ein bisserl viel bisserl.

bisserl rot schwarz bernhard jenny

ein bisserl ist die neue regierung wie die alte. ein bisserl ist was neu. aber das fällt ein bisserl wenig ins gewicht. denn es war ein bisserl unwichtig, wirklich was zu verändern. es ist allen träumen zum trotz ein bisserl eine bisserl regierung. eine schule für alle ist ein bisserl untergegangen. einheitliches rauchverbot in gastronomiebetrieben war offensichtlich auch ein bisserl zu viel. so können wir uns also ein bisserl auf genau das einstellen, was ein bisserl wenig ist, um wirklich was weiterzubekommen. ein bisserl hat die övp ihr team verändert, der sebastian ist zwar als aussenminister vermutlich ein bisserl jung, aber ein bisserl dürfen wir uns freuen, dass die schottermizzi und die trixi weg sind. bisserl hart, dass die innenministerin noch immer die gleiche ist. die spö hat ein bisserl auf das bisserl winning team gesetzt und bei den inhaltlichen punkten ein bisserl zores mit manchen in den eigenen reihen. aber das ist einem bisserl kanzler auch ein bisserl wurscht.

eine strukturreform war ein bisserl zu viel für die bisserl gleichbleibende regierung. da wird man lieber dort ein bisserl und da ein bisserl eine steuer anheben und hoffen, dass das dann insgesamt den bisserl dummen nur ein bisserl auffällt. und die alten sollen ein bisserl länger arbeiten und die arbeitsbedingungen werden für manche ein bisserl verschlechtert, aber eh nur ein bisserl. mehr als ein bisserl ist auch sonst nirgendwo geplant, ein bisserl wenig, ein bisserl sehr wenig, aber auch das ist ein bisserl wurscht. und manchmal können wir auch ein bisserl froh sein, dass es da und dort nicht mehr als ein bisserl ist. ein bisserl könnte der eindruck entstehen, dass die spö ein bisserl die övp-wünsche verhindert hat und die övp die spö-wünsche. also ein bisserl eine verhinderungsregierung.

denn ein bisserl ist das schon populär in unserem land, das bisserl. vermutlich sogar ein bisserl populärer als richtig klare entscheidungen und richtungsvorgaben. ein bisserl so und dann doch ein bisserl anders, das sichert auch den jeweils ausführenden oder befassten beamtInnen und behörden ein bisserl die macht über interpretation und umsetzung.

und schliesslich geht es ja auch ein bisserl um die macht. die wollen sich die beiden bisserl grossparteien nicht nehmen lassen. wobei es schon ein bisserl gefährlich ist, wenn sie jetzt wieder ein bisserl viel nicht erledigen und ein bisserl nur auf ihren posten sitzen. das könnte dann ein bisserl überraschend werden, wenn diese bisserl lahme regierung nur ein bisserl der legislaturperiode schafft. denn am schluss ist dann vielleicht ein bisserl mehr kaputt als nur ein bisserl.

aber jetzt können wir ein bisserl beruhigt in die feiertage gehen. nix is gschehn, nur ein bisserl. und das ist ein bisserl das höchstmass an veränderung, das wir vertragen. so scheint es zumindest ein bisserl. ist zwar ein bisserl dumm, ist aber so 😉

ein bisserl viel bisserl.

es trifft immer die schwachen

stolperstein_IMG_1131

im rahmen einer von der stadt salzburg, dem „runden tisch menschenrechte“ und der „plattform für menschenrechte salzburg“ veranstalteten feierstunde im marmorsaal des mirabellschlosses in salzburg wurden nicht nur „5 jahre menschenrechtsstadt salzburg“ gefeiert, sondern auch – wie inzwischen schon seit 10 jahren – traditionell zum tag der menschenrechte wieder die „rose für menschenrechte“ verliehen.

diese auszeichnung der plattform für menschenrechte ging diesmal an das projekt „stolpersteine„. dieses projekt richtet sich gegen das vergessen. es will die erinnerung an die vertreibung und vernichtung von juden, von roma und sinti, von politisch verfolgten, von homosexuellen, von zeugen jehovas und von ermordeten kranken im nationalsozialismus lebendig erhalten. die erinnerung an das schicksal dieser menschen erfolgt durch pflastersteine aus messing mit den wichtigsten daten vor der letzten selbst gewählten wohnadresse.

das »personenkomitee stolpersteine« – eine überparteiliche plattform von über 270 personen – hat mit unterstützung der stadt salzburg im jahr 2007 das international beachtete projekt stolpersteine des deutschen künstlers gunter demnig nach salzburg gebracht.

stellvertretend nahmen gemeinderätin ingeborg haller, der historiker gert kerschbaumer und thomas randisek vom dachverband der kulturstätten die auszeichnung in form vieler rosen entgegen.

