abschiebungen – ohne ende

heute früh habe ich wieder einmal eine dieser nachrichten zur kenntnis nehmen müssen. wieder einmal ist eine familie von der abschiebung bedroht, wieder einmal wird dem wahnsinn kein einhalt geboten. oder doch?

nächste woche ist tag der menschenrechte. wem also die vorweihnachtszeit zu wenig motiv für ein umdenken ist, vielleicht dann dieser tag. wieder einmal reiht sich ein familienname in die liste der menschen, die wir deswegen kennenlernen, weil sie nichts, aber gar nichts angestellt haben, als bei uns leben zu wollen und deshalb zwangsweise ausser landes gebracht werden müssen. familie maisuradze hat bereits einen sohn, der in österreich geboren ist. aber sie sollen weg. weil wir uns es nicht mehr leisten können.

abschiebung verbrechen der satten

eines der reichsten länder der welt muss schon schauen, wie es durchkommt. da sind uns schutzbedürftige im weg.

es muss endlich ein definitiver stopp her. schluss mit der makabren erbsenzählerei, wer weg muss, wer bleiben darf. latent oder akut ausländerInnenfeindliche behörden dürfen nicht länger als täterInnenorganisationen freiraum geniessen. sie müssen gestoppt werden.

von uns allen. von politikerInnen und politisch bewussten menschen, die den mut haben zu sagen: es ist genug. wir zerstören mit der gelebten menschenverachtung viel mehr, als wir verantworten können und wollen. wir sind es unseren vorfahren ebenso wie unseren nachkommen schuldig, für eine gesellschaft zu sorgen, die alle menschen als solche sieht und behandelt. gleich im doppelten sinn: gleich im sinne von sofort und gleich im sinne von gleichberechtigt.

abschiebung ist ein verbrechen der satten an schutzbedürftigen.

innenministerium kennt keinen weihnachtsfrieden

schluss mit fektern!

über facebook erreichte uns heute nachmittag die nachricht zuerst von purple sheep und dann von hikmet kayahan. inzwischen gibt es den aktuellen aufruf von purple sheep:

Mittwoch, den 1. Dezember 2010, soll in den frühen Morgenstunden eine bestens integrierte tschetschenische Familie nach knapp 5 Jahren Aufenthalt in den Dublin Staat Polen abgeschoben werden.

Familie P., die im Jänner 2011 5 Jahre Aufenthalt in Österreich vollendet, hat bereits einen harten und steinigen Weg hinter sich: Die Mutter ist seit ihrer Ankunft in psychiatrischer Behandlung, der 13jährige jüngere Sohn bestens integriert und Vorzugsschüler, der ältere Bruder (22), konnte die Hauptschule wegen drohender Abschiebung nicht mehr abschliessen und kümmert sich während der Spitalsaufenthalte der Mutter um den kleinen Bruder.
Die Familie war bis jetzt in einem Heim der Caritas untergebracht und wurde von der Freunde Schützen Initiative betreut, nach Erhalt des Abschiebetermins wurde die Familie nun von Vertrauenspersonen ins Freunde Schützen Haus überstellt.
Rechtsvertreterin Karin Klaric bemühte sich im Vorfeld die drohende Abschiebung zu verhindern. Leider vergebens: erstens wird argumentiert, es sei eine Überstellung in ein anderes europäisches Land. Weiters wurde die Mutter wegen eines Ladendiebstahls in einem Kinderbekleidungsgeschäft vor zweieinhalb Jahren zu einer Geldstrafe von knapp 290,00 Euro rechtskräftig verurteilt, welche damals umgehend bezahlt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Familie nicht in Grundversorgung und vollkommen mittelos.
„Jetzt“, so Klaric, bleibt nur mehr Zivilcourage um der Familie zu zeigen, dass das, was mit ihnen in den kommenden Stunden zwar Gesetz aber keinesfalls rechtens ist. „Der Staat gab den Raum, das Verfahren jahrelang dauern. Einen dreizehnjährigen Buben jetzt zu entwurzeln und ihn in irgendeinem anderen Land von null beginnen zu lassen, ist eine Schande!“ so Bauträger Hans Jörg Ulreich. Gemeinsam mit Klaric fordert er eine rasche Lösung für alle Langzeitfälle. Die Kritik richten beide vor allem an die Bundesregierung, insbesondere an Kanzler und Vizekanzler: „So lange es hier keinen Kurswechsel gibt, können die Behörden nicht anders handeln. Logisch, dass das Innenministerium Gesetze durchführen muss!“ so Ulreich.
Der Verein Purple Sheep ersucht um ein Zeichen der Anteilnahme und bittet Menschen, die die Familie psychich stärken möchten, ab sofort zu Tee in den Innenhof im Freunde Schützen Haus in der Arndtstrasse 88, 1120 Wien.

