eine kurznotiz zum residenzplatz

residenzplatz flusssteine  (bild: personenkonsortium 2009)

jetzt geht es wieder los, das dilettantische herumgestochere, irgendwie zugepflastere, steine dort oder da verschieben. seit 2009 war gras über alle diskussionen gewachsen, jetzt wird wieder auf klein klein gemacht.
(siehe ORF bericht 1 und bericht 2).

da gibt es einen fertigen vorschlag, der bei einem internationalen architekturwettbewerb gewonnen hat, aber den will man nicht umsetzen, weil zu teuer. dabei ist dieser vorschlag nur deshalb so teuer, weil von der stadt her die belastungsfähigkeit einer autobahn ausgeschrieben worden war – und daran hielten sich die architekten.

was mich – unabhängig von der eigentlichen fachdiskussion, die keine mehr ist – stört:

  • dieser platz war einmal ein friedhof. schon lange her, aber dennoch nicht unwesentlich.
  • dieser platz war schauplatz der bücherverbrennung. was am 30. april 1938 hier stattfand, darf auch nicht unwesentlich sein.
  • also brauchen wir zweierlei:
    architektonisches feingefühl und einen verantwortlichen umgang mit ferner und naher geschichte eines solchen platzes.

    beides scheint es derzeit in der stadt salzburg nicht im ausreichenden masse zu geben.

    korruption? soviel wir wollen.

    bild: flickr / annieta / creative commons

    der hat kassiert, und der andere auch. einmal waren es mehrere zehntausend, dann wieder millionen. einmal über offshore konten, dann wieder banal im koffer. überraschung?

    ein verdammt schlechtes gedächtnis haben alle, die sich jetzt entsetzt oder erstaunt geben. denn „damals“ – so lange ist das ja gar nicht her – als die jetzt zur diskussion stehenden buwog-verkäufe über die bühne gingen, die eurofighter unbedingt gekauft werden mussten und so manch andere dinge a la telekom liefen, konnten wir alle sehen, wie sich die berühmten spatzen auf den dächern zu riesigen pleitegeiern verwandelten, das leise pfeifen zu lautem kreischen mutierte.

    es war also für viele, die augen und ohren nicht verschliessen wollten, mehr als offensichtlich, dass da hinten und vorne nichts mehr stimmte. wir haben es gewusst. wir haben nur keine konsequenzen gezogen. wir haben uns bereitwillig von den akteuren weiter narren lassen. die hemmung war grösser als der mut.

    und wir vergessen schnell. da wird aus einer „telekom“ schnell wieder „a1“, aus einem drahtziehenden abgeordneten im parlament ein drahtziehender zurückgetretener, (warum und wie er als abgeordneter die ermittlungen behindert hätte, bzw. wie er das jetzt nicht mehr können soll, hat er nicht erklärt), ein paar mal werden wir noch sprüche wie „was war mei leistung?“ aus abhörprotokollen lesen und dann wars das auch schon wieder.

    die frechsten akteure setzen sich vors mikrofon und fordern aufklärung, schonungslose aufklärung und meinen damit exakt das gegenteil. täuschen und hinters licht führen – irgendwie geht das schon. warum?

    wir sind harmoniebedürftig. ganz lustig, wenn sich ein paar die fetzen um die köpfe schlagen, aber irgendwann ist es uns fad und wir wollen wieder in ruhe fussball schauen. dann kommt noch irgendeiner, der wissend behauptet, dass die wirtschaft überall so funktioniert und dass allerorts ein „bisserl was gehen“ muss, damit „was geht“ und wir können wieder ruhig schlafen. und im sport wir ja schliesslich auch gedopt.

    korrupte politikerInnen und managerInnen wird es immer wieder geben. in welchem ausmass, das bestimmen aber nicht die korrupten, sondern wir. wenn wir uns im wahrsten sinne des wortes „für dumm verkaufen“ lassen, und aus angst vor anstrengungen lieber wieder zur tagesordnung übergehen, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass hochgrassers, mensbergers, meischbachs und co. munter weiter machen.

