wer sind die täter?*

andreas sator hat in seinem blog zuwi.at auf meinen artikel „europa: der putsch ist perfekt“ (der hier in diesem blog und auf nonapartofthegame.eu veröffentlicht wurde) kritisch geantwortet. mit diesem meinem artikel versuche ich eine antwort:

2007 Fitch Halloween Murder Mystery Poster - Bryan Loar (Creative commons flickr)

schön wäre es, wenn die krise(n) um euro, irland, portugal, spanien, griechenland und jetzt italien einfach nur die folge von „tiefbürokratischer“ und „unproduktiver“ geschehen in den jeweiligen ländern wäre. das sehe ich aber nicht so. „die haben sich den käse selbst eingebrockt“ stimmt eben nicht ganz. oder ganz und gar nicht. allein schon in das nationale denken, also das (heraus)trennen einzelner staaten aus dem, was da angeblich geschieht, entspricht nicht der realität. der euroraum ist mit sicherheit als eine einheit zu sehen, die manche nur nicht wahr haben wollen. die welt der spekulation und des alltäglichen wirtschaftsverbrechens ist international und macht weder vor staatsgrenzen noch hoheitsgebieten, weder vor justiz noch moral halt.

mag sein, dass der ton meines artikels auf dich „anfeindend“ und „auffallend aggresiv“ gewirkt hat. meine emotion trifft natürlich nicht nur auf die ratingagenturen zu. diese sind aber teil eines abgekarteten spieles. spekulanten und zocker können ihr spiel wirklich nur mit gezinkten karten spielen. anders würden sie es nicht spielen. denn dieses risiko würde wirklich niemand eingehen.

ich habe zwar nicht volkswirtschaft studiert, aber oft genug gesehen, dass die offiziellen regeln unserer gesellschaften nur spielregeln für die naive masse, die normalverbraucherInnen – oder wie immer wir sie nennen mögen – gelten.

in wirklichkeit geht es dort, wo gross posaunt wird, dass es sicher niemals um parteipolitik geht, oft genau um das. dort wo behauptet wird, dass es um das wohl aller ginge, geht es häufig nur um eigennutz weniger macher. dort wo behauptet wird, dass insidergeschäfte verboten wären, leben ganze bürotürme davon, sich die insiderinformationen so rasch wie möglich zu beschaffen, um genau solche insidergeschäfte zu tätigen. dort wo neutralität und unparteilichkeit behauptet wird, ist oft schon von vornherein klar, wie der hase läuft. und so weiter und so fort. dort wo kein einfluass der wirtschaft behauptet wird, werden gesetze verkauft, dort wo urteile wahrheit finden sollen, werden diese von solchen beeinflusst, die niemals vor den vorhang treten.

unabhängig davon, ob morgen der euro raufschnellt, in den keller fällt oder ob die börsen soundsoviel theoretisches vermögen verbrennen. wir können sicher sein, dass diejenigen, die in mir die von dir erkannte emotion, ja die wut und empörung wecken, das heute schon wissen und entsprechend vorgesorgt haben.

ich weiss konkret von menschen, die unglaublich, also in einem für uns kaum vorstellbaren ausmass reich geworden sind, eben weil es ganzen bevölkerungsschichten von heute auf morgen sehr schlecht ging, denn die wirtschaft in ihren ländern war einfach zusammengekracht. die menschen, die unglaublich reich geworden sind, konnten wegen ihres informationsvorsprunges (weil selbst auch mitverursacher des crashs) entsprechend handeln.

die „messenger“, die boten, die ratingagenturen sind also mit sicherheit nicht naive teams, die nur unbedarft die dinge „wie sie sind“ beobachten, sondern diese ratingagenturen wissen viel, viel mehr und früher, als sie öffentlich bekannt geben.

jene, die beinhart gegen staaten spekulieren und unglaubliche gewinne mit diesen spekulationen einfahren, brauchen kollaborateure, die einerseits wirklich genau analysieren, wo der schwachpunkt in den systemen liegt und dann zum richtigen zeitpunkt in der öffentlichkeit mittels bewertungen stimmungen auslösen, die die börsen und banken wie ferngesteuert handeln lässt. dieser „richtige zeitpunkt“ ist dann, wenn sich die „richtigen“ in entsprechende positionen und ihre optionen und gegenoptionen, leerverkäufe und fonds in die richtige stellung gebracht haben.

dass sich diese menschen masslos bereichern, würde mich nicht so aufregen. was mich aufregt, ist das, was gegen staaten und deren haushalte zu spekulieren in wirklichkeit bedeutet: zusammenbruch der lebensnotwendigen infrastruktur für alle. (bis auf die wenigen, die es sich eben richten können)

weniger bildung, weniger universität, weniger schule, weniger krankenhaus, weniger pflege, weniger mobile hilfsdienste, weniger lebensplanung, weniger aussichten, weniger sicherheit.

wenn dann menschen protestieren und laut werden, wird ihnen gesagt, dass eben „nicht genug für alle“ da wäre.

heisst: wenige „schreibtischtäter“ schaufeln unmengen geldes aus dem gesellschaftlichen kreislauf heraus und in den eigenen privaten hinein. das ist gier auf kosten anderer, sehr vieler anderer.

und das empört mich sehr.

den menschen zu erzählen, dass die misere hausgemacht, selbst eingebrockt sei oder nun halt mal weniger da sei, so dass es nicht für alle reicht, bedeutet den menschen sand in die augen zu streuen.

und das empört mich nicht weniger.

wir müssen den menschen erklären, wo ihre chancen, ihr soziale sicherheit und ihre versorgung hinverschwunden sind.

sie haben sich nicht einfach in luft aufgelöst, sie wurden gestohlen.

________
* hier würde die genderform für mich nicht passen

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

8 Kommentare

  1. Die Antwort auf die „Finanzkrise“:

    „God said ‚Cancel Program GENESIS‘. The universe ceased to exist.“

    Kein ernstzunehmender Wissenschaftler hat es je gewagt, an den prophetischen Worten von Sir Arthur Charles Clarke (1917 – 2008) zu zweifeln, also habe ich damit gar nicht erst angefangen, als er mir im Dezember 2002 seine „letzten 10 Worte“ übergab und dazu lediglich bemerkte: „First you must cancel this useless program, my son. I’m too old for that.“ Den Rest der Dreiviertelstunde amüsierten wir uns über die Dummheiten Politik und Religion, bis Arthur die Unterhaltung beenden musste, weil das Lachen ihm aufgrund seiner schweren Krankheit zu starke Schmerzen verursachte.

    Was es mit den beiden Lachnummern auf sich hat, ist erst zu erkennen, wenn man sich mit Volkswirtschaft beschäftigt, ein weiteres Gebiet, das keinen vernünftigen Menschen interessiert – es sei denn, man stößt durch den berühmten Zufall auf ein Werk, das alle vernünftigen Menschen interessieren sollte: „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“, Silvio Gesell, 1916. Politik ist danach einfach. Die treffendste Definition formulierte der Freiwirtschaftler Otto Valentin in einem Artikel mit dem Titel „Warum alle bisherige Politik versagen musste“ 1949: „Im Grunde ist Politik nichts anderes als der Kampf zwischen den Zinsbeziehern, den Nutznießern des Geld- und Bodenmonopols, einerseits und den Werktätigen, die den Zins bezahlen müssen, andererseits.“ Mit anderen Worten: In der Natürlichen Wirtschaftsordnung wird Politik obsolet.

    Die Religion ist komplizierter, denn wir leben gar nicht in der Normalität, sondern innerhalb einer kollektiven Wahnvorstellung, dem Programm Genesis. Wer es von außen betrachten will, muss einen Erkenntnisprozess durchlaufen, der einen buchstäblich über den Rand der Welt fallen lässt, wie bildlich dargestellt in „2001: Odyssee im Weltraum“ (Stanley Kubrick / Arthur C. Clarke, 1968) als „Flug durch das Sternentor“ des Astronauten David Bowman: die „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“. Ist man in der Welt der Lebenden angekommen, ist zunächst festzustellen, dass diese mit nur einer Person äußert dünn besiedelt ist, während die wandelnden Leichen in der äußeren Umgebung sich kaum aus dem Programm Genesis lösen lassen. Nur ganz wenigen Patienten gelingt die Auferstehung frühzeitig – der „Rest“ muss warten, bis das „Vertrauen der Anleger“ verloren geht!

    Der „liebe Gott“ der Toten ist von außen betrachtet ein künstlicher Archetyp im kollektiv Unbewussten, der in „dieser Welt“ aus naiven Sparern „große Investoren“ macht, die solange den Geldkreislauf verteuern, bis das Programm Genesis auf globaler Ebene unbezahlbar wird. Und wenn – was sogar geistig Tote begreifen – aufgrund der atomaren Bedrohung ein Dritter Weltkrieg keinen Sinn mehr macht, muss der „liebe Gott“ kapitulieren und das längst veraltete Programm endlich löschen: http://www.deweles.de

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  2. Malina

    Offensichtlich geht es immer wieder darum, dass Menschen sich bereichern, die Gesellschaft bestehlen und die Schuld dafür wird den Politikerinnen und Politikern gegeben. Diese wiederum können wegen ihrer Inkompetenz dem wenig entgegensetzen.

