warnung in eigener sache: ich plane einen anschlag

ich plane einen anschlag auf die sicherheit unseres landes, wenn die definition des bundesinnenministers wolfgang sobotka stimmt, dass dieser tatbestand auf alle zutrifft, die das von ihm geplante „sicherheitspaket“ kritisieren oder gegen dieses sind.

ich kritisiere das masslose sicherheitspaket als bewusste scharfmacherei in zeiten, in der manche glauben, mit spaltung und hetze mehr politische macht erlangen zu können, als mit konstruktivem diskurs und ernsthafter gesellschaftlicher auseinandersetzung. daher trifft die ausgangslage, von der sobotka spricht, auf mich zu 100% zu.

zitat sobotka: „Alle innerhalb und außerhalb des Parlaments, die gegen diese gesetzlichen Anpassungen sind, planen einen Anschlag auf die Sicherheit der Österreicher“

erich kästner sagte schrieb einmal: „Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man muß den rollenden Schneeball zertreten, die Lawine hält keiner mehr auf!“

wer also mit mir in kontakt tritt, meine beiträge liest oder sonst mit mir zu tun hat, sollte wissen, dass ich per definitionem des innenministers ein anschlagsplaner bin. #justsaying

warnung in eigener sache: ich plane einen anschlag

abschiebungen sind eine anmassung

eine junge mutter sollte mit ihren zwei kindern abgeschoben werden. der fall erhielt in sozialen netzwerken aufmerksamkeit – die abschiebung wurde schließlich verhindert. warum das gut ist und abschiebungen dennoch alltag sind

es war ein besonders dramatischer fall: wenige wochen nach dem tod ihres vaters sollten die neunjährige mane und der siebenjährige maxim gemeinsam mit ihrer mutter narine b. (33) nach armenien abgeschoben werden. es war dies der zweite abschiebungsversuch, ein erster war drei wochen vor dem tragischen krebstod des vaters im juni war gescheitert. die drei verzweifelten, im ort gut integrierten menschen wurden am montag von der polizei mitgenommen und in schubhaft nach wien verbracht. es schien das ende von sechs jahren in unserem land zu sein.

es ist der wachsamkeit aktiver frauen aus dem netzwerk „überbrücken“ in der oberösterreichischen gemeinde walding rund um brigitte raffeiner zu danken, dass der fall schnell bekannt wurde. via facebook, twitter, blogs und zahlreichen schreiben an verschiedenste verantwortliche entstand eine welle der solidarität mit der vom schicksal geplagten familie.

humanitäres bleiberecht

beinahe innerhalb weniger stunden – am vormittag des dienstags – tauchten erste hinweise über eine mögliche lösung auf, zu mittag war es dann klar: die familie darf (vorerst) bleiben, das innenministerium gewährt humanitäres bleiberecht. ein gutes ende. proteste und appelle an die politik zeigten wirkung, irgendwo hatte jemand ein einsehen und handelte menschlich. das darf uns alle freuen.

allerdings: nach der allen gegönnten freudenrunde muss auch klar sein, dass dies nur einer von vielen fällen war. es gibt noch zahlreiche andere familien und einzelpersonen, die ebenso in schubhaft genommen wurden und nicht das glück hatten, öffentliche aufmerksamkeit im entsprechenden ausmaß zu erlangen. gerade in vorwahlkampfzeiten ist damit zu rechnen, dass durchaus bewusst exempel statuiert werden, damit bestimmte zielgruppen vermeintlich befriedigt werden. ob nach armenien oder georgien, nach kroatien aufgrund der unheilvollen dublin-iii-richtlinien: abschiebungen sind ein eingriff in das leben der schwächsten.

grundrecht: in frieden und sicherheit leben

abschiebungen sind zwangsmaßnahmen, die für die betroffenen niemals gutes bedeuten. es sind im falle österreichs maßnahmen eines übersättigten landes, das trotz seines reichtums in menschen aus anderen ländern eine unzumutbare belastung oder gar eine bedrohung der kultur sieht. will jemand nicht touristisch geld im land lassen und wieder abziehen, sondern hier in frieden und in bescheidenem wohlstand (über)leben, dann wird uns das „zu viel“.

