es gibt kein bettenproblem

landauf landab hören wir die diskussion über die krankenbetten, über intensivbetten, darüber ob genügend vorhanden sind oder eher nicht.

kapazitäten werden in betten angegeben, da gab es offensichtlich in den letzten tagen grosse verwirrung über höchst unterschiedliche angaben und über eine genaue zahl real in den einzelnen bundesländern zur verfügung stehender intensivbetten.

die einen zählten wohl die derzeit vorhandenen, die anderen gaben vielleicht an, wieviele insgesamt aufgestellt oder umgewidmet werden könnten und wieder andere…

wieviele betten tatsächlich bundesweit vorhanden sind, scheint wohl immer noch ein geheimnis zu sein.

wer von betten spricht oder über betten liest, wird sich das sehr schnell vorstellen können: ein krankenbett hat wohl jede*r schon einmal gesehen, ein intensivbett vielleicht nicht alle, aber wir kennen das ja aus diversen fernsehberichten, da hängen dann viele geräte links und rechts und patient*innen werden oft beatmet. also denken wir vielleicht auch noch an die sicher teuren gerätschaften und die notwendige infrastruktur, damit aus einem bett überhaupt ein intensivbett werden kann.

es ist vermutlich mehr als nur ein versehen: was uns im diskurs um diese ominösen zahlen von betten und intensivbetten völlig abhanden kommt, ist der blick auf die wichtigste und gleichzeitig knappeste ressource: mensch.

niemandem ist mit einem intensivbett gedient, wenn es dazu nicht das tatsächlich hochqualifizierte fachpersonal, die intensivkrankenpfleger*innen und die intensivmediziner*innen gibt, die nicht nur die technik zu bedienen wissen, sondern auch beurteilen, welche massnahme sich wie auf die patient*innen auswirkt.

derartiges fachpersonal ist trotz höchstem medizinischem standard in österreich nicht einfach herzuzaubern. die ausbildung kann nicht in einem schnellkurs einfach vermittelt werden, dazu braucht es eben zeit. hier können keine arbeitslosen umgeschult oder bundesheerrekrut*innen eingearbeitet werden.

im gegenteil: selbst intensivpfleger*innen und -ärzt*innen in einer unfallintenisvstation können nicht von heute auf morgen in eine infektionsintensivstation versetzt werden, denn die arbeit in einer infektionsabteilung folgt nochmals ganz anderen kriterien.

betten sind schnell herbeigeschafft. bettgestelle zusammenschrauben wäre ein leichtes. geräte einkaufen vielleicht momentan etwas teuer, aber dennoch sicher machbar.

aber die obergrenze ist eine natürliche, ein menschliche: die personalressource ist die grenze, über die so manche verantwortliche lieber nicht so laut sprechen, denn sie ist wesentlich knapper und unabänderlicher, als jede technische hürde.

was nützen uns messehallen voller betten, wenn das personal für die adäquate pflege nicht vorhanden ist. wer soll da einspringen?

es ist wohl symptomatisch für ein krankes system:
der faktor mensch wurde zulange übersehen.
es gibt kein bettenproblem

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Bild von Sven Kleinschmidt auf Pixabay

3 Kommentare

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