betroffenheit und empörung sind gewollt

die medienberichte über die „nun tatsächlich“ stattgefundenen abschiebungen von bestens integrierten menschen lassen bei manchen ratlosigkeit erkennen, bei anderen grosse enttäuschung. ob zweifacher staatsmeister, der seit 7 jahren bestens integriert im land salzburg lebt oder eine familie mit vier kindern: „der neue fpö-innenminister herbert kickl macht ernst.“ so schreibt puls4 in den news.

in den social media schlagen diese unmenschlichkeiten grosse wellen. proteste, verzweifelte aufrufe, appelle an die menschlichkeit. alles umsonst.

ja genau. alles umsonst. und genau so soll es sein.

es ist das kalkül der rechten, sich genau solche fälle rauszusuchen, die „die volle härte des fremdengesetzes“ und dessen exekution vorführen. jeder aufschrei, jeder protest wird so zum ungewollten verstärker der erfolgsstory der rechtsextremen regierungsmitglieder.

es gäbe wahrlich andere fälle, wo es schwer vorstellbar wäre, dass sich breite solidarität und grosse sympathie für die deportierten auftut. aber solche abschiebungen würden dann längst nicht jene mediale aufmerksamkeit erlangen, wie die heutigen.

das dilemma ist unausweichlich. denn was könnte die alternative sein? kein protest? kein aufschrei? kein aufzeigen der wahnsinnigkeiten? kein hilferuf an den (schweigenden) bundespräsidenten? kein kritisches hinterfragen der sinnhaftigkeit? kein aufmerksam machen auf kinderrechte und menschenrechte? wohl kaum.

das dilemma zwingt zum widerstand, im bewusstsein, dass die rechten jeden aufschrei als wohltuende bestätigung für ihre untaten werten werden. regierungstreue medien werden dann noch mehr über die „erfolge“ berichten, weil die aufmerksankeit hochkocht.

das dilemma bleibt ein solches, auch wenn wir wissen, dass die xenophoben sich dadurch nur noch mehr an den verschleppten kindern und verstossenen unschuldigen aufgeilen können. der mob wird immer grössere opfer fordern, immer brutalere übergriffe, immer noch perversere vergehen gegen die menschlichkeit.

das muss ein ende haben. so bald wie nur irgendmöglich. schweigen kann keine lösung sein. einfach hinnehmen ebensowenig.weder für die menschen in der politik, noch für jene, die noch an die chance einer menschlichen gesellschaft glauben.

auch wenn wir feststellen müssen:
betroffenheit und empörung sind gewollt

 

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bild: screenshot puls4news bearbeitet

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

2 Kommentare

  1. Irgendwie wünsch ich mir ja einen nie dagewesenen Akt des van der Bellen: Nämlich, dass er die Regierung wegen „Wirken zum Schaden der Österreichischen Bevölkerung und Schädigung des Ansehens Österreichs in der Welt“ abberuft.
    [„Man wird doch noch träumen dürfen… man wird doch noch TRÄUMEN dürfen“ (Prof. Hubert Farnsworth, 3002)]

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  2. Sehr geehrter Herr Jenny,

    Sie schreiben mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der eine brauchbare Alternative vorzuschlagen hat. Nachdem ich nun einige Ihrer Äusserungen zu dem Themenkreis gelesen habe, zeichnet sich vor meinen Augen auch ein Bild dieser propagierten Alternative ab (korrigieren Sie mich bitte, sollte ich mich täuschen):

    Eine Politik der Menschlichkeit.

    Sie bezeichnen – im Rahmen des geltenden Rechts durchgeführte – Abschiebungen als „untaten“. Unabhängig davon, dass ich Ihre Wut und Empörung prinzipiell nachvollziehen kann: sind Sie prinzipiell dagegen, dass geltendes Recht auch exekutiert wird?

    Eine Politik die niemandem wehtut.

    Da ich das nicht annehme, unter welchen Umständen, sollte geltendes Recht dann nicht exekutiert werden? Wenn es jemandem Schadet? Leider verhält es sich nun mal so, dass des einen Freiheit des anderen Verantwortung ist und man nicht um das Dilemma herumkommt. Eine gesinnungsethische Legislative/Exekutive wie Sie sie vorschlagen, würde – zuende gedacht – zu interessanten Ergebnissen führen. Wer entscheidet, wann Recht zur Anwendung kommt? Sie? Die Poster des Standard-Forums? Die Kirche? Die Betroffenen?

    Ich bin weder „xenophob“ noch „geile“ ich mich an Abschiebungen auf, aber die Tatsache, dass Sie mich ohne mit der Wimper zu zucken in diese Schubladen stecken würden, gibt mir zu denken. Wären Sie an einer ernsthaften Debatte interessiert, dann sollten Sie

    1) aufhören Menschen mit einer anderen Meinung permanent mit Pejorativen zu belegen.
    2) Ihre Ideen sortieren und zuende denken.
    3) Argumente statt Betroffenheit auf den (Diskussions-)Tisch legen.

    Ich empfehle mich mit besten Grüssen
    JW

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