„die bettler“ – verjagen oder begrüssen?

jphintze creative commons

der aktuelle fall einer privatrazzia einer sicherheitsfirma in einem leerstehenden haus in salzburg (bericht krone) muss uns – wie alle anderen vorfälle dieser art – zum nachdenken bringen:

diverse zeltlager in stadtnahen wäldern wurden bereits im frühjahr amtswegig aufgelöst, nächtliche bzw. frühmorgentliche razzien mit möglichst brutalem vorgehen sollten abschrecken. auf der suche nach alternativen sind die vertriebenen offensichtlich auf leerstehende häuser gestossen, die nun wiederum geräumt werden.

dr. michael haybäck vom städtischen ordnungsamt betonte gegenüber der presse immer wieder, dass er „die stadt salzburg schützen“ müsse. konsequent weitergedacht heisst dies, dass nun jede gemeinde und jede stadt einen vertreibungstrupp (polizei oder private sicherheitsbanden) beauftragen muss, um „die bettler“ von a nach b und dann nach c und weiter nach d uns immer so weiter zu vertreiben. ein vertreibungswettbewerb entscheidet dann, welche gemeinde am ende am wenigsten brutal vertrieben hat und deshalb „die bettler“ beherbergen muss. menschenjagd als volkssport, durchaus geeignet, als livesoap um 15 uhr gesendet zu werden. gehts noch?

wir müssen umdenken:

schluss mit der diskriminierenden sprache und pauschalen diffamierungen: „die bettler“, „die sippe“ usw. sind unzulässiges schüren alter feindbilder.

schluss mit menschenjagd und vertreibung: kein mensch ist illegal. auch bettelnde menschen, arme menschen, menschen, die sich aus verständlichen gründen in die nähe der grössten reichtümer dieser welt bewegen, haben ihre höchstpersönlichen rechte. und dazu gehört das recht menschlich behandelt zu werden.

jede gemeinde, jede stadt täte gut daran, diese menschen aufzunehmen, statt sie zu vertreiben. ihnen einen platz mit einfachster infrastruktur (wasser und toilettenanlagen) zur verfügung zu stellen. und mit den menschen in kontakt zu treten.

was würden wir verlieren?

foto: jphintze creative commons

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

7 Kommentare

  1. Menschen, die auf andere Menschen angewiesen sollen auch das Recht haben, bleiben zu können und sich, mit welcher Art auch immer, ihr Leben finanzieren dürfen.

    Menschen, die aber die Armut anderer vortäuschen und ausnützen, also im schlimmsten Fall bandenmässig das „Betteln“ betreiben, sollte das Handwerk gelegt werden.

    Aber wie erkennen?

    Grundsätzlich denke ich, dass Menschen, so lange sie nicht aufdringlich, bedrohlich werden, sitzen, stehen oder gehen dürfen, wo sie wollen.

    Dass sich natürlich so manches nicht mit dem (angestrebten) Image einer „Weltstadt“ (…der Festspiele) verträgt, liegt auf der Hand. Wer mal in der Slowakei war, also gar nicht so weit östlich von Wien, findet die hier ausgegrenzten Menschen in jedem Ort, in jeder Stadt.

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    • lieber reisemosaik, wie kommt es dazu, dass du diesen unterschied an den beginn deines kommentars stellst. ist der unterschied, den du machst und uns anbietest und also vorab strukturierst, ist es der relevanteste punkt dieser ganzen problematik? ist es das umundauf, worum es hier zuerst geht? in deinen augen?

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  2. == Armutsfaschismus ==

    Wo sind wir hingekommen, dass im Supermarkt selbst über dem Brotregal steht: „Diebstahl wird ausnahmslos zur Anzeige gebracht“

    Andere können sich kein Bleibe leisten.

    Armut bekämpfen, nicht Arme!

    Warum gilt „Wohlstand für alle“ für immer weniger, und sind das wirklich alle geborene (Halb)Kriminelle oder faule Schmarotzer?

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  3. hrogra

    jede(r) von uns kann schon morgen zur bettlerIn werden.
    verstossen vom eigenen schicksal.
    ausgespuckt von der sogenannten leistungsgesellschaft.
    bettlerInnen.
    so oder auch als verzeifeltes opfer einer NICHT-tolerierbaren mafia, die mit diesen schicksalen millionenGESCHÄFTE macht.
    einfach: hinfort mit all diesen missgeburten.
    wegspühlen mit hochdruckstrahl aus dem fabelbild der provinziellen festspielMETROPOLE.
    fektorisieren ins NICHTS.
    schwerer: erkennen. unterscheiden. identifizieren.
    auswege bieten aus der bettelPROSTITUTION.
    sozial integrieren.
    macht arbeit.
    kostet.
    aber weniger, als in dem olympiaSUMPF versunken ist.
    srahlt aber nicht so.
    wir mit AUDIluxusFLOTTE brauchen nicht betteln.
    also: weg mit denen.

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  4. Susi

    Ich kann mir dieses Gutmenschentum nicht mehr anhören – diese Leute (Bettler soll man ja lt ihrem Artikel nicht mehr sagen – warum eigentlich ? Sie machen ja genau das, nämlich betteln )werden alle von der Mafia ausgesetzt
    am Morgen und am Abend wieder eingesammelt ! Übrigens das selbe Auto das auch die Mädchen nachts in die bekannten Straßen bringt !
    Man hilft nicht den Menschen – man unterstützt die Mafia – nur glauben das diverse Linke noch nicht vor lauter “ gut “ sein !

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    • na susi, superschnelle reaktion so auf einen artikel aus dem jahre 2010. aber hast schon recht, die hetze auf die armutsreisenden nimmt kein ende und ist nun viel massiver geworden. ich kann dir nur recht geben: diese auto, das ist das problem. dieses auto der mafiabosse – da sitzen mindestens 3 bosse in der ersten reihe und hinten im kofferraum haben sie an die 77 bettler_innen und 99 prostituierte. vermutlich, das kann noch niemand beweisen, kommen auch die dreckigen freier aus diesem auto. also. suchen wir doch das auto und zeigen wir es an wegen überladung, mehrfachnutzung und überhaupt wo kommen wir hin. aber die gutmenschen wollen dieses auto einfach nicht finden. sowas aber auch. also such.

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