dabei ist jedes sortieren von menschen zynisch. es müsste egal sein, ob das jeweilige schicksal den medien bekannt ist oder nicht, ob journalistinnen darüber schreiben oder nicht, ob politikerinnen sie kennen oder nicht, ob sie sympathisch oder zurückgezogen, laut oder leise, gesprächig, lächelnd, trauernd oder depressiv, kraftstrotzend oder krank, schwach oder sportlich, ob sie jung sind, oder älter, ob sie christen, muslime oder sonst religiös sind oder sich keiner religion zugehörig fühlen, ob sie herausragende fähigkeiten haben oder bisher keine bildung hatten, welche visionen sie antreiben, welche träume sie haben, ob sie hetero-, homosexuell, ob sie frau, mann oder transgender sind, ob sie familie und kinder haben oder ganz allein da sind. es müsste egal sein.

bei abschiebungen glauben menschen aus diversen gründen, das recht zu haben, anderen ein grundrecht zu verwehren: in frieden und sicherheit zu leben. diesen „anderen“ menschen zu unterstellen, sie wären eine bedrohung, ist eine jener hasslügen, die unsere gesellschaft vergiften. nur eine verhinderte abschiebung ist eine gute.

abschiebungen sind eine anmassung.

(bernhard jenny, derstandard, 23.8.2017)

staatlicher sadismus?

es ist nicht mehr nur grausamkeit. auch nicht nur zynismus. wenn stimmt, was posts auf fb berichten, dann wurde die familie hassan aus pfarrkirchen auseinandergerissen. der krebkranke grossvater und seine frau wurden aus der schubhaft entlassen, während in diesen stunden die übrige familie abgeschoben wird.

das bedeutet: mutwillig wird eine familie getrennt, im wissen, dass kinder und enkelkinder ihren grossvater wohl nie mehr wiedersehen werden. die schubhaft war das letzte, was die familie gemeinsam erlebt hat und was für immer in deren erinnerung eingebrannt bleiben wird.

wer handelt so?
was leitet diese menschen?

staatlicher sadismus?

pfarrkirchen: das nächste abschiebedrama nimmt seinen lauf

update 20170824 – 12:00
wie es aussieht, wurde die familie auseinandergerissen!

update 20170823 – 21:00
derzeit sieht alles nach einer durchführung der depotationen aus. um 07:00 scheint der erste flug ab schwechat zu gehen. #letthemstay #stopdeportation




 

kaum verbreiten sich die erfolgsmeldungen über die (vorläufige) lösung im fall der armenischen familie aus walding, die gestern aus der schubhaft entlassen wurde, schlagen aktive menschen aus pfarrkirchen im mühlkreis alarm. eine jesidische familie wurde am selben tag wie jene aus walding in schubhaft genommen, der flug soll morgen donnerstag stattfinden! bitte helft alle wieder mit schreiben an möglichst viele verantwortliche.

hier ein posting von johannes scherrer, einer der unterstützer_innen der familie:

Grüß euch und Hallo ihr da verstreut in ganz Österreich!

Unsere Freunde Base, Zara, Said, Jusef, Mahir und Tayro wollen sie abschieben.

Wir können es nicht fassen, fast fünf Jahre haben wir so viel zusammen gemacht. Haben miteinander gefeiert, geplaudert, geweint und gelacht. Immer wieder in Sorge ob sie denn in Pfarrkirchen bleiben können. Zara und Said, beide noch so jung und Eltern von zwei kleinen Kindern. Said der immer hilft und sich für alles interessiert. Er ist, wie Zara nur ein paar Jahre in Syrien in die Schule gegangen und sie haben dann auf ihrem kleinen Bauernhof in einem Dorf gearbeitet. Wenn wir durch Linz gegangen sind war er immer so fasziniert von den vielen Zebrastreifen und hat mich gefragt warum es verschieden breite gibt. Das war mir noch nie aufgefallen. Als Zara mit ihren zwei Kindern das erste Mal mit mir im Auto nach Rohrbach gefahren ist, hat Tayro (er war damals ca. dreieinhalb Jahre) so geweint als er beim Kreisverkehr Polizisten gesehen hat. Er hat gesagt, Mama da sind Soldaten.

Wie viele Stunden haben wir mit ihnen Deutsch gelernt. Wir sind ein super Deutschlernteam in Pfarrkirchen und haben so viel Spaß miteinander gehabt. So groß war unsere Freude wie sie nach viel plagen und üben das Schreiben und dann sogar die B1 Prüfung geschafft haben.

