die nazis sind da.

übertreibung? sind das nicht einfach nur frustrierte, fehlgeleitete menschen, die da heute in deutschland die „alternative für deutschland“ gewählt haben? ist das nicht einfach halb so schlimm? sollten wir nicht ruhig bleiben.

nein. können wir nicht. es muss alle – auch ausserhalb deutschlands – alarmieren, wenn genau in deutschland eine rechtsextreme partei zur drittstärksten kraft im bundestag wird. eine partei, in der der holocaust so salopp geleugnet werden kann, wie der klimawandel. eine partei, deren spitzenkandidat alexander gauland die integraQtionsbeauftragte der bundesregierung, aydan özoguz, „in eichsfeld“ einladen will, um ihr dort zu „erklären, was spezifisch deutsche kultur ist“.

was er damit meint, stellt er auch klar: „danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, gott sei dank, in anatolien entsorgen können.“

dass zumindest im erstreflex die stark angeschlagene spd in die opposition gehen will, allein schon um zu verhindern, dass die afd nicht die stärkste oppositionspartei wird, wäre ein nachvollziehbares motiv. sich erst gar nicht für koalitionsgespräche herzugeben.

ein kleiner, aber schwacher trost ist, dass die rechtsextremen von allen aus jeder überlegung über regierungsbeteiligung ausgeschlossen werden. das ist in unserem land leider ganz anders.

was tun? alljene, die menschenrechte für unverzichtbar halten und diese niemals zur disposition stellen werden, müssen klarstellen, was in deutschland, österreich, frankreich und allen anderen ländern europas zur disposition steht, und was nicht.

den blender*innen und hassprediger*innen darf kein millimeter gewährt werden. dass eine afd kandidieren kann, mag gerade noch durch demokratiepolitische prinzipien gesichert sein. aber das legitimiert die ultrarechten inhalte und forderungen, von holocaustleugnung bis offenem rassismus, in keinster weise. demokratie kann nicht heissen, jene kräfte mitwirken zu lassen, die diese abschaffen würden, wenn sie es nur könnten.

es ist feuer am dach.
am dach des deutschen bundestags.
die nazis sind da.

ich bleibe radikal.

links rechts
ist
wenn es um politischen kontext geht
ein falsches bild
es ist ein trugbild
es gaukelt uns die möglichkeit einer balance vor
als gäbe es die möglichkeit für eine
ausgeglichenheit zwischen links und rechts als goldene mitte

sowas befriedigt
besonders in der österreichischen gemütslage
vielleicht das harmoniebedürfnis
ist aber ein sehr gefährlicher irrtum

links rechts
kann nicht verglichen werden
darf nicht verglichen werden
warum?

betrachten wir die ziele

links will der tatsache rechnung tragen,
dass alle menschen gleich an rechten und würde geboren sind.

rechts will menschen sortieren,
in solche und solche, in richtige und falsche, in berechtigte und unberechtigte.

kann es zwischen diesen absichten wirklich eine „mitte‟ geben?

aber immer wieder
rutschen wir in das naive bild:

links oder rechts

das stünde so zur disposition wie
die frage nach
süss oder sauer
herbst oder winter
klassik oder jazz

machen wir uns doch lieber ein
inhaltsbezogenes bild

links oder rechts
heisst
gleich oder ungleich
wert oder unwert
emanzipatorisch oder herrschaftlich
partizipation oder diktatur

und was heisst extremismus?
extrem? linksextrem? rechtsextrem?

ich kenne keinen wirklichen linksextremismus.

aber ich unternehme dennoch einen versuch mich der möglichkeit zu nähern:

kann es sein, dass linksextrem heisst:
wenn notwendig auch mit illegalen mitteln für die gleichheit der menschen kämpfen?
z.b. abschiebungsverhinderung, kreative unterbringungsformen, verschleierung

stimmt es, dass rechtsextrem heisst:
das sortieren von menschen so weit voranzutreiben,
dass selbst die bedrohung von leib und leben kein kriterium mehr ist?

