zutiefst berührt

screenshot orf bericht amina 2012-05-14 um 21.52.15

ich bin zutiefst berührt
wenn ich sehe
wie diese junge frau
angesichts der ermordung ihres vaters
der verschleppung ihres bruders
dann
ihrer flucht mit ihrer mutter nach österreich
und
ihrem aufenthalt in hallein
fassung bewahrt
ruhig bleibt
beinahe still sich ihr bleiben wünscht

sie hätte alles recht der welt
laut aufzuschreien
zu verzweifeln
aber sie will
niemandem zur last fallen

wer will sie verjagen?
wer will sie verschleppung und tod aussetzen?
wer will zu komplizen der kriegsverbrecher in ihrer heimat werden?

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LINK ZUR ONLINE PETITION
link zum orf bercht
link zu erstem artikel über amina
link zu zweitem artikel – antwort an lhf burgstaller

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bild: screenshot orf salzburg bericht

burgstallers politische bankrotterklärung

Foto: LPB/Neumayr/MMV 27.04.2012
so geht das nicht, frau landeshauptfrau burgstaller! mit einem halbsatz den unterstützerInnen zu sagen, alles für amina und ihre mutter tun zu wollen und gleichzeitig mit dem zweiten halbsatz jenen, die menschen aussortieren und in richtige und falsche auseinanderdividieren, beruhigend zuzurufen, dass ohnehin „wenig chancen gegen die bürokratie“ gegeben wären, das ist zynisch.

in einem antwortschreiben auf meinen offenen brief, mit dem ich das verdienstzeichen des landes ablehnte, schrieben sie mir noch:

Ich erlaube mir dennoch, Ihnen auf diesem Weg für Ihren Einsatz und Ihr Engagement unter anderem im Bereich der Flüchtlingsbetreuung zu danken. Ihre immer wieder geäußerte Kritik an den Ursachen und den Bedingungen der Schubhaft schärft das öffentliche Bewusstsein und lässt uns wachsamer gegenüber möglichen Missständen sein.

Der Populismus Weniger soll und darf uns nicht daran hindern, uns aus ganzem Herzen für all jene einzusetzen, die – mehr noch als andere – auf die Einhaltung der Menschenrechte angewiesen sind. Solange wir uns vom Schicksal der Betroffenen berühren lassen, droht (noch) keine Gefahr kalt und zynisch zu werden. Die Sensibilisierung durch die Plattform für Menschenrechte und deren Mitglieder leistet hierfür einen ungemein wertvollen Beitrag.

inzwischen hätte nun das aktuelle geschehen ihnen gelegenheit gegeben, konkret zu handeln und sich unmissverständlich für amina einzusetzen. (hier der bericht vom tollen einsatz der mitschülerInnen, lehrerInnen und des direktors)

der orf berichtet heute über ihre erklärung:

Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) will sich gegen die Abschiebung der Halleiner Schülerin Amina einsetzen, sieht aber wenig Chancen gegen die zuständige Bürokratie bzw. den Asylgerichtshof. Bei neueren Asylfällen entscheide der Asylgerichtshof, und eine Landesregierung könne nichts mehr tun, teilte Burgstaller am Sonntag zu dem Fall mit. Sie werde trotzdem versuchen, alle Hebel in Bewegung setzen, damit die 15 Jahre alte Amina und ihre Mutter nicht in ihre alte Heimat Dagestan abgeschoben werden, so Burgstaller.

sie erklären also allen ernstes, dass sie zwar gegen das verbringen des jungen mädchens und ihrer mutter in ihr lebensgefährliches heimatland sind, aber als landeshauptfrau „wenig chancen“ sehen? sie können also als landeshauptfrau nur machtlos zusehen, dass aus ihrem politischen zuständigkeitsbereich menschen abgeschoben werden sollen, obwohl sie das angeblich nicht wollen?

wenn es wirklich eine so übermächtige bürokratie gibt, die trotz ihrem ausdrücklichen willen als landeshauptfrau menschen aus dem land deportieren kann, wozu haben wir dann eine landeshauptfrau?

wenn amina und ihre mutter abgeschoben werden, dann sollten sie wegen machtlosigkeit zurücktreten.

