schlimm.

stolpersteine foto personenkomitee

die gezielten schmieraktionen gegen die stolpersteine in salzburg werden fortgesetzt. dieses wochenende wurde nun bereits eine dritte folge an schändungen verzeichnet. das ist alarmierend. denn die botschaft ist klar: das pogromgedenken, das gedenken an die opfer des naziterrors ist im weg. längst ist die einzeltäter-theorie nicht haltbar, auch ein kleines grüppchen wird es kaum sein. solches passiert planvoll und gezielt.

in absehbarer zeit sollen alle 217 stolpersteine versiegelt werden. sie sind zwar dann noch immer nicht unbeschmierbar, aber die folgen können einfacher beseitigt werden, die steine sind dann leichter zu reinigen.

die steine werden also versiegelt.
gut so, aber keine wirkliche beruhigung.
der drang zur wiederbetätigung wird wohl bleiben.
die versiegelung dagegen haben wir noch nicht gefunden.
oder versäumt.

schlimm.

http://www.stolpersteine-salzburg.at

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wiederbetätigung – 75 jahre nach novemberpogrom

Stolperstein 1 / personenkomitee stolpersteine

wie das personenkomitee stolpersteine in salzburg bekannt gibt, wurden nun in den letzten tagen neuerlich stolpersteine besprüht. dies ist nun eine erneute rechtsextreme schmieraktion, nach einer vorangehenden serie der letzten wochen, bei der nicht nur 31 stolpersteine beschmiert wurden, sondern auch zahlreiche nazi-parolen an wände, schaltkästen und kleidersammelboxen gesprüht wurden.

der in diesem zusammenhang gefasste angeblich geständige täter somit kein einzeltäter, die schmierereien sind eine serie, die auf mehrere täterInnen schliessen lässt und wohl längst noch nicht aufgeklärt ist.

das personenkomitee hat bereits anzeige beim bundesamt für verfassungsschutz erstattet, denn die gezielten beschädigungen von erinnerungssteinen an opfer des nationalsozialismus sind eindeutig ein politischer akt der wiederbetätigung.

es ist mit sicherheit auch kein zufall, dass die neuerlichen schmierereien zu den gedenkfeiern „75 jahre novemberpogrom“ am 9.11. auftauchen. auffällig auch, dass nun ausschliesslich solche steine beschmiert wurden, die an jüdische opfer erinnern.

wer immer solche schmierereien entdeckt ist aufgerufen, diese sowohl beim personenkomitee, der stadt salzburg, als auch den behörden zu melden.

denn es sollte uns alle alarmieren:

wiederbetätigung – 75 jahre nach dem salzburger novemberpogrom.

http://www.stolpersteine-salzburg.at

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marko m. feingold feiert seinen 100.geburtstag

Marko M. Feingold (Foto: privat)

morgen feiert hofrat marko m. feingold, präsident der israelitischen kultusgemeinde salzburg, seinen 100. geburtstag. präsident feingold beeindruckt alle, die ihm begegnen durch seine unermüdlichkeit und kraft, mit der er sich aktiv in schulen, vorträgen, pressegesprächen, interviews und diversen veranstaltungen für eine bessere welt engagiert.

marko m. feingold überlebte auschwitz, neuengamme, dachau und schliesslich buchenwald. dies war nur durch eine unglaubliche serie von “zufällen” möglich, wie feingold immer wieder ehrfürchtig berichtet. ebenso zufällig kam der wiener, der 1945 nicht mehr in seine heimatstadt zurück durfte, nach salzburg und wurde dort nur wenige tage nach der befreiung zum entscheidenden helfer, zum menschenschmuggler für eine viertelmillion “displaced persons”, jüdischen überlebenden, die im nachkriegseuropa keinen platz hatten.

kein dokumentarfilm oder geschichtsbuch kann so authentisch und lebendig erlebtes berichten und mit genau jenem mass an menschlichkeit verbinden, das aus fakten erfahrungen, aus erzähltem lebendiges werden lässt. marko feingold engagiert sich für eine welt, in der alle menschen platz haben. nach all dem, was er erlebt hat und überleben musste, ist ihm eine besondere souveränität geschenkt, die jedes kleinkarierte denken von vornherein relativiert oder zumindest mit einem verschmitzten witz aushebeln lässt.

es ist sicher kein zufall, dass viele der feingoldschen anekdoten von regeln und regelwerken erzählen, die aufgrund einer nur allzu menschlichen lebenspraxis mal hie und mal dort entweder garnicht oder eben auf individuelle weise eingehalten werden. das leben ist eben stärker und bunter, ja auch weniger perfekt, als jede noch so ausgeklügelte bestimmung.

