rassismus ist amtlich in salzburg

wie die salzburger nachrichten heute berichten, löst eine hochzeit, zu der sich roma-familien aus frankreich, deutschland und belgien auf einem freien gelände in der gemeinde puch getroffen haben, die tiefsten rassistischen reflexe nicht nur in manchen teilen der bevölkerung aus. der bürgermeister helmut klose von der övp rühmt sich lt. sn, alles versucht zu haben, damit die gruppe „wieder weiter kommt“. im zeitungsbericht heisst es weiter:

Klose wollte einen Bauern mit einem Güllefass durchs Gelände fahren lassen, um die Besucher vom Campieren abzuhalten.

zwar hat die gemeinde ohnehin den familien 2300 euro für trinkwasser und abfallbeseitigung abgeknöpft, dennoch beunruhigt die simple tatsache, dass hier menschen einer anderen kultur hochzeit feiern, die rassistischen gemüter. „menschenrechte“ sind anscheinend für manche noch immer ein fremdwort, ja sogar für einen bürgermeister.

die offensichtlich relativ vernünftig agierende polizei vor ort fällt dennoch in den diskrimierenden „mafia-jargon“:

Das ist eine Hochzeit zwischen zwei Clans, eine rein interne Angelegenheit.

sind es nicht auch in unseren breiten, in unserer kultur, ja sogar immer „zwei clans“ – oder sollten wir besser sagen „familien“, die sich bei einer hochzeit treffen und ihre „interne angelegenheit“ namens „familienfest hochzeit“ feiern?

aber in einer gemeinde, wo der bürgermeister allen ernstes friedlich feiernde menschen mit gülle vertreiben will, ist die sprache konsequent härter.

rassismus ist amtlich in salzburg.

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

6 Kommentare

  1. Die Antipathie gegen Zigeuner ist leider noch immer ein Thema und offensichtlich in unserer Gesellschaft (quer durch Ö) tief verwurzelt. Vor einigen Monaten erzählte mir ein Mann aus Angern NÖ: „Da drüben über der March wohnen lauter Schwarze, da darfst Du Dich im Finstern nicht hintrauen.“ Gemeint waren die dort wohnenden Zigeuner. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das aktuelle Theaterstück von Veronika Pernthaner: „Milan. Eine Reise“, das in den nächsten Tagen anlässlich der Theatertage in Abtenau aufgeführt werden wird. (http://dorfzeitung.com/?p=6208)

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  2. Peter Krackowizer

    ich schrieb heute in den SN bei Meinungen zu diesem Thema:

    Ja, wir Salzburger! Wir fliegen als letzte Ende der Welt, um dort einer (touristisch inszenierten) „Hochzeit“ gegen hartes Bargeld beiwohnen zu können. Wir holen uns Megasportveranstaltungen ins Land und Anrainer haben tage, ja manchmal wochenlang Unannehmlichkeiten zu ertragen. Wir haben das „Brauchtum“, das um sechs Uhr mit Böllerschüssen Urlauber gleichermaßen wie Anrainer wachrüttelt. Wir haben Bierzelte von zig Vereinen.

    Aber wehe, wenn Roma oder Sinti ihren Jahrhunderte langen Traditionen des Herumreisen und Feiern nachgehen. Wenn die dann in der Einöde auf einer ehemaligen Mülldeponie lagern, da lässt sich (fast) kein Geld mit ihnen machen, das bringt keine Weltpresse in die Festspielstadt, ja, die laden nicht einmal die Top-100 von Salzburg zu ihrem Fest ein. Eine echte Sauerei, net wahr!

    Wenn immer wieder von „Armut in Österreich“ die Rede ist, dann zähle ich auch diese dazu: die geistige Armut mancher. Roma und Sinti sind Menschen wie die Salzburger. Aber wir unterscheiden halt immer noch recht gerne zwischen jenen „Menschen“, die für uns (billig) arbeiten [Gastarbeiter, wie das Wort schon sagt: arbeite als Gast bei uns und dann geh‘ wieder heim], jenen, die Geld bringen [Stichwort: Festspiele, denn der Fremdenverkehr scheint in Salzburg nur mehr aus diesem Thema zu bestehen], jenen, die „arbeiten“ [das sind dann wir und jene Arbeiter, nicht Gastarbeiter, die aus westlichen EU-Ländern stammen] und jenen, die bei uns eigentlich nichts verloren haben [das sind jene „Gastarbeiter“, die uns nur die Arbeitsplätze wegnehmen, jene Menschen, die bei uns stehlen und damit Feiern ausrichten, jene Menschen, die überhaupt nicht arbeiten, aber da sind und von anderen leben…].