gert kerschbaumer wiess in seiner kurzen botschaft darauf hin, dass bei einer gesamtschau der opferbiographien klar ersichtlich werde, dass jene, die ohnehin schon arm, krank, sozial schlechter gestellt oder zb. alleinerzieherinnen waren in der zahl der opfer überwiegen. diese hatten offensichtlich dem morden und verschleppen der nazis weniger entgegenzusetzen, als andere. „es trifft immer die schwachen.“

ingeborg haller lud die anwesenden ein, sich jeweils ein rose auf den weg nach hause mitzunehmen und an einem der vielen stolpersteine diese zum gedenken an die opfer niederzulegen. dieser geste folgten viele festgäste gerne.

im rahmen der feier wurden die themen der aktuellen menschenrechtsarbeit sichtbar. unabhängig davon, ob es sich um themenkreise wie asyl, bleiberecht, prostitution, migrantInnen oder diskriminierung handelt, ein prinzip wird auch heute noch quer durch alle menschenrechtsverletzungen sichtbar:

es trifft immer die schwachen

in memoriam nelson mandela

grafik: bernhard jenny creative commons

NELSON MANDELA
wir lernen.
die welt ist veränderbar.
zum guten.

in tiefer dankbarkeit
für das unauslöschliche vorbild
der einen menschheit.

zu spät munter werden wäre das schlimmste.

rotschwarz

was die ehemals grossen parteien jetzt in den verhandlungen rund um die neue „grosse“ koalition aufführen, verärgert viele. einmal mehr werden (vermutlich höchst naive) vorstellungen und wünsche sowie notwendigkeiten jener, die diese parteien trotz allem noch gewählt haben, ignoriert. es wird spürbar, dass wir nicht mehr mitzureden haben. stimme abgegeben. aus.

viele meinungsforscherInnen waren sich nach den letzten nationalratswahlen einig. dass das ergebnis deutlich ahnen lässt, dass es für die grossen parteien „die letzte chance“ ist, zu beweisen, dass sie im sinne der wählerInnen konkret gestalten können.

seither ist viel passiert. oder auch viel zu wenig. dass die regierung die wählerInnen bewusst getäuscht hat, fällt schon nicht mehr wirklich ins gewicht. zu viel mussten wir uns schon an gräuslichkeiten ansehen, da kommts auf einen betrug mehr oder weniger anscheinend nicht an.

theoretisch könnte es auch die „kleinen“ parteien freuen, wenn die grossen schwach werden. aber so lustig, wie sich das anhören mag, ist das bei weitem nicht. manche umfragen sehen aktuell nicht nur die braunblauen an erster stelle, auch die frage nach dem bundeskanzler würde angeblich momentan der bumsti für sich entscheiden.

warum schrillen da nicht längst allerortens – also in (fast) jeder partei und weit darüber hinaus – die alarmglocken? warum sehen wir seelenruhig beim eiertanz der grosskotzkoalitionäre zu, wie sie weiter an nichts anderes denken, als an die fantasielose fortsetzung der politischen impotenz, die weder korruption verhindert noch konkrete entscheidungen für die gesellschaft trifft? wissen sie wirklich nicht, wieviele das herumgetue schon mehr als satt haben?

in (fast) jeder partei gibt es die vernünftigen, in (fast) jeder partei gibt es die apparatschiks. wir bräuchten eine koalition für eine positive zukunft, für eine offene gesellschaft, für eine gesellschaft für alle. eine koalition der unverbrauchten und der erfahrenen, aber ohne berührungsängste vor einem offenen dialog. und besonders: eine koalition alljener, die den deutschnationalen stallgeruch rechtzeitig erkennen und keinem blaubraunen rattenfänger auf den leim gehen. eine koalition der menschenachtenden, eine koalition der demokratisch denkenden.

wenn die fantasielosen sich durchsetzen, werden sie früher oder später abgewählt werden. und was dann kommen könnte, würde viele von uns viel zu spät aus dem dauerschlaf und desinteresse gegenüber der politik wecken.

es wäre ein schlimmes erwachen.
zu spät munter werden wäre das schlimmste.

wie einzeln sind einzeltäter?

aktuelle nazischmiererei in salzburg foto: bernhard jenny

vor zwanzig jahren explodierte die erste einer unsäglichen serie von briefbomben, rohrbomben und sprengfallen. wir erinnern uns noch daran. das „bombenhirn“ franz fuchs, der sich dann später bei seiner verhaftung selbst die hände absprengte, dann verurteilt wurde und sich dann am kabel seines rasierers in der zelle erhängte.

was war franz fuchs? genau. einzeltäter.

