frieden sieht anders aus.

friedensbewegung? war da mal was? es gab sie einmal. aber wo ist sie hin? vielleicht hat sie die bewegung aufgegeben, der frieden ist dann irgendwo geblieben. nur nicht im hier und jetzt.

friedensbewegung? ist das eine nostalgie? erinnerung an die märsche, an die demos, an die menschenketten? schon ein fall für den geschichtsunterricht? spurlos im hier und jetzt.

friedensbewegung? eine naive veranstaltung der hippies von damals? make love not war. bilder aus einer anderen welt. sicher nicht im hier und jetzt.

schaffen die kriegstreiber*innen, aufrüster*innen, truppenkommandant*innen, verteidigungsexpert*innen die zeitreise zurück in einen neuen kalten krieg?. weil es wiedermal um das geschäft geht, um den profit über leichen, über waffen und über bedrohung. kommt ein neues wettrüsten auf uns zu? werden wir von facebook-algorithmen in die feindbilderflut gezogen um unsere wut dann gegen alles aufzubringen, was uns eigentlich heilig sein sollte?

wo ist heute eine friedensbewegung? weggeschlafen? aufgelöst? verbürgerlicht? normalisiert?

was war es damals für ein aufatmen, das scheinbar umfasende frei werden von zäunen, todeszonen, mauern, atomraketen, roten telefonen, feindbildern? haben wir das vergessen? haben wir es den jungen nicht gesagt?

sie könnten es schaffen, die kriegstreiber*innen. weil sie uns lang genug das hirn zugeschüttet haben. die grossen massen reagieren wie ferngesteuert via facebook, whatsapp und instagram. trump, duterte und bolsonaro surfen gekonnt auf der welle des digitalen hasses. und bestätigen ihre macht durch unmenschlichkeit. diese wird gerne zugelassen, solange genügend menschen glauben, dass die brachialmacht ohnehin nur gegen „die anderen“, also nicht „gegen mich“ wirksam wird. gehts allen anderen schlechter als mir, dann geht es mir gut. so scheint die logik zu sein.

diesmal braucht das kanonenfutter nichteinmal mehr aus dem wohnzimmersofa aufzustehen. zwischen chips und rotem bullensaft könnte schon mal ein weltkrieg ausbrechen. bedrohung heisst die grundstimmung. aber das macht die masse nur willfähriger, einfacher steuerbar und für simple feindbilder empfänglich.

was kann frieden? brennt er warm in den kerzen der adventmärkte? hält er stand, auch wenn anschläge passieren? was treibt unfrieden, was treibt frieden an?

ein heilsamer zustand soll er sein der frieden. der ist allerdings nur denkbar, wenn es gerechtigkeit gibt. und gerechtigkeit? ist wohl etwas, das erst dann verwirklicht werden wird, wenn die gesamte weltbevölkerung den artikel 1 der menschenrechte verinnerlicht hat – und danach lebt:

„alle menschen sind frei und gleich an würde und rechten geboren. sie sind mit vernunft und gewissen begabt und sollen einander im geist der geschwisterlichkeit begegnen.“

das setzt einen umbruch voraus, der aus heutiger sicht kaum vorstellbar ist. das weltumspannende system des kapitalismus müsste beendet werden, die externalisierung der schäden, kosten und zerstörung, die unseren reichtum in der festung erst möglich machen, beendet sein.

die kriegslinien und hasslinien, die ausbeutung und zerstörung absichern, verlaufen inzwischen weltweit mitten durch unsere gesellschaften hindurch. während „draussen“ gestorben und untergangen wird, werden „drinnen“ feindbilder abgefeiert. jene, die von den schlimmsten auswirkungen in die flucht getrieben werden, müssen vor den mauern der festung europa ertrinken oder gleich in ihrer heimat draufgehen.

ungerechtigkeit und armut sind nicht nur die folgen, sondern auch die antriebsmotoren unseres kapitalistischen systems, das heissläuft.
frieden sieht anders aus.

 

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dieser blogpost ist ein beitrag zur blogparade #darumfrieden auf einladung des weltfriedensdienst e.v.

foto: vertigogen adapted by bernhard jenny cc licence by nc sa

sollen sie verrecken?

ja, sollen sie doch verrecken. das scheint das letzte wort europas angesichts von geflüchteten menschen und ihren retter*innen zu sein. niemanden kümmert es. sie gehen langsam, aber sicher zu grunde.

