schluss mit religion.

presseschau foto: bernhard jenny

was in den letzten wochen und tagen wieder alles so hochkocht, wie sehr fundamentalistInnen ganze glaubensgemeinschaften für sich in anspruch nehmen und den anlass nutzen um zensur und mord im namen einer religion rechtfertigen wollen, das ist schon unglaublich genug.

aber noch viel unglaublicher ist die uneindeutigkeit so mancher sprecherInnen aus kirchen, politik und gesellschaft der „westlichen“ welt und damit die fahrlässige vernebelung des eigentlichen kernproblems.

es kann nicht angehen, dass ernsthaft über zensur und verbote, über beschränkungen der meinungsfreiheit und pressefreiheit diskutiert wird, um nur ja nicht den unmut irgendwelcher fundis zu provozieren. ich muss den film nicht im detail kennen, um vermuten zu können, dass es sich um billiges machwerk und primitive provokation handelt. der film ist auch nicht das, was es hier zu verteidigen gilt. es geht um viel mehr.

mord bleibt mord. und das ist immer ein verbrechen.

film bleibt film. den können die einen schlecht finden, die anderen können sich daran begeistern. wieder andere wollen ihn instrumentalisieren. wenn nun rechtsextreme zündler den film absichtlich als öl ins feuer giessen wollen, dann ist dagegen klar einzutreten. aber nicht gegen den film, sondern gegen die nazis und wie sie ihn benutzen wollen.

doch den randalierenden, morddrohenden, kopfgeldbietenden und freiheit abdrehenden fundis auch nur einen millimeter entgegenzukommen, bedeutet das zur disposition stellen jener freiheit, die die menschenrechte definieren.

ist eine morddrohung unter berufung auf eine „religion“ respektvoller zu behandeln als eine sekularisierte? hat die forderung nach zensur und internetsperre mehr berechtigung, wenn sie von religiösen fundis gestellt wird, als wenn sie atheistisch oder agnostisch hinterlegt ist?

dass „unsere“ fundis natürlich klammheimlich hoffen, dass mit den respektforderungen vor den drohungen der anderen auch die eigenen machtphantasien wieder mehr chancen auf befriedigung bekommen, verwundert nicht. ein grund mehr, besonders wachsam zu sein.

keine religiöse ausrichtung eines menschen (inklusive der nichtausrichtung) gibt das recht, die meinung der anderen zu zensieren oder gar mit morddrohungen zu ahnden.

keine religion kann menschenrechtsverletzungen rechtfertigen.
schluss mit religion als rechtfertigung für welches verbrechen auch immer.

ps. es gibt eine art, scheinbar „tolerant“ über andere religionen oder bekenntnisse zu reden, die in wirklichkeit nur gut getarnte islamophobismus, antisemitismus oder sonstige formen der intoleranz sind. viele selbsternannte wächterInnen von moral und ordnung transportieren  – verblümt oder unverblümt – ihre überzeugung, letztlich doch die einzige wahrheit zu besitzen.

offenes email an faymann, spindelegger, cap, kopf, pendl, amon

mailadressen ad untersuchungsausschuss

sie haben da was missverstanden.
ein untersuchungsausschuss
sucht nicht nur bei den unteren
schiesst auch niemanden raus
ein untersuchungsausschuss
sollte untersuchen
was im argen liegt

es gäbe viel zu untersuchen
sehr viel
aber sie diskreditieren die suchenden
und zeigen damit
schamlos
dass es wohl viel zu verbergen gibt
sie drehen untersuchungen ab
und outen sich damit
rücksichtslos
als korruptionsverdecker
als transparenzverhinderer
als aufklärungsgegner

und dass ich hier nicht gendern muss
dass die vertriebene vorsitzende eine frau
die hauptansprechpartner aber alle nur männer sind
ist reiner zufall

tun sie der demokratie
wenn sie noch wissen was das ist
einen gefallen
und erlauben sie einen neustart
des politischen systems

und stellen sie sich den untersuchungen
in vollem umfang
denn
wenn sie
die korruption zur privatsphäre erklären
verliert die demokratie
ihren schutz

gesendet an:

werner.faymann@bka.gv.at
michael.spindelegger@bmeia.gv.at
josef.cap@spoe.at
karlheinz.kopf@oevpklub.at
otto.pendl@spoe.at
werner.amon@oevp.at

staatssekretär verträgt keine menschen

inklusion überarbeitete grafik aus wikicommons

wenn ein integrationsstaatssekretär die segregation und exklusion als den weg predigt, wie adäquat mit kindern von migrantInnen umzugehen ist, dann sind entweder die wahlen nicht mehr weit oder kurz hat grundsätzlich den gedanken der integration und inklusion nicht verstanden.

weil aber beides der fall sein dürfte, ist auf längere zeit nichts besseres erwarten. es kommt – wie in vielen anderen bereichen – auf eine grundsatzentscheidung an: ist es uns menschen zuträglicher, wenn wir uns in richtige und falsche, in ordentlich sprechende und andere, in behinderte und nicht behinderte, in arme und reiche, in was weiss ich sonst noch für welche kathegorien trennen, auseinanderklabüsern und zerreissen lassen, oder sollte uns verbinden, was für uns alle zutreffen sollte, das menschsein.

auch wenn das manchmal sehr, wirklich sehr versteckt ist.

erschreckende berichte von abschiebung via schwechat

foto: bernhard jenny

vergangene woche wurden mehrere menschen nach nigeria abgeschoben. nur für einen einzigen wurde – wie in diesem blog berichtet – der albtraum buchstäblich in letzter minute beendet. inzwischen werden über die umstände der zwangsdeportation aus bisher unbestätigter aber für gewöhnlich bestens informierter quelle alarmierende details bekannt, die näher untersucht werden müssen.