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link zur facebookseite „amina soll bleiben“
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Foto: Verleihung des Verdienstzeichen des Landes an Mitglieder der Plattform für Menschenrechte Foto: LPB/Neumayr/MMV 27.04.2012, Julius Hannak, Eroglu Cengiz, Maria Baliarda, Brunhild Krumm, Graham Lange, Helga Thonhauser, LHF Gabi Burgstaller, Josef Mautner und Laudatorin Ursula Liebing

junge handelsschülerin soll trotz lebensgefahr land verlassen

amina aufruf der mitschülerinnen

amina a. ist vor fast 2 jahren gemeinsam mit ihrer mutter aus dagestan geflohen, weil sie dort ihres lebens nicht mehr sicher sind. innerhalb kürzester zeit hat sich amina in hallein gut eingelebt, besucht die hak/has hallein und wird aufgrund ihrer besonders guten leistungen mit einem stipendium von „START – österreich“ unterstützt. vorgestern erhielt amina und ihre mutter den negativen bescheid vom asylamt. sie sollen das land verlassen.

mitschülerinnen von amina wollen nicht tatenlos zusehen. sie haben spontan einen aufruf gestartet, der vom direktor der schule und engagierten lehrerInnen mitunterstützt wird. tief betroffen ist auch die theatermacherin christa hassfurther, die das junge mädchen im zuge eines theaterworkshops kennengelernt hat.

es entsetzt viele die absurdität, dass eine junge schülerin, die offensichtlich alles erdenkliche tut, um sich zu integrieren und so intensiv an ihrer bildung arbeitet, dass sie ein stipendium erhält (welches u.a. auch vom innenministerium unterstützt wird) praktisch im gleichen moment auch wieder die aufforderung erhält, dieses land zu verlassen. dass eine rückkehr in ihre heimat für mutter und tochter lebensgefahr bedeuten könnte, interessiert die verantwortlichen augenscheinlich nicht. da können und wollen viele nicht mehr zuschauen.

einmal mehr wird klar, dass unser umgang mit menschen, die zu uns gefunden haben zynisch und grausam ist. sicherheit und reichtum muss verpflichtung sein, diese allen zu gewähren, die bei uns schutz suchen. sicherheit und reichtum zum anlass zu nehmen, menschen des landes zu verweisen und sie in lebensgefahr zu bringen ist nicht nur anmassung, sondern auch verbrechen. es zerstört hoffnung. es zerstört leben.

wollen wir unser leben auf zerstörung anderer leben aufbauen?

faksimile des aufrufs:

amina flugblatt

zur lage der nation

titel blogparade neuwal lage der nation
ich beobachte

    nicht nur rechtsextreme, die unbehelligt ihre helden am hauptplatz der nation abfeiern dürfen,
    nicht nur ausländerfeindliche, rassistische und alltagsfaschistische übergriffe von seiten des staates z.b. im falle von deportationen vulgo abschiebungen,
    nicht nur skandalöse kürzungen im bereich der gesundheit, der pflege und der bildung,
    während andererseits banken und spekulation gefördert, gesichert und finanziert werden,

ich beobachte

    das erstarken der kleingeister, für die die welt immer schon zu gross und die grenzen unseres landes zu undicht waren,
    oder
    das weinerliche auftreten einer – wie heisst eigentlich ihre funktion wirklich? -, die bedauert, dass jetzt schon jedes hinübergeschobene festspielkarterl samt williger begleitung in den generalverdacht gerät
    oder
    die erscheinungen der unschuldsvermutung himself, die so schön, so reich und so intelligent ist, dass das ganze volk in den kalten schatten des zynismus gestellt wird
    oder
    die verschmitzten gesichter der eggers und hochs, die wissen wo das eine gesagt und das andere verschwiegen werden muss, damit wir die blöden und die anderen die lachenden bleiben