es ist konkret gelebter rechtsextremismus unserer gesellschaft
wenn wir sehenden auges zulassen,
dass tausende und tausende menschen
im wassergraben der festung europa ertrinken
das ist salonfähig geworden
das geht locker durch
„es wird nicht ohne schreckliche bilder gehen“
hat einer mal gesagt

ursula stenzel wird nicht müde zu behaupten
die fpö wäre in der mitte der gesellschaft angekommen.
ich sage:
der rechtsextremismus ist in der mitte der gesellschaft angekommen

wir haben ein massives problem in der kommunikation:

verantwortlicher politischer diskurs heisst,
genau zu wissen, was zur disposition steht
und was nicht!

hier muss ich ein riesendefizit feststellen:
das storytelling der friedensgeneration funktioniert nicht
erschüttert und betroffen sein allein bringt nichts
aus laissez faire und basisdemokratie
ist das diktat der hetzenden geworden

empathie?
solidarität?
lost in populism!

wir stellen immer wieder viel zu viel zur disposition,
unsere politische standfestigkeit geht gegen null.

unsere gesellschaft erlebt derzeit,
was schulen schon vor jahrzehnten als falsch erleben mussten:
eine grosse schweigende mehrheit wird nicht gehört,
bekommt keine aufmerksamkeit mehr,
weil die verhaltensgestörten im klassenzimmer toben und zerstören dürfen,
wie es ihnen beliebt.
kein unterricht ist mehr möglich –
also auch keine konstruktive auseinandersetzung,
weil den randalierenden keine schranken gezeigt werden.
der frust der schweigenden steigt exponentiell.
die aufmerksamkeit der innen- und aussenwahrnehmung lenkt sich auf die gestörten,
sie erlangen dadurch anerkennung und macht.

in der pädagogik wurde bereits gelernt.
in der politik wird noch nicht einmal das problem erkannt.

stellen wir uns vor:

eine gruppe in diesem haus will heute im rahmen dieser veranstaltung darüber diskutieren,
ob nicht die blonden, die grauhaarigen oder die übergewichtigen
eigentlich besser euthanasiert werden sollen,
denn sie lägen ohnehin der gesellschaft nur auf der tasche.
dann ist es eben niemals zulässig, mit dieser gruppe eine verhandlung darüber zu führen, wieviele umgebracht werden sollen, wieviele nicht.

denn mit jenen, die menschen verachten, kann es keinen kompromiss, darf es keinen mittelweg geben!

menschen sortieren ist absolut nicht akzeptabel,
kein einziges menschenleben zur disposition stehen!

menschenrechte sind der anker und das erbe, dem ich mich verpflichtet fühle.
mir ist es egal, welches schild andere jenen umhängen,
die sich kompromisslos für menschenrechte einsetzen.

kein mensch ist illegal.
das ist für manche radikal.
ich bleibe radikal.

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mein eingangsstatement im rahmen der tagung des friedensbüro salzburg am 29.11.2016 zum thema „extremismus“ im bildungshaus st.virgil, salzburg.
gemeinsam mit astrid bötticher, verena fabris und nedžad moćević diskutierten wir über die frage „vergleichbarkeit von extremismen?“

screenshot-2016-11-29-16-29-36

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bild: detail aus veranstaltungsfolder, istock.

bist halt eine marionette, gell?*)

auf dem alten markt in salzburg steht ein container. in diesem container sitzt ein hungerstreikender journalist, der sich die freiheit nicht nehmen lassen will. er kann und will sich nicht damit abfinden, dass das verbreiten seiner sendungen und botschaften verboten sein soll. er fordert freiheit in einer anscheinend lahm gewordenen medienlandschaft. er will was verändern.

ich besuche den hungerstreikenden in seinem container, er freut sich über den zuspruch bzw. darüber, dass viele menschen in salzburg so wie er finden, dass es möglich sein muss, einen privaten fernsehsender zu betreiben.

das alles findet genau vor 16 jahren statt. derjenige, der da im container sitzt, heisst ferdinand wegscheider. ich kenne ihn bereits aus seinen zeiten als orf-redakteur. wegscheider bricht nach 2 wochen seinen hungerstreik ab. 2001 wird dann das privat-tv-gesetz beschlossen. „salzburg tv“ darf endlich legal senden und ist der erste privatsender österreichs.

seit 2007 ist der sender in den händen der red bull media house gmbh, welche den sender in das heute bekannte servus.tv umbaut. wegscheider ist mal weg und dann wieder da. seit frühling 2016 leiter des senders mit vollen inhaltlichen und finanziellen gestaltungsrechten.