    „die wollen es ja nicht anders“, könnten sie über uns schenkelklopfend sagen, und haben gar nicht so unrecht.

    ps. ob und wieviel auffliegt und was nicht, ist auch niemals zufall. da gilt in österreich auch schon lange der proporz: lässt du bei mir was auffliegen, dann mach ich meine schublade auf und lass bei dir was auffliegen…

    origin? ars electronica am scheideweg.

    wie fatal müssen die antworten auf das motto des vergangenen jahres „repair – sind wir noch zu retten“ ausgefallen sein, dass heuer nun die wissenschaftliche rückschau zum thema wurde: „origin. wie alles beginnt“?
    arselectronica_cern (pressefoto ars electronica flickr)

    unsere zeiten und tempi werden immer schneller, immer weniger haben wir wirklich im griff, immer öfter müssen wir uns fragen, wohin das, was technologie, wissenschaft und forschung tun und bewirken, führt und ob wir das so wollen.

    rückschau. zurück zum ursprung. back to the roots.
    das kann heissen: uns die wurzeln unseres daseins bewusst machen, dem urgrund, dem leitmotiv allen daseins nahezukommen. logisch, dass dann jene, die dem urknall wissenschaftlich auf die schliche kommen wollen (cern), eine zentrale rolle bei diesem festival bekommen. der ursprung allen daseins in dem von uns erfassbaren (oder erahnbaren) kosmos lässt sonst eher nüchtern und sachlich denkende in einen erfurchtsvollen und nachdenklichen ton verfallen.

    rückschau. zurück zum ursprung. back to the roots.
    das hat auch ungeahnte folgen im hier und heute. schliesslich ist das world wide web ein in seinen auswirkungen damals gar nicht erkanntes (neben)ergebnis aus der praktischen arbeit der cern-forschung. welch unerwartete revolution!

    rückschau. zurück zum ursprung. back to the roots.
    könnte natürlich auch regressiv verstanden werden. „origin. wie alles beginnt“ könnte titel eines schmalztriefenden hollywoodschinkens sein, der davon ablenkt, uns den herausforderungen des hier und jetzt zu stellen. wer sich vor den herausforderungen der zukunft fürchtet, flüchtet in die vergangenheit. aber wir sind in linz.

    ist es zufall, dass gerade bei diesem thema das ars festival „in die kirche“ geht? sind die virtuellen weiten der social media so unsicher, dass der mariendom zum schauplatz einer klanginstallation werden muss? führt uns der gang in den linzer dom näher an den ursprung?

    was passiert mit hubschrauberlärm, verkehrsgeräuschen oder surrenden insektenschwärmen allein deshalb, weil sie im dom erklingen? „100000 m3 bewegte luft“ – eine klanginstallation von sam auinger (der in berlin lebt, aber mit diesem projekt selbst zu seinem eigenen „origin“ zurückkehrt) sollte sich „fragen des ichs und der gemeinschaft im 21.jahrhundert“ widmen. von sonnenuntergang bis sonnenaufgang, menschen die kommen, menschen die gehen, menschen die sich beim kommen und gehen bekreuzigen und hinknien neben anderen, die eben mal von der auch dieser tage stattfindenden weinverkostungsaktion („linz als grösste vinothek der welt“) mit halbvollem weinglas in den bänken sitzen und wieder anderen, die gar mit bier aus dosen hier ihren durst löschen. eben eine installation und kein konzert.

