jom haschoa: gedenken muss auch handeln heissen.

 foto: corsi michele creative commons CC BY-NC-ND 2.0

ich bekenne naiv gewesen zu sein. in meinen jungen jahren dachte ich ernsthaft, dass das schreckliche, das unvorstellbare, das “gerade eben” vor meiner zeit passiert war, uns dauerhaft verpflichtet. ein “nie wieder” schien mir selbstverständlich. ja, da und dort waren ein paar “ewiggestrige” über, aber die mehrheit, die ganz grosse, die – so dachte ich – hat verstanden, was das erbe der überlebenden und nachfolgenden generationen ist.

und ich dachte, dass die erklärung der menschenrechte so etwas wie der verbindliche standard einer verantwortlichen welt wäre. wir engagierten uns in amnesty gruppen um den fernen diktatoren mal so richtig per brief unsere meinung zu sagen, sie von ihrem wahnsinn abzuhalten. und ich dachte, dass in unseren gesellschaften ein weg in eine bessere gesellschaft beinahe zwingend logisch vorgezeichnet ist.

ja ich war naiv. sehr naiv. und ich bin vermutlich nicht der einzige. wenn wir heute sehen, was da und dort aufbricht, wer da und dort tabus als solche nicht mehr akzeptiert und welche aussagen manche unverhüllt treffen, dann muss uns so ein gedenktag wie jom haschoa anlass sein, endgültig jede alle naivität abzulegen.

vieles war nie wirklich weg, so manche haltungen wurden nur nicht laut gesagt und heute tauchen sie als brandaktuelle politpositionen wieder auf. unsere gesellschaft ist eben nicht auf einem gesicherten weg, sondern wieder in gefahr. mit krise, xenophobie, rassismus und gegenseitiges ausspielen der schwachen und armen erleben wir ein spannungsfeld, das selbst das “nie wieder” nicht mehr als selbstverständlich erkennen lässt.

wenn gedenken sinn haben soll, muss schluss mit jeder naivität sein. und wir müssen hinsehen, benennen und dagegen aufstehen. das „wieder“ beginnt jeden tag. überall. das „nie wieder“ ist angesichts der lage in der welt beinahe wunschdenken. dennoch dürfen wir nie aufgeben, der neoliberalen, kapitalistischen fratze unserer systeme entgegenzutreten und gesellschaften zu entwerfen, die wirklich den menschen in den mittelpunkt stellen. zum gleichen vorteil für alle.

wieviel wert ein gedenktag ist, darüber entscheiden wir mit unserem tun.

gedenken muss auch handeln heissen.

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foto: corsi michele creative commons CC BY-NC-ND 2.0

sind visionen nur illusion?

2015

visionen. ganz unbescheiden hier meine visionen 2015, ohne anspruch auf vollständigkeit. ich könnte diese visionen niemals alleine bewerkstelligen, aber vielleicht finden sich manche, die ähnliche visionen haben. ich will gemeinsam mit vielen daran arbeiten, sie von der illusion zur realität werden zu lassen.

visionen 2015

  • wir nehmen menschen, die bei uns in sicherheit leben wollen, ohne wenn und aber auf und unterstützen aktiv menschen, die sich auf flucht befinden.
  • wir überlassen allen menschen die freie wahl des ortes zu leben, weshalb deportationen und abschiebungen endgültig der vergangenheit angehören.
  • wir unterscheiden nicht mehr zwischen menschen, die familie in verschiedensten formen gründen dürfen und solchen, die das nicht dürfen.
  • wir erfahren, dass jede oberflächliche normierung von bildung diese zur ausbildung deklassiert und schaffen im sinne einer offenen gesellschaft sehr diverse und freie wege zum wissen für alle.
  • wir wollen, dass wissenschaft mehr, viel mehr ist, als statistische stricherl zählen und das anhäufen von ects-punkten und lassen aus universitäten und akademien wieder orte werden, in denen menschen sich weiter entwickeln.
  • wir erreichen eine regierung, die ab sofort keine banken mehr rettet und grosskriminalität schützt, sondern die einzelnen menschen in schutz nimmt, wenn sich banken verspekuliert haben und/oder ihrer kriminellen energie zum opfer fallen.
  • wir beschliessen, dass rassismus keinen platz hat, weil rassimus keine meinung, sondern ein verbrechen ist. weder im parlament, noch in talkshows und schon gar nicht im täglichen leben.
  • wir ermöglichen die umsetzung einer inklusiven gesellschaft und sichern – ohne zynische kostendiskussion – folgerichtig allen, ausnahmslos allen, die teilhabe an bildung, gesellschaftlichem leben, wohnen, medizinischer versorgung, pflege und persönlicher assistenz.
  • wir erkennen in dankbarkeit den reichtum, in dem wir in unseren regionen leben, welcher u.a. auch ergebnis ausgelagerter ungerechtigkeiten ist, als verantwortung und lassen nicht zu, dass armut und elend zum anlass für menschenjagd und hetze werden.
  • wir sehen die fülle an werten, die zahllose ngos und ehrenamtliche mitarbeiter_innen für die gesellschaft generieren und sorgen für ein bewusstsein, das social profit benennt und nicht als non profit abwertet.
  • wir hören in allen bereichen des lebens auf, menschen zu sortieren. aus der erkenntnis, dass wir alle anders sind, folgt, dass kein unterschied uns das recht gibt, menschen zu diskriminieren.
  • wir setzen uns für die menschenrechte als unteilbares grundrecht für alle menschen ein. niemand hat das recht, menschenrechte zu verwehren.
  • sind visionen nur illusion?

