das gegenteil von rechts ist nicht links, sondern demokratie.

grafik: bernhard jenny cc licence by nc

bei den gestrigen wahlen in wien gibt es eine absolute mehrheit. nach dem vorläufigen endergebnis mit eingerechneter wahlkartenprognose sind es rund 69% gegenüber 31%. 69% für eine der demokratischen parteien und listen und 31% für jene, die sich selbst durch hetze, offenen rassismus und schamlose fremdenfeindlichkeit aus jeder demokratischen überlegung hinauskatapultiert haben. dennoch kann dieses ergebnis nicht beruhigen. denn es ist für eine offensichtlich verkrustete und ermüdete politik ein hoffentlich viele aufweckendes alarmzeichen, dass ein drittel der wählerinnen bereit war, die menschenrechtswidrige verhetzung in kauf zu nehmen oder diese sogar gut zu heissen, wenn dadurch nur ja jene politiker_innen, mit denen sie (oft zurecht) unzufrieden sind, dadurch abgestraft werden. eine typisch österreichische reaktion im stile von „guad is gaunga, mix is gscheng“ wäre fatal. 31% für die rechten sind 31% zuviel.

in manchen kommentaren ist nun zu lesen, dass das angeküdigte „kopf an kopf rennen“ wohl nur herbeigeredet, von medien inszeniert oder nur ein kluger schachzug häupls war und in wirklichkeit niemals stattgefunden hat. allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieses rennen um platz eins in der befürchteten form genau dann passiert wäre, wenn es eben keine wachrüttelnde kampagne gegeben hätte. der alarm kam in diesem fall vermutlich genau zur richtigen zeit, um schlimmes zu verhindern.

auch wenn es vielleicht sehr unwahrscheinlich ist, wäre zu hoffen, dass innerhalb der parteien ein lernprozess losgetreten wird: die wiener wahl zeigt klar, dass eine spö, die sich unumstösslich gegen die rechten abgrenzt, viel klarer bei den wähler_innen ankommt, als eine övp, die sich bei ohnehin schon schwieriger ausgangslage, auch noch vorstellen konnte, sich zum steigbügelhalter für einen braunblauen bürgermeister zu erniedrigen.

eigentlich logisch: jene in der övp, die wie mikl-leitner glaubten, frei nach dem motto „so grauslich wie die blauen können wir schon lang“ gezielt das chaos veranstalten zu müssen, trieben die wähler_innen in die hände der erfinder_innen der grauslichkeiten. jene, die sich wirklich von horrorszenen in traiskirchen und übergehenden zeltstädten in angst und schrecken vor den „fremden“ jagen liessen, suchten selbstredend den sicheren hafen jener, die keinen schmutzigen trick auslassen, selbst die schwächsten zynisch vorzuführen. (siehe die taferl-hetzer_innen vor eintreffenden familien mit kindern in erdberg).

und eine häupl-spö, die alles für möglich hält, aber eindeutig keine zusammenarbeit mit den braunblauen, kann sich entscheidend absichern. wird eine bundes-spö, werden die noch nicht ins blaue bett gesprungenen landes-spös das kapieren? das schielen auf das einbinden der politischen erben des rechtsaussen-randes taugt niemals, wenn es um seriöse demokratie gehen soll. eine demokratische gesellschaft lebt von der bandbreite der möglichkeiten (gestern von spö bis anders, www und co.), niemals aber von der undifferenzierten haltung gegenüber jenen, die vielen menschen die teilhabe an dieser gesellschaft verwehren wollten und das auch noch bedenkenlos auf die fahnen schreiben.

in einer demokratie ist die vielfalt wesentlich, eine reihe von denkansätzen, herangehensweisen und politische sichtweisen soll stetig sich dem politischen diskurs aussetzen. je breiter dieser bogen ist, umso lebendiger die teilhabe. solches schliesst aber eine zusammenarbeit mit jenen aus, die genau diese breite bekämpfen.

die nächsten wochen und monate werden zeigen, ob jene, die mit 69% gewählt wurden verstanden haben, was zu tun ist. wenn sie das nicht tun, dann hilft nächstesmal auch ein weckruf in letzter sekunde nicht mehr.

ein demokratischer diskurs diskutiert über alles, nicht aber über die abschaffung der menschenrechte oder die aufkündigung der demokratischen kultur.

das gegenteil von rechts ist nicht links, sondern demokratie.

