der skandal heisst nicht jung, sondern krieg

mit berechtigung sind viele empört, wie da scheibchenweise aus verschwiegenen fakten, lügen sogar, langsam zugegebene halbwahrheiten und erschütternde wahrheiten werden. die rücktritte von diversen verantwortlichen nach der bombardierung von zivilisten in kundus scheinen da nur konsequent zu sein. doch ungeachtet der noch nicht geklärten frage, ob nicht auch die regierungsspitze viel mehr wusste, als sie bislang zugibt, ist der skandal in wirklichkeit ganz ein anderer.

wir müssen zur kenntnis nehmen, wie unglaublich schnell menschenleben als feindesleben – und damit jederzeit umzubringen – klassifiziert werden kann, wie grau die grenze zwischen zivilisten, sympathisanten und aufständischen ist und wie dreckig dieses handwerk namens krieg ist.

war es in den letzten wochen noch eine errungenschaft, einen krieg endlich beim namen nennen zu dürfen, so müssen wir uns jetzt fragen, ob es unserer werteordnung, unserer philosophie entsprechen kann, uns europäerInnen an einem krieg beteiligen zu lassen, den eine krankhafte marionette wohl im sinne von waffenlobby und schamlosen geschäftemachern angefacht hat.

wir müssen zur kenntnis nehmen, dass der blutige dreck des krieges nun bis in die regierung spritzt und spätestens jetzt müssen wir anfangen mit dem aufhören. jede bombe radikalisiert, egal von welcher seite sie gelegt oder geworfen wird.

wir müssen uns dringend etwas anderes einfallen lassen, als kriege zu führen. kriege sind niemals sauber, niemals gerecht und waren noch nie die lösung. solange uns nichts anderes einfällt, klebt blut an unseren fernsteuerungen, bildschirmen und damit auch an unseren händen.

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

8 Kommentare

  1. So haben einstmals schon die Vietnam-Gegner gesprochen. Schönsprech ist zu wenig! Schickt eure Söhne zum Zivildienst und betet um geistigen Beistand von Franz Jägerstätter!.

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    • du willst vermutlich gar nicht wissen, wie sehr du mit deinem kommentar den nagel auf den kopf getroffen hast: alle meiner drei söhne haben so wie ich selbst natürlich zivildienst geleistet und dabei wesentlich sinnvoller ihr junges leben verbracht, als viele präsenzdiener.

      das leben und ermordet werden von franz jägerstätter war für mich selbst der endgültige auslöser, sicher nie einen wehrdienst zu absolvieren. dieser entschluss stand für mich zu einem zeitpunkt fest, wo ich noch nicht sicher sein konnte, ob es eine möglichkeit für einen „ersatzdienst“ (damals mit der absolut nicht akzeptablen gewissenprüfung!!!) überhaupt geben wird. aber ich hätte auch eine haftstrafe in kauf genommen, anstelle das morden der angeblich „richtigen“ zu lernen.

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  2. Aber ein Land der Unterdrückung durch religiöse Fanatiker wie den Taliban zu überlassen ist mit Deiner Werteordnung und Philosophie vereinbar?

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    • der religiöse fanatiker bush hat unterdrückung, krieg und daraus resultierende gigantische gewinne veranstaltet.

      dass taliban für uns schon unmerklich automatisch gleichzusetzen ist mit verbrecher, unterdrücker, terrorist ist das resultat einer riesen propaganda.

      aber selbstverständlich will ich keine art von unterdrückung, aus welchen motiven auch immer dulden und wir müssen dagegegen massiv auftreten.

      für mich sind die menschenrechte die absolute richtschnur für alles handeln. und unsere angeblich grossen zivilisationen sollten schon lange aktive friedensarbeit erlernt haben und nicht machtinteressen mit bomben verbreiten. solches dann auch noch „im sinne des weltfriedens“ zu bezeichnen ist nur zynisch.

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      • Die Gräueltaten der Taliban sind sehr gut dokumentiert – u.A. auch deswegen, weil sie diese ja nicht leugnen. Siehe z.B. auch Revolutionary Association of the Women of Afghanistan (RAWA) (Webseite scheint im Augenblick nicht zu funktionieren).