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    dieser artikel ist am 30.12.2014 auf fischundfleisch.at erschienen und hier direkt abrufbar:
    https://www.fischundfleisch.at/politik-jetzt-ich/sind-visionen-nur-illusion.html

    #fluchthilfeprozess (aus traurigem anlass)

    wo #politurteile aus flüchtenden
    kriminelle machen, wird
    #widerstand und #fluchthilfe zur pflicht!

    fluchthilfe bernhard jenny cc by

    parlamentarier schickt politisch andersdenkende zum arzt.

    braunespielchen

    braune spielchen.
    sie haben system.
    sie richten sich gegen menschen.
    sie sind zerstörerisch wie immer.
    vor achtzig jahren.
    und heute.

    braune spielchen.
    der höbart hats gebracht.
    die sager von den höhlenmenschen.
    die verächtlichmachung.
    den rassismus.

    braune spielchen.
    sind so gar nicht geeignet für die politik.
    und erst recht nicht für das parlament.
    raus muss er.
    der rassismus.
    und der höbart.

    braune spielchen.
    das habe ich ihm auch immer wieder ausgerichtet.
    auch per twitter.
    seine reaktion:
    screenshot bernhard jenny

    die braune.
    die farbe.
    die braune farbe des bildes.
    der beiden.
    ist bezeichnenderweise selbst gemacht.
    braun gemacht.
    das bild.
    von denen selbst.
    das hab ich festgestellt.
    die antwort:

    höbarttweet01

    braune spielchen.
    aber
    ich blieb dabei.
    raus aus dem parlament!
    #rassismus hat keinen platz!

    höbarttweet03

    braune spielchen.
    dass ich mich noch immer nicht abbringen lasse.
    dass ich weiter seinen rücktritt fordere.
    das ist dem höbart dann doch zuviel.
    er geht in die alpen träumen.
    albträumen.
    aber ein rechter österreicher tut das in den alpen.
    alpppppp acht! 😉

    höbarttweet02

    braune spielchen.
    der hafenecker ist auch so einer.
    auch einer der aufrechten im parlament.
    dem geht das auch schon auf die nerven.
    dass jemand immer wieder gegen die höhlenmenschensager twittert.
    dass jemand den rassismus stante pede aus dem parlament haben will!

    hafeneckertweet

    braune spielchen.
    hallo hafenecker!
    nicht besonders fein, oder?
    das hatten wir auch schon mal:
    parlamentarier schickt politisch andersdenkende zum arzt.

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    und ich bleib dabei:
    wir müssen unmissverständlich klarstellen (blogpost vom 20141111)
    die causa höbart ist eine causa rassismus (blogpost vom 20141109)

    wir müssen unmissverständlich klarstellen.

    höbart

    wir. wer ist wir? wir, das sind alle, die sich am demokratiepolitischen prozess in unserem land, in europa, in dieser welt beteiligen wollen. wir sind in vielen punkten nicht einer meinung, eher schon sehr unterschiedlicher ansichten, aber wir sehen in der demokratie jene organisationsform, die bis dato die bestvorstellbare bleibt. demokratie, das bedeutet nicht das diktat der mehrheiten, sondern den schutz der minderheiten unter dem protektorat der mehrheit (hat roger willemsen mal gesagt).

    wir können über vieles streiten. über tempolimits. über umweltschutz, über freiheiten und regelungen, wie frei und entfesselt wirtschaft sein muss, wie frei und entfesselt die individuellen menschen sein müssen, welche lebensformen anerkannt und welche sozialen absicherungen wir brauchen, welche bildungswege besser als andere sind usw. wir sind wie gesagt in vielen dingen sehr sehr unterschiedlicher meinung. in allen themenbereichen unserer gesellschaft.

    sich offen darüber auszutauschen, laut darüber nachzudenken, das sind grundvoraussetzungen für eine funktionierende gesellschaft. also meinungsfreiheit.

