwesenden von ganz wo anders herkommt. jede einzelne provenienz als solche annehmen, die vielen heimaten erkennen, das scheint irgendwie zu verbinden. menschen, die sich sonst kaum begegnet wären, finden einen gemeinsamen moment.

und der bleibt nicht ohne folgen. die stadtmusik erklärt sich bereit, die gesamte veranstaltungsreihe „heimat“ weiterhin unentgeltlich zu bespielen. verbindungen entstehen. stadtmusik und zwischenraum. langverwurzelte und niemals wirklich beheimatete. immer schon da gewesene und wandernde. alle sind sie sich irgendwie einig, dass grenzen überbrückt gehören. schliesslich sind wir in laufen.

wo unerwartetes wie gewohnt erwartet wurde hat das vermeintlich gewohnt tönende überraschend neue zwischentöne erkennen lassen. heimat?

interkulturalität kann also überall stattfinden.

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http://www.vakinore.at/

und ein bericht in der dorfzeitung.