mittelweg geht nicht

der goldene mittelweg ist manchmal genau das falsche. das mag besonders in der österreichischen mentalität nicht gerne gehört werden, ist er doch so wunderbar populär, jener mittelweg, der weder dort noch da aneckt und „ein bisserl“ von da und „ein bisserl“ von dort ist, aber nie eindeutig und klar.

mittelweg_sbaer

die todesstrafe. sie ist uneingeschränkt abzulehnen. ein „in besonderen fällen“ ist hier nicht möglich. entweder wir anerkennen den wert des menschlichen lebens oder nicht. eine „wenn, dann“ lösung, ist hier eben keine.

die integration von menschen mit besonderen bedürfnissen, vulgo behinderten, dürfte ebenso keine „wenn, dann“ lösung sein. wenn wir entscheiden, wer nicht ausgegrenzt werden soll und wer doch, haben wir nicht verstanden, was inclusion bedeutet, was eine ganze gesellschaft ausmacht.

die reihe der unverdünnbaren prinzipien lässt sich fortsetzen: sexuelle orientierung, konfessionelle ausrichtung, arm oder reich, alt oder jung gebildet oder ungebildet… immer geht es darum, dass ohne wenn und aber alle menschen die gleichen rechte auf ein leben mitten in unserer gesellschaft haben.

derzeit besonders aktuell: die abschiebungen. ich nenne sie bewusst auch deportationen, wenn das auch immer verlässlich proteste nach sich zieht.
es gibt keine richtige oder menschliche abschiebung. auch hier ist ein „wenn, dann“ niemals wirklich den rechten der einzelnen menschen entsprechend. es ist sehr schnell möglich, solidarität für einzelfälle zu erlangen. warum? weil hier menschen quasi unter die lupe der öffentlichen aufmerksamkeit ihre geschichte vermitteln. wie absurd, wie tragisch jetzt eine abschiebung, eine zwangsmassnahme wäre. heisst: bei genauerer betrachtung sind alle fälle absurd. werden als nicht richtig erkannt.

aber viele phantasieren dann gleichzeitig viele andere fälle dazu, in denen es vermutlich gerechtfertigt sein könnte, diese abzuschieben. es entstehen bilder von kriminellen und drogendealern.

in wirklichkeit ist abschiebung niemals vertretbar. menschen, die aus einer von unserem eigenen wirtschaftssystem verursachten not und ihren folgen zuflucht suchen, müssen bei uns willkommen sein. schluss mit den zynischen und jahrelangen asylverfahren, dem ständigen stress, vielleicht abgeholt zu werden und den unglaublichen entgleisungen in schubgefängnissen.

jedes kriterium wird sofort zynisch. welche menschen wollen wir da lassen? die, die 2 oder mehr kinder haben? nur dann, wenn sie jünger als 10 sind? oder ungekehrt, nur dann wenn sie älter sind? nur dann, wenn sie 5 jahre schon hier sind? was ist dann mit jenen, denen 2 monate fehlen? müssen die untertauchen, bis sie 5 jahre erreicht haben?

also auch abschiebung ist kein thema für den goldenen mittelweg. begrüssen wir die menschen herzlich und geben wir ihnen eine chance und damit auch uns selbst.

bleiberecht jetzt.

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foto: s.bär (creative commons / flickr)

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

4 Kommentare

  1. Pingback: Tweets that mention mittelweg geht nicht « bernhardjenny´s blog -- Topsy.com

    • Verstehe ich das richtig? Plädierst Du für ein Bleiberecht für alle unabhängig vom Grund?

      Der Gedanke, dass jeder Mensch unabhängig vom Geburtsort oder Staatsangehörigkeit dort leben kann, wo er will, ist natürlich verlockend. So sollte es in einer idealen Welt sein.

      Aber wie sollte das in der Praxis funktionieren, wenn jeder, der es nach Österreich schafft, automatisch bleiben darf? Sinn macht das ja nur, wenn diese Menschen bei uns dann auch zu 100% integriert werden und im Notfall auch sozial versorgt werden. Dieser Notfall wäre vermutlich der Regelfall.