um es gleich vorwegzunehmen: bombenterror ist mit beschmieren von gedenksteinen und dem sprayen von naziparolen nicht gleichzusetzen. was aber auffällt: vor wenigen wochen wurde nach den schmieraktionen gegen die stolpersteine gunter demnigs zuerst ein geständiger täter und nun ein zweiter verhaftet. das ihnen portofrei umgehängte zertifikat: einzeltäter. (jetzt halt zwei einzeltäter)

es entsteht der eindruck, dass da viele nicht näher hinsehen wollen (oder dürfen?), in welchem weitverbreiteten braunen schlamm die angeblichen einzeltäter stehen. wenn letzten freitag hunderte menschen gegen die angriffe auf die synagoge in salzburg und gegen die verschmutzungen der stolpersteine auf die strasse gegangen sind, kann sich dieser protest nicht gegen einzeltäter gerichtet haben, sondern grundsätzlich gegen das immer wieder aufflammen des rechten denkens.

es geht nicht um eine einzelne sprayaktion, es geht auch nicht um einzelne verunreinigungen. es geht viel grundsätzlicher um die immer unverschämter auftretenden rechten, in salzburg, in österreich, in ganz europa. all die übergriffe, all die ausschreitungen und tabubrüche, all die hetzreden und aufwiegelungen an vielen stellen, lässt europa hilflos, lahm und blind erscheinen. das kann sich schneller rächen, als uns allen lieb sein kann.

da muss es dann absurd erscheinen, wenn immer wieder von so unglaublich einzelnen einzeltätern*) gesprochen wird, dass sie unmittelbar vor schlimmen folgen der vereinsamung stehen müssen.

übrigens: im kölner stadt-anzeiger steht zu lesen, dass in brühl kürzlich stolpersteine mit lackfarbe beschmiert worden sind. also praktisch zeitgleich mit den aktionen in salzburg.

gibt es am ende ein netzwerk der „einzeltäter„?

wie einzeln sind einzeltäter?

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dazu passende artikel

foto: aktuelle nazischmierereien in salzburg
*) aufgrund der tatsache, dass es sich bei den konkret bekannten tätern bis dato ausschliesslich um männliche personen handelt, wird hier nicht gegendert.

määh.

Alauda_arvensis_2wikipediacreativcommons

sie hat sich verlindnert. die monika. sehr gut. war ja höchste zeit.

aber: das was sie sich zu schulden kommen hat lassen, es ist ein warmes lüftchen aus der hinteren körperöffnung einer sperlingsvogles namens lerche.

was die derzeit um ihre macht feilschenden sich an wählerInnenbetrug geleistet haben ist viel bodenloser, viel unverschämter, viel demokratiefeindlicher.

es wäre also an der zeit den damen und herren koalitionärbetrügerInnen klipp und klar zu sagen: habt den anstand und ruft neuwahlen aus.

aber leider scheint die umkehr des sprichworts zu gelten. wer immer wieder lügt wird trotzdem immer wieder gewählt.

unsere trägheit ermöglicht deren macht.
wir geben nur klein laut:
määh.

ps. da sind dann so „heisse“ themen wie die diskussion um den salzburger flughafen ideal für die ablenkung der schäfchen. määh.

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foto wikipedia creative commons

jede abschiebung ist ein verbrechen.

foto: http://khaiatovssollenbleiben.blogspot.co.at

das verbrechen der abschiebung bekommt wieder einmal konkrete gesichter und namen der opfer. die familien khaiatov: rustam und rita mit ihren zwei kindern karina und raim, und natalya mit ihrer tochter milana.

wieder einmal wollen die staatssadistInnen im auftrag eines unrechts ihre lust befriedigen. josef pühringer, direktor der vs neufelden schreibt im protestblog dazu:

Diese negative Entscheidung des Asylgerichtshofes ist in keiner Weise nachvollziehbar oder verständlich. Im Gegenteil, gewinnt man hier den Eindruck, dass aus PRINZIP und völlig unabhängig von Integrationsstatus, Integrationswillen und herzlicher Aufnahme der Familie in der Region/im Ort entschieden worden ist, um offensichtlich einfach MACHT zu demonstrieren…

jede abschiebung ist ein verbrechen. jede deportation wiederholt den wahnsinn der anmassung von machtbesessenen behörden der gierigen und reichen. die kleinen, die schwachen, die kinder. sie alle sind die opfer eines staatlichen wahnsinns jenseits jedes humanitären denkens und handelns. aber das wurde schon lange aufgegeben bzw. an „gutmenschen“ delegiert.

schliesst euch bitte den protesten an (hier: http://khaiatovssollenbleiben.blogspot.co.at), wir müssen den sadistInnen klar machen, dass wir solche verbrechen niemals gutheissen werden.

jede abschiebung ist ein verbrechen.

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foto: http://khaiatovssollenbleiben.blogspot.co.at