hochglanzpolitik gegen die menschlichkeit

der bundespraktikant wendet sich aus heiligen hallen an sein kleines volk. es wird klein gehalten, kleingeister sind die topzielgruppe. er schwafelt von schlimmen bildern, vom balkan und seiner umfassenden lebenserfahrung.

er hat sie gesehen, die millionen und millionen menschen, denen es wirklich schlecht geht in dieser welt, das ist wirklich schlimm, aber wir leben auf einem anderen stern. das alles hat natürlich nichts mit uns zu tun und bei uns sprechen ohnehin schon zuviele auch noch eine andere sprache.

wir können nicht alle millionen aufnehmen, wir dürfen sein system verstehen. es ist hart, aber es geht nicht anders. wer noch nie ein geilomobil gefahren ist, ist halt auf der falschen stelle auf die welt gekommen.

ja es gibt viele, die diese bilder nicht mehr ertragen können, aber seht her, ich stehe in einer heilen welt und sorge dafür, dass das auch so belibt. menschlichkeit wird aus dem katalog gestrichen. so geht das. so funktioniert das. die vernichtung der emotionen, wenn wir anderen beim sterben zu sehen müssen sichert uns den nächsten sonderrabatt im supermarkt der eitelkeiten.

das sakko sitzt. die macht bewegt sich perfekt. der praktikant schwebt erhaben über allem, was menschenrechte jemals bedeuten könnten.

der gipfel der heutigen facebook botschaft: zur täter-opfer-umkehr kommt nun auch noch der spin, der praktikant hätte solches wie skrupel: er würde ja auch beinahe fast irgendwie dann doch helfen wollen, aber er kann es als oberster … (ja was?) einfach nicht mit seinem „gewissen“ vereinbaren, zu helfen.

so geht
hochglanzpolitik gegen die menschlichkeit

 dieser text ist in ähnlicher form am 14.9.2020 auf DERSTANDARD.AT erschienen.

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bild: screenshot facebook invers

innerkoalitionäre kriegserklärung

der auftritt von aussenminister alexander schallenberg gestern in der zib2 war mit sicherheit weder ein versehen, noch ein ausrutscher. der bis dato als „parteifrei“ gehandelte spitzendiplomat ist sich sehr wohl der bedeutung und wirkung jedes einzelnen wortes seiner verächtlichmachung von forderungen nach rettung der menschen aus moria bewusst.

die im koalitionspapier eingebaute „sollbruchstelle“ der möglichen mehrheit mit türkis und fpö für den fall einer neuen „bedrohungslage“ rächt sich nun angesichts der tatsache, dass die türkisen unter druck stehen:

mit gewalt muss ein problem herbeigeredet werden, das es zwar nicht wirklich gibt, aber schliesslich stehen in wien wahlen vor der tür. diese dürfen nach den plänen der türkisen keinesfalls zu einem halbstarken ergebnis für die blümelsche liste führen, denn das könnte als einknicken der erfolgskurve der türkisen gewertet werden.

zweitens fallen die beliebtheitswerte eines gesundheitsministers anschober trotz ampel und difuser bescheidlagen zu wenig schnell, daher muss den grünen auf anderem wege geschadet werden.

nichts leichter als das, dachte sich wohl schallenberg, wenn er sich über das „emotionale geschrei“ nach verteilung von geflüchteten menschen beschwert und vorgibt, die humanitäre katastrophe in griechenland mit „decken und zelten“ reparieren zu können.

schallenberg ist einer der wenigen, der akribisch worte gefunden hätte um eine ablehnung so freundlich zu formulieren, dass es nur wenige als zynische absage jeglicher rettung dechiffrieren hätten können. aber er hat den unmoralischen hammer gewählt und den „freiheitlichsten aussenminister aller zeiten“ gegeben.

das schmerzt. das ist unerträglich. das ist ein wendepunkt, wenn nicht nur die, die es nicht anders antrainiert haben, sondern einer, der es wirklich kann, so unglaublich kalt und zynisch jegliche wertorientierung wortreich aufkündigt.

er hätte auch sagen können, die rettung lässt in zukunft alkoholisierte unfallopfer liegen, denn wenn wir denen helfen, dann trinken ja nur noch mehr autofahrer*innen.

armin wolf konnte es beinahe nicht glauben, wie abgrundtief der aussenminister menschen die rettung versagt.

