ein wirklich aussergewöhnlicher moment im brucknerhaus

miguel herz-kestranek war bei der aufführung „fidelio und roccos erzählungen“ in hochform gekommen. die letzte grosse szene vor der pause kündigte sich an, eine etwas andere fassung von beethovens oper mit dem bruckner orchester linz unter dennis russell davies (im programm als „aussergewöhnlich“ vorangekündigt) hätte zum ersten grossen höhepunkt kommen sollen.

schon während der sehr spannend vorgetragenen textzeilen hatte ich etwas weiter hinter mir im saal eine eigenartige musik gehört. kurz wunderte ich mich über den eigenartigen inszenierungseinfall, musik vom band oder so einzuspielen, aber es war auch gleich wieder weg. der text stellt klar, jetzt spitzt sich die handlung zu, das mordkomplott gegen pizarro nimmt seinen lauf.

dann endet herz-kestranek mit seinem text, dennis russell davies hebt den taktstock, als plötzlich der bis dorthin wohl stillste moment vom neuerlichen ertönen dieser musik unterbrochen wird. russel davis erschrickt, senkt den taktstock und dreht seinen kopf richtung saal. es ist ein handy, das da dieses geräusch im unmöglichsten moment verursacht. und es spielt und spielt, russell davis schüttelt den kopf, die technik macht sogar das saallicht wieder an, als es endlich aufhört. ruhe und stille sind wieder da.

russel davis hebt neuerlich den taktstock, das orchester setzt an, und gerade noch rechtzeitig, bevor das forte des orchester ertönt, wird für alle im vollbesetzten saal eine verblüffend laute stimme hörbar: „ich kann jetzt nicht drangehen, ich bin im konzert!“

foto: a_kep (creative commons)

es geht nicht um stuttgart 21

twitpic katjajandova

die bilder sind unglaublich: polizei geht mit tränengas und wasserwerfer sowie mit brutalster körperlicher gewalt gegen kinder, jugendliche sowie völlig friedlich demonstrierende frauen und kinder vor.

es geht ab sofort nicht mehr um stuttgart 21. es geht um keinen bahnhof oder um ein für und wider. es geht um die tatsache, dass politischverantwortliche ebenso wie polizeisprecherInnen ein derartiges vorgehen gegen die bevölkerung für angebracht, moralisch vertretbar und legitim betrachten.

mit diesem vorgehen hat sich die staatsgewalt schuldig gemacht. ein twitterer hat geschrieben „wer holt die polizei gegen die polizei?“. das dilemma muss folgen haben.

es stellt sich die frage, wie es zu einer solchen entgleisung kommen konnte. wieviele sicherungen unserer demokratie müssen durchgebrannt sein, wenn kinder von polizistInnen brutalst geräumt werden? was muss in den köpfen der polizistInnen vorgehen?

schrecklich dieses bild. und schrecklich, wieviel desensibilisierung dadurch passiert. es wird schon ganz normal, wenn polizeihorden gegen die bevölkerung marschieren. um etwas durchzusetzen. da regen sich weder die kanzlerin noch sonst irgendwelche verantwortlichen.

das muss uns alarmieren. nicht zuletzt deshalb, weil wir sehen können, wie der umgang mit den menschen werden könnte, wenn sich wegen der sich zuspitzenden krise einmal noch viel mehr menschen ihren unwillen kundtun. zu demonstrieren ist lebensgefährlich geworden. das augenlicht hat es bereits gekostet.

foto: twitpic katjajandova