radikalisierung würde klarheit schaffen.

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es war zu befürchten. kaum lassen die braunen die dreckige ratte aus dem sack, dass sie auch im kommenden wahlkampf wieder auf die hetze gegen menschen setzen, werden die profilierungsversuche der derzeitig machthabenden, sich auch als sadistisch und rassistisch zu profilieren, zunehmen. ein wetteifer treibt an, wer wohl zynischer, brutaler und kälter agieren kann, die einen braunen mit dem blauen tarnkäppchen, die anderen braunen mit schwarzem tarnkäppchen oder gar mit amtstarnkäppchen. „lasst sie uns jagen, die menschen, die keinem leid tun sollen, lasst sie uns verjagen, die bakterieneinschlepperInnen, die arbeitsplatzwegnehmerInnen, die sozialbetrügerInnen, diebInnen und schwerkriminelle.“

selbst wenn der tod droht, interessiert das nicht. das leben wird zerstört. familien werden sehende auges an die klippen gedrängt, von denen es nur einen absturz geben kann. manche würden wohl gerne noch zusehen, wenn es dann so weit ist, mit dem runterfallen, mit dem aufprall, mit dem zerplatzen. dann sind sie endlich dort, wohin die ewigbraunen sie immer schon haben wollten.

das kollektive verbrechen abschiebung, deportation ist erschütternd. wieviele mehr oder weniger beteiligte da wegsehen, nicht so genau wissen wollen, akten so oder so interpretieren, den hardlinerInnen im amt frei hand lassen und damit sich mitschuldig machen, das ist eine finstere moralische dunkelziffer unseres staates.

die erwähnung der menschenrechte verkommt zu einem schüchternen „aber da wäre doch was“-aufbegehren, das kaum gehört wird.

wer nicht will, dass solche verbrechen weiter zur traurigen serie in unserer gesellschaft werden, wer nicht will, dass sich der fremdenhass in serie fortsetzt, wird scheitern, wenn die angst vor einer radikalisierung lähmt.

doch wer für menschenrechte eintreten will, wird in dieser gesellschaft ohne radikalisierung nicht weiter kommen. tränen und transparente sind angesichts des kalten zynismus der ämter, behörden und ministerien viel zu geduldig.

selbst wenn die rassistInnen eine mehrheit wären (oder sind?), darf der kampf für die unteilbaren gleichen rechte für alle menschen dieser welt niemals aufgegeben werden. es gilt ein umdenken zu erlangen bei alljenen, die noch immer glauben, dass es eine sache der individuellen beurteilung wäre, ob eine deportation gerechtfertigt ist, oder nicht. es gilt, aufzuklären, dass es das nicht gibt. es gilt, jene wach zu rütteln, die glauben, sie wüssten noch zu wenig, um eine eindeutige meinung zu deportationen zu haben.

es ist nicht mehr zu akzeptieren, über „richtige“ und „falsche“, über „zumutbare“ und „unzumutbare“ deportationen zu verhandeln. so wie es keine eventuell akzeptable vergewaltigung gibt, gibt es auch keine annehmbare abschiebung. so wie es keine unter umständen richtige todesstrafe gibt, gibt es auch keine auszuhandelnde deportation.

alle menschen sollen leben und bleiben wo sie wollen.
radikal.
alle abschiebungen sind zu stoppen.

radikalisierung würde klarheit schaffen.

______
foto: rødt nytt – creative commons

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Über bernhardjenny

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6 Kommentare

  1. Konrad

    Von meiner mutter habe ich erfahren, dass uns 1945 im auffanglager sombor/serbien ein schutzengel in person einer partisanin begegnet ist: Die hatte nämlich die überkleider und die schuhe meiner mutter an. Meine schwester – damals 10 jahre alt – stellte dies so laut fest, dass diese partisanin es gehört hat. Zum entsetzen meiner mutter fragte sie nach, ob das stimme – zum verständnis, wenn die patrisanin meine mutter oder uns alle erschossen hätte, um sich die sachen behlten zu können, hätte wohl kein mensch mehr nach uns gefragt – meine mutter antwortete, dass dies zwar richtig sei, aber sie solle sich die sachen behalten und sie mit ihren 3 kindern weiter ziehen lassen. Die Partisanin bat meine mutter, ihre sachen wieder zurückzunehmen, da sie in ihrem weiteren leben keinen frieden mehr finden könne, wenn eine mutter in der februarkälte den tod finden sollte, weil sie deren kleider und schuhe sich angeeignet hat.