die schmerzen betreffen nicht nur die gesamte szene von helfenden, menschenrechtler*innen und aktivist*innen. es trifft auch die oft kirchlich engagierten kernschichten der övp-wählenden. ihnen allen wird politisches hausverbot in der türkisen partei gegeben zugunsten der frei herumirrenden fpö-wählerinnen.

das signal heisst: im notfall koaliert die neue fpö, also die türkise liste mit den identitären, also der alten fpö um den niedrigsten beweggründen in unserem land entsprechen zu können.

klotz am bein für die endgültige rechtsrechtsultramacht sind die grünen. die sollen geschwächt und unpopulär dastehen und vielleicht doch noch umfallen, um den weg zur österreich-ungarischen orbanisierung frei zu geben.

so absurd es sein mag. jetzt ist der zeitpunkt, wo die grünen nicht umfallen dürfen, wo sie hartnäckig weiter verhindern, dass ein fliegender wechsel passieren kann.

das schmerzt zutiefst. aber die grünen brauchen jetzt stärkung aus der zivilgesellschaft. denn die alternative war noch nie so bedrohlich nah.

schallenberg darf nicht erfolg haben. widerstand ist angesagt gegen die
innerkoalitionäre kriegserklärung.

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bild: screenshot zib2 by bernhard jenny

wer sind die brandstifter?

jene 13000, die vor den flammen flüchten müssen?
wer sind die brandstifter?
jene 4000 kinder unter denen, die vor den flammen flüchten?
wer sind die brandstifter?
jene, die seit ewigkeiten menschen verrotten lassen.
wer sind die brandstifter?
jene, die seit ewigkeiten menschen erkranken lassen.
wer sind die brandstifter?
jene, die diesen 13000 menschen unterstellen, brandstifter zu sein.
wer sind die brandstifter?
jene, die diesen 13000 menschen unterstellen, gewaltbereit zu sein.
wer sind die brandstifter?
jene, die mit blick auf wahlen den letzten rest menschlichkeit verraten!
wer sind die brandstifter?

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bild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay

was ist eigentlich passiert?

heute vor 5 jahren sind wir erst nach 6 uhr in der früh erschöpft ins bett gefallen, ein unglaublicher nachmittag des 31.8. und eine noch unglaublichere nacht auf dem salzburger hauptbahnhof war hinter uns.

wir fühlten uns übermüdet, aber zufrieden. diesen nachmittag und diese nacht hatten sich unglaublich viele menschen der sogenannten „zivilgesellschaft“ eingefunden, um spontan und mit aktivistischer unterstützung von seiten der öbb jene menschen zu begrüssen und zu versorgen, die den weg über land und meer und wieder land bis hier her geschafft hatten, alt und jung, gross und klein, ja sogar babies, die auf dem weg der flucht zur welt gekommen waren.

wir waren dankbar, gemeinsam mit vielen menschen einfach gehandelt zu haben. die selbstorganisation und die koordination im chaosmodus war faszinierend, eine positive stimmung erfüllte uns mit kraft, die später als „willkommensklatschen“ diffamiert werden sollte.

a propos diffamierung: dass die öbb uns helfer*innen anbot, auf rechnung der öbb im sparmarkt am bahnhof jede menge wasser und brot einkaufen zu dürfen wurde später sogar vom landeshauptmann als plünderung zumindest „fehlinterpretiert“.

damals, am 1.9.2015 waren wir zufrieden über die spürbare energie, die von menschen ausging, die sich spontan einig waren: diesen menschen auf der flucht müssen und wollen wir zeigen, dass sie willkommen sind und sie unterstützen.

wir glaubten an diesem einen tag, dass sich dieses willkommen durchsetzen wird, dass wir dadurch nur gewinnen und niemals verlieren können.

in den letzten fünf jahren ist uns vieles abhanden gekommen. gutmensch und willkommenskultur sind zu schimpfwörtern eines scheinbaren trends geworden. und das ertrinken lassen, das dahinsiechen lassen und sterben lassen ist eine politisches erfolgsrezept.

was haben wir verloren? was haben wir gewonnen? was ist nur los mit unserer kultur?
was ist eigentlich passiert?