        Grundsätzlich ist es natürlich verständlich, dass man mit Krieg nichts zu tun haben will, da es immer unschuldige Opfer gibt. Aber gerade uns als Österreicher (und Deutsche) sollte klar sein, dass Krieg doch manchmal gerecht sein kann und die richtige Lösung ist.

        Leider habe ich den Verdacht, dass etliche von denen, die den Rückzug der NATO aus Afghanistan wollen, in Wirklichkeit nur wollen, dass sie nicht täglich in den Medien mit dem Leiden der afghanischen Bevölkerung konfrontiert werden. Und die Lösung wäre eine Rückkehr zum Zustand vor 2001 – also dem stillen Leiden der Afghanen unter den Taliban, praktisch ohne Medieninteresse.

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    • Manuel

      Lieber Michael,

      du vergisst wer den Taliban zu ihrer Macht verholfen hat, wer ihnen die Waffen verkauft und ihre Miliz ausgebildet hat. Nämlich genau die Gleichen wie, diejenigen die sie jetzt als Terroristen bezeichnen! Du glaubst es nicht, na dann mach dich mal schlau wer die Taliban finanziert und ihnen zur Macht verholfen hat!

      Und der religiöse Fanatiker Namens Papst, welcher im Namen eines dubiosen Gottes hundertausende, wenn nicht noch mehr Menschen auf dem Gewissen hat. Wer ist den für diese Morderei, Folter und Unterdrückung verantwortlich deiner Meinung nach?
      Religionen waren und sind nach wie vor Hauptauslöser für Kriege!

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      • @Manuel: Dass die USA den afghanischen Widerstand gegen die UdSSR finanziert hat ist mir schon bekannt – aber das lässt sich jetzt nun mal nicht mehr ändern und ändert auch nichts an der Fragestellung, ob man Afghanistan den Taliban überlassen soll oder nicht.

        Und was hat das alles mit dem Papst zu tun?

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  3. Bernhard, ich bin ganz deiner Meinung. Ich kenne beide „Seiten“: 1. Sechs Monate als Sanitäter (also unter der „Flagge“ der Genfer Konvention) beim Grundwehrdinst (bei der kämpfenden Truppe hätte ich nie sein können, auch nicht in Friedenszeiten). 2. Vier Monate als zivildienstleistender Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. Was ich statt der 60 Tage „Truppenübungen“ machte.

    Ersteres hätte ich mir auch im Konfliktfall vorstellen können, wenn nicht das gewesen wäre, dass ich als „Soldat“, der ich als Sani trotzdem war (durch die Angelobung – die ich nicht mitsprechen konnte – entrechtetes Eigentum des Staates wäre), jederzeit zur kämpfenden Truppe umfunktionierbar gewesen wäre und kein Recht auf Verweigerung gehabt hätte.

    Bernhard, wir sind in den 60-ern und 70-ern im Bewusstsein aufgewachsen, dass jederzeit am Horizont ein Atompilz aufsteigen könnte (diese Gefahr ist heute auch noch lange nicht gebannt, sondern wird eigentlich immer wahrscheinlicher). Das hat mich zumindest sehr geprägt. So manches am idealistischen Pazifismus jüngerer Jahre teile ich heute nicht mehr ganz so blauäugig, weil den Realitäten der Gewalt und der Bosheit Schranken zu setzen sind, sehe ich manches heute differenzierter, als noch vor 30 Jahren.

    Polizeiarbeit und Staatsgewalt einer rechtsstaatlichen Ordnung auf Basis der Menschenrechte und Völkerrecht billige ich Notwehr und Schutz der Bevölkerung zu. In allerletzter Konsequenz (wenn es kein anderes Mittel mehr gibt) z.B. auch einen „finalen Schuss“ zu vollziehen, um z.B. Leben von Geiseln zu retten, kann ich befürworten.

    Genauso befürworte ich grundsätzlich eine auf Schutz ausgerichtete Landesverteidigung durch (auch) militärische, aber vor allem zivile Methoden, wie z.B. die von dir angesprochene aktive Friedensarbeit.

    Am Beispiel Kundus, sieht man, wie leicht aber, die Grenzen verschwimmenund, eins das andere ergibt.

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