goldene kamera für wirklichen terminator?

arnold schwarzenegger foto: gage skidmore, creative commons flickr bearbeitung: bernhard jenny

es sind muskeln. aufgedunsene, aufgeputschte, aufgedopte muskeln. die ihn weltberühmt gemacht haben. nicht das hirn, sondern die muskeln.

er hat symbolkraft. i´ll be back klingt wie eine drohung. oder messianisch? hasta la vista baby war die kampfansage. terminator zuerst gestellt, gemimt, zur show. vor der kamera.

später dann als governor ganz real. für die ermordung verantwortlich. hinrichten als kultur eines rechtssystems. ganz im sinne der alten filmrollen. die richtigen sollen leben, die falschen gehören ausgelöscht. der mime verwechselt die rolle mit dem realen leben.

gnadengesuche waren seine sache nicht. er liess sie alle sterben. aber nicht nur das. über 100 seiten stark das werk: zur steigerung der effizienz bei hinrichtungen. bessere schulung der henker. neue mischung der giftmischungen in den spritzen. schneller und billiger soll es gehen. zack, wumm.

inzwischen längst kläglich gescheitert als governor. auf der suche nach neuem profil. vielleicht doch wieder schauspieler? populär soll es sein. ein neues öl auf die haut. damit sie glänzt und spiegelt.

da kommt „eine goldene kamera 2015“ wie gerufen. das image flutscht. am 27.februar 2015 wird thomas gottschalk die „hör zu“-show moderieren und der hasta la vista governor wird den fernsehpreis des axel-springer-verlages in die hände gedrückt bekommen: ein preis in der kathegorie „lebenswerk (sic!!!) international“ für einen, der leben anderer auslöschen liess. gnadenlos. nicht nur in filmrollen, wo er die arbeit meist selbst erledigte, sondern auch an gesellschaftspolitisch relevanter position, wo er die tat befehlsempfänger_innen zumutete. mord im auftrag des staates. abgesegnet durch ein mordendes justizsystem. aber mord ist immer mord.

goldene kamera für wirklichen terminator?

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bild: gage skidmore cc licence by sa
remixed by bernhard jenny cc licence by sa

dieser artikel ist am 17.2.2015 auf fischundfleisch.at erschienen und ist dort direkt aufrufbar:
https://www.fischundfleisch.at/kunst-kultur-jetzt-ich/goldene-kamera-fuer-wirklichen-terminator.html

welser-möst ist ausgestiegen

foto: MITO SettembreMusica (wikimedia commons)

der vergangene festspielsommer war sensationell. nicht? ja stimmt. eigentlich gar nicht. aufgefallen ist, dass viel mehr über das gesteigerte kartenvolumen, über verkauf desselben und über sponsor hin und sponsor weg geredet worden ist, als über das eigentliche geschehen, das auf den bühnen.

aber das ist ja schon lange nicht das hauptgeschehen. der wieder neu eingeführte abschlussball war ein typisches symptom für die neue krankheit: wohl eher ein auflauf angehender B-promis mit stark kulturgeriatrischen tendenzen, als ein gesellschaftlicher impuls mit herzerfrischenden ideen.

gerard mortier ist endgültig geschichte, die bürgerlichadelige kaste der vons und zus übte nun endgültige rache an jenen neumodernen, gesellschaftsrelevanten tendenzen eines verjagten intendanten, der damals sogar bis dorthin bewusst nicht angesprochene kreise erfolgreich erreicht hatte. frischluft hätte beinahe den mief der macht, der jägerschaften und der schlossbewohnerInnen aus den heiligen hallen geblasen, wenn nicht rechtzeitig alles wieder geschlossen worden wäre. jetzt aber, jetzt endlich können sie wieder unter sich sein. reicher als schön heisst die eintrittskarte.