„schiff findet keinen hafen“ klingt fast verharmlosend in den pressemeldungen. tatsache, es geht um leben und tod. gestern nacht musste ein bewusstloser mann per helikopter evakuiert werden. vielleicht werden die anderen dann erst geholt, wenn sie nur mehr leichen sind.

wir alle sind verantwortlich, dagegen aufzustehen!

sollen sie verrecken?

sadismus gegen kinderseelen

eine unterkunft wird zu einem überwachungsgefängnis umfunktioniert, um darin minderjährige unterzubringen. nicht in einem fernen, dunklen unrechtsstaat. sondern im unrechtsstaat österreich.

die inszenierung ist perfekt. die bevölkerung eines kleinen dorfes spürt bereits im vorfeld, welche bedrohung angeblich diese kinder und jugendlichen für das niedlich-romantische, ländliche idyll bedeuten müssen.

die „sicherheitsmassnahmen“ suggerieren: da geht es um angehende terroristen vielleicht. zumindest vergewaltiger und messerstecher. aber die strengen behörden „beruhigen“ bedeutungsschwanger: die bevölkerung ist nicht in gefahr. alles unter kontrolle.

minderjährige geflüchtete. niemand kann sich wirklich vorstellen, was diese jungen menschen schon alles durchgemacht haben. schwerst traumatisierte sind sicher darunter, kinderseelen die sich nach geborgenheit und menschlicher wärme sehnen.

aber die haben wir nicht. nicht die geborgenheit, nicht die wärme.

dafür eine unterkunft der wahnsinnigen art, in der „schwierige“ jugendliche konzentriert ausgelagert werden. pädagogisch und sozial der grösste schwachsinn und absichtlich kontraproduktiv. es sind die schwächsten, die es trifft. die, die ohnehin schon nicht mehr alles verkraften können, was das leben ihnen zugemutet hat. die sollen nun auf einen haufen gesperrt werden.

irgendwann muss dann was passieren.
irgendwann dreht dann einer durch.
irgendwann wird zumindest ein stichhaltiges gerücht die dorfesruhe zerstören.

und dann?
die volksseele wird überkochen.

das ist jetzt schon vorauszuahnen.
self fulfilling hounding.

der fremdenhass kennt keine grenzen mehr.
er ermöglicht sogar
von amtswegen betriebenen
sadismus gegen kinderseelen

 

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foto: herbert ortner, vienna, cc licence by sa
bearbeitet von bernhard jenny cc licence by sa

4 monate #kirchenasyl: ali wajid muss ein faires verfahren zugestanden werden.

just an jenem tag, wo ali wajid bereits vier monate im kirchenasyl im stift st.peter verbringt und noch immer auf die sichere zulassung einer einvernahme zum start eines zweiten asylverfahrens wartet, weil er als möglicher konvertit in pakistan von extremistischen gruppen an leib und leben bedroht wäre, also gestern, am 3. november 2018m kam die grauenvolle nachricht aus pakistan:

die aufhebung des todesurteils gegen die christin asia bibi durch das höchstgericht wurde von der regierung auf massiven druck nach extremistischen massenprotesten wieder relativiert, da eine neuerliche revision dieses urteils zugelassen wird. damit drehte sich die positive nachricht vom 31.10. innerhalb weniger stunden ins gegenteil!

einen klareren beweis dafür, dass ali wajid als möglicher konvertit nach vier monaten aufenthalt in einem der bedeutensten klöster des deutschsprachigen raums erwiesenermassen gefährdet wäre, gibt es nicht.

zwei politiker, die sich öffentlich für asia bibi und damit gegen ihre hinrichtung ausgesprochen hatten, wurden bereits von extremistischen gruppen ermordet: salman taseer und shabaz bhatti sind opfer jener extremistischen kreise, die auch ali wajid als konvertiten oder der blasphemie schuldigen betrachten würden. daher darf es im fall von ali wajid niemals eine abschiebung nach pakistan geben.

nach der inzwischen nun schon vier monate lang andauernden ausnahmesituation im kirchenasyl muss nun endlich auch den behörden klar werden, dass es nur einen humanitär vertretbaren weg geben kann: ein faires verfahren für ali wajid.

und noch ein beleg für die situation, die ali wajid erwarten würde: das beispiel jenes jungen menschen, der vor wenigen tagen aus vorarlberg nach pakistan abgeschoben wurde, zeigt ebenso, wie konkret die gefahr ist; qamar abbas wurde in karatschi umgehend festgenommen, der kontakt zu seinen unterstützer*ìnnen ist abgebrochen. das ist mehr als besorgniserregend.

ali wajid muss ein faires verfahren zugestanden werden.