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Bild von Anja #helpinghands #solidarity#stays healthy🙏 auf Pixabay

die vergewaltigung des shoa-gedenkens.

die verlegung von 28 stolpersteinen war gerade mal ein paar stunden her. eine gedenkstunde war abgehalten worden, vor dem haus für mozart auf dem max-reinhardt-platz, ein gedenken an opfer der nationalsozialistischen diktatur.

nur wenige stunden also nach der erinnerung an vertriebene und ermordete künstler*innen setzt sich hedwig kainberger von den salzburger nachrichten an ihren computer und schreibt folgenden satz:

„Wenn wir das Erbe Max Reinhardts und Arturo Toscaninis annehmen, müssen wir auch jenes der vielen annehmen, die in der NS-Zeit weder heldenhaft waren noch emigriert sind. Daher sollen Logo und Keramiken ebenso bleiben wie die Namen Karl-Böhm-Saal, Furtwängler-Park, Karajan-Platz, Heinrich-Damisch-Straße, Clemens-Krauss-Straße.“

sie schreibt auch:

„Zum Imperativ, nur der Schuldfreie werfe den ersten Stein, zu einigen mutigen Taten – wie Furtwänglers Einsatz für Paul Hindemith – kommt noch etwas: Karl Böhm war einer der zartesten und luftigsten Mozart- und Strauss-Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Wilhelm Furtwängler wird als einer der größten Dirigenten überhaupt gepriesen. Ihre Verdienste um die Musik sind so unermesslich wie jene Herbert von Karajans, ja auch wie jene Bruno Walters und Arturo Toscaninis. Allein dafür soll und darf ihr Andenken nicht getilgt werden.“

Salzburger Festspiele 2020 · Gedenkstunde zur Verlegung von 28 Stolpersteinen vorm Haus für Mozart auf dem Max-Reinhardt-Platz für Opfer der nationalsozialistischen Diktatur, in Erinnerung an vertriebene und ermordete Künstlerinnen und Künstler, die die Gründung der Festspiele bis 1938 entscheidend mitgeprägt haben: Hanna Feingold, Martin Engelberg, Hella Pick, Gert Kerschbaumer, Mordechai Rodgold, Danielle Spera, Daniel Froschauer, Bernhard Hedenborg Foto: SF/Lukas Pilz

die verlegung von 28 stolpersteinen hat anscheinend das bürgerliche lager aus dem tritt gebracht. da muss schnell gerettet werden, da müssen bilder zurechtgerückt werden, da muss das berühmte „es war nicht alles schlecht“-argument selbst in der kulturredaktion wieder und wieder formuliert werden. die festspiele haben sich zu viel getraut?

aus der geschichte lernen können nur jene, die das auch wollen. bei der lektüre der „analyse“ von hedwig kainberger stellt sich die frage: wie genial hätte adolf hitler dirigieren oder klavierspielen müssen, um die shoa dagegen aufrechnen zu können?

hedwig kainberger schreibt im titel „Musik lässt sich vergewaltigen“. – „nicht nur!“, möchte ich ergänzen.
wer anlässlich der 100 jahre salzburger festspiele verzweifelt versucht, die „genies“ unter den nationalsozial getrimmten künstler*innen auf die stolpersteine zu kippen, vergeht sich am aufrichtigen gedenken der shoa.

„Die Opfer des Nationalsozialismus können nicht oft genug gewürdigt werden. Doch dies allein wäre so falsch wie der Rückfall in die hehre österreichische Opfertheorie.“

was heisst hier „doch dies allein“? was muss denn da unbedingt dazu? die beweihräucherung von nazi-künstler*innen als „ausgleich“???

das ist untragbar.
die vergewaltigung des shoa-gedenkens.

 

 

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Quelle der Textstellen: https://www.sn.at/salzburger-festspiele/analyse-ns-vergangenheit-der-salzburger-festspiele-musik-laesst-sich-vergewaltigen-91660912 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2020

 

Fotocredits. © SF / Lukas Pilz und © SF / Neumayr/Leo

facebook, wir müssen reden!

dass gegen hass im netz dringend etwas getan werden muss – absolut wichtig. dass gegen fakenews dringend etwas getan werden muss – nicht weniger wichtig. dass aber facebook anfängt, wild um sich herum mit sperre zu drohen, kann nicht wirklich die qualität steigern. im gegenteil.

was ist passiert?
in der nacht von sonntag auf montag 10.8. erreicht mich die nachricht von facebokk, dass ein beitrag vom 22.5.(!!!) gegen die „gemeinschaftsstandards verstossen würde.

text meines postings damals anlässlich des „rückzugs“ von ursula stenzel: „die oma für identitäre trinkt nur mehr privat. ein guter tag. oder steigt sie auf #thc um?“

mein sofortiger protest, den ich nur wortlos per click einreichen kann, ohne jegliche möglichkeit auf argumentation oder fragen, bleibt unerhört. um 1:17 bestätigt facebook nochmals den verstoss gegen gemeinschaftsstandards.