    seit mehr als 30 jahren steht das ars electronica festival für einen qualitativen dialog zwischen wissenschaft und kunst, zwischen technologieentwicklerInnen und userInnen, zwischen vision und realität. spätestens bei der „visualisierten klangwolke“ (diesmal eine science-fiction-epos unter der regie von beda percht) drängt sich die frage auf, wie schmal der grad zwischen populär und oberflächlich ist. vermutlich wäre es ehrlicher, weniger „hintergrundsgeschichte“ und einfach „effekte“ abzuspulen, denn einem inhalt können die meisten der 130.000 besucherInnen ohnehin nicht folgen. eine erstaunlich schlechte beschallung des ufergeländes vermittelt gerade noch wubbernde bassgeräusche, eine erahnbare erzählerin und ein „noch nie in diesem ausmass dagewesenes“ feuerwerksgeballere.

    hier wird erkennbar, dass das festival sich in den kommenden jahren entscheiden muss:

    will ars electronica zur folklore werden? dann fehlen nur noch brezen und lebkuchenherzen und die kooperation mit dem urfahraner herbstmarkt eine woche später.

    oder soll ars electronica aufwühlend und unausweichlich zukunftsfragen stellen? (was btw dem „origin“ des festivals entspräche.) dann darf ruhig mutiger und frecher agiert werden. wir sind in linz.

    vielleicht wird dann das heute zu ende gegangene festival zum origin, der heute beginnt.

    gehts uns was an?

    pfarrerinitiative website (foto bernhard jenny)

    passt „pfarrer“ und „ungehorsam“ glaubwürdig zusammen? in österreich? in der katholischen kirche? ist das eine fastrevolution, ein bisserl aufstand oder doch mehr?

    unabhängig wie jemand zur katholischen kirche steht, innerhalb, ausserhalb oder sonst irgendwie, diese institution hat nun einmal – ob es gefällt oder nicht – eine immer noch starke rolle in österreichs gesellschaft.

    wenn sich nun in dieser institution nun nicht mehr „nur laien“, sondern auch „pfarrer“ zusammentun, um zum „ungehorsam“ aufzurufen, dann verdient das meiner meinung nach nicht nur wieder einmal aufmerksamkeit, sondern auch solidarität.

    da haben es menschen einfach satt, dass sich die amtskirche, die sich (fast hätte ich geschrieben „bei gott“) unglaublich viel zu schulden hat kommen lassen, einem heutigen leben und denken einfach verweigert.

    ein vergleich mit diversen mubaraks, gaddafis oder assads würde vermutlich sehr stark hinken, aber es sind auch hier wiedereinmal die mächtigen, die immer noch glauben, sich hinter vorgestrigen wenn nicht mittelalterlichen strukturen und machtseilschaften in parteien, verwaltung und justiz verstecken zu können.

    eine solche machtkirche kann denkendes volk ebensowenig brauchen wie verantwortungsbewusste pfarrer. wenn wir einen blick auf die forderungen der ungehorsamen pfarrer werfen, dann fällt auf, dass diese eigentlich fast schon veraltet sein sollten: da geht es u.a. um redefreiheit, gleichbehandlung von frauen, verheirateten und wiederverheirateten. revolutionär sind diese forderungen wirklich nicht. eher ein wahrnehmen gesellschaftlicher entwicklungen vergangener jahrhunderte.

    vielleicht ist die „frechste“ aussage jene, die gründsätzlich eine gleichberechtigung von „brüdern“ und „schwestern“ fordert, und ausser den „einen meister“ keine hierarchien im glauben annehmen will.

    wie sich das alles innerkirchlich weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. dennoch wäre es aus meiner sicht wichtig, jenen menschen, die mut dazu haben, sich aus dem fundamentalismus des konkordatsmachtapparats zu befreien, zu unterstützen.

    wir müssen nicht ägypterInnen sein, um uns mit den demokratie einfordernden menschen zu solidarisieren, wir müssen nicht griechInnen oder spanierInnen sein, um uns mit den „empörten“, den „indignad@s“ zu verbinden.

    deshalb fände ich es schön, wenn möglichst viele diese pfarrer-initiative unterstützen und weiter verbreiten.

    wo auch immer befreiung von fundamentalismus, apparatismus und macht gelingt, profitieren wir alle.

    website der initiative
    http://www.pfarrer-initiative.at/

    facebook-seite der initiative
    http://www.facebook.com/pages/PFARRER-INITIATIVE-%C3%96STERREICH/135186439894333

    zurück aus dem einwanderland

    foto: mar del plata 201108 (bernhard jenny)

    zurück aus argentinien.
    erfüllt von reichen eindrücken, interessanten begegnungen, intensiven gesprächen, besonderen momenten mit familie und vielen geschätzten freundInnen. manchmal wiedersehen nach vielen, sehr vielen jahren, manchmal neues kennenlernen, entdecken und geniessen.

    unmöglich diese geschenke in einem einzigen blogeintrag entsprechend zu würdigen. aber bei der rückkehr nach europa werden bilder deutlich, die beispielhaft für vieles stehen können.

    ich habe menschen gesehen, die bereits 2001 opfer jenes betrugsspiels an der argentinischen allgemeinheit wurden, das damals auch schon „wirtschaftskrise“ hiess (ganz in der art wie es heute in vielen europäischen ländern betrieben wird) und sehr wenige unverschämt reich und sehr viele menschen arm und ärmer werden liess. doch viele liessen sich dennoch nicht unterkriegen, haben es irgendwie dann trotzdem und sonst wie geschafft. vom tauschgeschäft bis zur parallelwährung – der einfallsreichtum, die solidarische grundhaltung und die berühmte gabe der improvisation haben dennoch ein (über)leben ermöglicht. da könnten wir was lernen.

    zwei themenbereiche sind es, die menschen in argentinien über europa den kopf schütteln lassen:

      warum macht ihr euch zu sklavInnen von weltwährungsfond, weltbank und ratig-agenturen? warum schaut ihr zu, wie die spekulationswirtschaft die realwirtschaft abwürgt?
      warum seid ihr so xenophob? wer soll euch einmal die arbeit machen, die pensionen zahlen, wenn ihr niemanden reinlässt? warum glaubt ihr, dass ihr allein besser weiterkommt, als gemeinsam mit anderen? warum erkennt ihr nicht die chance, die zuwandernde für eure länder bedeuten könnten?

    menschen in argentinien sind oft enkel, urenkel oder sonstwie nachfahren von einwanderInnen, politischen flüchtlingen und wirtschaftsflüchtlingen.

    die verbindung von wirtschaftskrise und xenophobie ist ein unglaublich gefährliches gemisch, das den weg in die katastrophe öffnen kann. das wissen natürlich die nachfahren jener, die schon einmal ein brennendes europa verlassen mussten, nur allzu genau.

    und aus der südamerikanischen ferne betrachtet, langsam wieder richtung europa reisend, erschien es mir wirklich unerklärlich, an welche abgründe wir wieder geraten.

    wir hier in europa täten gut daran, so schnell und intensiv wie möglich über diese fragen nachzudenken.
    schonungslos.

    wer sind die täter?*

    andreas sator hat in seinem blog zuwi.at auf meinen artikel „europa: der putsch ist perfekt“ (der hier in diesem blog und auf nonapartofthegame.eu veröffentlicht wurde) kritisch geantwortet. mit diesem meinem artikel versuche ich eine antwort:

    2007 Fitch Halloween Murder Mystery Poster - Bryan Loar (Creative commons flickr)

    schön wäre es, wenn die krise(n) um euro, irland, portugal, spanien, griechenland und jetzt italien einfach nur die folge von „tiefbürokratischer“ und „unproduktiver“ geschehen in den jeweiligen ländern wäre. das sehe ich aber nicht so. „die haben sich den käse selbst eingebrockt“ stimmt eben nicht ganz. oder ganz und gar nicht. allein schon in das nationale denken, also das (heraus)trennen einzelner staaten aus dem, was da angeblich geschieht, entspricht nicht der realität. der euroraum ist mit sicherheit als eine einheit zu sehen, die manche nur nicht wahr haben wollen. die welt der spekulation und des alltäglichen wirtschaftsverbrechens ist international und macht weder vor staatsgrenzen noch hoheitsgebieten, weder vor justiz noch moral halt.