Wenn auf der Gemeinde jemand für eine Arbeit gebraucht wurde war Said zur Stelle. Er hat auch sonst bei allen möglichen Leuten freiwillig geholfen und wollte alles lernen. Zara die beim Elternverein in der VS Pfarrkirchen dabei ist freut sich immer so, wenn es was zu tun gibt. Und dann als Jusef krank wurde haben wir alle so mitgebangt, zuerst die Niere befallen, kaum dachten wir, dass es jetzt bergauf geht kam der Befund, dass auch die Leber befallen sei. Trotzdem hofften wir, weinten und trösteten einander.

Und das soll alles umsonst gewesen sein. Unsre Hassans schieben sie jetzt ab, weil sie angeblich aus Armenien und nicht aus Syrien sind und dort die Religionsgruppe der Jesiden nicht verfolgt und ausgerottet wird. Nach vier Jahren kommen sie da drauf.

Wir wissen, dass beides zusammengehört: Unser Einsatz für die Hassans und die Macht der verantwortlichen Politiker. Aber wir haben auch Macht – zeigen wir ihnen, dass uns diese Familie nicht egal ist, dass wir Menschen, die sich in diesen fünf Jahren seit sie hier sind, so gut in unserem Land, in unserem Ort integriert (eingelebt) haben.

Bitte teilt dieses Schreiben mit vielen –

das ist unsere Chance unseren Freunden zu helfen!!!

Johannes Scherrer johannesscherrer@gmx.at

Margit Scherrer, Freunde und Bekannte

und hier gleich eine vorlage von johannes scherrer für ein schreiben an den bundesminister wolfgang sobotka (und andere)

BRIEFVORLAGE AN DAS INNENMINISTERIUM ODER LH STELZER

Liebe Alle, bitte helft mit und schreibt Briefe an Innenminister Sobotka, und bittet ihn, die Abschiebung von Familie Hassan und deren Kindern zu stoppen. Die Familie ist schon über 5 Jahre in Österreich, ist bestens integriert, und in zahlreichen Vereinen aktiv! Zur Zeit sind sie im Wiener Familienanhaltezentrum Zinnengasse und stehen vor der unmittelbaren Abschiebung.

ministerbuero@bmi.gv.at

Sehr geehrter Herr Minister Sobotka,

bitte stoppen Sie die Abschiebung von Familie Hassan und ihren Kindern.
Die Familie ist vor 5 Jahren mit samt Großeltern und beiden Kindern im Kleinkindalter von Syrien nach Österreich gekommen. Die Kinder, damals ungefähr 2 und 3, mittlerweile 8 und 9 sind hier aufgewachsen und kennen Syrien nicht. Die Familie hat hier Deutsch gelernt und ist in ihrer Gemeinde Pfarrkirchen im Mühlkreis bestens integriert. Yusef Hassan leidet an einer bösartigen Lebererkrankung. Zuvor hatte er schon eine Nierenoperation. Er befindet sich zurzeit in chemotherapeutischer Behandlung. Wir sind in großer Sorge, ob eine weitere fachgerechte Behandlung möglich sein wird. Für seine Betreuung sorgen seine Frau Base sowie sein Sohn und die Schwiegertochter.

Ausgerechnet jetzt, nach fünf Jahren Aufenthalt in Österreich und vorbildlicher Integration soll die Familie mit den beiden Volksschulkindern abgeschoben werden. Gestern wurde die ganze Familie verhaftet und abgeführt, am Donnerstag soll die Abschiebung erfolgen.

Für Sie persönlich bleibt noch ausreichend Zeit, um diese Abschiebung zu stoppen. Die Familie hat einen Antrag auf Humanitäres Bleiberecht gestellt, doch dieser hat noch keine aufschiebende Wirkung. Bitte setzen Sie die Abschiebung aus, bis der Antrag auf Humanitäres Bleiberecht der Familie geprüfte werden konnte!

Hochachtungsvoll,

Johannes Scherrer

vielleicht gelingt es, auch in diesem fall die behörden umzustimmen!

nur eine verhinderte abschiebung ist eine gute!

noch aber ist die gefahr der deportation gegeben!

pfarrkirchen: das nächste abschiebedrama nimmt seinen lauf

staatliche grausamkeit macht selbst vor kindern nicht halt

update 20170822 – 14:50: soeben bestätigt:
narine und ihre kinder sind frei!!! super erfolg für die aktiven menschen in #walding!!!




gestern wurde wieder einmal sogenanntes recht zum unmenschlichen unrecht exekutiert. kleine kinder wurden von der polizei mit ihrer mutter in schubhaft genommen, denn unser staat will sich deren anwesenheit nicht leisten. in der oberösterreichischen gemeinde walding gibt es aber eine gruppe von menschen, die da nicht tatenlos zusehen wollen.

brigitte raffeiner, obfrau des netzwerkes „überbrücken‟ schrieb gestern auf facebook:

Der kleine Maxim wäre heute eigentlich zu einer Geburtstagsparty eingeladen gewesen. Die Mutter des Geburtstagskindes wollte ihn gerade abholen als die Polizei bereits vor Ort war.
So gab er der Mutter seines Freundes tränenüberströmt das Geburtstagsgeschenk mit und fügte noch leise hinzu, „er soll mich nicht vergessen.

und veronika pernsteiner:

Deportation heute Mittag:
Ich bin fassungslos und erschüttert: ich war soeben dabei, als Narine und ihre Kinder (7 und 9) ins Polizeiauto einsteigen mussten, alle haben bitterlich geweint. – Ist das noch Österreich, hab ich mir gedacht? Narines Mann wurde vor wenigen Wochen im Mühlviertel begraben, die Halbweisen und die Witwe – gut integriert, seit über 6 Jahren hier im Mühlviertel, gutes Deutsch, Kinder gute Schulergebnisse! – werden abgeschoben nach Armenien! Ist die Humanität in Österreich gänzlich verloren gegangen?

 

kann es wirklich sein, dass kleinen menschen und ihrer mutter, die schlimmstes durchgemacht haben, nun zwangsweise deportiert werden, weil es ein buchstabe des gesetzes so will? Hat menschlichkeit keinen platz mehr?

die integrationsplattform „überbrücken‟ schreibt:

Seit sechs Jahren lebt Narine Bughdaryan mit ihrer Familie im Flüchtlingshaus Walding Rottenegg. Die Familie trägt ein schweres Schicksal: Der Vater Tigran, schon bei der Flucht schwer krank, erkrankte zusätzlich in Österreich an Krebs.
Drei Wochen vor seinem Tod fand der erste unrechtsmäßige Abschiebeversuch statt. Die Familie durfte nach der Verhaftung wieder zurück ins Flüchtlingshaus, da der Vater zum Zeitpunkt der Abschiebung im Krankenhaus lag. Schwer traumatisiert vergingen die nächsten Tage, bis der Vater Tigran im Juni im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern seiner schweren Erkrankung erlag. Er wurde am 24. Juni 2017 in Walding im Beisein seiner Familie und vieler Trauergäste aus der Gemeinde begraben.

Die Worte von Mane, der 9 Jahre alten Tochter, bei der Totenwache rührte uns alle zu Tränen: „Lieber Papa, ich hab dich sehr lieb, ich weiß, dass du mich auch sehr lieb hast und mich immer beschützt.“
Der Schutz aus dem Himmel reichte jedoch nicht.

Gestern um 14.00 Uhr wurde die Familie von der Polizei zur Abschiebung nach Wien abgeholt.

die waldingerInnen wollen kämpfen:

Wir WaldingerInnen verstehen die Welt nicht mehr!
Ein Antrag auf Humanitäres Bleiberecht wurde kurz nach dem Tod des Vaters gestellt und ist zur Zeit noch nicht in Bearbeitung durch das BFA.
Die Kinder sprechen Deutsch als wäre es ihre Muttersprache, haben hier in Walding ihre Freunde, sie sind gute Schüler und für die beiden ist Walding ihre Heimat.

Die Integrationsplattform „Überbrücken“ der Gemeinde Walding setzt sich schon des längeren zusammen mit Pfarre, Schuldirektion, Gemeinde für ein humanitäres Bleiberecht dieser Familie ein. Ich ersuche Sie, speziell diesen Fall, der ein großes menschliches Drama ist, mit uns zu verbreiten, und uns bei unserem Vorhaben, eine Abschiebung zu vermeiden, zu unterstützen!
Wir machen uns große Sorgen um Narine, die Mutter der Kinder, welche den Tod des Vaters ihrer Kinder und ihres geliebten Ehemanns noch nicht verkraftet hat. Ihre ganze Liebe gilt jetzt ihren Kindern, aber die ohnehin sehr schlanke Frau ist die letzten Wochen stark abgemagert und steht kurz vor dem körperlichen Zusammenbruch.
Der Familie würde mit der Abschiebung alles verlieren. Ihr Zuhause, ihre Heimat, ihre Freunde und auch den Ort der Trauer. Tigran ist in Walding beigesetzt – die Kinder können dann das Grab ihres Vaters nicht mehr besuchen.
Am Donnerstag soll der Flieger zurück nach Armenien gehen! Wir hoffen, wir beten, dass die Familie dann nicht in diesem Flugzeug sitzt, sondern zurück in ihre Heimat nach Walding darf.

Bei Fragen steht die Obfrau des Netzwerkes „Überbrücken‟ Brigitte Raffeiner sehr gerne unter der Telefon-Nummer: 0699 133 86061 zur Verfügung.

brigitte.raffeiner@studien-monitor.at

wie dieses drama endet, ob es noch gut geht, weiss derzeit niemand. aber da wahlkampf herrscht, werden manche versuchen, den fall als exempel zu statuieren. denn staatliche grausamkeit ist nicht zum ersten mal wahlkampffutter für xenophobe zielgruppen. dass dies eines zivilisierten rechtsstaates unwürdig ist, scheint in diesen zeiten unwichtig. wichtiger scheint das unterscheiden von menschen, die immer schon hier waren und solchen, die „weg gehören“. traditionspflege der wahnsinnigen art.

staatliche grausamkeit macht selbst vor kindern nicht halt.

heisst es jetzt „too dirty to fail“?

mafia des langsamen todes

jemand vergiftet regelmässig und bewusst menschen. nicht einen, nicht drei, nicht zwanzig, sondern millionen. es ist kein einzeltäter, sondern es ist ein kartell. ein kartell, das gesetzliche bestimmungen höchstens mit einem achselzucken kommentiert. die täter wähnen sich über dem gesetz. sie schreiben der politik vor, was sache sein darf und was nicht.

dieselgate, dieselskandal, abgasskandal… das mörderische geschehen hat viele namen. und in dem moment, wo manche dachten, dass das fass nun endlich überlaufen würde, weil bekannt wurde, dass es markenübergreifende abstimmungen und absprachen in der gesamten autoindustrie gegeben hatte, genau in diesem moment blieben politik und justiz (vorerst zumindest) zahnlos. lächerliche „optimierungen“ sollen beheben, was in wirklichkeit nicht zu beheben ist.

rückblende

wir vergessen schnell. sehr schnell. die sogenannte bankenkrise, eines der grössten verbrechen unserer zeit, wurde dank einer willfährigen politik zum schaden aller gelöst. banken wurden „gerettet“, bekamen also fiktive buchwerte quasi von den staaten bezahlt, menschen verloren oft vieles, budgets wurden ausgehungert und ausgedünnt. die „bankenkrise“ wurde zum geflügelten wort, den „kleinen da unten“ wieder einmal zu erklären, dass da leider kein geld da sei, und den „grossen da oben“ wurde es vorne, hinten und sonst wo reingestopft.

dort und da hat dieser ganze wahnsinn auch sehr konkret menschenleben gekostet. sei es, weil menschen in die verzweiflung getrieben wurden und sich suizidierten, sei es, weil plötzlich nicht mehr die adäquate gesundheitsversorgung vorhanden war. die menschen in den „südstaaten“ europas mussten da viel mehr leiden, als jene der „mittleren und nordstaaten“.

und jetzt?

was passiert mit der autoindustrie? kommt sie davon, wie seinerzeit die spekulanten?* wird sie gestützt, geschützt, wird weiter gemauschelt und betrogen? muss ja wohl sein, denn ein konsequentes handeln würde zu einem völligen umbruch in der fahrzeugwelt führen, da bliebe kaum eine karosserie auf dem fahrgestell. bei den banken hiess es damals „too big to fail“.

und konsequenzen so knapp vor wahlzeiten sind unpopulär. dennoch wäre es unverständlich, wenn die politik sehenden auges die systematische, bewusst geplante, je geradezu industrieimmanente gefährdung des lebens in vielen millionen fällen einfach akzeptiert oder mit lächerlichen abmahnungen samt strafgebühren nur zum schein bekämpft.

gesetz gilt nur für die kleinen?

politisch verantwortliche, die zulassen, dass die autoindustrie tote und lebensgefährlich erkrankte schnell mal als kollateralschaden der gier nach profiten einplanen, sind der mittäterschaft schuldig. ausserdem wird jede diskussion über sonstige bereiche des konsument_innenschutzes á la inhaltsstoffe, reinheitsgesetze und nebenwirkungen lächerlich, wenn schadstoffe in zigfach überhöhtem und lebensgefährlichem ausmass nicht umgehend und konsequent als verbrechen geahndet werden.

müssen wir jetzt die autoindustrie vor konsequenzen der totbringenden betrügereien schützen, weil die wirtschaft blühen soll, selbst wenn es auf den gräbern viel zu früh verstorbener menschen sein sollte? ist das ausmass des verbrechens wieder einmal so gross, dass es für die täter – siehe „bankenrettung“ – wieder mal mit belohnung, statt mit strafen endet?

heisst es jetzt „too dirty to fail“?

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foto: enno lenze cc licence by nc bearbeitet von bernhard jenny cc licence by nc

*) in machtrelevanten (und speziell täter-)kontexten wird hier öfter bewusst nicht gegendert, weil dadurch eine wirklichkeit verzerrt dargestellt würde. das tätersystem ist eindeutig männlich beherrscht.

 

politavantgarde dynamisiert stadt salzburg

der amtierende bürgermeister der stadt salzburg ist noch gar nicht zurückgetreten. er hat den rücktritt nur angekündigt. und schon wird die stadt von einer schier unfassbaren dynamik erfasst. kaum jemand hätte darauf wetten abgeschlossen, dass ausgerechnet salzburg mit einer reihe von kandidat_innen atemberaubende persönlichkeiten in den mittelpunkt bringt.

selten noch war es derart spannend, wer denn jetzt wirklich das rennen um das höchste amt der landeshauptstadt machen könnte. eines dürften aber alle wahlwerbenden parteien erkannt haben: ein neuanfang muss her, „bewegung“ wie das jetzt auf neupolitisch heisst, zukunftsorientiert und mit umwerfendem elan ausgestattet.

der eine ist schon länger auf plakatwänden zu sehen, war uns etwas verfrüht für 2019 angepriesen worden und hat uns schon mal gemeinsam mit seiner frau einen schönen sommer gewünscht. das pfeift!

mit soviel dynamik waren die mitbewerbenden gruppen unmittelbar herausgefordert, weshalb die anderen schon mal ihren altbekannten vize als jetzt runderneuert und lammfrommen kandidaten aufstellen. wer sich jahrzehntelang rechtsaussen aus dem beiwagen gelehnt hat, kann garantiert auch die zugmaschine lenken, so sagen die fahrschulexpert_innen.

resigniert mussten die blaubraunen auch einen neuling suchen, gingen in die küche brainstormen (sorry in diesen kreisen sagen die wohl eher: „hirnwinde blasen lassen“) und schon hatten sie ihren kandidaten.

da war es nur logisch, dass die bürgerliste an einer noch grösseren überraschung basteln musste. sie fanden auch einen idealen kandidaten, nämlich einen, auf den nicht einmal er selbst gewettet hätte. ein „beim verkehr habe ich aufgegeben“-kandidat ist allerdings ein starkes signal an die feministisch denkende basis.

einzig den neos fiel entgegen ihres einwort-partei-programms nichts neues ein. sie scheiterten an der vorgabe (woher eigentlich???) bitte nur männer als kandidaten aufzustellen und treten wenig überraschend mit ihrer stadträtin an. das bringt die homogene männerselbsthilfegruppe ordentlich ins wanken.

ein verzweifelter bürger für salzburg wirft sich dann noch im letzten moment in die riege, irgendwer muss ja für konservative ruhe und stabilität sorgen – angesichts einer so ausser kontrolle geratenen politlandschaft.

egal wer gewinnt, salzburg zeigt mut, dynamik, genderbewusstsein und hört auf jene, die die basis bilden, die wählen sollen. das kann uns nur zuversichtlich stimmen. die wahlbeteiligung wird alle rekorde sprengen. wir sind modern!

eine politavantgarde dynamisiert stadt salzburg.

 

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foto: bernhard jenny cc by