dieses jahr ist für den privatsender des dietrich mateschitz ein seltsames. am 11.4. wird wegscheider leiter des senders, anfang mai folgt eine unglaubliche machtdemonstration des besitzers, wohl besser „herrschers“. die diskussion um einen möglichen betriebsrat bei servus.tv löst ein spontanes „aus und vorbei“ aus, der sender soll geschlossen werden und alle mitarbeiter_innen entlassen werden.

zitat aus meinem userkommentar vom 6.5.16 auf derstandard.at:

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es war eine dramatische nachricht: servus.tv wird abgedreht, weil die wahl eines betriebsrates diskutiert worden war.

einen tag später die wohl viel dramatischere nachricht: servus.tv bleibt nun doch erhalten, die kündigungen werden widerrufen, alles paletti.

in wirklichkeit war es die öffentliche vorführung eines moraltheaters auf denkbar grösster bühne. einer, der mit dem glaubenssatz, flügel mittels eines dosendrinks verleihen zu können, unmengen an geld gescheffelt hat, zeigt es allen, wie es heute um das wertesystem in unserer gesellschaft steht.

mitarbeiter_innen sind untertanen eines sonnenkönigs, die, wenn sie auf die idee kommen, eventuell irgendwelche rechte zu haben, die volle wucht der macht zu spüren bekommen. der blitz aus nur scheinbar heiterem himmel sollte alle von einem tag auf den anderen tag verstossen. diese volle wucht bringt aber nicht nur die mitarbeiter_innen in eine peinliche situation, in der sie sich umgehend schriftlich von jeglicher gründungsidee eines betriebsrates und auch gleich noch von jeder gewerkschaftlichen vertretung distanzieren.

die volle wucht der macht führt auch gleich noch alljene vor, die noch immer geglaubt haben, arbeitnehmer_innenrechte würden in neoliberalen zeiten der postdemokratie noch irgendetwas wert sein.

(…)

für die zweihundertfünfzig mitarbeiter_innen ist die geschichte nur scheinbar gut ausgegangen. die erniedrigung, die ihnen öffentlich zugemutet wurde, dürfte noch einige folgen haben. zumindest psychosomatisch im system des unternehmens.

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gehört es nun zu diesen damals angesprochenen folgen, dass servus.tv zum devoten agitator in der österreichischen medienlandschaft wurde? sind die einladung des identitäten martin sellner, des pograpschenden marcus franz in den talk im hangar7 mit michael fleischhacker ganz einfach die direkte umsetzung eines sich bedeckt haltenden dietrich mateschitz? ist es mateschitz nicht nur recht, dass felix baumgartner von den identitären schwärmt, sonder diese dann auch auf ihrem unfassbar verharmlosten kongress zur „verteidigung europas“ gestern in linz dem sender servus.tv zutritt gestatten, weil dieser offensichtlich nicht zur „lügenpresse“ gehört?

die entwicklung ist bedenklicher, als sie auf den ersten blick erscheinen mag. ein sowohl finanziell als auch medial sehr mächtiger player stellt sich grundsätzlich nicht einer öffentlichen diskussion, lässt offene briefe selbstverständlich unbeantwortet und begnügt sich mit handpuppen und marionetten. die politische einflussnahme im sinne der rechtsextremen spielt auf „täuschen und tarnen“.

elegantes zeitgemässes design, technisch gut gemachte spots und sendungen, nicht mehr auf den ersten blick für unbedarfte erkenntlich ewig-gestrig, sondern mit verwechselbaren, irreführenden signalen. dieses politische mimikri beherrschen die identitären ebenso wie dietrich mateschitz. schliesslich soll anscheinend rechtsextremismus zum coolen lifestyle werden.

und einer, der mal für die freiheit der presse hungerte, funktioniert jetzt im auftrag eines befehlhabers. das hat mit journalismus nichts zu tun. mateschitz hat offenbar die identitäteren als die hoffnungsträger für ein morgen ausgemacht, an dem in den red bull entertainment-etagen gebastelt wird. manche devoten untertanen, sei es als senderleiter oder als moderator, erfüllen ihre aufgaben ganz recht(s).

ferdinand wegscheider:
bist halt eine marionette, gell?*)