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foto: bernhard jenny cc by nc

wenn die hetze real wird

vor wenigen tagen, irgendwann vor mitternacht, mitten in salzburg. ich bin mit dem fahrrad auf dem heimweg, die nacht ist wärmer, als für diese jahreszeit üblich. ich fahre entlang der salzach, überquere eine brücke und muss dann über einen geregelten zebrastreifen. kaum bis gar kein verkehr.

die ampel schaltet für mich auf grün, für ein einziges auto auf der hauptstrasse auf rot. dies scheint dem fahrer gar nicht zu passen. während ich den zebrastreifen quere, lässt er plötzlich den motor des aufgemotzten komplett weiss lakierten pkw mit heckspoiler aufheulen und beginnt ruckartig mit der „androhung“ loszufahren.

ich denke noch, was für ein spinner und gebe ihm das auch noch gestisch zu verstehen, setze mich dann auf das rad um weiterzufahren.

der für solche getunete autos relativ kleine pkw hat immer noch rot, da schreit der beifahrer plötzlich mir nach:

„scheissäää judäää! gas! gas! gas!“

während ich stehen bleibe, fährt er nun mit einem „kavalierstart“ davon.

der restliche heimweg – bei sehr wenig sonstigem verkehr – war mir etwas unheimlich, ich wusste nicht, ob mir irgendwann der blitzweisse wagen wieder begegnen oder folgen würde.

ist das die fortsetzung der hetze, die schon auf judas watch erlebbar wurde?

nachdenklich macht mich, dass ich keine lust habe, mit diesem vorfall zur polizei zu gehen und eine anzeige zu erstatten. da hat sich etwas grundsätzlich verändert in den letzten monaten und jahren.

dieser vorfall ist für mich persönlich die leider nur allzu logische fortsetzung von vorfällen, die ich in zeiten der „waldheim-affäre“ wiederholt erleben musste. das wird unheimlich.

es ist wieder da, dieses mulmige gefühl:
wenn die hetze real wird

 

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bild: knuton cc by sa / bernhard jenny cc by sa

wer den atem des lebens abwürgt, mordet.

„migration ist der atem des lebens.“

dies sagte alois dürlinger, sprecher des salzburger erzbischofs franz lackner, in einem interview in zusammenhang mit dem seit inzwischen vier monaten im kirchenasyl befindlichen salzburger lehrling ali wajid.

„migration ist der atem des lebens.“

genau diesen atem drückt die bundesregierung ab. das ist nicht nur lebensfeindlich, es ist lebensbedrohlich.

ein land, das als uno-standort eine entsprechende haltung zu den werten der vereinten nationen mittragen sollte, geht auf distanz. ausgerechnet in einem themenkreis, der aktuell weltweit viele menschen beschäftigt.

ein land, dessen regierung aktuell gerade den ratsvorsitz der europäischen union innehat, sollte verantwortlich mit den aktuellen themen, die auch die gesamte union betreffen umgehen. eine spaltung europas ist unverantwortlich. nicht nur peinlich, sondern zumindest grob fahrlässig, wenn nicht bewusste gefährdung.

„migration ist der atem des lebens.“

ein land, das glaubt, durch abschottung den fröhlichen wiederbetätigungsphantasien der identidioten entsprechen zu müssen, wird in vereinsamung, isolation, depression und morbidität untergehen.

wer den atem des lebens abwürgt, mordet.

 

bild: bernhard jenny cc by

pakistan: christin asia bibi droht todesstrafe! unterstützer bereits ermordet!

am montag dieser woche fand die „letzte anhörung“ im berufungsprozess der zum tode verurteilten katholikin asia bibi in pakistan statt. laut meldungen der kathpress ist mit der verkündigung des endgültigen urteils im laufe des monats zu rechnen.

kathpress schreibt dazu: „Asia Bibi war 2009 als erste katholische Frau wegen Blasphemie angeklagt und 2010 zum Tode verurteilt worden. 2014 bestätigte ein Gericht in Lahore das Todesurteil. Im Juli 2015 ordnete ein Gericht die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung der Todesstrafe an. Das erneute Berufungsverfahren war in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert worden. Laut pakistanischen Medien hatten islamistische Hardliner die Richter bedroht.

Am vergangenen Sonntag forderte die radikalislamische Partei Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) die sofortige Exekution Asia Bibis und warnte die Obersten Richter vor einem „Nachgeben“ vor dem Druck „anti-pakistanischer“ Nichtregierungsorganisationen in Europa. Zudem drohte die TLP mit „schwerwiegenden Konsequenzen“, sollte das Gericht „Zugeständnisse machen“ oder versuchen, „sie ins Ausland zu schicken“.

zwei politiker, die sich öffentlich für asia bibi und damit gegen ihre hinrichtung ausgesprochen haben, wurden bereits von extremistischen gruppen ermordet: salman taseer und shabaz bhatti sind opfer jener extremistischen kreise, die auch ali wajid als konvertiten oder der blasphemie schuldigen betrachten würden.

daher darf es im fall von ali wajid niemals eine abschiebung nach pakistan geben.

die letzte woche öffentlich gewordenen folterszenen sind also dokumente einer bedrohung von christen und konvertiten, die bis zur ermordung geht!

https://bernhardjenny.blog/2018/10/04/folterszenen-alarmieren/

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meldung kathpress

meldung csi

foto: kathpress