 

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grafik: bernhard jenny cc licence by nc

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Über bernhardjenny

kommunikationsgestalter mein unternehmen: jennycolombo.com blogger, medienkünstler, autor, erwachsenenbildner salzburg - wien

3 Kommentare

  1. K. Engelbert

    Im Großen und Ganzen bin ich einverstanden mit ihrem Artikel. Doch sollten wir endlich aufhören, die Nazikeule zu schwingen. Indem sie 31% der Bevölkerung als undemokratische Menschenrechtsbrecher verteufeln, kriegen sie die Leute aus dieser Ecke sicher nicht mehr raus.
    Ob es klug war, den Strache zu wählen, oder nicht, hängt nämlich nicht davon ab, wie WIR die Politik und viele der aktuellen Ereignisse sehen, sonder wie die das tun. Seit Watzlawick wissen wir, das jeder/jede Opfer bzw. Ergebnis seiner/ihrer Erfahrungen ist. Welche Erfahrungen haben nun wir diesen Leuten beschert und sind dabei, das auch recht ordentlich zu festigen?
    Ihr seid Rechte, Nazis, Deppen, Blödmänner, und, und, und …
    Wenn sie einem Menschen dauernd sagen, dass er für alles zu blöd ist, können sie nicht erwarten, dass er einen Doktortitel macht.
    Wie wollen sie diesen Leuten dann klar machen, dass es gscheiter wäre, weiter links zu wählen?

    In diesem Sinne: das gegenteil von rechts ist nicht links, sondern demokratie – das Gegenteil von links aber auch ;

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  2. Raimund Steinbacher

    Zum einen gratuliere ich zum genialen Gedankengang. Allerdings möchte ich ähnlich wie mein Vorposter an der 70:30 Quote zwei Ergänzungen vornehmen:
    Zum einen geht es um ausländerfeindliche Stammwähler von etablierten Parteien wie SPÖ und ÖVP, die halt aus reiner Gewohnheit- oder da sie um ihre Gemeindebauwohnung fürchtend ihr Kreuzerl nicht bei der FPÖ gemacht haben
    und zum anderen könnte es auch sein, dass mache die FPÖ nicht wegen, sondern trotz ihrer Ausländerfeindlichkeit gewählt haben.
    Der Prozentsatz dieser Wähler ist sicherlich mit der Spaltung Haider (RIP) / Strache gesunken, dennoch- und das wird ich vielleicht verwundern- teilt die FPÖ, wenn man ihren Wahlplakaten glauben darf, noch am ehesten meine Ansicht in Außen- und Sicherheitspolitik. Auch ich bin für die absolute Einhaltung der Neutralität Österreichs und für eine sofortige Beendigung der Sanktionen gegen Russland, da mEn beides den Würgegriff der USA/NATO um einiges lockern würde.
    Weiters sehe ich zwar politisches Asyl als unantastbar an, möchte jedoch höflich zu bedenken geben, dass es sich bei jenen Flüchtlingen, die in Europa überhaupt erst ankommen um eine vorselektierte Gruppe handelt. Den Weg schafft man nur, wenn man über genügend körperliche Fitness, Geldmittel und in manchen Fällen auch über Skrupellosigkeit verfügt. Dies jedoch sachlich zu diskutieren und wie man Familien, Schwache, Alte, Gebrechliche ohne Schlepper resp. Fluchthelfer in Sicherheit bringen könnte, scheitert an der aufgeheizten Stimmung.
    Schade, aber dennoch ein interessanter Gedankengang. So gesehen ist es wirklich bedauerlich, dass eventuelle Stimmen an andere Parteien verloren gingen, Ich glaube zwar, dass Häupl der bessere Bürgermeister im Vergleich zu Strache ist, allerdings schaffte er es diesmal nur mit geborgten Stimmen aus den Innenstadtbezirken und nicht durch das ursprüngliche Stammwählerklientell. Allerdings, auch das ist Demokratie- es ist kein in Stein gemeißeiltes Gesetz, dass Arbeiter oder Arbeitslose immer links wählen müssen…

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