der tod im netzwerk

für alles gibt es ein erstes mal. meistens bleiben einem diese „ersten“ momente für immer im gedächtnis. ich weiss noch, von wessen tod ich überraschend per sterbeparte per post erfahren habe und vorher nichts davon wusste. viele jahre später erinnere ich mich an die erste todesnachricht per email. damals waren emails noch ganz seltene kommunikationsfetzen, noch nicht richtig im alltag angekommen. und plötzlich stand da, dass k. vor einer stunde gestorben sei.

jahre später kam dann die erste todesnachricht via messenger. da stand unvermittelt die schreckensnachricht einfach so. allein deshalb damals kaum zu glauben.

dann war es ein lieber künstler, den ich persönlich gar nicht kannte, mit dem ich mich aber über facebook regelmässig über die bedenklichen politischen entwicklungen austauschte. er verfolgte meine aktivitäten und ich seine tournees. „ich freue mich schon auf die vorstellung heute abend, gerade im hotel angekommen“, war sein letzter satz. auf eine frage von mir hatte er nicht mehr reagiert. im hotelzimmer haben sie ihn dann gefunden, zur vorstellung kam es nicht mehr.

inwischen ist es leider schon öfter vorgekommen, dass menschen, mit denen ich über facebook befreundet bin, verstorben sind. bei manchen ist das profil geblieben – unverändert – mit eintragungen der trauernden freund_innen. irgendwie will ich die freundschaft mit ihnen auch nicht beenden, das käme mir eigenartig vor. deshalb kann es dann schon mal passieren, dass ich ungewollt, im laufe der routine, auch die verstorbenen zu events einlade. gekommen ist noch niemand von ihnen. zumindest habe ich es nicht bemerkt.

vor einer woche ist wieder einmal ein freund gestorben, viel zu jung. seine letzten postings bekommen dann mit dem wissen um seinen tod eine andere bedeutung. wusste der betreffende, ahnte er vielleicht, dass dieser oder jener eintrag sein letzter sein werde?

und dann entspinnen sich die gedanken. was würde ich als letztes schreiben wollen, wenn ich wüsste, dass es für mich so weit ist. was wäre mein letzter status? „was machst du gerade?“ fragt mich fb. antworte ich da dann „ich sterbe“?

werden die letzten postings neue testamentsformen? oder wird fb oder twitter einen eintrag ermöglichen, den ich als „my last message“ abspeichern kann, der aber dann auch erst dann erscheint, wenn klar ist, dass es so weit ist?

angesichts der grundsätzlichkeit des todes sind die fragen rund um die auswirkungen in den social media mehr als sekundär. aber es ist ein zeichen, dass wir noch leben, wenn wir uns mit diesen fragen beschäftigen können.

er stellt uns eben vor neue fragen,
der tod im netzwerk

____________

foto: onnola creative commons by sa

Advertisements

Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

Ein Kommentar

  1. wirklich seltsam wird es, wenn man von facebook die info bekommt, man möge doch jemanden zum geburtstag gratulieren – der aber IRL (oder eben nicht „Life“) schon verstorben ist…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: