wir wissen bereits wie es ausgeht

unabhängig davon, wie sehr sich nun die krise um die verschuldung in griechenland, dann vielleicht portugal und spanien zu einer neuen „krise“ europas und dann vielleicht auch noch anderer länder auswächst, unabhängig ob kriselchen oder megawirtschaftskrise:

wir wissen bereits wie es ausgeht.

mit jedem auf und ab der kurse an den börsen, mit steigender nervosität nehmen auch die profite der spekulanten zu, die uns längst beherrschen.

fast alle von uns werden für den ultramegagewinn draufzahlen. einsparungen in allen sozialen bereichen, aber unendliche bereicherung in ganz seltenen, umso ertragreicheren fällen.

führende politikerInnen unserer staaten sind hilflose marionetten in einem theater, das schon längst niemand mehr kontrollieren kann, ausser jenen, die sich an tagen wie heute ins fäustchen lachen.

wir wissen bereits wie es ausgeht.

allein, dies wissen nützt uns nichts.

weg mit den bettlergesindel!

es ist unglaublich: dieses bettlergesindel wird lt. pressemeldungen „immer aggressiver und frecher“. „bestens organisierte“ banden aus dem ehemaligen ostblock werden aber jetzt von der polizei „auf eigene faust“ (orf 27.4.) um 5 uhr früh in ihren illegalen zeltlagern „kontrolliert“.

besonders empören muss, dass die bandenmitglieder nicht nur menschen auf offener strasse ansprechen, sondern sich doch wirklich genau dorthin stellen, wo die menschen ihr hart verdientes geld hintragen: vor geschäfte, banken und supermärkte.

vereinzelt konnte sogar beobachtet werden, dass sich diese „kinder, behinderte und frauen“ anschliessend von dem erbettelten geld etwas genau in jenen geschäften, vor denen sie gerade noch bettelnd gestanden sind, etwas zu essen und trinken kaufen!

aber die spitze der zumutung ist wohl, dass besonders dreiste bettler vor nichts mehr respekt haben: der katholische pfarrer von salzburg lehen, ewald hartmann, musste lt. einem bericht in der kronenzeitung (11.4.) alarm schlagen: „neulich klopfte sogar einer beim pfarramt an!“

wenn diese banden glauben, dass sie sich sogar an unsere kirche wenden dürfen, dann muss endlich was geschehen!

schon toll, wenn wir da mutige stadtpolizeikommandanten haben, die den mumm haben, hart durchzugreifen: in der kronenzeitung war zu lesen, dass er höchstpersönlich „bereits einen bettler am kapuzinerberg festgenommen“ hätte.

diese bettlerInnen organisieren sich in familien, um so die mafiöse organisation zu tarnen. aber wir fallen da nicht rein!

eine grossaktion gegen das „bettlerunwesen“ wird fällig, oder?

wir haben verloren. es kann aber noch viel schlimmer werden.

wenn zu einer wahl wie der heutigen nicht einmal die hälfte der wahlberechtigten geht, müssen in jeder demokratie die alarmglocken läuten. alle politisch aktiven müssen schonungslos analysieren, wie es zu solchen niederlagen der demokratie kommen kann.

wenn eine partei zur abgabe ungültiger stimmen aufruft, muss sich diese partei den vorwurf gefallen lassen, unverantwortlich gehandelt zu haben.

wahlen sind in einer demokratie eben KEINE castingshows, vor der man sich drücken kann, wenn die gefahr besteht, dass ein anderer die show gewinnt. keine kandidatInnen zu präsentieren bedeutet, dass keine politischen positionen und inhalte eingebracht werden. das transportiert einfallslosigkeit der verantwortlichen und wird mit desinteresse belohnt.

wenn parteien, die den anspruch zur mitgestaltung für sich beanspruchen, keine kandidatInnen aufstellen, wird der politische diskurs jenen kräften überlassen, die ob der schwäche anderer die chance für profilierung nutzen wollen.

dass dies nicht ganz gelungen ist, ist nicht das verdienst der anderen politischen lager, sondern hängt mit diversen eigendynamiken bei dieser präsidentschaftswahlen zusammen.

auch wenn fischer nun mit deutlicher mehrheit gewählt wurde, dürfen wir uns nicht beruhigt zurücklehnen. mehr als 15% waren immerhin bereit eine eindeutig als rechtsextrem positionierte kellernazi zu wählen. gemeinsam mit dem obskuren „christen“ sind es immerhin schon mehr als 20% der wählerInnen, die ausländerfeindlich die angst vor einer islamisierung schüren und offen homophob agieren.

fazit: politische einfallslosigkeit stärkt nichtwähler und extreme rechte. strache weiss nun, auf wieviel bodensatz er sich ganz rechts aussen verlassen kann. dem amtierenden bundespräsidenten fischer wollte in wirklichkeit kaum jemand einen denkzettel verpassen, die wenigsten machen ihn für die ängste und nöte der kleinen leute verantwortlich. ein sympathieträger hatte es trotz allgemeiner fadesse im „keiner weiss genau welche werte“-wahlkampf relativ leicht.

kommende wahlen werden unter ganz anderen vorzeichen verlaufen: bei entsprechender polarisierung und mobilisierung der unzufriedenheit geht sich insgesamt für die rechte aber noch viel mehr aus.

vor den kommenden wahlen wird daher dringend etwas passieren müssen, wenn wir nicht sehr bittere überraschungen erleben wollen.

wir haben heute verloren, weil die demokratie keine mehrheit bekommen hat. wir könnten noch viel mehr verlieren, wenn wir das mobilisieren weiterhin den anderen überlassen.

todesopfer und todesopfer

in den letzten wochen wurden 7 deutsche soldaten in afghanistan getötet. dies hat wiedereinmal die debatte über sinn und unsinn des einsatzes der deutschen soldaten in afghanistan hochkochen lassen. ich bin zwar dringenst für diese debatte, aber ich finde es zynisch, wenn solche debatten erst dann losbrechen, wenn es die eigenen trifft.

wieviele tausende menschen mussten in diesem (glaubens)krieg schon sterben? wie absurd sind die versuche uns glauben zu machen, dass dort etwas gegen irgendjemanden verteidigt werden muss, das uns allen so wichtig sein muss, dass wir tote kinder, frauen und männer einfach so hinnehmen?

fazit: wenn es uns endlich gelänge, tödliche, aber unbemannte drohnen und ferngesteuerte roboter so effizient einzusetzen, dass nur mehr die anderen sterben und wir gemütlich zuhause sitzen bleiben können, dann hätten die wenigsten etwas gegen diese kriege. dann könnten wir so richtig aufräumen.

mixa ist nicht ratzinger

nach dem rücktritt des augsburger bischofs mixa ist nun abzuwarten, ob dies der anfang einer dringend notwendigen welle von konsequenten rücktritten ist, oder ob solche rücktritte teil einer reihe von bauernopfern darstellen, um letztlich das machtsystem amtskirche zu schützen.

die frage, ob der katholischen kirche eine wende zur glaubwürdigkeit gelingt, hängt mir sicherheit auch davon ab, ob der grossinquisitor ratzinger ebenso seine konsequenzen zieht.

wer, wenn nicht er, als ehemaliger „geheimdienstchef“ des kirchlichen machtapparates, repräsentiert genau jene machenschaften und vorgehensweisen, die so viele opfer leiden liessen. vertuschen und verstecken, täter schützen, opfer mundtot machen, das war zwar nie offizielle forderung des katechismus, aber jahrhunderte lange praxis einer machtbesessenen altherrentäterschaft, die entweder selbst aktive täter, oder zumindest zu komplizen all jener grausamkeiten wurden, die so viele seelen zugrunde richtete.

mir ist klar, dass die vorstellung, ein ratzinger könnte zurücktreten, wohl schon hart am klinikreifen realitätsverlust vorbeischrammt, aber ohne einen solchen schritt in neue dimensionen wird die schar der gläubigen allein sich wohl kaum aus den strukturen der täter lösen können.