schluss mit den abschiebungen!
schluss mit fektern!

verdunkelung und tatbegehung

rassismus bleibt rassismus

das votum der schweizer bevölkerung muss uns wieder einmal wachrütteln. es geht hier schon lange um viel mehr, als um ein paar kleine ausrutscher eines sonst ganz netten staates.

das votum reiht sich in die gesamtstimmung auf unserem kontinent, die tag ein tag aus und zunehmend unverschämt geschürt wird. xenophobie und rassismus werden zu selbstverständlichen wegbegleitern unseres alltags.

ausländerInnen in einem atemzug mit kriminalität, vergewaltigung, kinderschändung und drogenhandel zu nennen ist ganz normal. solche ausländerInnen, die nachweislich alles das nicht sind, werden entweder als seltene ausnahme oder als nicht ausreichend durchleuchtet dargestellt.

die schweiz liegt also ganz im europatrend. von frankreich bis ungarn, von holland bis kärnten, die rechtsnationalistischen urreflexe brodeln hoch und eine kleine gruppe von beobachterInnen wird zunehmend ratlos. menschenrechte sind schon fast ein unbequemes reizwort, das es zu vermeiden gilt. und menschenrechte gelten schon lange nicht für alle. nur für die richtigen. also „uns“.

europa verdunkelt sich zunehmend. vor wenigen tagen musste eine veranstaltung von paul lendvai abgesagt werden, weil nach drohungen der ungarischen rechten für dessen sicherheit nicht mehr garantiert werden konnte! wen hat das alarmiert?

heute ist es wieder ein stück finsterer geworden. was so harmlos als gesetzesvorlage oder volksabstimmung daher kommt, wird gleichzeitig zur tatbegehung. wer menschen rassistisch und xenophob stigmatisiert, begeht eine tat. eine schwere tat.

wo ist die justiz, die solches nachhaltig verfolgt?

dass über offene xenophobie und primitvsten rassismus demokratisch abgestimmt werden durfte, ist eine schande für sich.

logisch weitergedacht, könnten in zukunft zahlreiche – eigentlich verbotene – tatbestände mal locker zur abstimmung gebracht werden.

unsere rein-raus-voting-kultur führt die demokratie ad absurdum.

arigona zurück? leider!

foto: alex barth (creative commons)

ja leider. leider ist unserem staat oder jenen, die sich für diesen verantwortlich glauben, nichts anderes eingefallen, als eine farce bis zum bitteren ende durchzuziehen.

dass jetzt arigona, ihre geschwister und ihre mutter in österreich sind, ist nur die wiederherstellung eines umstandes, dessen bekämpfung aus niedrigen politischen beweggründen zwar letztlich scheitern musste, aber das leben der familie hätte nie derart gestört werden dürfen.

ja leider. leider nicht ohne dieser familie über jahre unglaublichen psychischen stress und medialen belastungen auszusetzen.

ja leider. es war nicht möglich, die familie zogaj in ruhe ihr bescheidenes leben leben zu lassen, ohne sie durch den dreck zu ziehen, sie zu demütigen und sich öffentlich über „rehleinaugen“ lächerlich zu machen.

ja leider. es musste diese familie auch noch ausser landes verschickt werden, um papiere einzureichen, die mit etwas gutem willen der behörden ohne grosses aufsehen zu verursachen, auch hier im lande bearbeitbar gewesen wären.

ein herzliches wiederwillkommen an die familie zogaj! ihr ward mir auch schon vor eurer zwangsreise herzlich willkommen. ich wünsche euch ein rasches ende des spiessrutenlaufens und der verurteilungen durch schreibtischtäterInnen.

eure rückkehr soll gemeinsam mit jener der familie komani und dem bleiben des ehiro code ein anfang vom ende sein.

ein anfang für ein bleiberecht in unserem land.
ein ende für unmenschliche rechte.