hofrat marko feingold ist der erste träger des “kurt-schubert-gedächtnispreises” für interreligiöse verständigung. sein unaufhörlicher einsatz für eine welt, die aus der geschichte lernt, für menschen, die sich bewusst für eine offene gesellschaft einsetzen muss allen politisch bewussten menschen ermunterung und auftrag sein!

in diesen tagen werden zahlreiche gelegenheiten genutzt werden, marko m. feingold zu gratulieren und ihm für sein engagement zu danken. es wäre erfreulich, wenn alle gratulantInnen feingolds beispiel ernsthaft auch für ein engagement zum anlass nehmen würden, das jene lehren berücksichtigt, die der überlebensmensch marko m. feingold aus seinen erfahrungen zieht.

in diesem sinne wünschen wir präsident marko feingold möglichst viele menschen in seiner umgebung, die seinen erfahrungen mit offenem herzen begegnen, diese weiter hinaustragen und das „nie wieder“ mit in die zukunft unserer gesellschaft nehmen.

es gibt immer noch viel zu tun.

hier das gespräch, das ich 2011 mit marko m. feingold führen durfte:

homepage der israelitischen kultusgemeinde salzburg

alpinecrossing

wie peinlich lassen wir den gedenktag werden?

Lendemain de Pogrom, le 19 novembre 1938 à Berlin © dalbera creative commons

heute ist ein gedenktag.
am 9.november 1938 wurde die judenverfolgung endgültig systematisiert.
über die folgen wissen wir bescheid.
unfassbar nach wie vor.

ich habe schwierigkeiten mit diesem gedenktag.
gedenktage sollten verlässliche verortungen sein.
verortungen in unserem denken, in unserer herangehensweise, in unserer kultur.

eine reihe solcher gedenktage – solcher denkpunkte – soll uns ein „nie wieder“ zuverlässig erscheinen lassen.
aber ich muss zweifeln.
das „nie wieder“ ist schon lange nicht mehr gesichert, wenn es das überhaupt einmal war.

zu salonfähig sind die nazis wieder geworden.
zu wenig genau geht die politische kultur mit lasten um.
nein, es sind nicht nur mehr „altlasten“, „ewig gestrige“ oder „kameradschaftler“.
inzwischen haben wir eine unglaublich lange liste von „neulasten“.

nicht weil ich nicht gedenken wollte.
sondern ich frage mich, was bringt uns das gedenken an einem, an zwei oder von mir aus sieben tagen, wenn wir nicht fähig sind, die wirklichkeit verantwortlich zu schützen.

aber wir sind mit blindheit geschlagen.
die blindheit, die es möglich macht, dass ein rechtsextremer nationalratspräsident wird.
die blindheit, die uns zusehen lässt, dass der antisemitismus in immer neuen spielformen zunimmt.
die blindheit, die uns nicht erkennen lässt, dass „moscheen nicht da haben wollen“ nicht besser ist, als „synagogen nicht da haben wollen“.
die blindheit, die uns nicht alarmiert, wenn menschen, die politik gestalten wollen, nicht mehr über die vergangenheit reden oder bescheid wissen wollen.

ein gedenktag ist nur so viel wert, wie konsequent wir unser alltägliches handeln entsprechend gestalten.
ein gedenktag, der uns für ein paar stunden beruhigend erinnern lässt, ist wertlos und gefährlich, wenn wir ab morgen wieder keine lehren aus der geschichte ziehen.
ein gedenktag wird peinlich, wenn er nicht mehr sein kann, als ein einsamer kurzer tag.

ps. die diskussionen in den letzten tagen (siehe die letzten beiden blogeinträge) haben mich in diesem zusammenhang besonders erschreckt.

pps. durch zufall entdeckte ich ein foto, auf welchem parlamentsmitglieder für eine charityveranstaltung gemeinsam als chor aufgetreten sind. welche parlamentarierInnen stellen sich noch freiwillig in einen charity-chor mit dem rechtsextremen nationalratspräsidenten? welche „gute sache“ wiegt hier den politischen wahnsinn auf?

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foto creative commons dalbera

offener antisemitismus weiter online

screenshot von kreditie.at - foto:bernhard jenny

„Das Reich Gottes wird euch (Geld-Juden) genommen und jenen (nordischen Stämmen den Germanen) gegeben, die ihre Früchte bringen (nach dem Worte Gottes und der Wahrheit leben).“

dieses zitat stammt aus einem download von der österreichischen website der „HuMan-Weg Bewegung“ (http://www.kreditie.at). der schweizer hans-jürgen klaussner stand in enger verbindung mit franz hörmann, der nun unter dem englischen titel „HuMan Way“ teil der „mutbürgerpartei“ sein will, die für die kommenden nationalratswahlen antritt. über den bedenklichen etikettenschwindel hörmanns, der nun als mutbürger auftritt, habe ich kürzlich in diesem blog darüber berichtet.

