unermüdlicher einsatz für eine offene welt

heute feiert hofrat marko m. feingold, präsident der israelitischen kultusgemeinde salzburg, geburtstag. mit seinen 99 jahren ist präsident feingold unermüdlich aktiv, in schulen, vorträgen, pressegesprächen, interviews und diversen veranstaltungen.

marko m. feingold überlebte auschwitz, neuengamme, dachau und schliesslich buchenwald. dies war nur durch eine unglaubliche serie von “zufällen” möglich, wie feingold immer wieder ehrfürchtig berichtet. ebenso zufällig kam der wiener, der 1945 nicht mehr in seine heimatstadt zurück durfte, nach salzburg und wurde dort nur wenige tage nach der befreiung zum entscheidenden helfer, zum menschenschmuggler für eine viertelmillion “displaced persons”, jüdischen überlebenden, die im nachkriegseuropa keinen platz hatten.

kein dokumentarfilm oder geschichtsbuch kann so authentisch und lebendig erlebtes berichten und mit genau jenem mass an menschlichkeit verbinden, das aus fakten erfahrungen, aus erzähltem lebendiges werden lässt. marko feingold engagiert sich für eine welt, in der alle menschen platz haben. nach all dem, was er erlebt hat und überleben musste, ist ihm eine besondere souveränität geschenkt, die jedes kleinkarierte denken von vornherein relativiert oder zumindest mit einem verschmitzten witz aushebeln lässt.

es ist sicher kein zufall, dass viele der feingoldschen anekdoten von regeln und regelwerken erzählen, die aufgrund einer nur allzu menschlichen lebenspraxis mal hie und mal dort entweder garnicht oder eben auf individuelle weise eingehalten werden. das leben ist eben stärker und bunter, ja auch weniger perfekt, als jede noch so ausgeklügelte bestimmung.

hofrat marko feingold ist der erste träger des “kurt-schubert-gedächtnispreises” für interreligiöse verständigung. sein unaufhörlicher einsatz für eine welt, die aus der geschichte lernt, für menschen, die sich bewusst für eine offene gesellschaft einsetzen muss allen politisch bewussten menschen ermunterung und auftrag sein!

in diesem sinne wünschen wir präsident marko feingold möglichst viele menschen in seiner umgebung, die seinen erfahrungen mit offenem herzen begegnen, diese weiter hinaustragen und das „nie wieder“ mit in die zukunft unserer gesellschaft nehmen.

es gibt noch viel zu tun.

hier das gespräch, das ich vergangenes jahr mit marko m. feingold führen durfte:

marko feingold in wikipedia

marko feindgold im gespräch mit cornelius hell (pdf)

homepage der israelitischen kultusgemeinde salzburg

alpinecrossing

Advertisements

Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

5 Kommentare

  1. wie wunderbar, dass es solche ZUFÄLLE im Leben gibt, damit diese wunderbaren Menschen davon berichten können. Danke für diesen Bericht

    Gefällt mir

  2. hier der bericht des orf salzburg:
    http://salzburg.orf.at/news/stories/2534899/
    mir gefällt besonders die antwort auf die letzte frage!

    Gefällt mir

  3. diese unglaublichen zufälle kann man bei vielen hören, die den wahnsinn überlebt haben. das ist ja das grauenvolle, nur die, die in all dem scheiß so unwahrscheinliches glück hatten, konnten danach davon berichten. die ohne solches glück konnten meistens nicht mehr davon erzählen. wenn moritz neumann (2005 97-jährig verstorben) in seiner lebhaften art von seinen verrückten zufällen erzählte, dann mußte man fast lachen. aber nur so konnte ein roter Jude wie er diese zeit mitten in mitteleuropa überleben…

    Gefällt mir

  4. Rochus Gratzfeld

    Als ich geboren wurde reichte mein Heimatland von der Adria bis weit in den osteuropäischen Raum hinein – die Städte Krakau, Lemberg und Czernowitz waren österreichische Städte, wo auch die Ringstraßen-Architekten Hermann Helmer und Ferdina…nd Fellner öffentliche Gebäude entwarfen und ausführen.

    Meine Eltern und Großeltern kamen aus diesen immer wieder umkämpften Gebieten im Osten und wählten die Reichs-, Haupt- und Residenzstadt Wien zu ihrem ordentlichen Wohnsitz – zu ihrer Heimat. Auch mir wurde diese Stadt, die wenige Jahre nach meiner Geburt als Wasserkopf bezeichnet wurde zur Heimat, obwohl mein Geburtsort weiter östlich liegt.

    Nach meiner Schulzeit und Lehre kamen schwierige wirtschaftliche Zeiten auf ganz Europa zu. So wählte ich das südliche Nachbarland Italien zu meinem Wohnsitz um dort zu arbeiten und mein Auslangen zu finden. Meine Staatsbürgerschaft habe ich nicht gewechselt.

    Als ich meinen Reisepass verlängern wollte wurde über Nacht das Tausendjährige Reich ausgerufen und ich wurde zur Unperson erklärt – ich wurde mit dem falschen Religionsbekenntnis geboren.

    Ich hatte von einer Minute zur anderen keine Heimat mehr – nicht hier und nirgends anderswo auf dieser Welt. Der Mond war noch nicht erreichbar.

    Meine Heimat bestand erst aus Flucht und Verstecken, aus Fälschen von Dokumenten um schlussendlich auf ‚Staatskosten‘ von einem Lager ins nächste durch halb Europa verbracht zu werden.

    Als die ‚tausend‘ Jahre vorbei waren, hatte meine Heimat mich und viele meiner toten, überlebenden und vertriebenen Kameraden missbraucht, um sich selbst als überfallenes Opfer darzustellen, da musste ich feststellen, dass mich meine Heimat gar nicht zurück wollte. Ich bekam keine Einreiseerlaubnis und sollte in den Kerker zurückgehen.

    Auf der Busreise zurück stieg ich in der Stadt aus und wählte sie mir zur Heimat und zum Wohnsitz und half anderen auch ihre ‚Heimat‘ zu finden, wenn diese auch noch in zeitlicher und räumlicher Ferne lag.

    Heimat ist dort wo ICH bin, wo ich mich wohl fühle und mit freundlichen Menschen auf gleicher Ebene leben kann. Manchmal schließe ich die Augen um nur die Schönheit der Berge und Landschaft zu sehen. Und wenn mich der EWIGE einmal fragt, ‚hast du meine Berge gesehen‘, dann kann ich antworten – ‚JA sogar mit geschlossenen Augen‘.

    Marko Feingold anlässlich einer Kunstaktion zum Thema Heimat von Veronika Konrad und Rochus Gratzfeld in :dieRAUM/ Laufen/ Obb.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: