heisst es jetzt „too dirty to fail“?

mafia des langsamen todes

jemand vergiftet regelmässig und bewusst menschen. nicht einen, nicht drei, nicht zwanzig, sondern millionen. es ist kein einzeltäter, sondern es ist ein kartell. ein kartell, das gesetzliche bestimmungen höchstens mit einem achselzucken kommentiert. die täter wähnen sich über dem gesetz. sie schreiben der politik vor, was sache sein darf und was nicht.

dieselgate, dieselskandal, abgasskandal… das mörderische geschehen hat viele namen. und in dem moment, wo manche dachten, dass das fass nun endlich überlaufen würde, weil bekannt wurde, dass es markenübergreifende abstimmungen und absprachen in der gesamten autoindustrie gegeben hatte, genau in diesem moment blieben politik und justiz (vorerst zumindest) zahnlos. lächerliche „optimierungen“ sollen beheben, was in wirklichkeit nicht zu beheben ist.

rückblende

wir vergessen schnell. sehr schnell. die sogenannte bankenkrise, eines der grössten verbrechen unserer zeit, wurde dank einer willfährigen politik zum schaden aller gelöst. banken wurden „gerettet“, bekamen also fiktive buchwerte quasi von den staaten bezahlt, menschen verloren oft vieles, budgets wurden ausgehungert und ausgedünnt. die „bankenkrise“ wurde zum geflügelten wort, den „kleinen da unten“ wieder einmal zu erklären, dass da leider kein geld da sei, und den „grossen da oben“ wurde es vorne, hinten und sonst wo reingestopft.

dort und da hat dieser ganze wahnsinn auch sehr konkret menschenleben gekostet. sei es, weil menschen in die verzweiflung getrieben wurden und sich suizidierten, sei es, weil plötzlich nicht mehr die adäquate gesundheitsversorgung vorhanden war. die menschen in den „südstaaten“ europas mussten da viel mehr leiden, als jene der „mittleren und nordstaaten“.

und jetzt?

was passiert mit der autoindustrie? kommt sie davon, wie seinerzeit die spekulanten?* wird sie gestützt, geschützt, wird weiter gemauschelt und betrogen? muss ja wohl sein, denn ein konsequentes handeln würde zu einem völligen umbruch in der fahrzeugwelt führen, da bliebe kaum eine karosserie auf dem fahrgestell. bei den banken hiess es damals „too big to fail“.

und konsequenzen so knapp vor wahlzeiten sind unpopulär. dennoch wäre es unverständlich, wenn die politik sehenden auges die systematische, bewusst geplante, je geradezu industrieimmanente gefährdung des lebens in vielen millionen fällen einfach akzeptiert oder mit lächerlichen abmahnungen samt strafgebühren nur zum schein bekämpft.

gesetz gilt nur für die kleinen?

politisch verantwortliche, die zulassen, dass die autoindustrie tote und lebensgefährlich erkrankte schnell mal als kollateralschaden der gier nach profiten einplanen, sind der mittäterschaft schuldig. ausserdem wird jede diskussion über sonstige bereiche des konsument_innenschutzes á la inhaltsstoffe, reinheitsgesetze und nebenwirkungen lächerlich, wenn schadstoffe in zigfach überhöhtem und lebensgefährlichem ausmass nicht umgehend und konsequent als verbrechen geahndet werden.

müssen wir jetzt die autoindustrie vor konsequenzen der totbringenden betrügereien schützen, weil die wirtschaft blühen soll, selbst wenn es auf den gräbern viel zu früh verstorbener menschen sein sollte? ist das ausmass des verbrechens wieder einmal so gross, dass es für die täter – siehe „bankenrettung“ – wieder mal mit belohnung, statt mit strafen endet?

heisst es jetzt „too dirty to fail“?

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foto: enno lenze cc licence by nc bearbeitet von bernhard jenny cc licence by nc

*) in machtrelevanten (und speziell täter-)kontexten wird hier öfter bewusst nicht gegendert, weil dadurch eine wirklichkeit verzerrt dargestellt würde. das tätersystem ist eindeutig männlich beherrscht.

 

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

Ein Kommentar

  1. Und ich dachte nach dem ersten Absatz, du meintest die ÖVP…

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