wir trauern um reza haidari

ein junger mensch flieht aus dem krieg.
ein junger mensch hofft auf überleben.

auf der flucht erlebt er weitere grausamkeiten.
er wird missbraucht und muss weiter flüchten.

er landet schliesslich in unserem land.
geflüchtet, missbraucht, wieder geflüchtet, schutz suchend.

er spricht es sogar aus. das schreckliche.
aber er wird nicht gehört.

schutzsuchende sind bei uns verdächtig. kriminell.
aber keine jungen menschen.
keine missbrauchsopfer.
keine kriegsopfer.
sondern abzuschiebende.
weg mit denen.

ein junger mensch wird nicht mehr fertig.
er ist traumatisiert.
er ist am ende.

wir sehen zu.
amtlich.
wir legen akten an.

während der junge mensch zum strick greift
diskutieren wir alter, zuständigkeit, motive

während sich die schlinge zuzieht
schauen wir weg

während er mit dem tod ringt
wird die öffentlichkeit nicht informiert

wenn er dann tot ist
erfährt niemand davon

unsere asylpolitik ist zynisch.
unsere asylpolitik ist tödlich.

eine rücktrittsforderung an die verantwortlichen
wird zuwenig sein.

__________
foto: no way out (.nothing mind creative commons)

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

13 Kommentare

  1. es ist einfach nur erschütternd,
    dass so etwas möglich ist.

    hier der artikel im falter
    http://www.falter.at/web/prin/detail.php?id=1225

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  2. Secory

    Da könnt ja jeder kommen und sagen, er wäre missbraucht worden. Dass man keine großen Gespräche mehr führt wenn schon Aufenthaltsverbot besteht, ist auch verständlich.

    Außerdem, wenn das schon ein so ernstes „Blog“ sein soll, könnte man durchaus auch Großbuchstaben verwenden.

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  3. der_japaner

    mir sind die großbuchstaben angesichts dieser für unsere gesellschaft mittlerweile typische tragödie scheißegal. dieses wesen secory steht mit seinem zwanghaften verhalten stellvertretend für die zuschauer, wenn ich hillbergs dreigestirn „täter, opfer, zuschauer“ an dieses drama anlege.

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  4. Adolf

    …..host in der prawda eh schön werbung für dein unternehmen gemacht. *krokodilstränen wein*

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  5. Secory

    Ich verbitte mir die Bezeichnung meiner Person als „Wesen“ und sehe außerdem nicht, wieso man mein Verhalten als „zwanghaft“ bezeichnen könnte.

    Einzelne Schicksale mögen zwar mitunter traurig und bewegend sein und ein schlechtes Licht auf unsere Gesellschaft werfen, in Summe leben wir jedoch zu einer großartigen Zeit. Noch nie ging es so vielen Menschen so gut. Dass nicht alles perfekt ist, ist auch klar und daran soll man auch arbeiten.

    Mich stören lediglich Personen, welche nur die negativen Seiten sehen und ihr Leben mit Jammern verbringen anstatt sich daran zu erfreuen. Hin und wieder begebe ich mich in eure Welt und versuche zu helfen, es ist aber eine sehr depremierende Welt da unten im „Jammersumpf“.

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    • hrogra

      lieber secory. ich verbringe mein leben nicht mit jammern. genausowenig tut dies ein bernhard jenny. ganz im gegenteil. wir leben ein sehr lustvolles leben. ein soziales leben. ein leben, bei dem hinschauen und nicht wegschauen gefragt ist. auf das schöne. das weniger schöne. das hässliche. und, noch nie nach dem 2. weltkrieg ist es so vielen menschen so schlecht gegangen, wie heute. leben in österreich 15% der einwohner an oder unter der armutsgrenze. öffnet sich weltweit die schere zwischen arm und reich immer weiter. und: den wohl vermeitbaren tod eines jungen menschen als traurigen zwischenfall zu bezeichnen ist entweder zynisch oder gefühllos oder schlicht dumm. ich weiss nicht, ob sie kinder haben. aber stellen sie sich vor, eines ihrer vielleicht vorhandenen kinder würde in den mühlen der justiz vermahlen. ein trauriger zwischenfall in einer doch so tollen gesellschaft? oder anlass, die stimme zu erheben? weit entfernt von jammern.
      schönrednerInnen haben wir in unserem land und auf der ganzen welt genug. kritische und manchmal anklagende stimmen sind jedoch mangelware. toll, dass es diesen blog gibt!

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      • Secory

        Wievielen Menschen es gut geht oder schlecht könnten wir jetzt noch mit diversen Statistiken ausstreiten aber das führt zu nichts.

        Wir scheinen wohl diesen Fall speziell „etwas“ anders zu interpretieren und ich kann es durchaus dabei belassen. Vielleicht sehen wir uns mal wieder und harmonieren dann etwas besser, würde mich freuen.

        Sollte Sie meine Meinung weitergehend interessieren, bitte ich meine Antwort auf Sabines Beitrag zu beachten.

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  6. Sabine

    secory und co. sind sicher Trolle, denen es einfach gefällt, Menschen zu provozieren und irgendwie unmögliche Dinge von sich zu geben. Gerade dann, wenn es besonders geschmacklos ist, sind es solche Typen.