    1404 führte der Vorwurf der Hostienschändung in der Pfarrkirche Mülln zur Verbrennung des Großteils der jüdischen Bevölkerung in Salzburg (der Vorwurf konnte nie bewiesen werden) – dem Grunde nach scheint mir, hat sich aber noch nicht wirklich viel in der Einstellung mancher, wohl einer Minderheit, aber immerhin, geändert zu haben nehme ich wirklich betrübt zur Kenntnis

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  3. sonjaschiff

    bernhard, danke für deinen artikel. ich war heute morgen beim lesen der SN auch einfach nur noch sprachlos. die sprache von klose ist einfach letztklassig, aber was willst von dem auch erwarten. was mir gefallen hat, war der hinweis des journalisten, daß ein bierzelt auch wirbel macht….und keiner hat ein problem. roma und sinti bekommen die vorurteile der bevölkerung einfach nicht los. schön übrigens diese kampagne: „i am a roma woman“ http://www.youtube.com/watch?v=mI_RWXwbFqI

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  4. es ist einfach unglaublich , was da in unserem land passiert!!roma und sinti gehörten mitte des 19. jhdts bis zu beginn der 30iger jahre des 20.jhdts zu den gefragtesten pferdehändlern in unserem land.bauern in ganz österreich freuten sich auf die so begehrten pferde , die auf den viehmärkten präsentiert wurden.
    auch wurde das wissen macher heilerinnen der roma und sinti heiß begehrt.ihre tiefreligiöse einstellung wurde ebenso von vielen menschen sehr geschätzt.zahlreiche verbindungen von bauern mit roma , oder sinti frauen wurden eingegangen- das bezeugen zahlreiche interviews mit zeitzeugen.diese frauen wurden stets wegen ihrer schönheit und ausstrahlung , sowie wegen ihrem zoologischen und botanischen wissen gerade auch von der landbevölkerung sehr geschätzt.
    so haben viele österreicher , egal ob sie es wissen , oder nicht ,roma oder sinti ahnen in ihrer ahnengalerie.
    diese hetzen gegen roma und sinti sind immer noch rassistische nachwirkungen der ns -zeit.
    wer auch immer roma und sinti vertreibt macht sich heute schuldig!!!jedes volk hat das recht auf leben und ihre sitten und gebräuche so zu leben , wie sie es möchten.
    in meiner familie gibt es juden, roma , sinti , oberösterreichische bauern, deutsche adelige,salzburger handwerker& tschechische bürger.
    diese mischung war zu beginn des 20.jhdts in österreich gang und gebe. mehrere sprachen zu sprechen ( romanes, jiddisch, tschechisch , deutsch..)stellten keine ausnahme dar, sondern waren die regel!
    das ist unsere so typisch österreichische kultur..und heute wollen uns wieder einige politiker sagen, dass ein volk unserer wurzeln mit gülle vertrieben werden darf??..das finde ich eine bodenlose gemeinheit!und wie schnell so eine gemeinheit zur grausamkeit werden kann ,sieht man ja an den jüngsten ausschreitungen in ungarn & italien.respekt und verantwortung müßten eigentlich ethische grundwerte für jeden politiker sein!!!!!!!!!!! danke dir bernhard für deinen artikel und dass du uns immer wieder aus unserem seeligen dornröschenschlaf der politischen illusion wachrüttelst-

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  5. hrogra

    i had a dream:
    roma und sinti verkünden, eine hochzeit in puch feiern zu wollen. bürgermeister und gemeinderat laden vertreter der familien zu einem treffen ein, besprechen den ablauf, sorgen für die ausreichende bereitstellung von toiletten für frauen und männer.bieten an, ein festzelt zur verfügung zu stellen. fragen nach, ob der gastauftritt einer heimischen musikkapelle gewünscht ist (die kosten übernimmt die gemeinde). nutzen das ereignis, um die bevölkerung in der presse sachlich über roma und sinti zu informieren und deren beiträge auch zu unserer kultur aufzuzeigen. lassen die leiden, die dieser minderheit angetan wurden nicht aussen vor.
    übersenden dem brautpaar und deren familien die herzlichsten glückwünsche für die zukunft und würdigen das ereignis als grenzüberschreitendes symbol für ein friedliches und glückliches miteinander.
    i woke up and read the article and i knew: i am in salzburg!

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