und pereira? der ist der pausenclown für dieses reaktionäre getue. grösser, höher und weiter – phantasien die zwar spätestens seit einer sogenannten krise nicht mehr wirklich sinn machen, aber manche noch an geile alte zeiten zurückdenken lässt. die blauen pillen für ein altersschwaches konzept heissen dann eben pomp und gloria, weil das eigentliche kunstverständnis oder besser, weil das verhältnis zu den künstlerInnen fehlt.

solches geschehen bringt nicht nur die festspiele um, es schadet allen, die in diesem voralpendorf ein bisschen kultur aufbauen und leben wollen. oft genug gegen wahnwitzige widerstände. es ist ganz und garnicht egal, wie künstlerInnen behandelt werden.

wenn künstlerInnen bloss auf den strich geschickt werden, damit die zuhälterInnen dann die einnahmen einstreichen und auch noch die fördergelder rechtfertigen können, dann müssen die missbrauchten irgendwann aufschreien oder zumindest aussteigen. zwangsprostitution darf nicht toleriert werden. auch nicht in der (angeblichen) hochkultur. auch beste gagen ändern an diesem umstand nichts. auch das ist aus der prostitution bekannt: für geld ist vieles zu haben. aber lange nicht alles. möge es vielen künstlerInnen gegönnt sein, die kraft für den ausstieg aus diesem spiel aufzubringen.

welser-möst ist ausgestiegen.

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foto: MITO SettembreMusica (wikimedia commons)

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unerhört präsent: barenboim und schubert

im ersten teil des schubertzyklus präsentierte gestern daniel barenboim im grossen festspielhaus im rahmen der salzburger festspiele die klaviersonaten g-dur (d 894) und c-moll (d-958).

solokonzert barenboim foto: © wolfgang lienbacher

einfach überwältigend, wie barenboim die motive, jeden einzelnen aspekt, jede stimmungsfarbe derart herausarbeitet, dass bei geschlossenen augen der eindruck entstehen könnte, gleich mehrere barenboims spielen da gleichzeitig. der humorvolle, der verschmitzte, der tiefsinnig-ernste, der fröhlich-tanzende und viele mehr.

faszinierend, wie barenboim selbst einem sonst eher selten schubert hörenden eröffnet, warum jeder einzelne ton genau da hingehört, jede phrase exakt weiss, welchen bezug sie nicht nur zu einem vorher und einem nachher herstellt, sondern auch zu diesem ort, in diesem raum. exaktheit und genauigkeit gehen übergangslos mit gelassenheit und offenheit einher. barenboim interpretiert nicht, sondern durchlebt, seziert nicht, sondern findet präzision.

dabei wird sein spiel zum statement. barenboim lässt uns den schubertschen kosmos erfahren, mit einer bereits nach wenigen takten spürbaren heutigkeit, weil er gemeinsam mit schubert im jetzt angekommen ist. hier wird kein schubert für das musikgeschichtliche museum vorgestellt, hier wird schubert eingeladen, sich uns mitzuteilen.

besonders die leisen stellen werden zu ungeahnt intensiven spannungsräumen, denen aber leider das publikum nur selten gewachsen ist. da, wo eigentlich die berühmte stecknadel eben nicht fallen sollte, weil sie viel zu laut für den moment wäre, muss immer irgendwer tuscheln, hüsteln oder eine handtasche öffnen und schliessen. es scheint, als wären wir in zeiten von media on demand den echtzeit-live-ereignissen nicht mehr gewachsen. oder haben wir angst vor der intensität?

voll und ganz jener persönlichen haltung barenboims entsprechend, die selbst weniger intensive verfolger von klassischen konzerten von ihm kennen, bezieht er unmissverständlich position, macht schubert zu seinem zeugen dafür, dass nur eine welt ohne ausgrenzung und ohne feindbilder unser ziel sein kann.

barenboim und schubert stellten das klar.