  • die schubhäftlinge mussten sich angeblich „zur kontrolle“ insgesamt 3mal(!) (zweimal in der rossauerlände und noch einmal am flughafen schwechat) alle nackt ausziehen.
  • die schubhäftlinge sollen am flughafen dann auf die toilette geschickt worden sein, mit der begründung „im flugzeug gibts kein klo gehen“! wenn diese drohung wahr gemacht wurde, bedeutet dies über viele stunden schwere quälerei.
  • einer der schubhäftlinge soll offensichtlich in psychischem ausnahmezustand gewesen sein, was eine fortsetzung der „amtshandlung“ klar verbietet. es wird berichtet, dass er in panik sein gesicht mit seinem eigenen kot beschmierte, die polizisten sollen den schubhäftling mit einem wasserschlauch abgespritzt, dann mit handschellen gefesselt und an einen stuhl gekettet haben.

diese berichte sind mehr als beunruhigend und zeichnen ein nicht unbekanntes bild der menschenverachtenden vorgänge bei der zwangsdeportation. offensichtlich werden für derartige einsätze genau solche beamtInnen eingesetzt, die alles andere als zartbesaitet sind. für menschenrechtsverletzung braucht man schon eher die beamtInnen fürs grobe.

es muss dringend untersucht werden, wer die verantwortlichen für solche menschenrechtsverletzungen sind, wer diese deckt und wie oft sich solches ereignet. denn die dunkelziffer dieser schandtaten ist sehr hoch!

abschiebung ist verbrechen.

wir sind uns los.

polzeikontrolle foto: bernhard jenny

wir sichern unseren luxus indem wir uns immer ärmer machen.
wir leiden sehr unter unseren machenschaften.
wir lassen kriege gegen uns führen ohne uns selbst zu beteiligen.
wir werden kindersoldaten.
wir schreiben aus der ferne seitenweise berichte über unser land.
wir hungern, verhungern, kämpfen ums nackte überleben.
wir unterstützen diktatoren, die uns jagen und unterdrücken.
wir finden keinen ausweg.
wir machen unsere grenzen dicht.
wir müssen weg von hier.
wir wollen uns um jeden preis draussen halten.
wir suchen nur frieden, ruhe, sicherheit um zu leben.
wir stellen zäune auf, damit wir nicht drüberkommen.
wir laufen todesmärsche durch die wüste.
wir nutzen wärmebildkameras und satellitenbilder um uns zu finden.
wir steigen in verzweiflungsboote.
wir lassen uns kentern und beobachten uns beim ertrinken.
wir geraten in schwerste nöte und rufen uns um hilfe.

wir suchen uns.
wir müssen uns aber vor uns verstecken.
wir kennen unsere verstecke.
wir dürfen uns nicht erwischen lassen.
wir sehen eine gefahr in uns.
wir würden gerne bei uns bleiben.
wir finden uns herumirrend auf den strassen.

wir suchen um asyl bei uns an.
wir nehmen uns ein protokoll auf.
wir hoffen auf unser verständnis.
wir lehnen uns ab.
wir erheben einspruch gegen unser urteil.
wir beachten uns jahre nicht mehr.
wir dürfen nichts.
wir verbieten uns das arbeiten.
wir sind allein und haben hunger.
wir verbieten uns das betteln.
wir hoffen auf unsere baldige entscheidung für das bleiben.
wir entscheiden dann viel später über uns.
wir fürchten uns schon vor unserem bescheid.
wir lehnen uns nochmals und definitiv ab.
wir bekommen richtig angst.

wir suchen uns.
wir müssen uns aber vor uns verstecken.
wir kennen unserer verstecke.
wir dürfen uns von uns nicht erwischen lassen.
wir sehen eine gefahr in uns.
wir würden gerne bei uns bleiben.
wir finden uns herumirrend auf den strassen.

wir fürchten uns.
wir legen uns handschellen an.
wir verstehen die frechheiten, die wir uns sagen, kaum.
wir verhaften uns.
wir wissen nicht, was jetzt mit uns geschieht.
wir amtsbehandeln uns.
wir geben uns wieder einmal unsere fingerabdrücke.
wir nehmen uns in schubhaft.
wir verstehen nicht, was wir über uns sprechen.
wir ignorieren unsere todesangst.
wir verzweifeln an unserem umgang mit uns.
wir lassen keine gespräche mit uns zu.
wir hängen uns auf.
wir holen uns zu spät vom strick.
wir überleben knapp.
wir verheimlichen der öffentlichkeit, was mit uns geschehen ist.
wir sterben dann trotzdem von uns unbeaufsichtigt.
wir sind uns los.