inclusion ist kein luxus!

wenn wiedereinmal von den kürzungen in der integrativen pädagogik zu lesen ist, so müssen wir uns bewusst sein, dass wir über ein MENSCHENRECHT sprechen, und nicht über eine verchromte schmuckleiste auf unserem auto, die wir uns leisten wollen oder auch nicht.

die (viel zu spät) erkämpfte erkenntnis unserer gesellschaft, dass sie nur dann eine menschengerechte gemeinschaft sein kann, wenn sie niemanden ausschliesst, sondern alle umfasst (INCLUSION), darf nicht gegenstand von sparüberlegungen sein.

das wäre so, wie wenn wir wieder die rücknahme des wahlrechts für frauen überlegen, dann kämen u.u. auch die wahlen billiger, aber dieses menschenrecht steht eben auch nicht zur disposition.

politikerInnen, die die INCLUSION für etwas halten, das es nur dann geben kann, wenn wir es uns leisten wollen, verkennen das thema einer „ganzen gesellschaft“ und lassen erkennen, dass sie noch nicht viel nachgedacht haben, wie unverrückbar menschenrechte sein müssen.

(statement zur aktuellen diskussion in den salzburger nachrichten)

früherer artikel zum gleichen thema in diesem blog

der gute freund herman

foto: letja verstijnenletzten freitag war herman zu besuch. auch wenn das salzburger kongresshaus voll ist, gelingt es dem alten freund aus holland, das gefühl zu vermitteln, es wäre ein persönlicher besuch.

er hat es dabei natürlich auch sehr leicht, schliesslich kann er zitate aus den vergangenen jahrzehnten dazu einsetzen, um uns gekonnt an die gefühle, die wir damals hatten, an diesem abend zu erinnern.

aber er bleibt nicht in nostalgischer rückschau stecken, im gegenteil. selbstironisch seines eigenen alters bewusst, dann wieder verträumt in bunte bilder, wie sie nur einem van veen so einfallen, zwischendurch tiefster ernst. alles hat platz bei herman.

die musikalisch im besten sinne ausgereifte darbietung des veenschen kosmos begeistert und bewegt. es ist wohl die sehnsucht vieler, so sehr sich selbst treu zu sein, ohne das schreckliche auszublenden, ohne die dramen des lebens auszulassen, aber auch mit genussvollem einbinden des originellen humors und frechen witzes.

der abend ist nicht zuletzt deshalb ein voller genuss, da die mitwirkenden künstlerInnen mit vollem einsatz weit mehr sind, als begleitmusikerInnen: edith leerkes, die mit ihrer musikalischen gestaltungskraft weitere dimensionen eröffnet, jannemien cnossen und dorit oitzinger, die mit ihrer frischen bühnenpräsenz den auftrag zu haben scheinen, herman mal im positivsten sinne durchaus auch mal alt aussehen zu lassen und nicht zuletzt erik van der wurff, der immer schon die klingenden wege von herman auf tasten zeichnete und wohl für so viele vertrautheiten in den klängen verantwortlich ist. insgesamt beschenkt das ensemble das publikum mit einer perfektion, die selten geworden ist.

und wenn herman dann voller stolz auch noch ein werk seiner tochter anne vorträgt, dann kann er sich darauf verlassen, dass das publikum sich noch erinnert, an damals, als seine kleine tochter schon die welt „noch ein bisschen schöner färben“ durfte.

wirkliche freundInnen hermans wissen, dass ein solcher abend immer drei teile hat: „vor der pause“, „nach der pause“ und „nach dem finale“: die zugaben sind keine lästigen zugeständnisse, sondern ganz das, was immer passiert, wenn gute freundInnen sich verabschieden: schon richtung tür unterwegs fallen ihnen noch ganz wichtige dinge ein, die sie unbedingt auch noch erzählen müssen.

und dann noch am ende die ultimative zusage an sein publikum: „solange diese kehle nicht eingegraben wird, wird das immer mein geräusch sein!“ eben ein richtiger freund.