    mag sein, dass der ton meines artikels auf dich „anfeindend“ und „auffallend aggresiv“ gewirkt hat. meine emotion trifft natürlich nicht nur auf die ratingagenturen zu. diese sind aber teil eines abgekarteten spieles. spekulanten und zocker können ihr spiel wirklich nur mit gezinkten karten spielen. anders würden sie es nicht spielen. denn dieses risiko würde wirklich niemand eingehen.

    ich habe zwar nicht volkswirtschaft studiert, aber oft genug gesehen, dass die offiziellen regeln unserer gesellschaften nur spielregeln für die naive masse, die normalverbraucherInnen – oder wie immer wir sie nennen mögen – gelten.

    in wirklichkeit geht es dort, wo gross posaunt wird, dass es sicher niemals um parteipolitik geht, oft genau um das. dort wo behauptet wird, dass es um das wohl aller ginge, geht es häufig nur um eigennutz weniger macher. dort wo behauptet wird, dass insidergeschäfte verboten wären, leben ganze bürotürme davon, sich die insiderinformationen so rasch wie möglich zu beschaffen, um genau solche insidergeschäfte zu tätigen. dort wo neutralität und unparteilichkeit behauptet wird, ist oft schon von vornherein klar, wie der hase läuft. und so weiter und so fort. dort wo kein einfluass der wirtschaft behauptet wird, werden gesetze verkauft, dort wo urteile wahrheit finden sollen, werden diese von solchen beeinflusst, die niemals vor den vorhang treten.

    unabhängig davon, ob morgen der euro raufschnellt, in den keller fällt oder ob die börsen soundsoviel theoretisches vermögen verbrennen. wir können sicher sein, dass diejenigen, die in mir die von dir erkannte emotion, ja die wut und empörung wecken, das heute schon wissen und entsprechend vorgesorgt haben.

    ich weiss konkret von menschen, die unglaublich, also in einem für uns kaum vorstellbaren ausmass reich geworden sind, eben weil es ganzen bevölkerungsschichten von heute auf morgen sehr schlecht ging, denn die wirtschaft in ihren ländern war einfach zusammengekracht. die menschen, die unglaublich reich geworden sind, konnten wegen ihres informationsvorsprunges (weil selbst auch mitverursacher des crashs) entsprechend handeln.

    die „messenger“, die boten, die ratingagenturen sind also mit sicherheit nicht naive teams, die nur unbedarft die dinge „wie sie sind“ beobachten, sondern diese ratingagenturen wissen viel, viel mehr und früher, als sie öffentlich bekannt geben.

    jene, die beinhart gegen staaten spekulieren und unglaubliche gewinne mit diesen spekulationen einfahren, brauchen kollaborateure, die einerseits wirklich genau analysieren, wo der schwachpunkt in den systemen liegt und dann zum richtigen zeitpunkt in der öffentlichkeit mittels bewertungen stimmungen auslösen, die die börsen und banken wie ferngesteuert handeln lässt. dieser „richtige zeitpunkt“ ist dann, wenn sich die „richtigen“ in entsprechende positionen und ihre optionen und gegenoptionen, leerverkäufe und fonds in die richtige stellung gebracht haben.

    dass sich diese menschen masslos bereichern, würde mich nicht so aufregen. was mich aufregt, ist das, was gegen staaten und deren haushalte zu spekulieren in wirklichkeit bedeutet: zusammenbruch der lebensnotwendigen infrastruktur für alle. (bis auf die wenigen, die es sich eben richten können)

    weniger bildung, weniger universität, weniger schule, weniger krankenhaus, weniger pflege, weniger mobile hilfsdienste, weniger lebensplanung, weniger aussichten, weniger sicherheit.