Bildschirmfoto 2020-08-11 um 14.43.21_BEARB

these 1:
wie wir inzwischen wissen, hat ausgerechnet in diesen tagen die oma der identidioten nicht nur ihr doch-wieder-antreten öffentlich bekanntgegeben, sondern auch in einem zib interview versucht, die identidioten zu rehabilitieren!

gut denkbar also, dass genau diese rechtsextremen kreise nun versuchen, das fb zu säubern und solche kommentare, wie den meinen, massenhaft zu „melden“.

und fb fällt rein. und macht die arbeit für die identidioten.

these 2:
vielleicht springt irgendein algorithmus auf das klartext-stichwort der „identitären“ (sonst schreibe ich meist von den „identidioten“) an und checkt nicht, dass es sich natürlich um kritik an den identidioten handelt?

these 3:
vielleicht glaubt ein algorithmus, dass ich suchtmittel bewerbe, weil ich #thc als hashtag eingesetzt habe, nicht um vom weisswein auf gras zu wandern, sondern auf das team eines echten korneuburgers zu verweisen? und das programm ist einfach zu doof für einen realen check?

facebook war „gnädig“:
sie schreiben zwar, dass wiederholte verstösse zur folge hätten, dass ich für 24 stunden gesperrt werde, aber es bliebt bei einer warnung:
„uns ist bewusst, dass man manchmal fehler macht. deshalb haben wir dein konto nicht eingeschränkt.“

danke unterwürfigst!
ist euch bewusst, dass euer system manchmal fehler macht?
wie soll eine solche einseitige kommunikation erfolg haben?
wie soll ich jemals erfahren, was die gründe für diese „warnung“ waren?
wie soll ich – wenn ich denn will – dann überhaupt daraus lernen?

wenn ich nun die nächsten tage nichts mehr auf fb posten kann, dann wisst ihr zumindest jetzt schon warum. denn dann war auch diese diskussion über fb schon zuviel.

können identidioten wirklich eine meldeorgie veranstalten und so facebook für sich arbeiten lassen???

facebook, wir müssen reden!

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bilder screenshots © bernhard jenny

treibgut im spülsand der salzach

dieser text ist ein fb-posting vom 21.7. nachts. zahlreiche reaktionen zeigen mir, dass das thema viele bewegt. deshalb hier nochmals in meinem blog.

wunderschön – die stimmung an einem lauen sommerabend – in der menschenrechtsstadt salzburg. idyllisch der blick vom franz-josef-kai nahe der eisenbahnbrücke in mülln richtung innenstadt. wer dort stehen bleibt hört romantische abendgespräche wie „des sans, de bettla, vastinkn de gaunze stod“ oder „egal ob in italien, spanien oder hier, wons kane schwoazn san, dann sans zigaina“ oder „organisierte banden deafn do schlofn, frechheit“.

wie es sich für eine menschenrechtsstadt gehört, werden die armutsreisenden in dieser stadt… nein. eben nicht. anderer text:

es passt gelinde gesagt ganz und gar nicht zu einer menschenrechtsstadt, dass menschen tatsächlich unter freiem himmel nächtigen müssen, dort ihre wäsche waschen und trocknen, dort essen und sich schlafen legen. für manche passanten ist es ein befremdlcihes schauspiel, für andere anlass zu obigen kommentaren. beschimpfungen und beleidigungen inklusive. nicht jede nacht ist lau und mild. es gibt auch kalte, eiskalte und nasse nächte.

es passt ganz und gar nicht zu einer menschenrechtsstadt, dass menschen menschenunwürdig behandelt bzw. in stich gelassen werden. aber in einer unsolidarischen gesellschaft braucht es das bild von „gescheiterten“, um das narrativ jener gerechtigkeit aufrecht zu halten, in der es um belohnung für leistung geht. wer nichts im sinne einer kommerzialisierten welt „leistet“, wird treibgut im spülsand der salzach.

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foto: bernhard jenny lic cc by