salzburger jugendzentrum mark ist am ende

das schicksal des salzburger jugendzentrums mark ist besiegelt. nach jahrelangem hin und her, wenigen echten plänen und zahlreichen pseudolösungen, wird nun kommenden freitag eine schar den letzten einmal von der stadt zugesagten, dann doch nur als „notbüro“ nutzbaren standort in nonntal freiwillig verlassen und sich auf den weg in das vorhersehbare ende begeben. mehr oder weniger offen geben spö und övp zu, dass eine gesicherte zukunft des ältesten jugendzentrums der stadt kein anliegen mehr ist. anscheinend gelingt es der salzburger politik nun doch noch, die verantwortlichen des mark ins leere laufen zu lassen.

das schicksal des salzburger jugendzentrums mark demoralisiert. für aussenstehende ist es nur schwer verständlich, warum einerseits der mut zu vehementen, lauten, nachdrücklichen und andauernden forderungen zu schwinden scheint und andererseits die politisch verantwortlichen sich ungestraft an ihre eigenen erfolgsmeldungen noch vom mai diesen jahres nicht mehr zu erinnern brauchen. wo lang genug an den rand gedrängt wird, scheint gewöhnung an diese zumuntung einzutreten.

das schicksal des salzburger jugendzentrums mark hat symbolkraft. seit jahren war eine diskussion über jugendkultur in salzburg ohne erwähnung des jugendzentrums „mark“ undenkbar. die vergebliche platzsuche für das „mark“ steht für den platz, den junge kultur in salzburg hat. wo immer ein neuer standort auch nur angedacht worden war, gab es stets mehr oder weniger spontane bürgerInnenproteste, die angesichts des fehlenden klaren politischen willens immer die existenzberechtigung des „mark“ in frage stellen konnten. ratlose politikerInnen werden viel zu spät erkennen müssen, dass jugendlichen keinen raum einzuräumen langfristig wirklich tragische folgen für unsere gesellschaft haben wird. solange jugendliche ihren platz einfordern, bestehen chancen. wenn sie ihre forderungen nicht mehr stellen und aufhören ihren platz in unserer mitte haben zu wollen, ist es bereits zu spät.

das schicksal des salzburger jugendzentrums mark ist unverständnis. der vorschlag einer övp-gemeinderätin in den letzten tagen, das „mark“ in die „ARGEkultur“ hineinzuzwängen, zeigt einmal mehr, wie wenig verständnis salzburger (jugend)kultur aushalten muss. irgendwie eine fatale idee: konsequent weitergedacht könnten wir bald in salzburg einen einzigen standort haben, wo wir alle kulturinitiativen und projekte hineinverschieben, für die sonst kein platz gefunden wird. am ende gar das festspielhaus? reinhard kriechbaum, chefredakteur von drehpunktkultur.at hat sich dazu sehr deutlich geäussert. (link zum artikel)

das schicksal des salzburger jugendzentrums mark ist zynismus. über jahre durfte das team den ausnahmezustand, den nichtstandort und ein veranstaltungsverbot verwalten. „notbüros“ zuerst in der ARGEkultur und dann im ehemaligen „musikum“ in nonntal sind das resultat einer befremdlichen hinhaltetaktik: einem jugendzentrum einerseits ein bezahltes team zuzugestehen, andererseits aber die möglichkeit für veranstaltungen bzw. platz für jugendliche vorzuenthalten, könnte eine teure form des aushungerns sein, die sich nun bewährt.

das schicksal des salzburger jugendzentrums mark war salzburger geschichte. entstanden in den 60er jahren, war das „mark“ vorerst ein zentrum für die arbeiterjugend, welches in den 70er, 80er und 90erjahren einen wesentlichen bezugspunkt zuerst am franz-josefs-kai und dann in der neutorstrasse für zahlreiche jugendliche in salzburg bedeutet hat. im übrigen ist der seinerzeitige umzug des jugendzentrums vom franz-josefs-kai in die neutorstrasse der beweis, dass bei entsprechender vorbereitung, kluger kommunikation mit allen beteiligten und offenem dialog mit den anrainerInnen ein solches zentrum auch mitten in der bewohnten stadt platz haben kann! auch die fünf jahre an dem dann später (2002) neu-erkämpften standort aigen nach kurzer orientierungsphase im stadtwerkehaus in folge des rauswurfes aus der trägerschaft der katholischen kirche waren von bunter kreativität geprägt.