ich habe extreme schwierigkeiten

    bei der beobachtung
    von nachrichtensendungen und presseberichten
    weil sie immer mehr
    comedy- und standup-auftritte sind
    während die kabarettsendungen
    immer ernsthafter, seriöser und informativer werden

ich beobachte

    dass das steuern zahlen
    eine sache für dummies ist,
    während die nichtdummies
    mit läppischen 10% ihre schwarzen milliönchen
    legalisieren können

ich beobachte

    dass waffenschieben offensichtlich
    das einträglichste geschäft ist
    das dir nicht nur bei wildschweinjagden
    ein hohes ansehen
    einbringt
    es schützt auch vor richterlichem übereifer

ich beobachte

    dass das das spiel offensichtlich doch
    take all you can take
    heissen muss
    schamlos
    moralfrei
    und
    immer in die kameras grinsend

ich beobachte

    dass nun wörterbücher oder lexika für politikerInnen
    aufgelegt werden sollen
    wo dann drin steht
    was verboten, wirklich verboten ist
    was versteckt, aber wirklich versteckt laufen soll
    was erlaubt und daher wirklich offen dargestellt werden kann
    (so nach dem motto „schwarzgeld“ heisst nicht so, weil es der partei gehört,
    sondern nur weil es uns davor schützt, dass wir rote zahlen schreiben müssen)

das alles ist besorgniserregend,
aber noch nicht das schlimmste.

das schlimmste ist,
dass nun schluss sein soll mit der korruption.

wie soll die wirtschaft leben – denkt die kammer,
wie soll die kunst leben – denkt die präsidentin,
wie soll die welt sich drehen – denken nicht nur die waffenlobbyisten.

daher mein vorschlag.
lernen wir von den grossen
von den menspuis und dorfs
von den karlis und heinzis
von den macherInnen
von den erfolgreichen
und
erklären wir die praxis zur tugend
schluss mit alten moralvorstellungen
die nur im weg stehen
und uns nichts und noch weniger bringen

legalisieren wir die korruption.
das geht schneller
das ist einfacher
das macht alle glücklich

jedeR darf immer seinen/ihren preis bestimmen
der busfahrer könnte sein weiterfahren an trinkgelder binden
die krankenschwester die nächste spritze
der altenpfleger das windelnwechseln
die uniprofessorin das beurteilen
der richter das urteil sprechen

korruption ist
die lösung der krise
der motor der wirtschaft
die soziale gerechtigkeit die wir uns nehmen
und
alles wird gut.

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dieser beitrag ist anlässlich der blogparade von neuwal „zur lage der nation“ entstanden.

dringender hilferuf: wer kann joel morgen nach wien bringen?

foto privat

es ist wieder einmal absurd. joel ist in bedrängnis. hier das schreiben von ursula omoregie:

Kein Happy End für Joel !