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  3. „allein schon in das nationale denken, also das (heraus)trennen einzelner staaten aus dem, was da angeblich geschieht, entspricht nicht der realität. der euroraum ist mit sicherheit als eine einheit zu sehen“

    Solange jeder Staat selbstständig seine Einnahmen lukriert und Ausgaben definiert, ist eine individuelle Betrachtung absolut angebracht. Natürlich gibt es Interdependenzen, trotzdem muss jeder Staat selbst über die Runden kommen.

    „unabhängig davon, ob morgen der euro raufschnellt, in den keller fällt oder ob die börsen soundsoviel theoretisches vermögen verbrennen. wir können sicher sein, dass diejenigen, die in mir die von dir erkannte emotion, ja die wut und empörung wecken, das heute schon wissen und entsprechend vorgesorgt haben.“

    Den Euro manipuliert so schnell niemand (Hedgefonds usw. => nie). Ratingagenturen können das durch Bekanntgaben bedingt, aber auch nur begrenzt: Verarscht eine Agentur die Märkte zB einmal mit nicht der Wahrheit entsprechenden Panikmeldungen, wird beim zweiten Versuch niemand mehr auf sie hören.

    „ich weiss konkret von menschen, die unglaublich, also in einem für uns kaum vorstellbaren ausmass reich geworden sind, eben weil es ganzen bevölkerungsschichten von heute auf morgen sehr schlecht ging, denn die wirtschaft in ihren ländern war einfach zusammengekracht. “

    Das Spekulanten von Krisen profitieren, ist so und oberflächlich betrachtet moralisch bedenklich. Es handelt sich bei reinen Wetten aber um ein Nullsummenspiel, d.h. der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen.

    Wenn du so eine gewagte Verschwörungstheorie aufstellst, würde ich mehr Fakten bringen und vor allem die Auswirkungen verschiedenster Finanzinstrumente auf Volkswirtschaften näher ausleuchten. Das ist eine hochkomplexe Angelegenheit und zerstört vermutlicherweise dein schwarz-weißes Weltbild.

    Versteh mich nicht falsch: Es gibt genug Menschen auf der Welt die es sich richten, Freunderlwirtschaft und Privilegien. Aber die Eurokrise hat schon fundamentalere Ursachen als die Profitgier der Spekulanten.

    LG

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    • Rudi K.

      Hallo Andreas!
      Mit großem Interesse Euren Wettstreit verfolgt!

      Zitat:
      „….. aber um ein Nullsummenspiel, d.h. der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen.“

      Und in der Regel ist das der Steuerzahler! Also die Gesellschaft auf deren Rücken diese Herrschaften ihr Spiel austragen!

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    • ad „nullsummenspiel“.

      ob sich das gesamte geld exakt zu gleichen teilen auf alle 8 millionen österreicherInnen aufteilen würde oder eine einzige person alles hätte und alle anderen nichts – das wäre rein theoretisch auch ein „nullsummenspiel“.

      womit klar ist, dass dieses bild nichts über die soziale gerechtigkeit und damit über die berechtigung des staatlichen systems aussagt. wenn eine gesellschaftsstruktur nicht für soziale gerechtigkeit sorgen kann, ist sie die falsche.

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      • Du verstehst mich/das falsch. Nullsummenspiel in der Hinsicht: Investor A verkauft Investor B für dessen Griechenlandanleihen CDS im Wert von 100. Geht GRE Bankrott, zahlt A den Wert der Anleihen. Tut es das nicht, hat A einen Profit von 100 gemacht.

        Situation vorher
        Investor A: 100 Verkaufserlös (VE)
        Investor B: -100 (Kosten CDS)
        Summe: 0

        Situation bei GRE-Bankrott
        Investor A: 100-1000= -900
        Investor B: 1000-100= 900
        Summe: 0

        Der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen. Was man sich ansehen muss, ist ob durch CDS-Spekulation Kurse wesentlich beeinflusst werden können. Da wage ich mangels Expertise eine These, habe aber mehrheitlich Meinungen mitbekommen, die das für unwahrscheinlich halten.

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  4. Natürlich wage ich mangels Expertise KEINE These 😉

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  5. Das Problem ist auch oft,dass die Bevölkerung zu wenig informiert wird bzw. zu wenig Hintergrundinformationen erhält. Oft sind die Vorgänge so komplex, dass man sie als Normalbürger kaum noch nachvollziehen kann. Wie soll man sich dann aber klar positionieren?!

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