hasskultur (#corona #34)

dass ulrike lunacek heute vormittag aus ihrer funktion als staatssekretärin für kunst und kultur zurückgetreten ist, kam kaum überraschend. es war spürbar, dass es irgendwie nicht klappt. über die einzelheiten, was da wirklich im vorder- aber speziell auch im hintergrund falsch gelaufen ist, soll hier nicht spekuliert werden.

die rücktrittsrede war – bis auf entbehrliche seitenhiebe auf stermann, grissemann und resetarits – eine durchaus bemerkenswerte, stellte sie doch klar, dass das scheitern wohl auch genauso zum leben dazu gehört, wie das gelingen. natürlich war sie andeutungsweise enttäuscht über das wohl taktische „verhungern lassen“ der kultur in den regierungsinternen verhandlungen mit dem finanzminister. aber eine solche rücktrittsrede hören wir selten.

olivera stajić vom standard twitterte noch während der rede: „Wann hat sich eigentlich das letzte Mal ein Politiker (m., kein Binnen I) hingestellt und gesagt, „Ich mach Platz für jemanden, der es besser kann!“, ohne die Kritiker, die Medien oder eigene Leute zu blamen…? #Lunacek“

und tatsächlich fällt in den unglaublichen reaktionen nach ihrem rücktritt eines auf: hauptsächlich männer – aus kultur und kunst, aber auch anderen bereichen – gefallen sich im genüsslichen nachtreten und versuchen selbst jetzt noch lunacek als alleinverantwortliche für diverse desaster hinzustellen.

wohl einer der gröbsten hetzer ist dann ein gewisser fellner, der in seinem tv-programm sich dafür nicht zu schade ist, das gehalt als ministerin als „ausbildungsgeld“ zu schimpfen und die ihr zustehende fortzahlung über sechs monate als skandal darzustellen. „und dann gleitet diese frau auch noch in die eu-pension.“

es gab in den letzten jahren männer, die mussten zurücktreten, weil sie die politischen werte des landes verraten haben, weil sie die halbe republik plus kronenzeitung verscherbeln wollten und glasklare anleitungen zu finanzbetrug und schmiergeldanwendungen gaben. diesen männern wurde viel kritik zuteil, dennoch darf gerade an diesem tag heute einer von ihnen sein politisches comeback öffentlich einleiten, ein hohn auf alles, was unsere demokratie an werten hat.

eine frau, die angesichts des eingestandenen scheiterns konsequenzen zieht und in korrekter form ihr amt übergibt, muss sich häme und spott, hass und neid in einer ganz anderen qualität als im falle von unter umständen kriminellen männern gefallen lassen. da schwingt unglaublich viel reaktionärer machohass gegen alles weibliche, das nicht gefügig ist und dann auch noch eine lesbische frau mit. dieser hass ist ansteckender als so manches virus. das hat sich unser land nicht, am wenigsten aber die betroffene verdient.

es wäre dringend angebracht, dass sich die „kulturszene“ besinnt und berechtigte kritik und verständliche unzufriedenheit weiter offen und klar formuliert, aber sich einmal mehr von hass und hetze abgrenzt.

nachtreten als kultur?
zufällig wieder einmal gegen eine frau?
sie darf nicht normal und auch nicht neunormal werden: die sehr männlich dominierte
hasskultur

_______
bild: screenshot apa

8 Kommentare

  1. ich glaube da wird wieder mal etwas konstruiert.
    frau lunacek hatte das pech als nichtfachfrau einen job zu übernommen zu haben der unter normalen umständen zwar eine g’maade wiesen ist, sie aberim endeffekt überforderte.
    aus heiterem himmel kam corona und verlangte plötzlich vom versorgerposten mehr als nur bussibussi, smalltalk, opern- und theaterbesuche, div. festspieleröffnungen und hübsch in die kamera lächeln. dieser aussergewohnlichen situation hielt sie vor allem wegen mangelder fachkenntnisse nicht stand. lunacek erwies sich als fehlbesetzung, nicht wegen ihres geschlecht oder sexuellen ausrrichtung, sondern wegen ihrer nicht vorhandenen fachkompetenz.
    es gibt aber auch so manche övp minister die kaum ahnung von ihrem job haben und deren ressort von den ministerialbeamten im hintergrund, im alleingang geschupft werden, siehe blümel, jener finanzminister der in seinem lbisherigen eben genauso viel mit fiskalpolitik zu tun hatte wie lunacek mit kunst.
    ich als kulturschaffender, aber auch die ganze kunst- und kulturszene wünscht sich, egal ob weiblich oder männlich einen nachfolger der auch mit kompetenz und engagement dieses amt ausfüllt und nicht nur als dankeschön für lange parteizugehörigkeit auf den posten gesetzt wird.

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  2. Nachtreten ist wirklich ein weit verbreites Übel, auch diese ewige Rechthaberei. Mir macht es auch große Sorgen, dass wir nicht mehr miteinander diskutieren, ruhig auch mal hart in der Sache, sondern Andersdenkende entweder belehrt oder gleich niedergemacht werden. Aber wo kommt das her?- Haben wir keine zeit mehr, uns auf andere und auf neue Gedanken einzulassen?- Denkfaulheit? Selbstgefälligkeit??????

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