universität? die bildung ist verraten.

universität salzburg foto: bernhard jenny

kaum einen tag alt. dieses semester. für manche das erste. studienbeginn. mit all den erwartungen, den naiven, den realeren und da und dort auch vielleicht befürchtungen. dennoch. so ein anfang ist immer etwas besonderes. viele studentInnen nennen sich gerade mal ein paar stunden so. und müssen das gefühl dabei erst erspüren. sich als studentInnen wahrnehmen.

gestern noch eine spannende erste vorlesung. hat gepasst. war ausblick eröffnend. war interessant. machte lust auf mehr. heute dann die andere veranstaltung. mit der ganz anderen botschaft. es wird nicht genug platz geben für alle. die prüfungen in den einführungen sind zum aussieben da. selektion. es wird nicht leicht sein. bedaure. ja da können eben nur die besten.

so ist das eben. bildung? was dich interessiert, interessiert hier niemanden. universitäten sind längst nicht für alle da, da muss selektiert und ausgesondert werden. ganz wenig platz ist da, eng und nochmal enger. ihr seid zuviele. zuviele für bildung.

also. die einführung ins studium ist mit einer überschrift versehen: ihr seid hier fehl am platz. reduziert euch, werdet weniger, fangt lieber gar nicht erst an. der stoff ist ohnehin kaum zu erlernen, wer nicht jetzt schon viel von vornherein weiss, soll lieber nicht anfangen.

ihr seid unerwünscht. unser land hat kein interesse an eurer bildung, die platzzuweisung weist nach unten. ihr wolltet einen weg finden? ihr erwartet motivation? da seid ihr grund falsch. hier kommt fast niemand rein. bildung? wer spricht von bildung? hier ist die vorhölle der abschreckung. du hast geglaubt ein platz wäre für dich vorgesehen?

was unsere jungen menschen vermittelt bekommen, ist so nicht zu akzeptieren. es ist menschenverachtend, wenn der impuls für einen neuen lebensabschnitt mit ablehnung beginnt. ungeachtet der budgetdiskussion – bildungsmilliarde hin oder her – geht es doch um den umgang, den respekt, die begrüssung, die zusage, ein stück des lebensweges gemeinsam zu gehen. keine raumnot, keine budgetkürzung, kein personalmangel kann entschuldigen, dass junge menschen wie dreck behandelt werden. weg mit euch.

das haben sich unsere jungen studierenden nicht verdient. wie sollten erst professorInnen von universitäten in minder bemittelten ländern mit studierenden umgehen, wenn die verantwortlichen in einem so reichen land zulassen, dass junge menschen von ihrem eigenen staat gemobbt werden.

folge solcher selektion wird sein, dass manche, die wegen einführungsprüfungen aufgeben müssen, ganz aufhören. also erfolgreich abgeschreckt sind. und andere werden vielleicht den weg in privatuniversitäten finden. aber dann nur die, die es sich leisten können. womit die selektion perfekt ist.

universitäten, die ihre studierenden verjagen, statt sie zu begrüssen, die neugierige und forschungswillige verhöhnen, statt ihnen bestmögliche zuwendung zukommen zu lassen, sind keinen cent öffentlicher gelder wert. da wäre die vollprivatisierung von bildung und forschung ehrlicher, als die aufrechterhaltung einer placebo-universität. dann wüssten die jungen menschen gleich, wer unter welchen bedingungen wie zur kasse gebeten wird. und dass das ideal einer freien und unabhängigen bildung und forschung längst verraten ist.

aber manche glauben doch wirklich, alle könnten studieren.

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

4 Kommentare

  1. Lieber Berhard Jenny,
    ich mag deine Artikel, aber diesen will ich gerne kritisieren, einmal die narrative epische:

    Es war einmal im Mittelalter ein Troubadour und der war so gut in seiner Kunst,
    dass alle Troubadoure werden wollten. Niemand wollte im Kloster mehr Bücher abschreiben,
    kein Sohn und Tochter eines Bauern wollte mehr ein Feld bestellen, oder seine Freiheit als Handwerker in der Stadt finden, kein Händler wollte noch Handeln, kein junger Adeliger wollte sich als Ritter im Kampf üben oder Juristerei auf der Universität studieren oder von seinem Vater lernen, wie man ein Lehen verwaltet. Alle wollten nur Troubadoure werden. Das Land brauchte aber Bauern, die die Felder bestellten und Wein, Getreide und Gerste anbauten und auch diese, die ihre Freiheit in der Stadt suchten um mit dem Handwerk neue Werkzeuge zu schaffen. Es brauchte auch geschickte Jäger, die Wild im Winter jagten. Und es brauchte studierte Richte, damit die Gottesurteile weniger wurden. Und es brauchte betende Brüder, die Bücher für die Nachwelt abschrieben.