Wieder ist Joel in einer schwierigen Situation !
Er hat eine Odyssee hinter sich zweimal Schubhaft in Thalheim dann in Traiskirchen wegen Asyl Antrag in Traiskirchen. Von dort wurde er in ein Heim der European Homecare, Betreuungsstelle Nord, Neuaigen 24 in Bad Kreuzen gebracht !
Dort ist er derzeit auch und muss morgen 4. Mai nach Wien zur Fremdenpolizei! Er will dieser Ladung nachkommen aber es fehlt ihm das Fahrgeld! Zunächst wurde ihm gesagt, dass er am Donnerstag erfahren wird, wie er nach Wien kommt! Er hat es auch erfahren, er bekommt vom Heimleiter European Homecare kein Geld um eine Fahrkarte nach Wien zu kaufen und es wird ihn auch niemand nach Wien fahren!
Nun ist es abends und Joel sitzt in Bad Kreuzen im Heim und weiß nicht wie er der Ladung nachkommen soll ! Was aber wahrscheinlich ist, kommt er morgen nicht zur vorgegeben Zeit zur Fremden Polizei wird er möglicherweise wieder in Schubhaft kommen! Warum? Weil er der Ladung nicht nachgekommen ist, ist es dass was man bezweckt ? Üblicherweise wird das Fahrgeld von den Flüchtlingsbetreuenden Institutionen vorgestreckt!
Joel sagt, er würde zu Fuss nach Wien gehen wenn er könnte ! Das zeigt, wie verzweifelt er ist, aber sein rechtes Bein ist geschwollen! Er ist am 19.Jänner 2011 aus dem Fenster gesprungen, als er von der Polizei geweckt wurde und in Schubhaft kommen sollte ! Er hatte sich beide Beine gebrochen, diese wurden operiert und eingegipst, ebenso zog er sich eine Rippenverletzung zu und trug wochenlang ein Gipskorsett! Es war sein zweiter Sprung, der erste war in Kärnten, als das Asylheim brannte in dem er einquartiert war!
Bitte! Mein Appell an Menschen, die Joel´s Situation verstehen:
Wer kann Joel morgen früh helfen nach Wien zu kommen!

wer helfen kann oder will, meldet sich am besten bei ursula:

Verein Schmetterling
Ursula Dumnoi (Omoregie)
Obfrau

Tel: 0699 1 070 1340 | 01/924 25 60
E-Mail: ursula.omoregie@chello.at

leserInnen meines blogs kennen joel bereits aus diesem bericht

update 4.5. – 11:30

inzwischen gibt es neuigkeiten: ursula omoregie hat organisiert, dass joel beim termin heute entschuldigt ist, mit dem hinweis, dass er keine fahrkahrte für die anreise bekommen hat. und joel wartet ab, was ihm gesagt wird. sobald er einen neuen termin hat, werden alle versuchen, die reise zu ermöglichen. viele verstehen es ganz und gar nicht, warum „european homecare“ joel so hängen lässt.

joel wurde schon oft sehr übel mitgespielt. es scheint besonderes interesse zu geben, ihn „weg“ haben zu wollen. umso wichtiger ist es, dass wir ihn nicht aus den augen lassen und weiter für sein bleiben kämpfen. in diesem sinne dank an ursula und ihre unterstützerInnen im verein schmetterling.

update 4.5. – 15:30

cornelia grünwald aus salzburg hat auf facebook ihre bereitschaft erklärt, die kosten für ein ticket für joel – denn er wird sicher neuerlich vorgeladen werden – zu übernehmen. und sie schlägt vor, dass sich andere ihrer idee anschliessen, denn „ich vermute, das ist nicht das letzte mal. vielleicht kann man überhaupt eine art fonds errichten, der in solchen situationen einspringt. an hand dessen könnte man auch gut erheben, wie oft solche dinge passieren.“
danke cornelia, danke an alle, die sich ihr anschliessen wollen!

und hier das konto:
Verein der Schmetterling
Konto Nummer 287 1660 3000
BLZ 20111 Erste Österreichische

eine schande, dass european homecare menschen so im regen stehen lässt!

radikal bleiben

verdienstzeichen des landes salzburg (collage bernhard jenny)

offener brief an landeshauptfrau gabi burgstaller
stellungnahme zu meiner für heute vorgesehenen auszeichnung
mit dem verdienstzeichens des landes salzburg.

keine abschiebung ist gut.
keine abschiebung wird menschen gerecht.
keine abschiebung löst probleme der menschheit.

abschiebung ist immer zwang.
abschiebung ist immer unglück.
abschiebung ist immer unmenschlich.

es gibt keine bessere abschiebung.
es gibt keine schonende abschiebung.
es gibt keine familienfreundliche abschiebung.