das schicksal des salzburger jugendzentrums mark ist eine botschaft. junge menschen in salzburg, die in salzburg freiraum für treffen, vernetzung und infrastruktur für kulturelle aktivitäten suchen, müssen nun erfahren, dass es fatal ist, über jahre den vertröstungen der politisch verantwortlichen zu vertrauen. nach jahren der verantwortungslosen verschwendung (wer denkt noch an die olympiabewerbungen?) sind nun zeiten der scheinbar unausweichlichen einsparungen angebrochen, in denen junge menschen zu den ersten gehören, die als „kostenfaktor“ gekürzt werden sollen. die lange geschichte der dennoch jahrelang geduldig und brav geführten gespräche zwischen „mark“ und stadt salzburg kommt nun zu einem traurigen schluss:

es endet mit einem (von manchen sogar noch freiwillig angetretenen) gang ins nichts.

kulturloser umgang mit kultur

waldklang
aus dem stand hat ein junges team im jahr 2008 unter dem titel waldklang ein neues winterfestival im waldbad anif mit grossem erfolg organisiert: 11.000 besucherInnen und über 60 künstlerInnen aus verschiedensten genres.

es war ein wohltuend frisches signal in einer jahreszeit, die sonst nur allzu laut von konsumgeiler kaufhausmusik und gieriger kauflust geprägt ist.

nun hat ein einzelner beamter der landesumweltanwaltschaft dieses engagierte projekt einfach abgewürgt. seine stellungnahme war der grund dafür, dass sich die veranstalter nicht mehr in der lage sahen, rechtzeitig und verantwortlich das festival zu planen und zu realisieren. gesprächsangebote wurden ausgeschlagen.

einem einzelnen ist hier ein fehler unterlaufen oder er hat von hier aus nicht nachvollziehbare gründe für seinen einspruch gehabt.

dass solch ein vorgehen aber ein neues, junges projekt einfach zum scheitern bringt und damit all die vorarbeiten und mühen zahlreicher menschen zynisch frustriert, dem kann nicht einfach so zugesehen werden.

hier müssen wohl viele verantwortliche in politik und ämtern sich den vorwurf gefallen lassen, dass sie ohne sinn für junge kultur entweder weggesehen oder bewusst geschwiegen haben.

ein vorgang, der eine von zahlreichen besucherInnen freudig aufgenommene kulturinitiative so kläglich zum scheitern bringt, kann nur als kulturlos bezeichnet werden.

die homepage des projekts:
http://waldklang.at/

wirksamer eingriff

gestern und heute fand im rahmen der sommerszene09 ein spannender eingriff statt. ein eingriff mitten in das leben der stadt, mitten auf dem müllnersteg. „dancing on a bridge“ – eine performance von simone sandroni & sead dancers – sollte nach eigendefinition des choreografen und regisseurs durchaus irritieren:

a group of dancers are many unique individuals. they become a group only because of actions happening in a space at the same time. the idea is to make them look like a group by coincidence, giving the irritation of a show, which is not prepared or organized previously.

der eingriff ist voll gelungen. es kam zu irritationen verschiedenster art. wie es eben bei eingriffen so ist, wurden prozesse offengelegt, offensichtlich und konfrontativ: anfänglich wurden die tänzerInnen des sead fast unmerklich, unscheinbar mitten unter den fussgängerInnen und radfahrerInnen aktiv. der alltag wäre kaum aus dem trott gekommen, wären da nicht die beidseitig stehenden zuseherInnen und die beiden auf grossen schaukeln sich zurufenden tänzerInnen gewesen.

später dann, als die performance sich in der stegmitte zu sammeln begann und sowohl tänzerInnen als auch zuseherInnen einen schützenden rahmen bilden wollten, war die konfrontation mit der hast und der ungeduld unausweichlich. es war schon „beeindruckend“ zu sehen, wie radfahrerInnen trotz versammelter menge partout nicht absteigen wollen und sich ihren weg mitten durch die performenden tänzerInnen bahnten. stellenweise entstanden sogar aggressionen, rempeleien inklusive, denn manche brückenquerende wollten keinesfalls sich von diesem seltsamen treiben aufhalten lassen, fussgängerInnen wie radfahrerInnen waren immer wieder das verlässliche störelement.