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  2. Ist die Lage wirtschaftlich schlecht und gibt es viele Arbeitslosen ensteht der Eindruck: „Das Boot ist voll, es ist nur noch Platz für die unsrigen an Bord!“
    Da ich von Herz und Seele links-liberaler Pirat bin und die echten Piraten zur Zeit der Kolonialisierung der Seefahrer Staaten ihre sehr flache Hiercharchie nach Fähigkeiten und Fertigkeiten bildeten und bei der Auswahl ihrer Mannschaft (oder Frauschaft) für ihre gewinnbringenden Unternehmungen weder Rasse, Herkunft, Religion, Geschlecht irgendwie speziell berücksichtigten, sind mir solche xenophobien Schandtaten einmal prinzipiell zu unliberal.
    Eine reife Gesellschaft achtet die Menschenrechte und versucht durch Leistung unter Beteiligung aller Teile der Gesellschaft, die eine Leistung für die Gesellschaft erbringen können (das sind sehr viele), die Situation und die Umstände so zu ändern, dass genügend Ressourcen für alle da sind.
    In Europa wird aber zurzeit die Leistungserbringen von Menschen für die Gesellschaft subtil torpediert und Leistung in Form von Arbeit in der Realwirtschaft wird über alle Maßen hoch im Vergleich zu anderen leistungslosen Einkünften besteuert. Ich bin kein Austeritätsfan, wenn der Staat als Servicedienstleister leistungsstarken Bürgerservice bietet und für diese Leistung, die Verwaltung, die Unabhängigkeit von Polizei und Justiz auch Geld benötigt. Allerdings haben sich die Beamten in aristokratischer Manier Patrizierprivilegien teilweise für sich selbst gesichert. (z.B. üppige Ruhegenüsse entgegen den Menschrechten durch die Erkenntnisse der obersten nationalen Gerichtshöfe mit Verfassungsrang legitimiert; das ist auch kein Zeichen einer reifen Gesellschaft, das entspricht eher dem mittelalterlichen feudalen Lehensystem, obwohl im Mittelalter von leibeigenen Bauern nur 10% von der Ernte als Zehent kassiert wurde; Im Gegensatz zu heute versuchten die Leibeigenen durch Stadluft ihre Freiheit zu gewinnen bzw. zettelten ab und zu Bauernaufstände an.)

    Bis auf die Piraten und NEOS schützen alle anderen Parteien diese leistungslosen Privilegien der Beamtenschaft oder der Banken selbst in solch wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie heute.

    Aller Parlementsparteien sind ebenso mitverantwortlich durch ihr Handeln und Nicht-Handeln für diese Situation, sie deportieren zwar nur inoffiziell und mit einem Gefühl von Scham und Schuld, sie unternehmen aber dennoch nichts dafür, dass die Menschen wieder mehr für die Gesellschaft Leistungen erbringen.

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  3. Elisabeth

    Du hast völlig recht. Jede Abschiebung verstösst gegen die Menschenrechte. Dass diese noch unseren Regierenden erklärt werden müssen, ist schrecklich. Und spielt den Rechten in die Hände.

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  4. Susanne Scholl: „Ein Einsehen gab es erst, als die Sache öffentlich, der Protest groß und laut wurde – und das österreichische Konsulat in der armenischen Hauptstadt die Geschichte des Mannes und die Gefährdung für ihn und seine Familie bestätigte.“

    http://www.salzburg.com/nachrichten/kolumne/scholls-welt/sn/artikel/warum-schiebt-oesterreich-in-undemokratische-laender-ab-60726/

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