über die ungeheuerlichen gedanken des hans-jürgen klaussner (pseudonym hans wieser) und über dessen verbindungen zu franz hörmann habe ich zwar schon im jänner berichtet, daraufhin wurden – nach entsprechenden berichten auch in der presse – bestimmte seiten unsichtbar geschalten. jedoch ist damit das ideologische geschreibsel nicht wirklich verschwunden, sondern nun in der literaturliste der seite, genauer gesagt in einem dort angebotenen machwerk zum download zu finden, das allein schon aufgrund des titels alarmieren muss:

„Wer sind die berufenen Völker zur Einführung der HuMan-Wirtschaft?“

auf seite 21 steht dort zu lesen:

„Bereits 1923 hatte die „Weltgeld-Elite“ Deutschland den Krieg erklärt, warum wohl. Nur aus diesem geistigen Kampf heraus, weil Jesus schon vor 2000 Jahren den Satz geprägt hatte, der jeden „Geldwechsler“ noch heute im Mark erschaudern lässt: „Das Reich Gottes wird euch (Geld-Juden)genommen und jenen (nordischen Stämmen den Germanen) gegeben, die ihre Früchte bringen (nach dem Worte Gottes und der Wahrheit leben). Die Rabbiner, die Chaldäer und die Zaddikim kennen diesen Satz von Jesus sehr genau. Sie wussten auch, dass Jesus angekündigt hatte, sein Reich mit seinem neuen auserwählten Volke werde in etwa 2000 Jahren anbrechen. Also konnten sich die Führer der jüdischen Geld-Elite ausrechnen, ab welchem Jahrhundert etwa sie den Deutschen Völkern den Krieg zu erklären hätten, was sie natürlich rücksichtslos dann 1923 taten.“

noch fragen?

„Dass die Juden sich alles in allem fest aufeinander verlassen könnten, das steht fest und ist vorbildlich. Den Goi aber zu betrügen, das gebot sogar das geschriebene Gesetz, oder es erlaubte es mindestens.“ (seite 26)

„Nur die slawisch-germanischen Völker verfügen noch über die Möglichkeit, die Wahrheit ungetrübt zu erkennen.“ (seite 177)

starker tobak.

aus der alten textstelle auf der homepage im jänner

„Die US-Regierung weiß ebenso wie ihre geistig-jüdischen Führer, dass nur das neue Europa die Welt zu regieren berufen ist.“

wurde nun im download:

„Seit langer Zeit sind gewisse geistig-religiöse Führer stets damit beschäftigt, die neuen auserwählten Völker Europas, die Slawisch-germanische Gruppe, an ihrer Bestimmung zu hindern“

solcher schwachsinn sollte eigentlich nicht verbreitet werden. aber wenn sich solche bewegungen anschicken parteien zu werden bzw. eine so gruselige geschwurbsel-liste allen ernstes ins parlament drängt und dabei sich hinter dem etikett „mutbürger“ lammfromm versteckt, dann muss uns das alarmieren.

ein nazionaler parlamentspräsident,
zwei offen nazionale parteien,
eine dritte, die sich menschen aus diesen reihen herauskauft wie rechtsaussen-fussballspieler,
das alles ist schon viel zu viel.

vom offen antisemitischen hintergrund einer mal so und mal so sich nennenden gruppe rund um franz hörmann sollten sich die mutbürger schnellstens loslösen.
auch wenn sie kaum chancen haben ins parlament gewählt zu werden:

schon die kandidatur solcher listen ist zuviel.

_______

dow – dokumentationsarchiv des österreichischen widerstandes über klaussner und hörmann

es ist nicht einzusehen.

foto: bernhard jenny

es ist nicht einzusehen. die angebliche schuldenkrise, die in wirklichkeit eine raubkrise ist, also ein kriegsartig stattfindender raub der spekulanten an unser aller staats-, kranken-, pensions-, pflege-, sozial- und bildungskassen wird zum idealen biotop für braune gewächse, die seit der „niederlage“ auf ein wieder hochkommen warten.

es ist nicht einzusehen. die sprach-, kraft-, taten- und kompetenzlosigkeit jener, die sich eigentlich für das gemeinwohl einsetzen und dieses mehren sollten ist exponentialkurvig gestiegen. wer pressekonferenzen, interviews und reden von politikerInnen wirklich ernst nehmen kann, möge sich melden.

es ist nicht einzusehen. während die einen schon vom zusammenbruch des offenen europas träumen oder sich regressiv eine alte währung wünschen, schaffen es andere nicht, die wirklich notwendigen grenzen zu benennen und zu leben. wir brauchen keine festung europa, sondern klare grenzen gegen spekulation und bankenrettung. wir brauchen kein einsperrendes zurück, sondern ein öffnendes voraus.