    Jetzt die sachliche auf Fakten basierte Kritik:
    Zum einen braucht es wieder Studiengebühren, die letzten waren nicht so schlecht, sozial gerechter geht immer. Meine Frau kommt aus einer Arbeiterfamilie aus Niederösterreich und konnte im „Haus Niederösterreich“ vergünstigt wohnen und bekam ein Stipendium. Jeder der eines beantragte und förderungswürdig war erhielt eines und musste keine Eingangsprüfung machen, sondern seine Leistung im Studium nachweisen. (Eine Prüfung verhaut jeder mal schnell, beim Stipendiumsnachweis war das viel gerechter.) Es gibt Fälle, wo reiche akademische Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder studieren, das lässt sich aber erfolgreich rechtlich einklagen. 500€ – 1000€ je nach Uni könnten den Betrieb der Unis deutlich verbessern und warum zum Geier soll die Uni, außer für ärmere und förderungswürdige gratis sein.Dadurch, dass sie gratis ist, wird selektiert oder Studien ineffizient in die Länge gezogen.

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    • lieber heinrich elsigan!

      ich freue mich über deinen diskussionsbeitrag und weiss, dass du viele meiner posts liesst und auch immer wieder deine zustimmung signalisierst. ich schätze es, wenn sich auf diese art eine kommunikation aufbaut, lese daher auch gerne deine meinung – selbst wenn oder vielleicht gerade dann, wenn sie nicht mit meiner übereinstimmt, denn durch reine zustimmung kommt kein dialog zustande. und niemand liegt immer richtig. ich sehe sogar einen hauptzweck von blogs darin, die eigene position allen anderen positionen „auszusetzen“ und zu sehen, was sich da entwickelt.

      zum thema:
      um in deinem bild zu bleiben: kann schon sein, dass nicht alle troubadoure sein können, jeder und jede sollte das werden können, was ihm oder ihr am besten entspricht. und wenn – wie in deiner geschichte – alle anderen berufe eben auch gleich wertgeschätzt werden, dann ist das ja auch kein problem. heisst: nicht alle sollen studieren müssen, um in unserer gesellschaft anerkannt zu sein.

      aber ich möchte zum beispiel meinen studiengang nicht missen, obwohl (oder weil) ich unglaublich viele verschiedenen anläufe und versuche gemacht habe. ich war ein vorkoster und reindenker, ein ausprobierer und verbinder. und schliesslich bin ich dann nach vielen stationen (philosophie, germanstik, psychologie, theologie, pädagogik, politikwissenschaften) dann bei der romanistik gelandet, habe diese aber immer neben einem job als sozialarbeiter besucht und nochmal dazu die künstlerisch-grafischen arbeiten betrieben und weiterentwickelt. und ich denke, dass KEINE station umsonst war, nichts will ich missen, meine berufliche entwicklung als kommunikationsgestalter ist letztlich das ergebnis vieler studien, die ich kombiniert habe.

      eben diese freiheit würde ich auch den heute studierenden gönnen, es geht um BILDUNG und nicht um AUSBILDUNG. heute sollten die studierenden am besten mit vorkenntnissen (woher???) im eiltempo von A (matura) zu B (jobantritt) das bindeglied studium absolvieren und das ganze soll sich (volks)wirtschaftlich rechnen. was die wege und irrwege eines einzelnen menschen sind, welches potential dadurch vielleicht erst freigelegt werden würde, das interessiert niemanden.

      UND: ich hänge auch noch immer am ideal der freien und kostenlosen bildung. studiengebühren sichern sicher nicht die qualität unserer universitäten, so wie autobahngebühren auch nicht die sicherheit auf dieser erhöhen, sondern den sack der ASFINAG und irgendwelcher lärmschutzmauerer füllen.

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  2. Fanmeile

    das wird dir sicher nicht gefallen… aber es bestätigt dein Bild.

    http://orf.at/stories/2144065/2144061/

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