    wer aber wie mölzer, kickl, höbart und co menschen rassistisch betituliert und damit ausgrenzt, diffamiert und abwertet, begibt sich auf jenen weg, der diesen kontinent in unvorstellbares grauen gestürzt hat. also rassismus.

    wenn wir, die wir sonst in so vielen dingen verschiedener meinung sind, es nicht schaffen, klar zu stellen, dass rassismus keine durch freiheit geschützte meinung ist, sondern ein verbrechen, das in keinem demokratiepolitischen diskurs platz hat, dann werden wir noch einmal zusehen müssen, wie wir im verderben untergehen.

    wenn wir aber klarstellen, dass wir als gesellschaften europas nach dem holocaust aus der geschichte lernend die erklärung der menschenrechte als vermächtnis annehmen und auf deren basis allen weiteren diskurs führen, dann haben wir die chance, in den unterschiedlichen positionen den mehrwert für die gemeinschaft zu erkennen.

    es kann nicht sein, dass bestimmte parteien eine narrenfreiheit bezüglich ausländerfeindlichkeit, rassismus und hetze geniessen, weil dies zu ihrem alleinstellungsmerkmal zu gehören scheint. achselzucken und „so sind sie halt“ seufzen, ist viel zu fahrlässig. es lässt den politischen laubbläsern viel zu viel raum.

    rassist_innen disqualifizieren sich für den demokratiepolitischen prozess.
    das muss deutlich werden.
    über alle parteigrenzen hinweg.
    wir müssen unmissverständlich klarstellen.

    die causa höbart ist eine causa rassismus.

    rassismus

    es rächt sich. zu unsicher, zu „tolerant“, zu wenig klar war über jahrzehnte die angstvolle reaktion vieler politisch verantwortlicher in unserem land. zu unscharf, zu wenig deutlich das aufzeigen von absoluten grenzen, von wirklichen „no-go“ zonen im politdiskurs.

    mit christian höbarts aussagen über menschen, die bei uns schutz suchen, ist wieder einmal ein tabubruch mehr passiert, der sich in die lange unserie der kicklschen, mölzerschen und strachschen rülpser einreiht.

    das land müsste stehen bleiben. innehalten. und unmissverständlich, eindeutig und geschlossen STOPP schreien. rassismus ist keine meinung, sondern ein verbrechen.

    wer glaubt, sich rassistisch exponieren zu müssen, gehört dafür nicht nur angezeigt. solche personen haben sich aus ALLEN politischen funktionen zurückzuziehen. im parlament ist eine solche person völlig untragbar.

    hier darf kein bisschen verhandelt oder beschwichtigt werden.
    weder darf die berühmte kirche im dorf gelassen noch die dumpfe stammtischsprache als entschuldigung gelten.
    rassismus ist immer ein verbrechen.

    am jahrestag jener pogromnacht, die den absturz in den holocaust markiert, fällt es doppelt schwer zu glauben, dass solches überhaupt noch möglich ist.

    und es wird nicht nur der rücktritt höbarts unverzichtbar sein.
    es darf niemand toleriert werden, der sich rassistisch (wieder)betätigt.
    und ja. das sind viele.

    es rächt sich. zu lange haben viele politisch verantwortliche wiederbetätigung als meinungsfreiheit ertragen, übersehen, verharmlost und nichts getan. jetzt fahren uns die nachfahren der pogromnacht-zündler_innen mit ihrem hinterteil ins gesicht.

    die causa höbart ist eine causa rassismus.

    nein. nicht rechtsradikal.

    bernhard jenny cc by

    nein. kein rechtsradikaler hintergrund.
    nein. keine ausländerfeindliche gruppe.
    nein. nur bisserl flüchtlinge hetzen.

    aber das ist ganz harmlos.
    aber das ist fast schon sowas wie brauchtum.
    aber das waren doch nur feuerwerkskörper.

    ja. eine softgun haben sie auch mitgehabt.
    ja. die haben sie aber eh im schnee stecken lassen.
    ja. sie haben ausländerfeindliche parolen gerufen.

    vielleicht ist das alles halb so schlimm.
    vielleicht sollte man da jetzt nicht übertreiben.
    vielleicht sind das einfach dumme junge buben.

    schon. es ging gegen die ausländer im heim.
    schon. sie haben mit dem feuer gespielt.
    schon. sie haben bedrohlichen radau gemacht.

    aber ein zwischenfall, eine störaktion, eine unmutsäusserung.
    aber einer ist angeblich selbst schuld, wenn er gejagt wird.
    aber einer hat angeblich ein handy gestohlen.

    nein. den können wir jetzt nicht mehr befragen, den haben wir abgeschoben.
    nein. da steckt weder ausländerfeindlichkeit noch sonst was dahinter.
    nein. nicht rechtsradikal.

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    aktueller anlass: bürglkopf
    bild: bernhard jenny cc by