es passierte aber auch sonst noch vieles: da gab es die frau, die irgendwie belustigt vom tänzerischen geschehen plötzlich selbst tanzend die seiten wechselte, da gab es den unverzichtbaren japaner mit sohn, der das geschehen zwar im unaufhaltsamen vorbeigehen, aber doch zur sicherheit schnell fotografisch festhielt – die salzburgsilhouette im hintergrund war der garant für ein in jedem fall gelungenes bild.

trotzdem stimmt das ganze nachdenklich. ich selbst stellte fest, dass ich anfänglich gerne vorbeiziehenden platz machte, wenn sie mit einem „entschuldigung“, „bitte“, „sorry“ oder „xcuse me“ ihr desinteresse kundgaben. irgendwann fragte ich mich, warum diese performance, dies tänzerInnen und die zuschauerInnen weniger recht haben sollten, das „ihre“ durchzuziehen, als jene, die einfach weitergehen wollten. konsequenz war, dass ich auf somanche „sorry“-versuche mich zur seite zu schieben, ebenso mit einem „sorry“ stehenbleiben wollte. doch der strom der alltagstrotterInnen war stärker, liess sich nicht wirklich erfolgreich stoppen.

schon seltsam: 25 minuten versitzen wir locker schon mal in einem stau, aber 25 minuten den ungefähr ebensovielen akteurInnen einzuräumen – das war einfach nicht drin.

insgesamt ein wertvoller eingriff: salzburgs alltag musste – widerspenstig, aber doch – einen eingriff von künstlerInnen zur kenntnis nehmen, die tänzerInnen wiederum werden intensiv erlebt haben, welch andere welt sich „draussen“ ausserhalb der tanzhallen abspielt. dass das ganze zu einem gelungenen ganzen wurde, quasi alle beteiligten und unbeteiligten zu einem performance-prozess wurden, ist wohl dem umstand zu verdanken,  dass die irritation eben bereits teil des konzepts war.

erst waren es ja nur „irgendwelche bewegungen“ zu einer musik, die nur die tänzerInnen in ihren ipods hören konnten, von dem sich salzburg so ganz und gar nicht beeindrucken lassen wollte, als dann die musik in der wiederholung auch für alle anderen hörbar wurde, mussten alle erkennen, dass es mozart war, den salzburg wieder einmal verkannt hatte. dieses lehrstück ist den tänzerInnen gelungen.

dass die sommerszene auf diese weise die offene (performative) auseinandersetzung mit der alltagswelt zu einem festen bestandteil des programms macht, zeigt, dass das team auch nach 40 jahren szene die ansprüche nicht vergessen hat.

link zur sommerszene

es bahnt sich was an!

vergangene woche in der times-garage in salzburg: stahl_ton_bild – eine ausstellung und performance der wandergalerie. http://wandergalerie.twoday.net/

mit dieser zweiten initiative nach streetART im mai setzt das team der wandergalerie (veronika konrad, sonja schiff und rochus gratzfeld) einen weiteren impuls: wieder an einem jener zwischenräume in dieser stadt, in die wir sonst nie gekommen wären (bzw. auch nicht auf die idee, dort eine kulturveranstaltung zu vermuten). und es wird bereits jetzt programm sichtbar: unverbrauchte, frische impulse an neuen (un)orten, unvorhersehbar, unangepasst und daher wohltuend anregend.

ernsthaft, aber nicht überinszeniert, authentisch, aber nicht exhibitionistisch auch die performance von vakinore, die mit ihrer ausdruckskraft und stimmarbeit raumfordernd in diese zwischenräume einer satten kulturstadt hineinzurufen scheint.

das thema stahl_ton_bild in den ausgestellten digiprints und im video vermittelt eindrücke einer foto- und performance-aktion im stahlskulpturenpark riederbach, quasi einer pre-event-performance als gegenstück zum post-event-shooting, welches auf der homepage publiziert wird.

