statement beim 20 jahre hausgeburtstag der ARGEkultur
ARGEkultur 20 jahre neues haus
liebe gäste,
liebe freund:innen der argekultur,
liebes team!
20 jahre hausgeburtstag – das ist ein guter grund zu feiern!
20 jahre, in denen hier unzählige menschen mit leidenschaft, mut und kreativität gearbeitet haben und die ARGEkultur zu dem gestaltet haben, was sie heute darstellt. ihnen allen gebührt heute unser erster dank. dabei sollte uns bewusst sein, dass nicht alle, die zum funktionieren des hauses beitragen auch für alle sichtbar sind.
und ich möchte diesen dank im namen des gesamten vorstands der ARGEkultur auch ausdrücklich erweitern: an die vertreter:innen von bund, land und stadt, die heute anwesend sind. denn ohne ihre förderung und unterstützung wäre vieles, was hier gewachsen ist, nicht möglich gewesen.
aber dieser geburtstag soll mehr als eine rückschau, soll auch ein versprechen für die zukunft sein.
denn wir alle spüren: die zeiten sind unruhig. weltpolitisch, europäisch und auch in unserem eigenen land. verunsicherung, angst und polarisierung greifen um sich.
ich möchte sir karl popper mit seinem „paradoxon der toleranz“ zitieren: (1945!)
„Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“
gerade deshalb braucht es orte wie dieses haus:
einen raum, in dem vielfalt nicht als bedrohung, sondern als stärke gelebt wird.
einen raum, in dem respekt, solidarität und achtsamkeit selbstverständlich sind.
einen raum, der uns daran erinnert, dass demokratie nicht abstrakt ist, sondern sich im alltag, in der begegnung und im miteinander verwirklicht.
doch: ein safer space ist nichts, was man einmal ausruft und dann für immer besitzt. er muss immer wieder neu hergestellt werden – durch haltung, durch zivilcourage, durch das gemeinsame nein zu diskriminierung und hass. wir alle, die wir hier sind, nehmen uns in die pflicht.
denn die nächsten 20 jahre werden nicht von selbst demokratisch bleiben.
rechtspopulismus und autoritäre strömungen klopfen längst an unsere türen.
wir dürfen nicht zulassen, dass sie die liberale demokratie verdrängen.
widerstand gegen diese entwicklung ist nicht nur eine aufgabe für politik und institutionen – es ist eine verantwortung für uns alle, im kleinen wie im großen.
ich möchte nicht, dass dann, wenn unsere enkel erwachsen sind, sie sagen müssen:
unsere großeltern haben noch die demokratie erlebt.