es ist nicht einzusehen. nazis dürfen nicht nur offen ihre politfäkalien verbreiten, sie dürfen parteien in mehreren farben bilden und mit ihrer hetze die anderen vor sich her treiben. das gefällt den kurzdenkerInnen, den garnichtdenkerInnen und den ehimmerschoneinenführerherbeiwünschenden. fremdenhass, rassismus, antisemitismus, betrug, veruntreuung – die liste der wahren stärken der rechten wäre endlos fortzusetzen.

es ist nicht einzusehen. kein argument der „ausgewogenheit“ rechtfertigt interviews mit wiederbetätigenden. auch wenn es „nur“ um scheinbar harmlose fragen (wie zb um den verkehr in der stadt) geht oder wenn wieder mal eine adabeiparty steigt, die nazis haben nichts im bild, im ton oder sonst wo zu suchen. kein öffentlicher raum den nazis.

es ist nicht einzusehen. nicht nur, dass die rechten in gesprächsrunden sitzen, als wären sie demokraten wie alle anderen, ist erschreckend, auch dass sich andere parteien – und ich meine nicht nur die övp – nicht eindeutig von jenem gedankengut trennen können, das die welt schon einmal ins unendliche verderben gestürzt hat, ist skandalös blind.

es ist nicht einzusehen. der braune block tut nun das, was alle anderen immer schon tun hätten müssen, sobald auch nur einer von ihnen den raum, den landtag, das parlament betritt: geschlossen ausziehen. jetzt ist es – nicht nur in kärnten – zu spät. es rächt sich nun, dass nicht schon längst auf klare grenzen geachtet wurde.

eine offene und bewusste welt darf menschenrechte nicht zur disposition stellen.

ps. ein „bisserl“ nazi gibt es nicht. auch wenn viele österreicherInnen diesem irrtum unterliegen.

unermüdlicher einsatz für eine offene welt

heute feiert hofrat marko m. feingold, präsident der israelitischen kultusgemeinde salzburg, geburtstag. mit seinen 99 jahren ist präsident feingold unermüdlich aktiv, in schulen, vorträgen, pressegesprächen, interviews und diversen veranstaltungen.

marko m. feingold überlebte auschwitz, neuengamme, dachau und schliesslich buchenwald. dies war nur durch eine unglaubliche serie von “zufällen” möglich, wie feingold immer wieder ehrfürchtig berichtet. ebenso zufällig kam der wiener, der 1945 nicht mehr in seine heimatstadt zurück durfte, nach salzburg und wurde dort nur wenige tage nach der befreiung zum entscheidenden helfer, zum menschenschmuggler für eine viertelmillion “displaced persons”, jüdischen überlebenden, die im nachkriegseuropa keinen platz hatten.

kein dokumentarfilm oder geschichtsbuch kann so authentisch und lebendig erlebtes berichten und mit genau jenem mass an menschlichkeit verbinden, das aus fakten erfahrungen, aus erzähltem lebendiges werden lässt. marko feingold engagiert sich für eine welt, in der alle menschen platz haben. nach all dem, was er erlebt hat und überleben musste, ist ihm eine besondere souveränität geschenkt, die jedes kleinkarierte denken von vornherein relativiert oder zumindest mit einem verschmitzten witz aushebeln lässt.

es ist sicher kein zufall, dass viele der feingoldschen anekdoten von regeln und regelwerken erzählen, die aufgrund einer nur allzu menschlichen lebenspraxis mal hie und mal dort entweder garnicht oder eben auf individuelle weise eingehalten werden. das leben ist eben stärker und bunter, ja auch weniger perfekt, als jede noch so ausgeklügelte bestimmung.

hofrat marko feingold ist der erste träger des “kurt-schubert-gedächtnispreises” für interreligiöse verständigung. sein unaufhörlicher einsatz für eine welt, die aus der geschichte lernt, für menschen, die sich bewusst für eine offene gesellschaft einsetzen muss allen politisch bewussten menschen ermunterung und auftrag sein!

in diesem sinne wünschen wir präsident marko feingold möglichst viele menschen in seiner umgebung, die seinen erfahrungen mit offenem herzen begegnen, diese weiter hinaustragen und das „nie wieder“ mit in die zukunft unserer gesellschaft nehmen.

es gibt noch viel zu tun.

hier das gespräch, das ich vergangenes jahr mit marko m. feingold führen durfte:

marko feingold in wikipedia

marko feindgold im gespräch mit cornelius hell (pdf)

homepage der israelitischen kultusgemeinde salzburg

alpinecrossing