antisemitische hetzseite „judas watch“ stellt mich in gute gesellschaft

medienberichte der letzten tage machen auf die hetzseite „judas watch“ aufmerksam, heute bekam ich den hinweis, dass ich mich auch unter den 69 einträgen für österreich befinde. die machart erinnert mich an die seinerzeitige alpen-donau seite, eine rechtsextreme hetzseite auf der ich auch schon die „ehre“ hatte, gelistet zu werden.

das aufdecken von „anti-weissen verrätern, agitatoren, subversiven und des jüdischen einflusses“ schreibt sich „judas watch“ in den untertitel. sauber.

die referenzen in meinem zusammenhang könnten einer laudatio auf meine aktiviäten entnommen sein, denn ich stehe zu alledem, was da registriert wurde:

  • unterstützt die gleichstellung und adoptionsrecht für homosexuelle.
    check!
  • unterstützt offene grenzen und masseneinwanderung.
    check!
  • in einem artikel für die österreichische zeitung „der standard (online-ausgabe)“ kritisierte er die österreichische regierung dafür, zu „rechts“ zu sein und „flüchtlinge“ nicht gut genug zu behandeln.
    check!
    anmerkung: das war schon im märz 2017

ganz und gar nicht liebe judas-watchers!
viele jener namen, die ihr da auflistet, sind mir sehr wichtige menschen und zeitgenoss*innen. nichteinmal vor toten macht eure hetze halt! was ihr da betreibt ist verabscheuungswürdigstes niveau, antisemitismus und menschenhatz. solches ist auf das entschiedenste zu verurteilen und muss bekämpft werden.

leider sind rechte hetzer*innen und burschenschafter auch schon in regierungsverantwortung in unserem land. das ist die eigentliche katastrophe!

ihr ermuntert mich durch eure hetze, weiter laut und aktiv zu bleiben.
ihr könnt uns nicht einschüchtern.
niemals.

ps. ich kann und will die hetzseite nicht auch noch verlinken. hier der bericht im standard.

der schwere verlust zur politischen unzeit ist ein auftrag.

es war das konkrete handeln, wofür ute bock einerseits sehr berühmt aber auch sehr angefeindet wurde. sie brauchte keine grossen politischen rechtfertigungen oder keine theoretischen ansätze.

ihr handeln kam aus einer ganz persönlichen motivation. „wie soll ich diese jungen menschen einfach auf der strasse stehen lassen?“ war eine der so verblüffend einfachen und umso wirkkräftigen motive.

als ehemalige erzieherin konnte sie durchaus auch sehr strenge töne gegenüber „meine buam“ anschlagen. und die sprache, mit der sie über ihre arbeit berichtete, war bodenständig, direkt, ungeschönt. aber wie das in allen zwischenmenschlichen berufsfeldern so ist: es geht letztlich nicht um eine methode, sondern um die ureigenste persönliche haltung. und die war klar und unmissverständlich.

ute bock wurde zum symbol für ein offenes land. der hetze gegen „fremde“ und der angst vor schutzbedürftigen menschen setzte sie unerschrockenheit und mitgefühl entgegen. als „mutter“* der geflüchteten wurde sie berechtigterweise zur grossen leitfigur für viele.

es ist nun die verantwortung aller, für die ute bock auch weiterhin vorbild sein wird, in ihrem sinne die unverbrüchliche offenheit und bedingungslose nächstenliebe umzusetzen und einzufordern.

dass gerade jene, die sie wegen ihrer haltung und ihren taten oft und wiederholt verhöhnten und beleidigten, jetzt unser land regieren, muss ihr sicher weh getan haben.

ein herz der menschlichkeit schlägt nicht mehr.

der schwere verlust zur politischen unzeit ist ein auftrag.

utebock_literaturhaus

foto: ute bock zu besuch in salzburg, literaturhaus 2013

*) edit: „mutter courage“ war hier im originaltext zu lesen, das könnte missverständlich in bezug auf berthold brechts protagonistin aufgefasst werden, deshalb steht hier nur mehr „mutter“

die verhöhnung von ute bock ist untragbar

foto: literaturhaus salzburg: ute bock

es ist das leidlich bekannte strickmuster der rechten: zuerst wird angegriffen, gehetzt und verhöhnt, dann scheinbar zurückgezogen, dementiert und dann wird auf missverständnisse verwiesen. die wirkung ist immer die gleiche: die eigenen reihen klopfen sich gröhlend auf die schenkel vor lachen und wissen genau, wie ernst solche „entgleisungen“ gemeint sind. und sie binden die braune masse in hämischer verbundenheit.

robert lizar, redakteur der fpö-parteizeitung schrieb auf facebook über die nach einem schlaganfall in der intensivstation um ihre gesundheit ringende ute bock: „mein mitleid hält sich in grenzen.“ (siehe berichte kurier und der standard)

ja klar, dann wurde wieder zurückgezogen, abgeschwächt, dementiert usw. das bekannte strickmuster eben.

dieser unmoralische übergriff auf ute bock darf nicht folgenlos bleiben. die welle der solidarität mit der engagierten frau muss gerade jetzt, wo sie sich selbst nicht wehren kann, derartige angriffe auf das schärfste verurteilen und konsequenzen einfordern. mit den rechten ist eben kein staat zu machen, kein podium zu betreten, kein studio aufzusuchen. mit diesen menschenverachtenden aktionen müssten sich die effen disqualifiziert haben. aber das sehen leider nicht alle so.