abschiebung heisst menschen aus unserer nähe zu verjagen.
abschiebung heisst menschen einen platz in der ferne zuweisen.
abschiebung heisst menschen tödlichen bedrohungen auszusetzen.

wir müssen bewusstsein entwickeln.
für die zusammenhänge, die wir zu verantworten haben,
für die ursachen, die menschen bei uns zuflucht suchen lassen,
für die folgen, die die mechanismen unseres wirtschafts- und herrschaftssystems weltweit haben.

heute leichter und schneller noch als früher können wir erfahren, dass unsere welt ein grosses zusammenhängendes ganzes ist. jeder krieg dieser welt geht uns an, jeder konflikt dieser welt hat mit den weltumspannenden strömen von macht, kapital, reichtum und gier einerseits und ohnmacht, hunger, armut und existenzieller not andererseits zu tun.

nationale grenzen werden immer unbedeutender. die hart verteidigten grenzen sind die zwischen oben und unten, zwischen arm und reich, zwischen drinnen und draussen. während spekulationsunsummen, schwarz-, blut-, drogen- und prostitutionsgelder weltweite reisefreiheit haben und immer und überall willkommen sind, sind die opfer, die unterdrückten menschen unerwünscht. die festung europa ist nicht ein zusammenschluss nationaler staaten, sondern ein teil jener wehranlagen, die sicherstellen sollen, dass das elend draussen bleibt und die masslosigkeit drinnen weiter in ruhe gelebt werden kann. die leichen jener, die es auf dem verzweiflungsweg zu uns nicht geschafft haben, verwandeln unsere meere zu grausamen burggräben der wohlstandsgesellschaft. jeder einzelne mensch, der es bis auf unsere strassen geschafft hat, könnte uns von seinen toten weggefährtInnen erzählen. wenn wir hinhören würden.

abschiebung ist mitwirkung am tödlichen system des unrechts.
dieses system hat niemand gewählt, kann niemand zur rechenschaft ziehen und ist daher illegal.

wir mussten in den letzten monaten erleben, wie eine funktionierende familie mit vielen kindern systematisch und zynisch zerstört wurde. nun sind die kinder ohne vater, frau und kinder psychisch und materiell ruiniert und auf sozialhilfe angewiesen. der vater hat nicht nur von einem tag zum anderen seine jahrelang verlässlich geleistete arbeit verloren, sondern ist nun zum spiessrutenlauf in seiner heimat gezwungen, wo er seines lebens nicht sicher sein kann. sein schicksal und das der österreichischen frau und der kinder war den behörden egal. zufällig ist ein rechtsextremer, schon mal in der öffentlichkeit kräftig zuschlagender naziverherrlicher für die politische beurteilung des falles zuständig. es ist ganz nach seinem menschenverachtenden geschmack ausgegangen.

weil der vater eine vorstrafe vor vielen jahren hatte, wurde er – obwohl längst abgesessen und verjährt – auch von anderen politisch verantwortlichen lieber nicht unterstützt und so zum zweiten mal durch unterlassene hilfeleistung bestraft. was würden denn dann manche zeitungen schreiben!

ist menschenrecht also etwas, das nur dann gilt, wenn du unbescholten bist?
nicht für alle, sondern für jene, die wir uns als geeignet aussuchen?

diese geschichte ist nur ein beispiel für die extremlage unserer gesellschaft. solange wir abschiebung als mittel zur durchsetzung unseres bürgerlichen reichtums einsetzen, solange wir mit jeder abschiebung das perverse bedürfnis von rassistInnen und xenophoben befriedigen, obwohl sie dann doch wieder die wiederbetätigung wählen, solange wir menschen die erniedrigung, die todesgefahr und das leid durch abschiebung zumuten, kann ich keine ehrung annehmen.

ich darf um verständnis darum bitten, dass ein verdienstzeichen für meine bescheidene arbeit mit menschen, die ich nicht mehr flüchtlinge, sondern willkommene nenne, für mich nicht annehmbar ist.