*) dieser hier in der head/endline angeschlagene schnippischzynische ton „gell?“ ist nicht meiner, er wird hier eingesetzt, weil wegscheider in diesem stil seine kommentare oft ausschmückt. hier also eine replik.

ps. sicher nur zufall, dass bei red bull tv im logo nur mehr der bulle, der nach rechts läuft existiert, der andere bulle, der nach links zieht, wurde offenbar gekündigt 😉

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bild screenshot via redbull.tv von bernhard jenny

verleiht red bull rechtsextremen flügel?

auch wenn bekannt ist, dass sie sich ungern öffentlich äussern, muss ich nun mit diesem offenen brief an sie, herr dietrich mateschitz, mit einem sehr ernsten anliegen wenden!

ich brauche ihnen sicher nichts über corporate responsibilty oder sonstige wertekataloge erzählen. allerdings kann ich es auch nicht glauben, dass sie die zunehmende unschärfe in politischen belangen und die mangelnde distanzierung zum rechtsextremismus wirklich kalt lässt. noch weniger will ich ihnen unterstellen, dass sie dies alles wirklich wollen.

deshalb darf ich sie dringend um klarstellung bitten: wenn nun identitäre nicht nur in ihrem privatsender servus.tv als studiogäste hofiert werden, sondern auch noch von einem ihrer werbeträger öffentlich für „cool“ befunden werden, dann ist dies – gerade in einer politisch hochsensiblen zeit in unserem land – ein politischer dammbruch, der ihr unternehmen, ihren konzern in einen sehr bedenklichen kontext stellt.

mag sein, dass eine distanzierung ihres unternehmens oder ihrer person vom rechten rand ihrem konzern ein paar dosen weniger umsatz verursachen könnte. aber ist es wirklich in ihrem sinne, wenn unsere gesellschaft die berührungsängste mit jenem ungeist verliert, der unseren kontinent, ja die ganze welt in die grösste katastrophe stürzte?

was darf eine marke, ein konzern, was nicht? ab wann wird schweigen und untätigkeit zur mitverantwortung?

ich gebe zu, dass ich nicht zur zielgruppe ihrer produkte gehöre. ich kann ihnen daher auch wirklich schnurzegal sein. sie können mich ignorieren. ich schreibe ihnen aber aus ehrlicher besorgnis, da die entwicklungen in unserer gesellschaft derzeit eine dynamik erlangt haben, die es unmöglich machen, politisch „neutral“ der „spass- und abenteuerkultur“ zu huldigen.

hass, rassismus und rechtsextremismus sind keine meinungen, sondern verbrechen. diese gilt es zu verhindern!

kann schon sein, dass es mutig ist, sich aus der stratosphäre in die tiefe zu stürzen. kann aber auch sein, dass es mutiger ist, in politisch brisanter lage deutlich stellung zu beziehen: für eine offene, vielfältige und emanzipatorische gesellschaft, die allen menschen ehrliche teilhabe ermöglicht. für eine ganze gesellschaft, die niemanden ausschliesst.

vielleicht finden sie die gelegenheit, mir meine frage zu beantworten:
verleiht red bull rechtsextremen flügel?

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bild: psychopyko cc licence by nc nd

vorvergangenheit oder zukunft.

kaum eine wahl der letzten jahrzehnte war so richtungsentscheidend, wie jene am kommenden sonntag. österreich entscheidet über offenen rassismus, fremdenfeindlichkeit, nationalismus und rechtsextremismus einerseits oder demokratie, weltoffenheit, engagement für europa und optimistischen mut andererseits.

dass es zu dieser zuspitzung überhaupt kommen konnte, ist das ergebnis jahrelanger unfähigkeit und inkompetenz auf vielen politischen ebenen und das vorauseilend gehorsame andienen so mancher politisch unverantwortlichen bei jenen, die für das vorgestern stehen und sich die „(end)lösungen“ von damals herbeireden wollen.

der kommende sonntag entscheidet über die grundstimmung in unserem land. er entscheidet darüber, ob eine pluralistische gesellschaft das gesellschaftliche leben modern und kreativ gestalten kann oder ob der mief der burschenschaftenbuden unser land durchziehen darf, der bewusst und gezielt vielen den atem verschlagen will.

