das sofa könnte bald brennen. und wir mit ihm.

heute jährt sich die befreiung des kz mauthausen im jahr 1945. ein ort, an dem die zivilisation nicht einfach scheiterte, sondern bewusst außer kraft gesetzt wurde. mauthausen ist kein fernes symbol – es ist die radikale konsequenz einer entwicklung, die lange zuvor begann: in gedanken, in worten, in der schleichenden entwertung des anderen.

gerade deshalb ist erinnerung kein blick zurück, sondern eine prüfung unserer gegenwart. denn die bedingungen, unter denen intoleranz wächst, sind keine relikte der geschichte. sie entstehen dort, wo komplexität zur zumutung wird und einfache antworten verführerisch erscheinen. wo politische sprache nicht mehr verbindet, sondern trennt. wo das „wir“ enger wird – und das „die anderen“ zur projektionsfläche.

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holocaust-überlebender und schlepper

marko feingold fragezeichen screenshot

so manche gesellschaftliche entwicklung in unserer näheren umgebung und in der gesamten welt lässt uns manchmal zweifeln, ob wir es schaffen werden, aus der geschichte zu lernen, verbindung statt trennung, gleichberechtigung statt diskriminierung, miteinander statt gegeneinander zu leben. es gibt menschen, die sich nicht und nicht entmutigen lassen.

mit seinen bald 102 jahren ist marko m. feingold, präsident der israelitischen kultusgemeinde salzburg, unermüdlich aktiv, in schulen, vorträgen, pressegesprächen, interviews und diversen veranstaltungen. authentisch und lebendig berichtet er das erlebte mit genau jenem mass an menschlichkeit, das aus fakten erfahrungen, aus erzähltem lebendiges werden lässt.

marko m. feingold überlebte auschwitz, neuengamme, dachau und schliesslich buchenwald. dies war nur durch eine unglaubliche serie von “zufällen” möglich, wie feingold immer wieder ehrfürchtig berichtet. ebenso zufällig kam der wiener, der 1945 nicht mehr in seine heimatstadt zurück durfte, nach salzburg und wurde dort nur wenige tage nach der befreiung zum entscheidenden helfer für eine viertelmillion “displaced persons”, jüdischen überlebenden, die im nachkriegseuropa keinen platz hatten.

2011 habe ich anlässlich des holocaust-gedenktages dieses gespräch mit ihm geführt:

wenn wir diese worte am heutigen gedenktag anhören, so muss uns auffallen, wieviel „wieder“ uns in unserer heutigen gesellschaft umgibt. dagegen gilt es aufzutreten. und gegen die stigmatisierung von menschen, die flüchtenden helfen. marko m. feingold würde vor heutigen gerichten unter umständen (es kommt auf die richtung an) wegen organisierter schlepperei verurteilt. und ist auch deshalb wichtiges politisches vorbild.

holocaust-überlebender und schlepper


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dieser artikel ist am 27.1.2015 auf fischundfleisch.at erschienen und ist dort direkt aufrufbar:
https://www.fischundfleisch.at/politik-jetzt-ich/holocaust-ueberlebender-und-schlepper.html