eine offizielle ehrung würde jenen besonders gut tun, die trotz der zynischen jahrelangen hinhaltetaktik eines asylverfahrens bei uns ausharren und sich im irgendwie und irgendwo durchschlagen, zwischen den mauern des arbeitsverbots, der ausländerfeindlichkeit und der kriminalisierung. diesen menschen wäre allerdings nicht mit einem abzeichen, einem band, einer anstecknadel gedient, die offizielle ehrung die diese menschen brauchen, ist die anerkennung ihres lebens und ihres rechts zu bleiben. wie reich könnte unser weltbild, unser leben werden, wenn wir menschen und kulturen als geschenk betrachten und nicht als aussortierware, die entsorgt gehört. so fände unsere gesellschaft zu ihrer eigenen zukunftsfähigen kultur.

dennoch werde ich heute abend bei der veranstaltung dabei sein und freue mich, wenn menschen, die sich in der betreuung der schubhäftlinge engagieren, dafür geehrt werden.

ich betreue keine menschen in schubhaft, sondern willkommene im niemandsland.
unsere familie versucht im rahmen der möglichkeiten mit menschen zu sprechen, wenn sie rat brauchen, ihnen essen zu geben, wenn sie hunger haben, geld zu geben, weil sie keines verdienen dürfen und die ständige angst zu teilen, denn sie ist immer da: die angst vor der abschiebung.

ich möchte, dass diese arbeit überflüssig wird.
ich möchte das ende jeglicher abschiebung.
denn kein mensch ist illegal.
das klingt für manche – besonders für politisch verantwortliche – radikal.
ich möchte radikal bleiben.

dummer bub.

foto: hekris - creative commons CC BY-NC-SA 2.0

in der nachbarschaft gibt es (wie natürlich auch bei uns) auch dumme buben. sebastian und michael sind solche. anstelle irgendetwas sinnvolles anzustellen (oder von mir aus auch was schelmenhaft spitzbübisches) ziehen sie es vor, mit ihren seifenkisten immer im kreis zu fahren. sie dürfen dann besonders viele dosen kraftsaft oder sonstige gesöffe trinken und bekommen auch viel taschengeld.

peinlich nur, wenn die buben in einem anderen innenhof ihre runden drehen, weil ihnen dort noch mehr taschengeld versprochen wurde, und wie das bei dummen buben halt so ist, verstinken sie nicht nur mit ihren heulenden rasenmähermotoren den ganzen hof, sondern bringen viele nicht viel intelligentere kinder mit sich, die nichts besseres zu tun haben, als den dummen buben beim rundendrehen zuzuschauen.

schlimm nur, dass im innenhof wütende kinder zu hören waren, die ganz und gar nicht damit einverstanden waren, was sich da in diesem innenhof ereignen sollte. schliesslich war sogar eine leiche auf einem hausdach gefunden worden, von einem, der versucht hatte, gegen die mächtigen in diesem block zu protestieren. dort gibt es einen dieser blockchefs, die sich auch noch könig rufen lassen. und keiner der gegner des blockchefs durfte zum seifenrennen in den innenhof.

der kleine sebastian wollte von dem allen nichts wissen, es ärgerte ihn, dass es kinder gab, die sich gegen das seifenkistenrennen zur ehre des blockchefs auflehnten. oder die auf das unmögliche leben in diesen blocks hier aufmerksam machen wollten. michael hat sich auch schon irgendwie so geäussert, dass ihn das alles nicht interessieren, jetzt sprach auch noch der kleine sebastian. „was wirklich zählt, sind jetzt die reifentemperaturen und autos“, meinte er und drehte seine runden.

erfolgreich. er darf wieder ein paar dosen mehr trinken.
dummer bub.

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http://orf.at/stories/2116636/2116635/

foto: hekris – creative commons CC BY-NC-SA 2.0