alarmierend auch der umstand, dass zb. der online standard das forum auf händisch betriebene freischaltung der postings umstellen musste, weil sich dort so viele rechten quertreiber herumtrieben.

in jedem fall gilt unsere tiefe solidarität mit ute bock und wir wünschen ihr beste und rasche genesung. sie soll sich nicht hetzen und drängen lassen, sondern zeit und ruhe finden, sich zu erholen. es ist vermutlich zeit, dass das team rund um ute bock viel arbeit übernimmt und ute bock selbst entlastet. aber das sind entscheidungen, die sie selbst und ihr umfeld in ruhe zu treffen haben.

das weitere umfeld, die menschen, die ihr engagement so wichtig und herausragend finden, muss sich um den schutz kümmern. um den schutz vor wahnsinnigkeiten wie jener entlarvenden (und inzwischen wieder gelöschten) äusserung des fpö-redakteurs.

die verhöhnung von ute bock ist untragbar.

foto: ute bock nach der präsentation des buches „agenda menschenrechte. notizen zum politischen proceß“ von josef p. mautner im literaturhaus salzburg, von links: günther marchner, bernhard jenny, ute bock, tomas friedmann. (foto: literaturhaus)

eine agenda zur veränderung.

Agenda Menschenrechte_COVER

mit der „agenda menschenrechte“ stellt josef p. mautner im müry salzmann verlag ein neues buch vor, das sich im untertitel – scheinbar harmlos – „mein persönliches notizbuch“ nennt.

josef p. mautner hat diese notizen im zusammenhang mit seiner tätigkeit bei der „plattform für menschenrechte“ niedergeschrieben. sowohl persönliche erlebnisse, aber auch gehörtes, wahrgenommenes und geträumtes, verweben und verdichten sich zu einem starken gesamtbild, das mehr will, als nur gelesen werden. es will die leserInnen auffordern, aufrütteln und einladen, selbst den eigenen erfahrungen, gedanken, wahrnehmungen und auch (alb)träumen nachzugehen, vielleicht selbst notizen anzulegen.

dabei setzt mautner durch reduktion des textumfanges der einzelnen einträge die beim lesen entstehenden bilder und gedanken dem individuellen leseverhalten aus. die texte sind einzeln, in beliebiger reihenfolge oder in seitenabfolge lesbar, es entsteht immer wieder ein neuer eindruck, ein neues webmuster, eine neue dichte.

mautner will (nicht nur hier) grenzen überwinden. sowohl die grenzen zwischen autor und leserInnen, als auch jene zwischen unterstützerInnen und hilfsbedürftigen werden hier in frage gestellt. mautner glaubt daran, dass das dilemma grundrechtsverletzungen in unserer gesellschaft nur durch ein konsequentes aufheben dieser grenzen erreicht werden kann. erst die solidarische verbundenheit von menschen auf einer ebene, auf gleicher augenhöhe könnte uns weiterbringen.

aber es sind auch die distanzen zwischen traum und wirklichkeit, zwischen innen und aussen, zwischen konkretem handeln und nachdenklicher reflexion, die mautner auf die kürze eines umblätterns verdichtet. auch vergangenheit und gegenwart werden hier verbunden. neben den vielen meist anonymisiert auftauchenden menschen holt sich mautner zwei zeugInnen in seinem aufbegehren gegen diskriminierung:

aus der vergangenheit ist es franz kafka, den mautner in seine bemerkungen rund um die menschenrechte einbindet, wohl weil dieser uns erinnert, wie tief das zusammenstossen von einzelnen, oft ohnmächtigen individuen mit machtvollen systemen, in uns selbst und in unserem gesellschaftlichen leben verwurzelt ist. kafkas „politischer prozeß“ ist nicht vorbei, er findet immer noch – in uns und um uns herum – statt.

aus der jetztzeit ist es ute bock, die zu wort kommt. seit vielen jahren für ihr sehr konkretes handeln für asylsuchende menschen bekannt, dafür bekämpft und hochverdient, formuliert sie ihre haltung, die sie nicht aufgeben lässt, beeindruckend einfach: „jeder mensch ist gleich.“

den notizen zum politischen proceß sind zeichnungen von bogdan bogdanović gegenübergestellt, mit dem josef p. mautner viele gespräche über den traum, die religion(en), flucht und exil sowie xenophobie und menschenrechtsarbeit führen konnte.

die agenda menschenrechte ist ein sehr persönliches notizbuch. es gewährt den leserInnen einblicke in die welt des „menschenrechtsarbeiters“ josef p. mautner. gerade weil hier keine ergebnisse, keine thesen und keine analysen angeboten werden, sondern mit feingefühl und offenheit eine reihe intensiver sequenzen gesammelt wurde, kann die agenda sich verwandeln: aus mautners agenda wird eine eigene, meine, die des lesers/der leserin.

ganz im sinne des autors.
eine agenda zur veränderung.

Agenda Menschenrechte CoverJosef P. Mautner
Agenda Menschenrechte
Notizen zum politischen Proceß
ISBN 978-3-99014-086-4, 96 S., EUR 9,90
www.muerysalzmann.at

veranstaltungshinweis:
5. november 2013, 19 uhr, literaturhaus salzburg
buchpräsentation: agenda menschenrechte
mit
ute bock
josef p. mautner
mona müry, verlegerin
musik: günther marchner, bernhard spiss