    wenn dann menschen protestieren und laut werden, wird ihnen gesagt, dass eben „nicht genug für alle“ da wäre.

    heisst: wenige „schreibtischtäter“ schaufeln unmengen geldes aus dem gesellschaftlichen kreislauf heraus und in den eigenen privaten hinein. das ist gier auf kosten anderer, sehr vieler anderer.

    und das empört mich sehr.

    den menschen zu erzählen, dass die misere hausgemacht, selbst eingebrockt sei oder nun halt mal weniger da sei, so dass es nicht für alle reicht, bedeutet den menschen sand in die augen zu streuen.

    und das empört mich nicht weniger.

    wir müssen den menschen erklären, wo ihre chancen, ihr soziale sicherheit und ihre versorgung hinverschwunden sind.

    sie haben sich nicht einfach in luft aufgelöst, sie wurden gestohlen.

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    * hier würde die genderform für mich nicht passen

    europa: der putsch ist perfekt

    foto: mykl roventine (creative commons flickr)

    in diesen tagen wird unverblümt gesprochen. ohne umschweife. ohne tarnung. die putschisten haben keine geheimpläne, keine aufmarschszenarien. standard & poors regiert. ganz ohne probleme. was sollen sich die europäischen politikerInnen noch lange überlegen, wie sie griechenland, den euro oder die wirtschaft retten? nicht dass ich allen, die an diesen machenschaften beteiligt sind, nur positive absichten unterstellen wollte! aber zumindest einigen traue ich einen (vielleicht ohnehin schon naiven) gestaltungswillen zu. offen drohen die ratingagenten mit negativer bewertung der geplanten vorgangsweisen und schon hüpfen die börsenkurse nach unten und oben, links und rechts. bravo. da steigen wieder die richtigen mit profit aus, während die staatlichen kassen immer leerer werden.

    wer so offen handelt, weiss, dass keine gefahr mehr droht. wer will den machenschaften dieser wirtschaftsverbrecher schon einhalt gebieten? und wie? ein kluges netzwerk von direkten nutzniessern und indirekten mitnaschern, also persönlich sich bereichernde und deren banken, hat sich längst für die gedeihliche zusammenarbeit mit den blutsaugern entschieden.

    eigentlich ist das alles nicht neu. neu ist die unverfrorenheit und die direktheit. vielleicht hätte die serviceagentur für die grössten spekulanten dieser welt noch vor wenigen monaten oder jahren dezenter und weniger öffentlich agiert, eher back stage als on stage. jetzt aber tickert die ansage, was zu geschehen hat und was nicht, über die newsmeldungen. was monsanto auf dem gebiet der nahrung anstrebt, dürfte standard & poors auf monetärer ebene bereits gelungen sein.

    alljene politikerInnen, die sich gegen diese art des putsches nicht postwendend wehren und laut aufschreien, sind kollaborateure der putschisten. (ja – wiedereinmal lasse ich bewusst die genderform weg). was diese schreibtischtäter so anscheinend harmlos betreiben, ist in wirklichkeit ein verbrechen an menschen, die etwas von unseren gesellschaften brauchen. da geht es nicht nur um die ganz armen, die schwer kranken, die dringend hilfebedürftigen, es geht auch um uns alle, die wir unseren alltag in einer infrastruktur, von energie anhängig und arbeitend verbringen.

    früher waren es “insidergeschäfte”, die – mancherorts verboten – die eigentlichen gewinnbringer waren. heute sind es die offenen machtübernahmen, mit denen schamlos und brutal ins gesicht der menschen gefahren wird. die politikerInnen werden blamiert, die bevölkerung definitiv entmachtet und bestohlen. da wird es bald egal sein, wen wir wählen.

    demokratie? game over.

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    dieser beitrag ist am 4.7.2011 auf nonapartofthegame.eu
    erschienen und ist auch unter folgender adresse erreichbar:
    http://nonapartofthegame.eu/?p=2992