„jetzt geht es um die wurscht“ rief mir neulich ein freund zu. und im gespräch darüber mussten wir entdecken, dass diese salopp-gelassene redewendung wohl kaum den ernst der lage trifft. es geht nicht um rapid oder austria, nicht um red-bull oder frischgepressten orangensaft. es geht darum, ob die zynische hetze und die sarkastische propaganda viele dazu verleiten kann, ihren frust über missstände per stimmzettel genau an jenen auszulassen, die mit sicherheit an fehlentwicklungen unschuldig sind. es geht darum, ob jene, die noch politische verantwortung wahrnehmen können, diese auch ausüben. weiss wählen ist braun wählen. nicht zur wahl gehen bedeutet einen vorteil für den hetzer.

angesichts der drohenden gefahr von ultrarechts scheint die diskussion über die richtige strategie gespalten. auf den ersten blick scheint es zwei lager innerhalb der demokratiegesinnten zu geben. die einen setzen auf klare differenzierung und distanzierung von parteien und personen, die rechtspopulistisch bis national, bisweilen wahrlich rechtsextrem agieren. die anderen meinen, solches würde jene, die diesen parteien und protagonist_innen anhängen nur immer noch mehr zu diesen treiben und sich immer stärker mit ihnen identifizieren lassen.

„reden wir darüber“ heisst der daraus folgende schluss. „reden wir darüber“ kann heissen, dass jene, die sich als verlierer_innen wahrnehmen und – berechtigt oder nicht – frustriert sind, nicht alleine gelassen werden sollen. ein dialog kann aufklären, klarheit schaffen und lösungen ermöglichen.

„reden wir darüber“ kann aber niemals heissen, dass demokratie und gleichberechtigung zur disposition stehen. menschenrechte – jenes erbe aus der erkenntnis, dass eine shoa nie wieder passieren darf – stehen niemals zur disposition. das gilt unabhängig davon, wie die schicksalswahl am sonntag ausgeht.

wer hofer zulässt oder gar wählt, wählt spaltung, zwietracht und dumpfen nationalismus. wer demokratie will, egal ob sie/er in bürgerlichem, progressivem, graswurzel- oder sozialdemokratischem bzw. sonst noch irgendeinem kontext steht, kann am sonntag mit einer stimme für alexander van der bellen etwas unternehmen.

es geht um viel mehr als um die „wurscht“.
oft gibt es bei wahlen die option für oder gegen eine veränderung zu stimmen. aufgrund psychologischer grundgesetze ist da sehr oft das verharren im status quo populärer, als die veränderung. diesmal gibt es keine option, die ein „ruhig weiter wie bisher“ anzubieten hätte. beide kandidaten stehen für eine veränderung. am montag geht es sicher nicht weiter wie bisher.

es wird alles anders. es wird entweder vieles unmöglich oder vieles möglich.

vorvergangenheit oder zukunft.

 

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foto: vanderbellen.at screenshot

schluss mit kreide und weichspüler

die gestrige erste runde bei der bundespräsidentschaftswahl hat mehr als einen erdrutsch gebracht. die politische landschaft österreichs droht im politischen schlamm unterzugehen. optimistische schätzungen behaupten, dass das wohl das maximale potential für die ultranationalist_innen gewesen sei, aber das ist wenig trost, solange nicht die überwiegende mehrheit der „anderen“ endlich zu einem verantwortungsvollen gemeinsamen nenner finden.

die zahlreichen unterstützer_innen von norbert hofer, allen voran faymann, doskozil, mikl-leitner und kurz haben ganze arbeit geleistet. ihre arbeit ist von einem fulminanten erfolg gekrönt, der allerdings – kleiner schönheitsfehler – auf einem ganz anderen politischen konto aufgebucht wird. frei nach dem motto „meine stimmen sind nicht weg, es hat sie nur ein anderer.“

es wird verdammt schwierig werden, denn allzuviel müsste jetzt innerhalb von 4 wochen passieren (und die vergehen schneller, als gedacht). es müsste eine sehr grosse mehrheit jener wähler_innen, die gestern irmgard griss gewählt haben, für alexander van der bellen stimmen, weiters müssten noch viele nichtwähler_innen ebenso für die demokratie stimmen und dass die stimmen von rot und schwarz unter umständen (trotz der geringen zahl) sowas wie ein zünglein an der waage spielen könnten, sollte allen, die vor hundstorfer oder khol gestimmt haben, auch darüber nachdenken lassen, warum es denn so weit gekommen ist.