    Zur Sache selbst: Irgendwie denke ich, dass vor 30 Jahren noch ein Politiker zurücktreten hätte müssen, wenn in seinem Verantwortungsbereich es zu solchen Todesfällen kommt (ist ja nicht nur einmal passiert!), aber heutzutage ist es einfach möglich, so etwas auszusitzen. Daran haben wir uns schon gewöhnt.

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    • Secory

      Das ist das schöne am Internet. Wenn einem eine andere Meinung nicht gefällt, kann man immer noch sagen: „Das ist ein Troll. Der will nur provozieren“.

      Ich finde nur, man muss nicht bei jedem Zwischenfall alles in Frage stellen. Es werden immer wieder schlimme Dinge geschehen aber nicht immer ist gleich die gesamte Gesellschaft und „das System“ zu verdammen.

      In diesem Fall sehe ich nichteinmal einen Fehler bei irgendwelchen Verantwortlichen. So wie es in den Medien dargestellt wurde, bestand für diesen Mann bereits ein Aufenthaltsverbot. Dass er das erste mal abgelehnt wurde, hat ganz sicher einen Grund gehabt bzw. hatte er wohl keinen zwingenden Grund aufgenommen zu werden. Wenn er dann wieder kommt, hat er nicht viel zu erwarten. Auch wenn es nicht viel ändert, laut Berichten hat er von seiner Vergewaltigung nichts erzählt.

      Und wenn man dann hier Fakten verdreht oder unterschlägt nur um einen besonders dramatischen Fall, der den Niedergang der Gesellschaft repräsentieren soll zu erhalten, fühle ich mich veranlasst ein paar Zeilen zu schreiben.

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      • Sabine

        Finden Sie es nicht beschämend, den Tod(!) eines Menschen (unabhängig von Herkunft, Alter, Rechtslage) innerhalb unseres Rechtssystems zu rechtfertigen?

        Nichts, aber auch gar nichts kann entschuldigen, dass ein offenbar schwer traumatisierter junger Mensch mit seiner psychischen Not einfach allein gelassen wird!

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  7. Secory

    Ich versuche keinesfalls den Tod des Menschen zu rechtfertigen. Ich versuche nur „das System“, die Gesellschaft und die darin handelnden Personen zu rechtfertigen. Tragödien passieren und sind oft nicht zu verhindern. Eine psychische Not muss man erstmal erkennen, dann noch bei jemanden der vielleicht nicht perfekt Deutsch spricht und in einer ohnehin (auch ohne Vergewaltigungs-Vergangenheit) nicht angenehmen Situation ist.

    Ich sehe außerdem das Risiko, dass wenn man jemandem Asyl gewährt weil er sagt, dass er Vergewaltigt wurde, künftig eine Vielzahl von Asylwerbern ähnliche Geschichten hätten. Dann bräuchte man für jeden ein psychologisches Gutachten und die Kosten würden explodieren (schöner Einstiegspunkt für Kritiker meiner Beiträge: „wieviel ist ein Menschenleben wert …“, nur als Tipp).

    Es gibt viele Fälle von Mord/Selbstmord wo die handelnden Personen mitten unter uns leben und man wirklich etwas hätte dagegen tun können. Dieser spezielle Fall war schier unvermeidlich und mich stört der scheinheilige Zirkus der hier darum veranstaltet wird.

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    • Der Mord beginnt ja schon mit der Geburt. Es ist ein Fehler in unserem System, wenn Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen. Wir tragen hier eine kollektive Verantwortung und wenn wir schon unseren Lebensstil nicht verändern wollen (weil wir zu faul dazu sind!), dann ist es nur noch der letzte Rest von verbleibendem Anstand, Flüchtlinge entsprechend human zu behandeln. Dieser Selbstmord ist vermeindlich gewesen, weil unser Lebensstil ohne weiteres geändert werden könnte. Sich über diesen Mord aufzuregen ist keineswegs scheinheilig, sondern sind Zeugnisse der letzten Reste Humanismus in unserer Zivilisation!

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  8. mir wird ehrlich gesagt kotzübel, wenn ich von „system rechtfertigen“ usw. lese. und ich heisse jeden menschen willkommen, der bei uns schutz sucht. das ist meiner meinung nach eine moralische verantwortung.

    denn es ist unser „system“, das genau die misstände, vor denen diese menschen fliehen, verursacht. uns geht es hier u.a. auch so gut, weil unser „system“ höchst egoistisch agiert und dabei die not vieler anderer „in kauf“ nimmt (im wahrsten sinne des wortes)!

    ich sehe also das risiko, dass wir vor lauter profitgier entmenschlicht werden, uns zu handlangern eines „systems“ machen, das viele menschen gefährdet.

    viele glauben, damit einen vielleicht einmal erreichbaren persönlichen profit verteidigen zu können, in wirklichkeit werden sie davon abgelenkt, wahrzunehmen, dass es nur sehr wenige – ganz oben in unserem „system“ – sind, die sich auf kosten der anderen bereichern.

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