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foto: alex barth (creative commons)

terrorgefahr – the real hype

terror meter (billy palooza on flickr - creative commons)

ein gefährliches spiel das. was merkel und co da betreiben? terrorgefahr als hype? stimmungsmache und gelegenheit repression populär zu machen? wer verhandelt mit den fernsehanstalten über die exklusivrechte der liveübertragung? kommt der überfall auf den bundestag zur besten sendezeit? primetime? wo sonst „wetten, dass“ läuft?

„zwei der attentäter befinden sich bereits in berlin“, „konkrete anschlagsplanungen“, „konkreter als je zuvor“ – sind das diese situationen, wie wir sie aus bruce willis filmen kennen? wird er den bösewicht eine halbe sekunde vor der alle auslöschenden atomexplosion liquidieren?

oder ist diese terrorbedrohung so real wie die schweinevogelgrippe? macht da wieder jemand reibach, diesmal nicht die pharmaindustrie, sondern die sicherheitstechnik?

was soll dieses gerede von der realen gefahr? wirkliche warnungen sähen anders aus. das was da läuft, ist machwerk. inszenierung.
und angstmache, die mehr verspielt, als sie jemals bringen kann.

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terror meter (billy palooza on flickr – creative commons)

ehiro code ist frei. das ist nicht genug.

es ist ein riesen erfolg für viele. mit recht. innerhalb kürzester zeit haben sich menschen in ganz österreich vernetzt, infos ausgetauscht und aktivitäten gestartet und weitere geplant. ursula omoregie hat mir am montag vormittag die erste info geschickt, dann habe ich meinen blogeintrag dazu veröffentlicht und viele andere haben das dann in windeseile verbreitet. das ist so etwas wie widerstand 2.0.

ehirocode foto:daniel hrncirs

und es hat geholfen. viele einzelpersonen, aber auch organisierte aus parteien und vereinen haben den erfolg für ihr rasches handeln bereits am dienstag abend bei der demo gegen abschiebungen sehen können: ein strahlender junger mensch, der an seinem geburtstag nun doch noch aus dem gefängnis, welches angeblich keines ist (sic!), entlassen wurde. dass fekter nun schon so weit geht und mit einer „aufforderung den aufenthaltsort an dieser adresse“ eine“zwangsanhaltung“ und damit haft durchsetzen will, ist ein neuerlicher, leider fast nicht mehr auffallender skandal.

ursula omoregie schrieb mir heute:

Dienstag 16.11.
Ehiro Code darf wieder Wiener Luft in Freiheit atmen, er wurde am Abend um 17:45 aus der Schubhaft entlassen ! Es wurde ihm gesagt: “du kannst gehen „! -und die Tür wurde für ihn geöffnet. Wie es heißt „für die Dauer in der sein Bleiberechtsantrag in Bearbeitung ist.“ Wir müssen warten bis er hoffentlich seinen legalen Aufenthalt in Österreich zugesprochen bekommt. Er wird weiterhin seinen Pflichten nachkommen mit den Behörden kooperieren und kann auch wieder zurück an seinen Arbeitsplatz wie er mir gesagt hat. Das beruhigt ihn weil er das Geld braucht um seine Lernunterlagen bezahlen zu können und für sich selber sorgen kann.
Wir alle haben gemeinsam eine große Hürde übersprungen, weil er freigelassen wurde und nicht morgen in der Nacht nach Nigeria abgeschoben wurde. Wir haben gezeigt, dass es viele Menschen in Österreich gibt die Menschen geblieben sind und keinen Unterschied machen oder jemanden ablehnen, der hierher gekommen ist um zu LEBEN ! Es gibt noch Solidarität und menschliches Verständnis in diesem Land! Auch wenn die Politik noch nicht heute einheitlich diese Aspekte in ihren politischen Entscheidungen und in der Gesetzgebung erkennen lässt. Es ist nicht abzustreiten, dass wir im 21.Jahrhundert leben und so auch die unleugbare Herausforderung annehmen können uns dieser widmen können hinsichtlich des Gewinnes, den wir erlangen durch Zuwanderung. Die Antwort auf Zuwanderung kann nicht heißen: Abschiebung, Ausgrenzung und Kriminalisierung von Flüchtlingen und Immigranten.
Peter Sellers sagt:“ Refuges are welcome!“ und ich sage das auch – Und ich weiß nun nicht nur ich !

