feiere ich nationalfeiertag?

feiern!

dass sich endlich in der regierung die erkenntnis durchgesetzt hat, nun zur angemessenen begehung des festtages mehrere hundert menschen aus moria und anderen lagern aufzunehmen! 

dass wir ein statement der regierung hören durften, dass wir nichts verlieren, sondern nur gewinnen können, wenn wir angesichts der pandemie menschen aus schrecklichsten bedingungen herauszuholen!

dass ausserdem angesichts der pandemie ein grosses solidarprogramm beschlossen wurde, das für alle in unserem land lebenden menschen bedeutet, dass niemand um seine existenz fürchten muss!

dass spaltung und ausgrenzung ein ende haben und wir als solidargemeinschaft dieses land zu einem offenen, prosperierenden und ermutigenden ort des gemeinwohls gestalten, wo zukunft nicht nur ein schlagwort ist!

dass die soziale gleichst

dass die

dass

feiere ich nationalfeiertag?

feiertag?

einen nationalfeiertag habe ich noch nie gefeiert. die phonetische nähe allein schon des namens zu all den ungeistern, die die menschheit an keinem ort dieser einen welt weitergebracht haben, war mir immer schon unheimlich.

und wenn ich sehe, wer aller wo und wie, bei welcher gelegenheit vorschnell fahnenstoffe rausholt und demonstrativ zur ideologischen, romantisch trachtlerischen oder heftig militärischen differenzierung zwischen einem „wir“ und „denen da“ ermuntert, dann wird aus der phonetischen nähe eine ideologische.

daher ganz klar:
feiertag? nein!

allerdings, es gibt durchaus berechtigte gründe zu feiern. wenn ich an die wirklich zahlreichen menschen denke, die besonders in den letzten jahren aus unserem land einen ort der aufnahme, der gastfreundschaft, der offenheit und der wachsenden gemeinschaften werden liessen, dann ist das allemal ein grund zu feiern. zumal diese menschen vielleicht noch nie so oft und so zahlreich diffamiert, angepatzt und beschimpft wurden, wie in den letzten jahren.

hilfsbereitschaft, offene häuser und solidarische begegnungen wurden zu feindbildern in einer gesellschaft, die sich der ausgrenzung, der abschottung, dem kleinen, sehr kleinen weltbild verschrieben hat. hass und hetze haben unser land wieder fest in der hand, weil es wieder sein darf. nicht nur zugelassen, sondern sogar angefeuert.

die vielen menschen, die sich davon nicht beirren lassen, die nach wie vor sich für ein offenes, humanistisches und von einander lernendes land engagieren, sind es wert, gefeiert zu werden.

daher ganz klar:
feiertag? ja!

solidarität und gerechtigkeit. müssten gerade in einem der reichsten länder der welt selbstverständlich sein. oder ist es am ende der reichtum, der uns genau dieser selbverständlichkeit beraubt?

feiertag?

haaaaabt achttt! reeeeechts ummm! plumps!

foto: nulleffekt.net cc by-nc-sa

ein bundespräsident, ein kanzler, ein minister schreiten gemeinsam mit ein paar offizieren die lange linie der angetretenen rekruten (waren rekrutinnen dabei?) ab. ein bild nicht aus nachkriegsjahren, nicht aus bewältigungszeiten, nein, ein bild von heute, dem längstmöglichen nationalfeiertag. (25 stunden!)

ein bild, das ratlosigkeit ausdrückt. was feiern wir, wofür feiern wir, wer feiert eigentlich? ich nicht. der glaube an den weinachtsmann ist weg und an das militär ebenso. spätestens seit den eurofightern wissen wir, worum es eigentlich geht. um korruption. um verdienstmöglichkeiten höchst unverdienstvoller persönlichkeiten. und wer zahlts? genau. panzer auffahren lassen, junge burschen antreten lassen und marsch. ist das zeitgemäss? (disclaimer: wer jetzt einwerfen will, was ist mit dem katastrophenschutz, mit den einsätzen bei überschwemmungen, lawinen, schirennen…, denen sei gesagt, dass solche dienste kein militär brauchen, sondern eine hilfsorganisation wie rotes kreuz, samariterbund oder technischen hilfsdienst!)

ein modern denkender staat, eine regierung, die wirklich die zukunft im auge hätte, wäre fähig neue inhalte, neue bilder und neue formen des feierns zu entwickeln oder zumindest entwickeln zu lassen und sich dem hier und heute zu stellen. den heldenplatz und viele plätze im ganzen land mit phantasie bespielen. ein feiertag der zukunftsvisionen? einer der ganz und gar nicht an grosssüchtige massenkundgebungen dikatorischer systeme erinnert? sondern mit ideen inspiriert und weltweit aufmerksamkeit erregt? wäre das was?

das deserteursdenkmal hätte nicht verschämt am freitag, sondern heute eröffnet werden können! aber so? was nicht ist, ist nicht. militäraufmärsche und „leistungsschauen“ sind seit jeher das symbol dafür, dass wir nicht wirklich weitergekommen sind. was bleibt ist einfach nur peinlich.

haaaaabt achttt! reeeeechts ummm! plumps!

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foto: nulleffekt.net creative commons licence by-nc-sa