ist euch wirklich nichts mehr peinlich, ihr am kanzlersessel und drum herum klebenden?
nicht nur, dass da viele juristisch relevanten fehlverhalten weithin sichtbar werden, nein, das allein ist es nicht. es sind zuviele fragen, die über dem abgrund schweben:
wir leben in bubbles. in grossen und in kleinen. in manchen jener bubbles, in denen ich mich bewege, macht sich leise hoffnung breit:
in einer findet zum beispiel folgendes statt: wenn erst einmal alles an den unglaublichkeiten rund um ibiza, casino, novomatic, sobotka, blümel und kurz aufgeklärt ist, wenn also einmal alle fakten auf dem tisch liegen, ja dann… (hier kommt dann entweder ein hoffnungsvoller blick oder zumindest ein kurzes aufziehen der augenbrauen, die zwar nicht optimismus, aber immerhin aufkeimende erwartung signalisieren könnte.)
jede inszenierung braucht einen spannungsbogen. je dramatischer die verwirrung, je unübersichtlicher die lage, je verzweifelter die situation, umso grösser die wirkung der lösung: was dramatiker*innen mit „deus ex machina“ bezeichnen, ist die überraschende wendung durch ein unerwartetes auftauchen einer göttlichen figur, die lösung, erlösung, erleichterung bringt. endlich wieder alles in ordnung.
es war so unglaublich erwartbar. ein innenminister, der lieber kleine mädchen, die in östereich geboren sind, deportiert und dazu scharfe polizeihunde und sondereinheiten einsetzt, muss ablenken. schliesslich kommen ihm die untersuchungen viel zu nahe. er – oder zumindest in seiner verantwortung eingesetzte beamt*innen – hätte(n) anscheinend tatsächlich den terroranschlag von wien verhindern können, wenn nur die kompetenz oder der wille oder beides dagewesen wäre. das ist nicht nur peinlich. es ist sehr traurig.
im mai 2010 hat karoline edtstadler ein urteil gegen demonstranten gesprochen, das sie selbst gerne erwähnt, wenn sie ihre „harte linie“ als richterin dokumentieren will. es war damals spürbar, dass sie in keiner phase des prozesses auch nur den anschein von unparteilichkeit und parteilosigkeit erwecken wollte. wer gegen die damalige innenministerin fekter demonstriert hatte, musste wissen, dass sie alleine deswegen verurteilt gehören. exemplarisch.
deutlicher konnte es nicht werden. auf die fragen von armin wolf in der gestrigen zib2 zu den angriffen der türkisen auf die wksta hatte noch-ministerin karoline edtstadler nur auswendiggelernte stehsätze zu sagen. sukus: es sei kein angriff gegen die wksta, sondern ein „ansprechen von missständen“.
menschen werden gefangen gehalten in lagern auf den griechischen inseln um einem grausamen politischen zweck zu dienen
menschen sollen frieren menschen sollen verfaulen menschen sollen im dreck versinken menschen sollen von ratten gebissen werden menschen sollen vor den augen der welt verzweifeln
das ist ein verbrechen
menschen zu grunde gehen zu lassen als hässliches bild der abschreckung ist wohl an zynismus nicht zu überbieten
das ist ein verbrechen
wer soll sich denn noch aller mit dem aufschrei dagegen melden? viele menschen guten willens haben bereits gesprochen
ich fordere die europäische kommission und die bundesregierung auf endlich alle lager zu evakuieren und menschen wie menschen zu begegnen
wir haben leerstehende unterkünfte wir haben die verantwortung wir haben platz
das verbrechen muss beendet werden nur so erlangen wir wieder würde! evakuieren jetzt