es vermittelt sich daher ein geschehen, das vor und nach der vernissage passiert, die gäste der ausstellung werden kurzfristig zeugen des geschehens, das aber permanent im fluss zu sein scheint.

es wird spannend, welche zwischenräume, bruchlinien und vorhers und nachhers sich noch auf tun, der fluss geht sicher weiter und wir werden wieder eingeladen werden, an der einen oder anderen interessanten stelle das fliessen zu beobachten.

mit „krampus“ wird für dezember bereits die nächste stromschnelle benannt.

ps. die einführenden worte von karl schönswetter waren sehr beeindruckend, weil sehr persönlich. die einblicke in das zurückliegende (er)leben zwischen künstlerischem vater und künstlerischem sohn waren involvierend.

vernetzung bedarf viel hintergrundsarbeit

vernetzungstreffen gibt es ja inzwischen viele. was früher der vogelzuchtverein, der eisstockschiessverein oder der stammtisch war, findet heute natürlich „ganz anders“ statt…

"gente02" cristina colombo
cristina colombo: gente02

genau zur richtigen zeit, um 17 uhr – für menschen wie mich also zur „mittagszeit“, weil diese stunde ziemlich exakt meine aktiven tageszeiten in zwei fast gleiche teile teilt – fand heute der CITY Lab Salon IV im spoon, also mitten im festspielbezirk statt.

vernetzungstreffen gibt es ja inzwischen viele. was früher der vogelzuchtverein, der eisstockschiessverein oder der stammtisch war, findet heute natürlich „ganz anders“ statt. statt um feste mitgliedschaft und mitgliedsbeitrag geht es heute um offene formen, niemand ist verpflichtet, alle dürfen und jedeR ist gerngesehen. in zeiten der virtuellen vernetzung und der offenen plattformen bekommt die reale begegnung zwar eine andere, neue rolle, aber sie ist nicht weniger wichtig.

CreativeCity-Salzburg ist eine Initiative für Kreativwirtschaft in der Stadt-Salzburg. Für Bewusstseinsbildung, Vernetzung und Austausch innerhalb der Szene. Für die Weiterentwicklung von Potenzialen und Stärken. Für neue Perspektiven und gemeinsame Projekte.

so steht es in der eigendefinition auf facebook zu lesen. umgesetzt sieht das dann so aus: höchst unterschiedliche menschen – allesamt sich selbst der kreativwirtschaft zugehörig einstufend – treffen sich nun schon mit fast gewohnter regelmässigkeit, um mal in die eine, dann in die andere kreativbranche salzburgs über die kurzvorstellung einiger protagonistInnen einblick zu bekommen. der kreis der häufigen wiederbesucherInnen der Labs wächst kontinuierlich, bei jedem treffen kommen neue interessentInnen dazu.

das gelungene dabei: es entsteht eine angenehme atmosphäre, die von (in salzburg eher ungewöhnlichen?) beeindruckender offenheit getragen ist: kleinstunternehmerInnen neben betreiberInnen grösserer firmen, anfängerInnen neben „urgesteinen“, weithin oder international bekannte neben sehr local players. dass in diesen veranstaltungen der verbindende ansatz zum tragen kommt und wirklich angenehme vernetzungsstimmung aufkommt, ist aber kein zufall. inga horny, geschäftsführerin des salzburger altstadt verbandes, ist es gemeinsam mit einer „pressure group“ gelungen wirklich etwas neues, mutiges in eine zu schätzende, weil frische regelmässigkeit zu bringen.

solche treffen könnten auch sehr schnell dem berühmten „sack voller flöhe“ ähneln. dass dies nicht so ist, ist wohl in hohem mass dem immer wieder deutlich ausgesprochenen und spürbar ehrlichen leitmotiv zu danken, menschen – sogar den fast schon von berufs wegen schwierigen kreativen – zum offenen und ehrlichen begegnen und vernetzen einzuladen.

wie so oft, ist bei solchen veranstaltungen nicht auf den ersten blick erkennbar, dass bis zum zustandekommen sehr viel arbeit im berühmten „hintergrund“ passieren muss, damit dann viele menschen entspannt chillen können. inga horny und ihrem team gebührt dafür der ausdrückliche dank.