Ich danke auch im Namen von Ehiro Code stellvertretend für alle Schmetterlinge
Bernhard Jenny, der als erster meinen Text am Montag früh online und auf seinen Blog gestellt hat! – ebenso Frau Dr. Susanne Scholl und allen die dafür gesorgt haben, dass Code´s Lebenskrise öffentlich bekannt wurde im Internet, facebook und auf Blog´s !
Meinem Rechtsberater Tim Ausserhuber vom Migrantenverein St. Marx: er bemüht sich und hat sich besonders in den letzten zwei Tagen bemüht mich entsprechend der gesetzlichen Vorgaben zu unterstützen und beraten
Alev Korun und ihrer Referentin für ihre Interaktion und Intervention von Montag früh bis Dienstag Abend
Maria Vassilakou für ihre Unterstützung und ihr Versprechen sich weiterhin für meine Legalisierung und hoffentlich auch für Andere einzusetzen und ihrer Teilnahme an der Kundgebung ebenso wie vielen anderen Grünen und allen Menschen die mich nicht vergessen haben
Dem Verein Dialog für die Gespräche mit mir und Kontaktaufnahme als ich in Schubhaft war
Für die mediale Berichterstattung:
die Presse, News.at, der Standard und Kurier
Puls TV, Wien TV und ATV
Dem ORF für die Meldung Im Teletext
Den Radiosendern Ö3, FM4, Ö1 und Radio Orange
Der sozialistischen Linkspartei für die unverzügliche Organisierung und Ankündigung einer Demo
Alle geben mir Hoffnung, dass ich nicht niemand und unwichtig bin und es nicht umsonst war, dass ich seit morgen genau sieben Jahre in Österreich Wien lebe und mich hier zuhause fühle.

ehiro code foto: wolfgang aue

es ist sehr schön. und ich danke auch ursula omoregie für ihr engagement.
leider dürfen wir nicht zu lange froh sein.
denn die grausamkeiten gehen weiter.
die abschiebungen passieren immer noch.
sie lassen sich sogar hinter solchen fällen des scheinbaren einlenkens besser verstecken.

deshalb gilt auch weiter:
wir müssen uns vernetzen und weiter engagieren.
für alle.
kein mensch ist illegal.

link zu ursula omoregie, verein schmetterling

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fotos: daniel hrncirs, wolfgang aue

ehiro code hat keinen platz im fekterland

die geplante abschiebung des HTLschülers ehiro code macht nur deutlich, dass die serie der grausamkeiten nicht endet. immer wieder werden uns neue namen, neue unglaublichkeiten bekannt, die uns zu zermürben drohen. (bericht von heute)

da kann kein blog so schnell reagieren, wie die absurden ideen sprudeln. da war doch die idee eines gewissen scheuch, jenen vater der beiden kinder, die in kärnten ihre mutter verloren haben, allein abzuschieben und die kinder da zu lassen – bei einer „gastfamilie“.

da ist die heute aufgetaucht idee aus deutschland, dass die frage der abschiebung anhand der schulnoten der kinder (!!!) entschieden werden könnte. wem fällt bitte so etwas ein?

und nun wieder ein neuer name: ehiro code. wir dürfen froh sein, wenn dieser name nicht auf der liste jener landet, die in der schubhaft zu tode kommen. ob er dann in nigeria drauf geht, wenn kümmerts? wer testet uns, was wir gerade noch akzeptieren und wo wir mit dem protest scheinbar ein einlenken erreichen? wer verlängert täglich die liste der grausamkeiten, auf dass sie gewohnheit werden mögen?

es muss ein ruck durchs land. wir dürfen da nicht länger zusehen. wenn es noch einer „einstimmung“ zum morgigen prozess gegen zwei meiner söhne wegen ihrer proteste gegen fekter bedurft hätte, mit der nachricht von der zwangsabschiebung eines schülers ist sie mehr als gelungen. (http://widerstand-im-fekterland.at)

mit spannung warten wir, ob jenes skandalurteil, von dem selbst die staatsanwaltschaft offen sagte, dass es am politischen gängelband enstanden ist, morgen richtiggestellt wird.

doch eines sei heute schon gesagt: unabhängig wie das urteil lautet, der widerstand gegen abschiebungen und fremdenhass bleibt pflicht.
wir müssen handeln.

ps. fekter gab heute bekannt, dass sie weiter menschen nach griechenland abschieben wird. wissend, welche zustände dort in den flüchtlingslagern herrschen. sie stellt sich damit gegen den europäischen gerichtshof für menschenrechte – unerträglich.

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AKTUALISIERUNG DI 16.11.2010
demonstration gegen die abschiebung von schüler ehiro code. 18 uhr rossauer lände – kein mensch ist illegal!