es wird verdammt schwierig werden, ein land aus der lähmung und lethargie zu reissen und zutiefst unterschiedliche lager an einem strang ziehen zu lassen. wie werden nichtwähler_innen motiviert?

es wird verdammt schwierig werden, aber es muss sein, wenn es in den nächsten jahren eine positive erneuerung in unserem land geben soll.

es wird verdammt schwierig werden, weil der spitzenkandidat der ultrarechten und alle um ihn rundherum kreide gefressen haben. der schlagende burschenschafter norbert hofer, dessen verbindung die nation österreich für einen historischen irrtum hält, sagt im puls4-interview auf seine angekündigte rolle als „autoritäre figur“ angesprochen, doch glatt: „ich bin ein ganz normaler mensch“! dass solche dinge einfach durchgehen, zeigt, wie weit sich die österreichische öffentlichkeit schon an das ultrarechte klima gewöhnt hat. und ursula stenzel behauptete im puls4-studio ergänzend, die fpö sei „endgültig in der mitte angekommen“. diese art von politischer weichspülerei ist ein betrug, denn in wirklichkeit sind norbert hofer und alle in seiner fpö alles andere als die mitte. schlimmer noch: sie sind in vielen punkten noch radikaler als seinerzeit der nationalheilige jörg haider.

puls4 2016-04-25 16.26.37(3)_cut

ich bleibe bei meiner einschätzung, die ich gestern bereits in der sendung wahlschauen auf puls4 abgegeben habe: es geht darum, ob in zukunft eine ultranationalistische oder eine vernünftige demokratische politik gefragt und ermöglicht wird. es geht um viel, um sehr viel.

jetzt ist es höchste zeit, die kreide wegzublasen, den wolf zu enttarnen, die weichspüler wegzugeben und die beinharten folgen einer rechtsextremen politik a la hofer, strache, kickl und co. zu antizipieren. und dies unmissverständlich und klar den wähler_innen zu kommunizieren. jetzt ist die zeit der aufklärung gekommen.

es wird verdammt schwierig werden, weil 4 wochen für eine aufklärung eines grossteils der bevölkerung nur ein wimpernschlag sind. aber es darf nichts unversucht bleiben! alle demokratischen kräfte müssen sich jetzt für ihren kandidaten einsetzen.

schluss mit kreide und weichspüler

 

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bild: screenshot puls4 wahlschauen

es herrscht notstand

ein laut ermittlerkreisen des rechtsextremismus verdächtiger wird mit rohrbomben erwischt. aber das ist alles halb so schlimm. für die justiz lange noch kein grund, untersuchungshaft zu verhängen. der verdächtige geht frei. verglichen mit den 6 monaten u-haft für josef s. der beim aufstellen eines umgefallenen mistkübels inflagranti erwischt wurde, ein mehr als schräges bild.

rechtsextreme burschenschafter bekommen in einer sonderveranstaltung in ihrer „bude“ die waffenscheintauglichkeit pauschal zugesprochen. der grüne landtagsabgeordnete simon hofbauer entdeckt aber weitere details: der gutachter, der selbiges ermöglichte, ist auch nicht irgendwer. es handelt sich vermutlich um wolfgang caspart, der bereits wegen verhetzung angeklagt wurde. schon wieder ein mehr als schräges bild.

identitäre stürmen eine theatervorstellung im audimax. nicht nur, dass in unserem land schon einmal die rechten mit dem stürmen von theatervorstellungen den ultimativen wahnsinn einleiteten- der obmann der identitären, alexander markovics droht offen mit weiterer aggression:

„Wir werden dafür sorgen, dass es kein friedliches Hinterland mehr für die Multikultis geben wird.“

die ganz offen von der fpö unterstützten schlägertrupps nutzen zunehmend die rechtstolerante stimmung in manchen kreisen unserer gesellschaft. und die staatsanwaltschaft? sie bleibt untätig.

robert misik schrieb dazu auf fb:

drei blitzlichter auf ein krankheitsbild des österreichischen „rechtsstaates“. drei alarmsignale, die alle, die noch etwas auf demokratie setzen wollen, umgehend wachrütteln müssen. hier stimmt ausnahmsweise, was in ganz anderem zusammenhang aus politischem kalkül herbeigeredet wird:

es herrscht notstand.