      Sicher, zur Zeit jammern wir oft auf sehr hohem Niveau. Noch nie ging es der Menschheit so gut wie heute der Bevölkerung in Mitteleuropa. Aber ein Abschiebestop in Österreich würde das aus meiner Sicht zumindest für unser Land von heute auf morgen ändern. Wir wären plötzlich das geheiligte Land für Abermillionen von Menschen, die heilfroh wären, wenn sie nur einen Teil unseres Lebensstandards hätten. Den können wir einer so großen Zahl aber unmöglich bieten.

      Ich halte die Idee daher für erstrebenswert, aber leider (das „leider“ ist ernst gemeint) auch für eine derzeit nicht realisierbare Utopie.

      Wie stellst Du Dir die Folgen Deiner Idee vor?

      LG Peter

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      • lieber peter!

        danke dir für den einstieg in die diskussion, das finde ich besonders wichtig und ist ja auch eines der ziele meines blogs.

        ich kann nicht ganz glauben, dass eine zuwanderung wirklich so ein problem wäre.

        1. die „unmengen“ an zuwanderInnen sind vermutlich ebensolche „unmengen“ wie sie von vielen vor dem eu-beitritt phantasiert wurden.

        2. die real eintretende anzahl an zuwandernden menschen könnte durchaus auch positive effekte haben. wenn diese menschen wirklich integriert werden, also zugang zu bildung, beruf und soziales leben haben, dann werden sie auch zu einer art fortschritt beitragen, von dem wir alle profitieren. viele länder sind erst durch zuwanderung wirklich prosperiert.

        ich glaube daher, dass letztlich unsere haltung, mit der wir diesen menschen begegnen, darüber entscheidet, was daraus wird: leben oder tod.

        mir ist klar, dass das für viele utopisch klingt, du nennst es sogar „erstrebenswert“. wenn ich mir die folgen der praktischen realität ansehe, ist mir jede positive vision wert, einmal probiert zu werden.

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      • Rochus Gratzfeld

        niemand wird seine HEIMAT grundlos verlassen wollen. die meisten werden solange ausharren, bis es nicht mehr geht. die wenigsten geldluxusgeil unser ach so begehrenswertes felixAUSTRIA heimsuchen wie die grillen.

        aber. es bedarf einer globalen initiative, endlich einer wirklichen globalen initiative, um menschen, die ihre heimat lieben, auch den verbleib dort möglich zu machen. ich empfehle in diesem kontext folgendes buch:

        Franz Josef Radermacher / Bert Beyers
        Welt mit Zukunft
        Überleben im 21. Jahrhundert
        Bericht an die Global Marshall Plan Initiative
        Hamburg 2007 (Murmann); 224 Seiten; ISBN 978-3-938017-86-9

        »Der Welt droht ein ökologischer Kollaps, wenn sie die sozialen Fragen zulasten der Umwelt zu lösen versucht. Und ihr droht eine Brasilianisierung, das heißt eine unakzeptable Wohlstandsverschiebung von der Mehrheit der Menschen zu profitierenden Eliten inklusive der Auflösung der Demokratie, falls sie die ökologischen Probleme zulasten der sozialen Probleme zu lösen versucht.
        Mit Nachhaltigkeit kompatibel ist nur eine balancierte Zukunft, ein weltweites ökosoziales Marktmodell, in dem die reiche Welt in Form einer doppelten Zurückhaltung, mittels Kofinanzierung und geeignet austarierten Marktöffnungen der ärmeren Welt ein Aufholen im Sinne einer akzeptablen Ausgleichsstruktur ermöglicht, wobei Reich und Arm bei abgestimmter Zurückhaltung gemeinsam der Umwelt und der Ressourcenbasis den Raum geben, der naturgesetzlich erforderlich ist, um einen ökologischen Kollaps zu verhindern.«

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