opposition oder widerstand?

allerorts das bedauern über das fehlen einer opposition. da und dort scheint sie sich mit sich selbst zu beschäftigen, gegen sich selbst zu intrigieren oder gar sich aufzulösen. grosse namen einer reihe durchaus kluger menschen haben mehr oder weniger freiwillig die bühne verlassen (müssen), manche sind wieder mit halbem fuss zurück, aber wirklich echte opposition? wo ist sie?

vielleicht liegt es auch daran, dass es in zeiten, wo rechtsextreme und schmissbrüder höchste ämter im staat innehaben, es längst nicht mehr um opposition gehen kann.

opposition ist das logische gegenstück zu einer regierenden gruppe oder partei – im demokratiepolitischen kontext. also immer dann, wenn der gesellschaftliche diskurs auch wirklich ein solcher ist, ausgewogen und fair.

in zeiten der demokratiezerstörenden aktivitäten mit offenem rassismus, blühendem fremdenhass, aggressiver frauenfeindlichkeit, zerstörerischer aufkündigung aller sozialen sicherheiten und einschränkung von presse- und meinungsfreiheit ist opposition nicht das adäquate mittel.

da ist widerstand angesagt.

klingt leicht, ist aber nicht einfach. opposition oder demokratiepolitische diskurse haben wir erlernt, damit sind wir gross geworden. das macht quasi das wesen unserer politischen entwicklung aus.

aber widerstand? den kennen wir aus geschichtsbüchern und filmen, aus berichten von fernen ländern, den hat es in unserer lebenswirklichkeit noch nicht gegeben. zumindest nicht in der nun gefragten form. ein atomkraftwerk oder eine hainburg-au ist längst nicht mit jener herausforderung zu vergleichen wie jene, vor der wir jetzt stehen. jetzt geht es um die gesamtstruktur unserer gesellschaft und um das wertesystem, um menschenrechte, um diversität, um emanzipation und soziale gerechtigkeit in einer ökologisch gefährdeten welt. es geht um nicht weniger, als darum, ob turbokapitalismus ungehindert in eine diktatorische zerstörung der grundordnung und eine spaltung in kleine reiche eliten und grosse arme massen überführen darf. mit der fokusfalle auf die migration sollen wir übersehen, dass uns das eigene leben und das unserer kinder und kindeskinder ganz beiläufig geraubt wird. wir müssen uns bewusst machen, was widerstand wirklich bedeutet. und daraus logische schlüsse ziehen.

wonach schreit die aktuelle lage?
was hat die aktuelle regierung verdient?
opposition oder widerstand?

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1 Kommentar

  1. Widerstand haben wir post-’68er nicht gelernt. Da hast du Recht.

    Der größte Widerstand war, als die ganz Klasse (Mitte der 1970er) geschlossen einen unangekündigten Test verweigert hat (das neue SchUG war gerade gültig geworden).
    NB: Verhinderte Abschiebungen sehe ich nicht als Widerstand im engeren Sinn.

    Aber es ist jetzt in vieler Hinsicht wie in den 1930ern. Wenn eine Wählermehrheit auf der (wie die Geschichte gezeigt hat und zeigen wird) nicht nur moralisch falschen Seite steht, haben die Klügeren schon von vorneherein verloren.

    Im Nationalrat sitzt keine einzige Partei, die auch nur im genauen Zentrum des politischen Spektrums anzusiedeln ist. Und die Bemühungen der *relativ* linkesten noch vertretenen Partei, sich selbst zu vernichten, zeigen gerade unerwartet deutlichen Erfolg.

    Am Ende stehen wir mit Fackeln und Heugabeln bis an die Zähne bewaffneten Truppen und Gruppen gegenüber. Das hat schon 1934 nicht funktioniert.

    Ich hoffe, der Bernhard Redl wird mir gleich die Wadln virerichtn und mir belegen, dass das Gegenteil wahr ist.

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