wir verlieren oft den verstand in der haft.
wir lassen uns nackt in der zelle stehen.
wir bräuchten unsere hilfe ganz dringend.
wir drehen uns schon mal zum jux die heizung ab und dann zuviel auf.
wir verstehen nicht, warum wir mit uns so umgehen.
wir sehen uns erniedrigend zu wie wir uns den finger in jedes loch stecken.
wir sind schwerverbrecher, weil wir von weit weg zu uns kommen.
wir lassen uns nicht zu uns in die zelle.
wir unterschreiben gezwungenermassen etwas, was wir uns nicht übersetzen.
wir erklären uns lieber gar nichts.
wir hoffen, dass wir uns irgendwie doch noch da lassen.
wir bringen uns gewaltsam ausser landes.
wir werden von uns in lagerhallen weit draussen auf dem flugfeld gebracht.
wir schieben uns ab.
wir sehen uns niemals wieder.
wir sind uns los.

in letzter sekunde nachricht über aufenthaltsgenehmigung

abschiebung foto: bernhard jennyein einziger jener schubhäftlinge , die gestern nach schwechat gebracht wurden, um sie nach nigeria zu deportieren, (zufällig jener, über den wir gestern hier berichtet haben) hatte in buchstäblich letzter sekunde glück. ursula dumnoi vom verein schmetterlinge berichtet:

David war schon im Flugzeug als ein Polizist zu ihm kam und ihm ein Schreiben überreichte mit den Worten: „ du kannst wieder nach hause gehen!“ Er konnte es zunächst gar nicht glauben, aber die Tür ging für ihn auf und er konnte wieder österreichischen Boden betreten !! Um Mitternacht kam er wieder nach hause zu seiner Frau und seinem Kind ! Er bedankt sich bei allen, die sich für ihn eingesetzt haben und ist masslos glücklich, dass er von jetzt an legal hier leben darf ! Auch ich danke allen, die dazu beigetragen haben, dass David/K. hier bleiben kann !!!!

für alle anderen kam kein brief, kein bescheid, sie wurden deportiert.
allen menschen, die wir mit deportation bedrohen, widme ich meinen text wir sind uns los

expressabschiebung soll vater von mutter und kind trennen

wieder einmal erreicht mich eine eilmeldung vom verein schmetterlinge. es ist zu befürchten, dass mehrere menschen von einer noch für heute geplanten abschiebeaktion bedroht sind. die rede ist von bis zu 6 personen, die in der rossauerlände bereits auf die deportation warten müssen.

Bild

hier der originaltext von ursula dumnoi:

WIEDER SOLL EIN VATER ABGESCHOBEN WERDEN !

David aus Nigeria hat nichts falsch gemacht er hat sich nach dem für seine Situation gültigen Gesetz gerichtet und verhalten !

Es hat David 2009 nach Österreich verschlagen ! Wie es auch  Menschen mit legalem Aufenthalt erlaubt ist hat er eine Frau kennen und lieben gelernt und mit ihr eine gemeinsame 10 Monate alten Sohn ! Er  hat um Asyl angesucht, bekam wie 99% der Nigerianer zwei negative Asylbescheide! Wie viele andere auch hat er eine Antrag auf Bleiberecht gestellt, der noch in Arbeit ist !

Er und seine Partnerin Petra, Mutter seines Sohnes Brian beschlossen zu heiraten ! Sie erkundigten sich am Standesamt und David beantragte einen Pass bei der nigerianischen Botschaft im Jänner dieses Jahres. Er befolgte die Forderung des Standesamtes und bezahlte alle Gebühren bei der Botschaft, erhielt jedoch bis zum heutigen Tag keinen Pass !

Parallel dazu kümmerte er sich um den Fortgang seines Bleiberechtsantrages und hat einen Termin zur Absolvierung der verlangten A2 Deutsch Prüfung Endes dieses Monats ! Auf der anderen Seite wird sein privates Recht auf Familienleben Paragraph 8 der Satzung Eu Menschenrechte nicht berücksichtigt ! Es wird die Satzung angewandt dass für jemanden, der als er die private Beziehung einging und Vater wurde wenn er keinen legalen Aufenthalt hat, dieses Recht nicht gilt ! Ab 1. April 2011 sollte das Recht auf Familienleben und das Familienleben auch in Österreich für ALLE gültig sein, aber für David gilt das nicht!

Er wurde gestern Vormittag aus der gemeinsamen Wohnung abgeholt und soll heute abends abgeschoben werden. Gestern durfte Petra ihn sehen für 10 Minuten! Auf ihre Frage wann sie sich heute von ihm mit Brian verabschieden kann, bevor er abfliegen muss, erhielt sie die Antwort „“gar nicht, wir sind hier kein Kindergarten ! Sehen können sie ihn am Samstag zur Besuchszeit!“

Um alle Klischees von vornherein auszuschalten: David war NIE straffällig, er wollte sich NUR hier sein Leben mit Familie aufbauen !!!

jede abschiebung ist ein verbrechen.