ps. zelebrierte gigantomanie und museale regression hätten mich heuer im unterschied zu früheren jahren wohl ganz von den festspielen ferngehalten. die einladung lieber freunde hat das auffinden dieses musikalischen juwels ermöglicht. danke.

pps. garderoben sollten grundsätzlich erst 30 minuten nach konzertende wieder geöffnet werden. das schnell schnell vor den anderen noch rechtzeitig aus dem saal stürmen ist respektlos alljenen gegenüber, die bei solchen gelegenheiten ihr bestes geben.

foto: © wolfgang lienbacher

der polizist und sein kunstbegriff.

freiheit sicherheit foto: bernhard jenny

kripochef andreas huber. wo eine fernsehkamera steht, kann er nicht weit sein. immer am friedlichen verlauf von demos brennend interessiert. da schickt er schon mal ein paar polizeibeamte als vermummte (!!!) demonstranten getarnt in die menge. um zu provozieren? oder so. ein verlässlicher rambo in den tiefen des salzburger stadtdschungels.

aber auch kunstkenner. er entscheidet mit raschem blick, was kunst ist und was nicht. graffiti sind für ihn immer „sicher keine kunst“. da ist selbst das sprayen auf legalen spraywänden dann näher an der strafbaren handlung als an berechtigter kreativität.

ja die welt ist schlimm, gefährlich und voller straftäter. und andreas huber beschützt uns. da werden dann lackstifte, sprühdosen und skizzenbücher der presse präsentiert, wie anderswo schusswaffen und handgranaten.

ich bin nicht für uneingeschränktes immer und überall sprayen. und dass es solche und solche graffitis gibt, ist auch klar. aber: in jeder kreativen intervention im öffentlichen raum einen kriminellen akt zu sehen, kann nicht angehen. und: die immer noch viel zu wenigen von der stadt freigegebenen offenen flächen nun auch zu verteufeln, ist inakzeptabel.

der kunstbegriff eines stadtpolizeihäuptlings wird zwar kaum in der festspielstadt zu grösseren diskussionen führen. aber ausgrenzung, diskriminierung und voreilige, medienwirksame kriminalisierung junger menschen bringt sicher sympathien. meine nicht. ganz im gegenteil.

kreativität muss weiter gehen, als es sich die polizei vorstellen kann.

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die andere familienaufstellung

wenn familien den mut haben, sich ihre inneren und äusseren, ihre offensichtlichen und versteckten verflechtungen und beziehungen anzusehen, so sind in letzter zeit aufstellungen sehr beliebt.

drago druskovic hat immanuel moser und michael moser (beide lebenspartner seiner töchter) und seine tochter radha druskovic eingeladen, eine familienaufstellung (familienausstellung) zu wagen. und es ist ein spannendes erlebnis, die positionen, die künstlerischen herangehensweisen im kulturgut höribachhof bei mondsee zu sehen, in ihrer ferne und nähe.

„der künstler ist für mich ein nomade, der durch die innersten bereiche von bewegungen und gegensätzlichen strömungen wandert und sich einzelne elemente davon aneignet, die ihm in einem neuen kontext nützlich erscheinen.“ so formulierte drago druskovic einmal seine sichtweise, und hier in diesem neuen familiären kontext wird deutlich, wie sehr begegnungen bereichern.

die bilder von drago druskovic – bei der vernissage unter dem motto „traumzeitkontinuum“ launig von eröffnungsredner chris ploier als „altmeister“ begrüsst – treten in dialog mit dem gegenüber von michael moser. kraftvolle formbilder des einen, feinziselierte motive des anderen.

beide – die auf den ersten blick kaum gegensätzlicher sein könnten – bilden den grossen raum rund um die installation von radha druskovic.

