was ist „volksmeinung“?

ich kann und will es mir nicht anmassen, über die frage nach schuld und unschuld im fall des 14jährigen in krems, der bei einem polizeieinsatz wegen einbruches in einem supermarkt getötet wurde, zu entscheiden.

zu schnell waren mir manche stimmen, die bereits nach wenigen stunden von polizeimord sprechen wollten. schliesslich konnte wohl niemand aus der ferne beurteilen, was da wirklich vorgefallen war.

dennoch erschrecke ich über einen von mir in den letzten tagen wahrgenommenen und anscheinend weitverbreiteten konsens, der ungefähr lautet, „wer einbrechen geht, ist selber schuld.“

ich muss nocheinmal betonen, dass ich zur sache selbst keine beurteilung abgeben möchte, was mich aufhorchen lässt, ist der rasche reflex der bevölkerung, schnell einen 14jährigen (!!!) aus der ferne vorzuverurteilen.  wer weiss schon, in welcher lage der junge mensch war, was oder wer ihn zu dieser tat getrieben hat, wie naiv vielleicht dieser junge in das geschehen geraten ist usw.

„es ist schon richtig, wenn es einen dann erwischt“, „dann hätte er es nicht machen dürfen, wenn er nicht erschossen werden will“ oder „wäre er nicht davongelaufen“ – so lauten die stimmen, die mir gestern beim einkaufen und beim gang durch die stadt untergekommen sind.

dass jedes menschenleben gleich viel wert ist, das hörte ich einen polizisten im fernsehen sagen, kaum aber „auf der strasse“.

der tod eines so jungen menschen ist in jedem fall zutiefst zu bedauern, da muss eine bewusste gesellschaft sich immer hinterfragen, wie es zu vermeiden gewesen wäre, dass es soweit kommt.

wenn wir bedenken, dass wir eventuell auch auf sozial viel angespanntere zeiten zugehen könnten, muss uns der primitive reflex, dieses „schon richtig so“ alarmieren: was noch könnte diese volksmeinung für richtig finden, wenn es erst richtig eng wird?

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

2 Kommentare

  1. so ist es. wir alle leben mit unseren vorurteilen. diese begleiten uns ein leben lang. und vorverurteilungen icht angebracht.

    denn jeder blickwinkel bringt pro und kontras.
    würde hier ein 55 jähriger etwa aus dem ostblock getötet worden sein, würde ein völlig anderes vorurteil unsere meinung prägen. mit weit weniger emotion. wenn nicht sogar emotionslos.
    und genau diese vorurteile sind immer der motor für die volksmeinung. angetrieben vom sp(i)rit der medien, versteht sich.

    m

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  2. vakinore

    ich bin schockiert darüber, dass dieser junge gezielt von hinten erschossen wurde.
    die familie des jungen mannes hat mein absolutes beileid.

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