sie stellt die natürliche urkreativität in einer installation mit latexabgüssen ihres bauches aus verschiedenen phasen der schwangerschaft, die sich phasenweise mit luft füllen, in den mittelpunkt und wird damit zum bezugspunkt für alle anderen formate, die diesen ersten raum der ausstellung bespielen.
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im zweiten raum beherrschen die kräftigen farben von immanuel moser den raum, wodurch der reigen der familienaufstellung der anderen art komplett wird.
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mit einer energiegeladenen performance („prelude“ und „faces“) des befreundeten aktionskünstlers seigott wurde um 22 uhr das zahlreich erschienene publikum für das ausharren belohnt. schliesslich wurde der abend mit kräftigen sounds von diaz stereofreezed beendet.

die ausstellung ist noch für drei wochen im kulturgut höribach zu sehen und wirklich nicht nur alljenen, die in die nähe von mondsee kommen, sehr zu empfehlen, sondern auch eine anreise wert. auch wenn der höribachhof selbst bereits zwei tage später keinen auffindbaren hinweis auf die ausstellung auf der eigenen homepage bringt, kann aus verlässlicher quelle garantiert werden, dass die ausstellung mindestens noch bis 21.april 2012 zu sehen ist.

die familienaufstellung ist gelungen.

http://www.dragodruskovic.com
http://www.darklines.net
http://www.immanuelmoser.com

wohlige wärme in isländischen stuben

baad roots im jazzit salzburg (foto: bernhard jenny)

für menschen, die (so wie ich) noch nie in island waren, gibt es wohl nur wage vorstellungen über das ferne, gerade mal etwas mehr als 300.000 menschen beheimatende land, jedenfalls aber die assoziation von rauer natur und weiter kälte im hohen norden. und die angenehme erinnerung, dass dieses land kein militär betreibt.

der seit 5 jahren in salzburg lebende musiker haraldur gudmundsson hat letzten samstag in salzburg lebenende und musizierende isländerInnen zu einem ersten gemeinsamen „isländischen musikabend“ im jazzit versammelt. nach dem einleitenden soloauftritt des „third culture kid“ folgte ein fulminantes feuerwerk der „baad roots“, gefolgt von beschwingter leichtigkeit der „sound post“ mit harpa thorvaldsdóttirs erhellender stimme und schliesslich den popfolk-reisen der gruppe „high and low“ mit thorvaldur thorvaldsson.

es wurde ein starker eindruck über isländische winterabende: es ist wohlig warm und manchmal sogar heiss in den stuben islands.

http://www.myousic.is

nils – der „immer schon“-freund

nils "red horn" landgren - foto: ЯAFIK ♋ BERLIN (flickr, creative commons)

manchmal gibt es das wirklich. eine unerwartete begegnung, ein paar worte, schnelle sympathie und dann ein intensives gespräch. und weil dieses gespräch so offen und persönlich verläuft, entsteht sofort eine freundschaft, als hätten wir uns schon seit jahrzehnten gekannt.

nils landgren war letztes wochenende zum ersten mal in salzburg, gemeinsam mit der lungau big band, die sich nicht nur in bestform befindet, sondern auch „pudelwohl“ fühlte.

der abend im odeion war etwas ganz spezielles. da kommt ein bestens gelaunter nils landgren mit seiner posaune auf die bühne und beginnt. nein – es war kein auftritt, kein irgendwie was darstellen, was dahermusizieren. es waren die authentischen geschichten, von denen er mit posaune und einer unvergleichlichen stimme zu erzählen wusste. geschichten aus schweden, aus der welt, aus dem inneren oder solche, die sich auch im – ihm vermutlich unbekannten lungau – ereignen. die kraftvollen klangbilder der lbb, die wunderbaren soli und der immer wieder aufglühende draht zwischen landgren und der big band brachten die zuhörerInnen in jubelstimmung.

es war mehr als ein konzert. es war das kennenlernen eines neuen freundes und ein noch lange nachswingender abend. danke!

http://www.nilslandgren.com/

http://www.lungaubigband.com/

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foto: ЯAFIK ♋ BERLIN (flickr, creative commons)